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Ausgabe:

1924 Nr. 3

Spalte:

53

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Chiera, Edward

Titel/Untertitel:

Lists of Personal Names from the temple school of Nippur 1924

Rezensent:

Meissner, Bruno

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53

Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 3.

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Mitteilung.

Der Fall Ninevehs. Nach einer Mitteilung von C. J. Oadd
in den „Procccdings of the British Academy" vol. XI (Milford, London.
Preis 1 Sh.) hat das Britische Museum soeben einen hochhedeutsamen
Fund gemacht: eine Tontafel mit einer babylonischen Chronik, d.e nach
Jahren, Monaten und Tagen die Hauptereignisse von acht Reg.erungs.
jähren des Königs Nabopolassar verzeichnet, darunter vor_ allem die Er-
oberung Ninevehs, die nicht, wie man bisher gewohnheh annahm, ms

nachdem der befreiende Schnitt gezogen ist, muß zu der weiteren Erkenntnis
geschritten werden, daß Jes. 56—66 keine Einheit ist. Zu
meinen textkritischen und exegetischen Bemerkungen, die ich bei Besprechung
der 3. Aufl. vorbrachte und die freilich den Meister Duhm
ganz kühl gelassen haben, möchte ich heute noch einen Vorschlag

über das g/^rP von 28, 16 fügen. Dieses Wort wird von Duhm
wie von den andern aufgegeben. Ich glaube es festhalten zu können

mit der Bedeutung von EHI"! H .Schmerz empfinden', .besorgt sein';
jähr" 600 ' sondern jchosl iäs Jahr 612 v. Chr. fällt. Sie beginnt mit | ,„, Zusammenhang wendet sich Jesaja gegen die abergläubischen Ari

dem zehnten Jahre Nahopolassars (616) und zeigt, wie Assyrien, damals
schon auf allen Seiten von Feinden umringt, allmählich deren Angriffen
erliegt. Als die Zerstörer Ninevehs erscheinen Nabopolassar von
Babylon, der Mcdcr Kyaxares und — für uns überraschend — die
Skythen.' Der babylonische Schreiber verherrlicht besonders Nabopolassar
, aber es kann kein Zweifel sein, daß Kyaxares die Hauptrolle
spielte. Seine Angriffe gegen Nineveh beginnen — nach dem erhaltenen
Text — schon 614, aber in diesem Jahr vermag er die Hauptstadt noch
nicht zu erobern, wenn er auch sonstige Erfolge erringt. 613 werden
die Meder nicht erwähnt; der babylonische König vollzieht zwar
kleinere Operationen gegen die assyrischen Provinzen um 'Anah am
Euphrat, aber der Assyrer tritt ihm nicht ohne Erfolg entgegen. Die
Untätigkeit der Meder erklärt Oadd durch den Hinweis auf Herodot
[I 103], nach dem die Meder von der Belagerung Ninevehs ablassen
mußten, weil die Skythen in ihr Reich eingebrochen vvaien. Dieser
Orund ist nicht ganz überzeugend; denn Hcrodots Nachricht, die in eine
frühere Zeit gehören muß, wird durch die Reform Josias beglaubigt:
Josia konnte das assyrische Pantheon nur dann aus dem Tempel von
Jerusalem ausfegen, wenn es damals (622) mit der Macht Ninevehs
vorbei war oder vorbei zu sein schien, und deshalb ist eine Bedrohung
Ninevehs schon für eine frühere Zeit durch Kyaxares (oder die Skythen
?) nach wie vor wahrscheinlich. Jedenfalls sind im Jahre 612 Nabopolassar
, Kyaxares und die Skythen miteinander vereinigt, um die
Hauptstadt Assurs zu erobern; die Belagerung dauert vom Sivaii bis Ab
(Juni bis August). Das Schicksal des Königs ist ungewiß, da der
Text gerade hier abgebrochen ist; doch ist so viel sicher, daß damals
nicht mehr Asurbanipal, sondern Sin-schar-ischkun (Sarakos) regierte.

stokraten, die sich durch lächerliche Mittel feien und von ihrer Furcht
und Unruhe befreien wollen; ihnen ruft der Kühne zu: „Wer Glauben
hat, ist ohne Grauen!"

Tübingen. Volz.

Böhl, Dr. F. M. Th.: Genesis. 1. Groningen: J. B.Wolters 1923.
(160 S.) 8° ■" Tckst en Uitleg, praktische bijbclverklaring door
Th. Böhl en A. van Veldhuizen. I. Het Oude Testament. Fl. 3.15.
Dieses Büchlein eröffnet ein holländisches Sammelwerk, durch
das das Alte Testament einem weiteren Leserkreis nahegebracht werden
soll; der vorliegende 1. Teil der Genesis umfaßt Kap. 1—25: auf
eine kurze Einleitung über die Quellen und die geschichtliche und
religiöse Bedeutung der Gen. folgt eine wörtliche Obersetzung der genannten
Kap., an die sich die zusammenhängende Erklärung anschließt
. Böhl ist ein Führer, dem sich der Leser mit gutem Gewissen
anvertrauen darf. Überall blickt die genaue wissenschaftliche Beschäftigung
mit dem Stoff und seinen Problemen durch, und in den
zahlreichen im Text verstreuten Literaturangaben sind auch die neuesten
Erscheinungen berücksichtigt (z. B. Eißfeldts Hexateuch-Synopse). Dabei
wird aber stets dem praktischen Bedürfnis Rechnung getragen
: mit erfreulichein Nachdruck wird die religiöse Wichtigkeit
der biblischen Texte in den Mittelpunkt gerückt — alles ohne
Pathos und ohne falsche Erbaulichkeit. Hinsichtlich der Quellen-
scheidung, die im Text in der herkömmlichen Weise vollzogen wird,
werden in der Einleitung deren Schwierigkeiten und Schranken nicht
verschwiegen; die Feststellung, daß trotz aller Differenzen im einzelnen
Der Rest der Verteidiger machte einen Ausfall, wie es scheint, und { djc Qen ejne „jnner[jche Einheit" bildet, ist in einer praktischen

........... •!<•!, Pin „Hr.r in,»! M^nofi- cnHter hören wir rl-nß Asi-hlir- I ---

rettete sich. Ein oder zwei Monate später hören wir, daß Aschur
uballit „in der Stadt Harran auf dem Throne saß als König von
Assyrien", weil er dort am ehesten auf ägyptische Hilfe rechnen
konnte, wiederum eine für uns sehr überraschende Tatsache, die aber
nach den Mitteilungen Gadds sicher zu sein scheint. Nach seiner Darstellung
war die Angst der Ägypter vor den Horden der barbarischen
Skythen so groß, daß sie alles taten, um den wankenden Staat der
Assyrer zu stärken, den sie als Bollwerk brauchten. Der Veröffentlichung
des Textes sehen wir mit großer Spannung entgegen.

Hugo G r e ß m a n n.

Chiera, Edward: Lists of Personal Nantes from the temple
school of Nippur. Liste of Sumerian personal names. Philadelphia:
University Museum 1919. (S. 179—278 u. Taf. LXXI—CIV) 4° =
Univ. of Pennsylvania. The Univ. Mus. Puhl, of the Babvlonian
Sect. XI, 3.

Chiera bringt hier seine Publikation der in Nippur gefundenen
Listen mit Eigennamen zu Ende, indem er 77 Tafeln mit meist sumerischen
Eigennamen veröffentlicht. Er bespricht dieselben auch kurz
und gibt von allen Umschrift und Obersetzung. In einem Appendix
werden alphabetische Listen aller, auch in den beiden früheren
Nummern des Werkes veröffentlichter Eigennamen gegeben, unter denen
die westindischen, sog. amoritischen besonders interessant sind, weil
sie wertvolle Beiträge zur Kenntnis der altkanaanäischen Sprache und
Kultur liefern. Wichtig für den Religionshistoriker ist auch die Liste
der in den Namen vorkommenden babylonischen Götter. — Die Publikation
macht einen sehr guten Eindruck und verdient gewiß volles
Zutrauen.

Berlin. Bruno Meißner.

Bibelerklärung besonders zu begrüßen. Schade, daß Sprache und Preis
einer Verbreitung des Büchleins in Deutschland im Wege stehen!
Papier und Druck sind von beneidenswerter Güte.
Tübingen. W. Rudolph.

D u h m , Bernhard : Das Buch Jesaia. Übersetzt und erklärt. 4., neu
durchgesehene Aufl. Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht 1922.
(490 S.) gr. 8° — Oöttinger Handkommentar zum Alten Testament
, hrsg. v. W. Nowack. III. Abt., 1. Bd. Gz. 11-, geb. 13,20.
Die 4. Auflage bietet nichts Neues außer dem kurzen Vorwort,

dessen zweiter Satz des Abdrucks wert ist: „Die alten und jungen

Theologen, die in dieser erbärmlichen Zeit zu den Propheten hin- früchten aufputzt. Was Reitzensteitl, BoUSSet U. a. mit

Philo von Alexandria: Werke, in deutsch. Übcrsetzg. begonnen
von Prof. Dr. Leop. Cohn, fortgef. von Dr. J. Heinemann. 4. Tl.
Breslau: M. u. H. Marcus 1923. (IV, 187 S.) gr. 8° = Schriften der
jüd.-hellenist. Lit, 4. Bd. Oz. 5—.

Nach fast vierjähriger Pause ist dem dritten Bande der
neuen deutschen Philoübersetzung der vierte gefolgt, in
der Anlage seinen Vorgängern gleichgeartet. Er bringt
von den im zweiten Bande der kritischen Ausgabe von
Cohn-Wendland enthaltenen neun Schriften die ersten
fünf: De posteritate Caini, de gigantibus, quod deus sit
immutabilis (sämtlich übers, und kommentiert von Dr.
H. Leisegang-Leipzig), de agricultura und de planta-
tione Noe (beide vom Herausgeber bearbeitet).

Das Urteil über den dritten Band (vgl. Theol. Lit.
Ztg. 1920 Nr. 3/4, 30) behält auch für seinen Nachfolger
volle Gültigkeit. Die Eindeutschung ist sorgfältig
und genau, hie und da fast zu genau, d. h. zu wörtlich
. So wird man z. B. die Wiedergabe von (piaig jn
d. imm. § 35 ff. durch „Natur" kaum eine glückliche zu
nennen wagen. Das nondkm in § 113 derselben Schrift
hätte ich, gerade um seiner Verbindung mit xooucör
willen, mit „buntschillernd" übersetzt. Parallelen zum
Thema von der Buntheit des Lasters bei Bousset, Jüd.-
christl. Schulbetrieb, 56, 1. — Die Anmerkungen leiden
unter zu großer Einseitigkeit und sind immer noch mehr
oder weniger geeignet, den irrigen Gedanken zu nähren,
als sei Philo Philosoph, während er doch in Wahrheit
seine Predigt nur mit philosophischen Lese- bezw. Hörsitzen
, werden als Mitarbeiter an der Gesundung der Menschheit sich unermüdlichem Fleiße erarbeitet haben, muß in den

davon erheben." Der Druck der Gedichte ist noch schärfer als bis- ; nächsten Bänden besser genutzt und schärfer hervormuß
es' shtr°Ph^"fä"Kc '•»-» *>tta« Auge Man™g " b(*rcif™. j gekehrt werden, damit sich der Blick immer mehr weite

muß es aber doch bedauern,daß Duhm seinem großartigen Kommentar ; * Schnnon In H.o hnntP Welt hollL,' r u

der einst schöpferisch gewirkt hat, nicht stärkere innere Durcharbeit , zum , ,-hai'Cn dl.e reiche, bunte Welt hellenistisch-

geschenkt und sich dadurch mit dem heutigen Geschlecht in Fühlung ! orientalischer (iranischer!) Frömmigkeit, m der der

gesetzt hat. Die Polemik gegen Lagarde und Dillmann mutet den jetzigen | Alexandriner fest eingewurzelt ist. behr beachtenswert

Leser seltsam an; „Tritojcsaja" war einst eine befreiende Lösung, aber | ist, was Reitzenstein zuletzt in seinem Buche „Das ira-