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Ausgabe:

1925 Nr. 10

Spalte:

225-226

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Horner, George

Titel/Untertitel:

Pistis Sophia. Literally translated from the Coptic 1925

Rezensent:

Schmidt, Carl

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Seite 1

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225

Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 10.

226

Wenn so die besonderen Folgerungen müssen abgelehnt
werden, die die Untersuchung aus dem Genetivgebrauch
in paulinischen Schriften zieht, und die in
ihrem Titel einen wenig treffenden Ausdruck gefunden
haben, so bleibt der Arbeit das Verdienst, die Starrheit
einer formal logischen Betrachtung gelockert und
das Bewußtsein dafür geschärft zu haben, daß, so gewiß
Wort und Grammatik nur aus ihrer eigenen Gesetzlichkeit
heraus zu erforschen und zu bestimmen sind,
dennoch der religiöse Sinn, wie auf anderem Gebiet
etwa der dichterische Sinn, Herr ist nicht nur des
Wortes, sondern auch der Grammatik.

Breslau. Ernst Lohmeyer.

Horner, George: Pistis Sophia. Literally translated from the

Coptic. With an introduction by F. Legge, F. S. A. London,

S. B.C.K. 1Q24 (XLV1II, 205 S.) gr. 8°. sh. 16.

Bei der Anzeige des vorliegenden Buches schreibe
ich gewissermaßen in eigener Sache, denn fast gleichzeitig
ist der koptische Text der Ausgabe von Schwartze
— Petermann von mir neu ediert worden [Pistis
Sophia. Neu herausgegeben mit Einleitung nebst griech.
und kopt. Wort- und Namenregister. Hauniae, 19251,
und noch vor Veröffentlichung dieser Anzeige wird
meine Übersetzung, die in den koptisch - gnostischen
Schriften Bd. [. 1905 erschienen war, in revidierter
Gestalt dem Publikum zugänglich werden. Da ist es
von großem Interesse und gewissem Reize, sich in die .

beiderseitigen Einleitungen zu vertiefen, um den Stand i sichere Zeichen für den Abschluß des Ganzen. Auf einem

lung vor 160 n. Chr. datiert wird, weil angeblich in
diesem Teile kein Zitat aus dem Joh.-Ev. vorkomme. In
Wahrheit nimmt der Apostel Johannes auch in der
1. Abhandlung als rcagd-evog eine hervorragende
Stellung ein. Angesichts solcher Leistungen wäre es
besser gewesen, die Introduction von L. vom Drucke
auszuschließen, und es ist nur zu bedauern, daß Rev.
Horner in der Ausgabe selbst dieser Autorität sich nicht
entziehen konnte. Ihm, der bei der Edition des koptischen
N. T.s so zahlreiche Codices eingesehen hat,
müßte doch aus dieser Praxis die Art der Titulatierung
bekannt sein. Auch verstehe ich nicht, wie er die Teilung
von Buch IV in zwei verschiedene Abhandlungen
innerhalb einer Lücke von 4 Blättern hat akzeptieren
können. Auf S. 192 lesen wir: „Four leaves wanting",
auf S. 193 „title and eight pages wanting". Nur der
Kundige kann ahnen, daß es sich um dieselbe Lücke
handelt, von der Legge p. XXVI schreibt: the fifth
document . . . has lost its title in the g a p of four
leaves in the British Museum Ms. Ganz unverständlich
ist mir die Angabe auf S. 193 „eight lines wanting"
denn im Codex selbst findet sich eine derartige Lücke
nicht. Hier muß ein Irrtum vorliegen. Ebenso unverständlich
ist mir die Angabe auf S. 199 „seven lines
vacant" mit vorhergehenden 3 Punkten, die doch andeuten
sollen, daß der Text am Schluß defekt ist. Tatsächlich
ist nichts verloren gegangen und sind die leergebliebenen
7 Zeilen am Schluß der 1. Kolumne das

der gelehrten Bemühungen um dieses gnostische Ori- j Versehen beruht weiter die Bemerkung auf S. 121

ginafwerk kennen zu lernen. Freilich wird man mit »Legge adds mit Beifügung eines kleineren Satzes zum

nicht geringem Erstaunen bemerken, daß in den Haupt- Texte- L- muß die Auslassung dieses Satzes, der am

fragen, d. h. in Bezug auf Komposition, Zeit und Ver- unteren Rande des Ms. geschrieben war, in der Über-

fasserschaft, die größten Differenzen bestehen. Der ge- Setzung von H. angemerkt und H. dies als einen beson-

bildete Laie vor allem wird ratlos davorstehen, welchem deren Zusatz von L. aufgefaßt haben.

Führer er sich anvertrauen soll. Die Einleitungsfragen
hat nämlich nicht der Herausgeber Rev. Horner behandelt
, sondern Legge, ein Aegyptologe, der in einem
religionsgeschichtlichen Werke: Forerunners and Rivals
of Christianitv: Being studies in religious history from
330 B. C. to'330 A. D. (Cambrigde,'2 vols. 1915) die
koptisch-gnostische Literatur bereits verwertet hatte. Ursprünglich
hatte L. auch einen sachlichen Apparat für
die Übersetzung beigesteuert, die aber nach seinem Tode
nicht mitgedruckt ist. L. kennt wohl die Arbeiten deutscher
Gelehrter, aber irgendwelche Bedeutung für seine
Untersuchungen haben sie nicht gehabt. Dafür ist der
Einfluß der religionsgeschichtlichen Ausführungen Ame-
lineau's aus seinem Essai sur le Gnosticisme egyptien
und von Scott-Moncrieff's Paganism and Christianity
in Egypt (Cambridge, 1913) um so nachhaltiger. Ich
hatte gewünscht, daß L. sich energisch mit den Problemen
, die das Werk selbst bietet, beschäftigt hätte.
Zwar versucht er die Kompositionsfrage an der Hand
des Ms. zu lösen, aber er mußte völlig in die Irre gehen,
weii er sich kein klares Urteil darüber verschafft hat, ob
wir in den beiden vorhandenen Titeln Unter- resp. Überschriften
vor uns haben. Indem L. fälschlicn Überschriften
statuiert, ist natürlich eine große Verwirrung
eingetreten. Uns werden jetzt 5 Abhandlungen nebst
einem interpolierten Fragment vorgesetzt. Diese sollen
seltsamerweise nicht für den Gebrauch der gnostischen
Leser zusammengestellt sein, sondern für ein Inquisitionstribunal
, sei es weltlichen sei es geistlichen Charakters
, zur Eruierung von Häretikern. Und wenn nun
gar die Datierung der einzelnen Abhandlungen nach
dem Schema durchgeführt wird, daß bei rechtlichen Urkunden
die Schreiber stets die ältesten Schriften an den
Anfang des Ms. gestellt hätten, kann man sich eine
Vorstellung von den luftigen Hypothesen machen. Dazu
wird bei der Frage nach dem Verfasser die alte
ltiese von Valentin oder der Valentinianischen Schule
wieder ohne irgendwelche neue Gesichtspunkte aufs
lapet gebracht. Man schüttelt den Kopf, wenn die
l. Abhandlung und ein größeres Stück der 2. Abhand-

H. bezeichnet seine Übersetzung als eine literal
translation, die follows the order of the words as far as
possible. FL ist allen Fachgenossen als ein gründlicher
Kenner des Koptischen und sorgsamer Arbeiter auf
Grund seiner bereits genannten Ausgabe des koptischen
N. T.s in bohairischer und sahidischer Version bekannt.
Deshalb kann der Laie sich seiner Übersetzung unbedingt
bedienen, aber ob eine sklavisch-wörtliche Ubersetzung
die Lektüre schmackhaft macht und das Verständnis des
Stoffes erleichtert, überlasse ich dem Urteil des Benutzers
. Auf alle Fälle wird man das Fehlen jeglicher
Fußnoten stark vermissen; selbst die textkritischen Bemerkungen
sind in den Text aufgenommen. Den größten
Mangel aber erblicke ich in dem Fehlen aller Verweise
auf die benutzten alt- und neut.lichen Zitate. Zwar ist auf
S. 201 ein Index of Psalms and Odes beigegeben, aber
gerade dem Bibelforscher, der sich interessiert für die
Stellung der Gnostiker zu den kanonischen Schriften,
ist damit nicht gedient. Größeren Nutzen wird der
Leser aus dem Sach- und Personenindex ziehen, aber
erschwert wird die schnelle Orientierung dadurch, daß
nur die Seiten angegeben werden, da in der Ausgabe
keine Zeilenziffern vorhanden sind. — Zum Schluß möchte
ich noch bemerken, daß L. an allen Stellen „Liechten-
h a u" st. Liechten h a n zitiert.

Berlin. Carl Schmidt.

Harnack, Adolf von: Marcion: Das Evangelium vom fremden
Gott. Eine Monographie zur Geschichte der Grundlegung der
katholischen Kirche. 2., verb. u. verm. Aufl. Leipzig: J. C. Hin-
richs 1924. (XV, 235 u. 455* S.) gr. 8". = Texte u. Untersuchgn.
zur Gesch. d. altchristl. Literatur, 45. Bd. Rm. 30—; geb. 32.40.

Die erste Auflage dieses Werkes (1921) ist in
dieser Ztg. 1921, 313ff. angezeigt worden. Wie sehr
es eine wirkliche Lücke der Forschung ausgefüllt hat
und wie breit und wie tief seine Wirkung war, zeigt
neben den sich daran knüpfenden Erörterungen die Tatsache
, daß es nach drei Jahren in zweiter Auflage erscheinen
konnte, was bei einer wissenschaftlichen Monographie
von zusammen über 600 Seiten wahrlich nichts