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Ausgabe:

1924

Spalte:

105-107

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nes, H. M. van

Titel/Untertitel:

De brief aan de Hebreën 1924

Rezensent:

Windisch, Hans

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 6. _ _

seien, müßten auch für Alt-Israel angenommen werden, ; gelegt, den wir schon als Erklärer der kleinen pauli
nicht immer Vertrauen verdient. Die Ausstattung des
Buches — Druck, Papier und Einhand — ist vorzuglich.

Halle a.S. Otto E 1 ß f e 1 d t.

Grosheide, F. W. De brief aan de Hebreßn. Opmeuw uit
den erondtckst vertaald en verklaard. Kämpen: J. H. Kok 1922.
(199 S.) kl 8» - - Körte verklaring der Heilige Schrift. Fl. 2.50.

Nes, H. M. van: De brief aan de Hebreßn. De brief vor. Jakobus.
De eerste brief von Petrus. Groningen; den Haag: Wolters 1923.
(140 S) kl 8° — Tekst en Uitleg. Praktische bijbelver-klaring
door Prof Dr F M. Th. Böhl en Prof. Dr. A. von Veldhuizen.

nischen Briefe kennen gelernt haben (Th. L. Z. 1920 Nr.
19/20). Im Gegensatz zu Grosheide berücksichtigt v. N.
viel stärker die moderne Literatur, deutet er die kritischen
Probleme an, weist er auf die Schwierigkeit der
Tradition und des überlieferten Textes, erwähnt er auch
abweichende Meinungen und läßt er manche schwierige
Frage ungelöst. Gern gibt er auch einem älteren Exe-
geten das Wort, so D. Chantepie de La Saussaye sen.
(zu Hebr.) und v. Melle (zu Jak.).

In den Einleitungsfragen zu Hebr. schließt er sich im ganzen an
die jetzt üblichen Anschauungen an, wie sie z. B. in mein. Komm, (in Lietz-
manns Hdb.) vertreten sind. Nur in der literarischen Berurteilung folgt
er seinem Landsmann W. L. Slot (1912), betrachtet 1 — 13, 21 als eine
Abschiedshomilie, wozu 13,22—25 das begleitende Schreiben bildet
dl oHyoy bezieht sich dann auf dies kurze Briefchen !). Die Erklärung
zu Hebr. ist besonders knapp gehalten; man vermißt Exkurse über die
Hauptgedanken und zusammenfassende Betrachtungen über die einzelnen
Hauptteile.

Den Jak. möchte v. Nes am liebsten dem Bruder des Herrn zuerkennen
. Die Erklärung dieses Briefes hat mir gut gefallen, sie ist
ausführlicher und gibt auch treffende Winke für die praktische Anwendung
des Textes. Über den literarischen Charakter des „Briefs" hätte
man — nach dem Erscheinen des Kommentars von Dibelius gern mehr
vernommen. Die Auseinandersetzung 2, 14—26 hält V. N. für Polemik
gegen mißbräuchliche Verwendung der paulinisehen Rechtfertigungs-
lehrc; leider gehört auch v. N. zu den Vielen, die sich hier um den
Doktorhut M. Luther's bemühen! Weshalb 5, 14 nicht an die Heil-

1 Zwei neue Bibelerklärungen werden zur Zeit von
streng reformierten Theologen Hollands herausgegeben,
die eine mehr wissenschaftlich gehalten und in erster
Linie für Theologen bestimmt (dazu bisher ein Matthäuskommentar
von Grosheide erschienen s. Th. L. Z. 1924
Nr. 3); die andre, gleichfalls auf dem reformierten Bekenntnis
und auf wissenschaftlicher Grundlage aufgebaut
, aber für das reformierte Volk bestimmt. Grosheide
's Auslegung des Hebr. ist das erste Bändchen
dieses zweiten Unternehmens, das mir zugegangen ist.
Vorteilhaft unterscheidet es sich von den meisten Teilen
von Tekst en Uitleg durch viel größere Ausführlichkeit
der Auslegung. Es gibt nicht nur Paraphrase des Schrift-

worts, sondern gründliche Erörterung des binnes und kraft des ö)s Bcdacht sein kanI1) w mir nicht dcutlich geworden
Zusammenhangs und führt vor allem tiefer in den theologischen
und religiösen Sinn und Wert der Ausführungen
und Vermahnungen des biblischen Schriftstellers
ein. Andrerseits macht sich hier der streng orthodoxe
Standpunkt des Verf. viel stärker geltend. Der Inspira-
tionsgedanke wird mehrfach betont und er bestimmt die
Exegese. Wie Philo sucht und findet der Verf. bisweilen
in allerlei Kleinigkeiten besondere Absichten des heil.
Geistes angedeutet. Da die Weltanschauung des Verf.'s
mit der des Hebr. weitgehend übereinstimmt, so hat sein
Standpunkt die Exegese vielfach günstig beeinflußt;
desto bedenklicher ist die Erklärung, wo Hebr. von der
reinen reformierten Lehre abweicht oder Hebr. seine
Theologie auch ins A. T. hineinlegt.

Das zeigt sich namentlich an den zwei Abschnitten über den Fall
nach der Taufbuße 6,4ff.; 10,26ff. Die 6,4ff. aufgezählten Gaben
können nach Gr. nicht die unverlierbaren Gaben der Gnade sein; die
Bekehrung war denn auch noch nicht vollkommen gewesen. Entsprechend
kann die Erleuchtung von 10, 27 und die Heiligung von
10, 29 erst in einem Anfangsstadium gewesen sein. All diese Einschränkungen
sind indes unberechtigt, die Ausdrücke sind absolut gemeint
und die „reformierte" Lehre muß, wenn sie mit der ganzen Bibel
im Einklang bleiben will, korrigiert werden. Ahnlich soll Hebr. 3, 6
nicht etwa eine Bedingung unseres Heilsstandes, sondern nur eine Bedingung
, an der wir erkennen, ob wir an den Wohltaten Gottes
teil haben, gemeint sein. Zu der aus jüdischer Tradition entnommenen
Definition des Glaubens 11,1 erklärt Grsh., es sei keine Definition,
auch nicht eine eigentliche Umschreibung des seligmachenden Glaubens
, sondern Umschreibung eines weiteren Begriffs, der beginnenden
Hingabe an Oott. Auch Verwendung von apokryphen Überlieferungen
kann der Verf. nicht zugeben: daß der Mannakrug von Gold war 9, 4,
kann richtige Oberlieferung sein; die 9, 19 aufgeführten Opfer können
Tatsächlichkeiten sein,die uns nur eben sonst nicht schriftlich überkommen
sind. Nach 11, 28 hat schon Moses die, im Passah liegende
Hindeutung auf Christus gekannt!

Im Übrigen ist die Erklärung sehr gewissenhaft und genau. Insbesondre
versäumt es der Verf. nie, auf die Differenzen zwischen
hebräischem Text und griechischem Bibelzitate aufmerksam zu machen,
wenn seine Erklärung desselben auch manchmal gekünstelt erscheint.
Auch auf Textvarianten wird gelegentlich aufmerksam gemacht; übersehen
ist dabei die wichtige Lesart ycupte freov 2, 9 (für X''9tTl #*oü).

Die der Erklärung vorangehende Einleitung ist sehr
kurz. Der Verf. betrachtet die Leser als einen Kreis von
Judenchristen zu Rom; Abfassungszeit ist s. o., 80, Verfasser
nicht mehr zu ermitteln. Hebr. ist eine Art Ho-
milie oder Predigt, die niedergeschrieben wurde; der
Schluß 13, 22—25 ist als ein Begleitschreiben davon
abzutrennen. Auch auf die Übersetzung ist große Sorgfalt
gewendet.

2. In „Tekst en Uitleg" hat den Hebr., ebenso wie
Jak. und I. Petr. der Leidener Dogmatiker v. N e s aus-

I.Pctr.gilt als Schrift des Apostels, nur wird Silvanus auch einigen
Anteil am Inhalt, namentlich an den paulin. klingenden Ausführungen
haben; aber dann wird man den Brief auch nicht mehr (oder nur mit
großer Vorsicht) als Quelle für die innere Entwicklung des Petrus gebrauchen
können. Den Versuch (von B. Weiß und Kühl), Ptr. zum
geistigen Vater des Paulinismus zu machen, lehnt auch v. N. ab. Gegen
die Beziehung von „Babylon" auf Rom hat er Bedenken (in einem
echten Brief erwartet man keine solche symbolische Bezeichnung).
Die Leser sind Heidenchristen. Unter den Kommentaren fehlt der von
Knopf (Meyer; 1912). Zur Erklärung von I. Petr. habe ich wenig
Ausstellungen zu machen; der Verf. schließt sich mehrfach an mein.
Komm, (im Handb.) an, zitiert indes auch hier gern noch andere
Autoren, wie R. Harris, Moffatt (neue Übersetzung des N.T.), Baijon.
Aus Anlaß von 1,11 und 2,8 ff. äußert er sich zustimmend über
R. Harris' Tcstimonicn-hypothese. Die Stelle vom descensus (3, 20)
bezieht er auf die ungläubigen Zeitgenossen Noah's, die Christus zwischen
Tod und Auferstehung im Hades besucht hat. Die alte reformierte
Auffassung ist jedenfalls abzulehnen. Die beste Erklärung für

u'A'kuTntenioxos Tin,- 4,15 ist nach v. N. ,begeerig naar anderer goed'_

es muß nach dem Zusammenhang ein schweres Laster sein.

Von dem ganzen Kommentarwerk stehen nun nur
noch aus die Bändchen über Joh. und Apk.

Leiden. H. Windisch.

R ü c k e r, Adolf: Die syrische Jakobosanaphora nach der Rezension
des Ja'qöb(h) von Edessa. Mit dem griechischen Paralleltext hrsg.
Münster: Aschendorffsche Verlagsbuchh. 1923. (XXXII, 88 S.) gr. 8U
= Liturgiegeschichtl. Quellen Heft 4. Qz. 3—.

Die auf den Apostel und „Herrenbruder" Jacobus
zurückgeführte Meßliturgie hatte ihre Heimat in Jerusalem
und hat sich von da aus weithin verbreitet. Nacii
Westen hin und auf griechischem Sprachgebiete wurde
sie durch das Formular der Reichshauptstadt Byzanz
zurückgedrängt, gelangte aber zu besonderer Bedeutung
bei den Jakobiten Syriens. Hier erfuhr sie verschiedene
Bearbeitungen in der syrischen Kirchensprache, unter
anderen durch Jacob von Edessa (f 708). Diese Rezension
wird von A. Rücker, der sich schon in früheren Arbeiten
als guter Kenner des Syrischen gezeigt hat, mit
Verwertung von Vorarbeiten Lietzmann's auf Grund eines
reichen Handschriftenmaterials mitgeteilt. Für die Herstellung
des Textes wird auch sonstiges Material aus
anderen Rezensionen, aus Kommentaren und Ritualen
verwertet. Nach dem syrischen Text wird der griechische
rekonstruiert und dem syrischen gegenübergestellt. Einzelne
Wendungen und Sätze, die in der griechischen
Überlieferung keine Parallele haben, sind vermutungsweise
ins Griechische zurückübersetzt und durch den
Druck besonders gekennzeichnet; ganze Stücke sind
deutsch wiedergegeben. In diesen Übersetzungen wäre