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Ausgabe:

1925 Nr. 9

Spalte:

199-200

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nowack, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Schabbat (Sabbat). Text, Übersetzung u. Erklärung 1925

Rezensent:

Beer, Georg

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199

Theologische Literaturzeitung 1925 Nr. 9.

200

5. Neubearbeitung des Werkes mit Nachdruck wiederholen
zu können, was er dort vor 13 Jahren geschrieben
hat: K. hat mit dieser Neubearbeitung eine historische
Leistung von monumentaler Kraft vollbracht, der die
Wissenschaft seit Ewald's großer Darstellung nichts
Ähnliches an die Seite zu stellen hat.
Jena. W. Staerck.

Z1 e g 1 e r, Rabbiner Prof. Dr. J.: Die sittliche Welt des Judentums.
Erster Teil: Die sittliche Welt der heiligen Schriften. Leipzig:
M. W. Kaufmann 1924. (VIII, VII u. 271 S.) gr. 8».

Rm. 5—; geb. 6.50.

In einer Zeit der religiösen Gärungen und Neubildungen
will Ziegler seinen jüdischen Glaubensgenossen
die sittlichen Ideen des A.T. einschärfen, die die
Grundmauern des Judentums bilden. Näher werden aber
nur solche sittliche Lehren des A.T. aufgenommen, die
noch heute für den Juden „volle Geltung" haben und
von unserer Zeit „als berechtigte sittliche" Forderungen
anerkannt werden (S. V).

Behandelt wird der Stoff in den 6 Kapiteln: Sendung
Israels (d. h. die Pflicht der religiös-sittlichen
Propaganda J.s), Gottesidee, Gott und Mensch,
Mensch und Mensch, Mensch und Tier, der Friede.
Den einzelnen Abschnitten gehen Vorbemerkungen voraus
, denen dann Kernsprüche aus dem A.T., hebräisch
und deutsch, folgen. Der Verf. denkt und schreibt über
das A.T. als aufgeklärter Jude, der aber im Unterschied
zu manchen seiner modernsten Glaubensbrüder die Ethik
von der Religion nicht losgelöst haben will. Gelegentlich
begegnen Übertreibungen. Z. B. S. 140 das Urteil
über Tolstoi, der hier der „edelste und reinste Gottsucher
und Prophet" genannt wird, „der der Menschheit
in diesen letzten zwei Jahrtausenden geboren
wurde". Im Übrigen aber stehe ich nicht an zu erklären,
daß die Ausführungen Z. zu den besten modernen Popularisierungen
der bleibenden religiösen und sittlichen Gedanken
des A.T. gehören. Auch die Sprache ist edel
und anziehend. Ob Ausdrücke wie „ehrfürchten" S. 93
und „Gänze" (statt Ganzheit) S. IV, 138 jüdischer Jargon
, oder tschechoslowakisches Neudeutsch sind, kann
ich nicht entscheiden.

Ziegler plant noch 2 weitere Bände, wovon der
erste die sittliche Welt des Judentums vom Abschluß
des Kanons bis Saadja und der andere die sittliche
Welt des Judentums von Saadja bis Mendelssohn behandeln
soll. Sind diese weiteren Bände im gleichen
Geist und mit demselben Geschick wie der erste verfaßt
, dann kann Ziegler auch hier auf den vollen Beifall
seiner jüdischen und christlichen Leser rechnen.
Heidelberg. Q. Beer.

Nowack, Prof. D. Dr. Wilhelm: Schabbat (Sabbat). Text, Übersetzung
u. Erklärung. Nebst einem textkritischen Anhang. Gießen:
A. Töpelmann 1924. (VII, 152 S.) gr. 8°. = Die Mischna, II, 1.

Die Herausgabe des Traktates „Sabbat" für die
Gießener Mischna lag bei Nowack in den besten
Händen.

Zunächst berichtige ich einige Druckfehler und
Versehen im hebräischen und deutschen Text. Sab. I, 8
1. |3?J£ („Gerber") st. fl^. III, 5 1. DSbX st. DD^N.

VIII, 7 ist nach -Q-fr im hebr. Text lyf? "DT („eine
Andeutung auf die Sache") ausgefallen. XII, 4 I. X)nVf
st. XTItSL Ebenda Anm. XII, 3, 3 ergänze „Buchstaben"
hinter „ersten". XIII, 1 I. PlXTl st. 'KH. XIII, 7 "HÜS

T V T

st. HiIDE. XV, 3 1. „Opferfettteile" st. „Opferfestteile". XXI, 1

i. p?n st. jv)in.

Aus der Einleitung, die dem Text mit Kommentar
vorangeht, hebe ich für die Leser dieser Zeitung besonders
die Geschichte des Sabbats — vorexilische, nach-
exilische, spätjüdische Zeit und N.T. — S. 8—24 hervor
: eine geschickte und gedrängte Darstellung der
wichtigsten Wandlungen, die der Sabbat im Lauf eines
Jahrtausends bis zur Regelung der Bräuche durch die
Mischna erfahren hat. Auch die wichtigen Bestimmungen
über den Sabbat, die wir aus der 1910 von
Schechter herausgegebenen Schrift über die Gemeinde
des Neuen Bundes im Lande Damaskus für das
letzte Stadium der vorchristlichen Sabbatordnung erfahren
, sind von Nowack eingehend berücksichtigt und
an passender Stelle S. 20 f. eingeflochten.

Möchte der hochzuschätzende Mitarbeiter den mit
FQSi! sachlich zusammengehörenden Traktat pEl~lJ,Y
in Bälde folgen lassen!

In der Redaktion der „Gießener Mischna" ist von
dem Traktat Sabbat an eine Änderung eingetreten, indem
Herr Dr. J. R a b i n - Breslau auf dem Titelblatt als Mitherausgeber
genannt ist. Seine redaktionelle Beteiligung
ist diesmal nur ideell, wird aber das nächste Mal auch
„real" sein: ein erfreuliches Zeichen für die notwendige
und ersprießliche Zusammenarbeit jüdischer und christlicher
Gelehrten auf dem Gebiet der nachbiblischen jüdischen
Literatur.
Heidelberg. O. Beer.

Schulte, Prof. Dr. theol. Adalbert: Die Psalmen und Cantica

übers, u. z. prakt. Gebr. erkl. 3. Aufl. Paderborn: F. Schöningh
1924. (XV, 372 S.) 8°. =Wissenschaftl. Handbibl. I, 26.

geb. Rm. 7,80.

Daß dieses Buch eine dritte Auflage erlebt, ist
wohl ein Zeichen dafür, daß es in den Augen der Kreise,
für die es berechnet ist, seinen Zweck erfüllt. Nach
einer kurzen Vorbemerkung wird eine deutsche Übersetzung
des Vulgatatextes gegeben, darauf eine kurze
Inhaltsangabe, weiter eine Erklärung glossatorischen
Charakters und endlich Angabe der liturgischen Verwendung
. Folgen noch Bemerkungen, so enthalten die
unter 1. die hauptsächlichsten Abweichungen des hebräischen
Textes in deutscher Übersetzung, die unter 2.
Parallelstellen. Zur Illustration des wissenschaftlichen
Charakters der Bemerkungen unter 1. ein paar Beispiele
: zu Ps. 103 (Hebr. 104) V. 17 wird der hebräische
Text also übersetzt: der Storch hat auf der Tanne
seine Wohnung. Zu Ps. 102 (Hebr. 103) V. 11: denn
ein Wind fährt über sie usw. Zu Ps. 121 (Hebr. 122)
V. 7: in deinem Heere wohne Frieden. Auf protestantischer
Seite besteht nicht das Bedürfnis einer deutschen
Übersetzung des Vulgatatextes sowie einer Erklärung desselben
sowenig wie das einer Übersetzung der LXX in
das Deutsche nebst Erklärung, weil wir beide Versionen
nur als Hilfsmittel benutzen. Aber an dem Buche ist für
uns die Darlegung der liturgischen Verwendung wertvoll
. Hier werden wir uns als die Lernenden verhalten.
Das Buch kommt also für uns nicht als Hilfsmittel für
exegetische, wohl aber für liturgische Studien in Frage.

Dassensen, Kr. Einbeck. Hugo Duensing.

FI e b I g, Paul: Jesu Bergpredigt. Rabbinische Texte z. Verständnis
d. Bergpredigt, ins Deutsche übers., in ihren Ursprachen dargeboten
und mit Erläuterungen u. Lesarten vers. Mit Registern.
Göttingen: Vandenhoeck 8i Ruprecht 1924. (6 152 u. 82 S.)
gr. 8°. = Forschungen z. Rel. u. Literatur d. Alten u. Neuen Testaments
. N. F., 20. Heft. Rm. 10—; geb. 11.60.

Es scheint, daß die Theologie sich allmählich darauf
besinnt, was sie der Bergpredigt schuldet. Es ist
hohe Zeit dazu, denn das Mißverständnis dieses Kernstücks
im Evangelium ist unter Laien, aber auch unter
Theologen beträchtlich; das muß zumal in einer krisenhaften
Zeit wie der unseren verwirrend wirken, und ein
gut Teil der landläufigen falschen Urteile über Christentum
und Welt (Ehe, Eid, Recht, Staat, Kultur) hängen
in der Tat mit einem oberflächlichen Verständnis der