Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1924 Nr. 2

Spalte:

37-38

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gerhardt, Oswald

Titel/Untertitel:

Der Stern des Messias. Das Geburts- und das Todesjahr Jesu Christi nach astronomischer Berechnung 1924

Rezensent:

Hoennicke, Gustav

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

37 Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 2. 38

gaben erscheinen neue Stücke, darunter in Besprechung und Abbildung
die Synagogen-Inschrift des Theodotos zu Jerusalem und die Grabinschrift
der Kegina aus der jüdischen Katakombe am Monteverde.

Aber ich darf nicht schließen, ohne der äußeren
Eigenschaften des Buches zu gedenken: ausgezeichneter

Obwohl nach G. damit endgültig die Kometenhypothese abgetan ist,
so bringt er doch besonders im Anschluß an de Groot's Erforschung
der chinesischen Quellen, was sich über das Erscheinen von Kometen
z. Zt. der Geburt Jesu ermitteln läßt.

Jeder, der die Ausführungen G.'s liest, wird die mühsame Arbeit
bewundern, die gründliche Sachkenntnis, die fleißige Benutzung

c i __—_,• , - , •„ L-,»_ ,,„„„_„ Den Dewunoern, aie inuwiiun gnuwcanum, uie ueiuige utiiui«ui|

Satz, vorzügliche Abbildungen Ufld ein fÖT Untere Zeit entferntesten Quellen anerkennen. Es finden sich in dem

geradezu unerhört gutes Papier. Der Verleger hat dem
Einschränkungs-Qebot dieser Tage offenbar keinen Einfluß
auf dies Buch zu verstatten brauchen; der behaglich
breite, gut lesbare Text mit all den plaudernden
Nebenbemerkungen blieb, soviel ich sehe, unangetastet,
und das Ganze ist um vier Bogen starker geworden.
So gilt von diesem Werk in einem besonderen Sinn, was
der Verf. der Neuausgabe von Dittenbergers Sylloge
nachrühmt daß es „ein köstliches Geschenk einer harten
Zeit" ist. '

Heidelberg. Martin Dibelius.

Gerhardt, Prof. Oswald: Der Stern des Messias. Das Geburts-
imd das Todesjahr Jesu Christi nach astronomischer Berechnung.
Leipzig: Deichertsche Verlagsbuchhdl. 1922. (VI, 144 S.) 8° Oz. 4—.
In der Neuzeit sind verschiedene Versuche gemacht worden, das
Geburtsjahr Jesu unter Benutzung der Erzählung Matth. 2 auf astronomischem
Wege von neuem zu berechnen. Den Versuchen von
Oefele's (1903), Hontheim's (1908), Kritzinger's (1911), Voigfs (1911),
Steinmetzer's (1913), Stenzel's (1913) fügt G. einen neuen hinzu.
Von Prof. Ginzel empfing er nicht nur die erste Anregung zur Arbeit
, sondern auch fortwährende Beratung und Förderung. Auch verschiedene
andere Gelehrte haben ihn unterstützt. Die Mittel, das Problem
zu lösen, sind ihm einerseits das Studium der Spekulationen
der orientalischen Astrologie sowie der jüdischen Überlieferung,
anderseits die astronomische Berechnung.

Seinen Ausgangspunkt nimmt G. von dem Nachweis, daß der Stern
der Weisen eine durchaus normale Planetenerscheinung war, welche
von den Astrologen beobachtet und gedeutet wurde. Zu diesem Zweck
wird das System der Astrologen jener Zeit in den Grundzügen ermittelt
. Danach wird die Erzählung Matth. 2 interpretiert und die
Messiaserwartung im Altertum sowie die geschichtliche Überlieferung
über den Stern des Messias untersucht. Es folgt dann die astronomische
Berechnung. Das Ergebnis ist kurz dieses: die Beziehung des
Planeten Saturn zum Volk Israel war im Altertum bekannt. Saturn
galt als Planetengott, welcher Israel schützte. In der Matthäuserzählung
brauchte Saturn nicht genannt zu werden, da ein Zweifel
über dieses Gestirn nicht aufkommen konnte. Sollte der Saturn ein
Ereignis anzeigen, so konnte das nach der Astrallehrc nur erfolgen
durch seine Bahn, seinen Aufgang, seine Stellung zu den Angeln
der Welt, zu den übrigen Planeten und zum Tierkreis. Im Jahre 7
v. Chr. trat ein astronomisch oder astrologisch bedeutsames Phänomen
ein außer der schon bekannten Saturn-Jupitcr-Konjunktion. Neun
Monate lang wurde eine räumliche und zeitliche Unzertrennlichkeit
beider Planeten beobachtet (die Bahnen am Himmel waren 9 Monate
hindurch gemeinsam, selten weiter als 2° getrennt; die Stillstände vollzogen
sich bei beiden nahezu gleichzeitig vor und nach jeder Um-
biegung; die Stellen am Horizont, wo sie auf- und wo sie untergingen,
lagen dicht aneinander). Die Konjunktion galt als Anzeichen der
Geburt des Messias, das im Voraus theoretisch feststand. Die Magier
konnten beobachten, daß die Saturn-Jupiter-Konjunktion kommen
mußte, und zwar in dem Tierkreis der Fische,. bald nach Ende
März 7. Der Stern, welcher dem Messias gält, war der Saturn; diejenige
Erscheinung, welche auf seine Geburt bezogen wurde, war
jene Konjunktion. Der für die Magier ausschlaggebende Moment,
welcher ihre Reise nach Jerusalem bestimmte, war der Aufgang des
Saturn in der reiWojtrj, d. h. in den östlichen Angeln der Welt (aaVcroAlj
war der Terminus für den heliatischen Aufgang, welcher in der babylonischen
Astronomie eine der bedeutsamsten Momente der Planetenbahnen
markierte). Um den Laien den Verlauf der Konjunktion zu
veranschaulichen, wählten im Anschluß an Ideler Hontheim und
Kritzinger die Längen und Breiten beider Planeten; hierauf fußend
beschrieben sie das ganze Phänomen vom Beginn bis zur Lösung der
Konjunktion. Statt dessen wählt O. die Rcctaszensionen und Deklinationen
, welche sich nicht auf die Ekliptik beziehen, welche ihre Lage
am Himmel mit den Jahreszeiten verändert, sondern auf den Himmcls-
äquator, der immer die gleiche Lage hat, nämlich 90° vom Polarstern
.

Diese seine Beweisführung sucht G. dann zu erhärten dadurch, daß

Buch wertvolle Abschnitte, so der über die antiken Messiaserwartungen
, über die Astrologie im Altertum. Besonders zu erwähnen
sind die verschiedenen astronomischen Berechnungen, welche teilweise
Prof. Ginzel zur Verfügung gestellt hat (die astronomischen Data beziehen
sich auf die für das Phänomen erforderlichen Monate, d. h.
auf die Zeit vom Okt. 8 bis Febr, 6 v. Chr., vgl. S. 68—78). Gleichwohl
erheben sich gegen die Beweisführung verschiedene Bedenken.
Von diesen seien hier nur folgende geltend gemacht: hätte das Ereignis
so, wie es G. darstellt, wirklich stattgefunden, hätte die geschichtliche
Wirksamkeit Jesu sich anders gestalten müssen. Es ist doch
auffallend, daß wir sonst in der urchristlichen Literatur keine Notiz
von dem Ereignis haben. Es ist ferner nicht klar, ob die Astrologen
die Saturn-Jupiter-Konjunktion zu einer Prognose auf die Geburt des
Messias benutzen konnten. Nach der Matthäuserzählung hat man den
Eindruck, daß der Stern der Weisen ein Wunderstern ist (beachtenswert
ist der Text von Matth. 2, wie ihn Syr. sin. darbietet, vgl. Justin, Dial. 78,
worauf G. nicht näher eingeht). Endlich sei noch hervorgehoben,
daß das, was über das Quirinius-Problem gesagt wird, höchst problematisch
ist. Die ägyptischen Papyri beweisen für Syrien nichts. Daß
ein römischer Zensus für Palästina z. Zt. des Herodes stattfand, ist
sehr unwahrscheinlich. Die neugefundene Inschrift, von welcher G. die
Lösung der Quiriniusfrage erhofft, ist bis jetzt nur ein Beleg für die
wiederholte Tätigkeit des Quirinius im Orient (vgl. zuletzt Dessau in
Klio XVII (1921, 252f.).

In dem letzten Kapitel seines Buches gibt G. eine kurze Untersuchung
über das Jahr und Monatsdatum der Kreuzigung. Bereits 1914
hatte er eine Schrift darüber veröffentlicht, welche sich durch ihre
Übersichtlichkeit auszeichnet. Jetzt wiederholt er seine Resultate und
nimmt dabei auf die Haupteinwendungen, die gegen die Lösung der
Frage erhoben wurden, Bezug. Nach kurzen Voruntersuchungen über
Luk. 3,1 (das 15. Tiberiusjahr soll mit dem Jahr 26 zusammenfallen),
über Joh. 2, 20 (die dortige Zeitangabe soll auf das Jahr 27 führen),
über Joh. 5,1 (die Dauer der öffentlichen Wirksamkeit Jesu wird auf
2'/4 oder 3'/4 Jahre berechnet), über das Bckehrungsjahr des Paulus
(32 oder 33), über die Notiz über den zerrissenen Tempelvorhang (das
Ereignis wird auf das Jahr 30 fixiert) wird die Frage erörtert, an
welchem Tage des jüdischen Festmonats Nisan Jesus starb, und
welchem Datum unseres Kalenders dieser Tag entspricht. Mit Hilfe
der Mondphasen, welche für jene Zeit astronomisch zu berechnen sind
(S. 124f. wird der jüdische Kalender 26—33 n. Chr. mitgeteilt), kann
man das Datum, da der Todestag ein Freitag war (und zwar der 15.
(oder 14.?) Nisan), auf unseren Kalender übertragen. Die astrono
mische Rechnung liefert das Resultat, daß Freitag, der 15. Nisan, mit
dem 7. April 30 zusammenfiel. In der Rechnung bleiben dabei immer
zwei unsichere Größen, nämlich der Eintritt des Neulichts (der Beginn
des Monats wurde nicht nach dem astronomischen Neumond, sondern
nach dem Neulicht berechnet, welches die Zeugen erblicken), sodann
die Schaltung (die Monatsfolge wurde dem des Mondwechsels eng
angepaßt). Aber O. glaubt, daß für die Berechnung diese unsichere
Größen nicht viel ausmachen.

Breslau. Q. Hoennickc.

Schmitz, Otto: Die Vorbildlichkeit der urchristllchen Ge
melnden für die Kirche der Gegenwart. 2., m. 1 Nachwort
versehene Aufl. Berlin: Furche-Verlag 1922. (60 S.) 8° =• Der
Neue Bund, 4. Heft. Gz. l —

Vorliegende Schrift beruht auf Vorträgen, die der Verf. Sept. 1920
auf der Theologischen Woche in Bethel gehalten und zunächst in der
„Volkskirche" 1921, darnach als Sonderdruck im Verlag des Evangel.
Bundes hat erscheinen lassen. Herausgewachsen aus der deutschen
Kirchennot der Gegenwart wollen sie aus den Dokumenten der
apostolischen Gemeinden (vornehmlich Paulusbricfe und Apostelgeschichte
), Richtlinien herausholen, die für den Neubau der Gemeinden
und Kirchen maßgebend werden sollen.

In dreierlei Hinsicht weist Schm. die urchristlichen
Gemeinden als „vorbildlich" nach: in der Gestaltung der
Verkündigung, die die Gottesbotschaft, die persönliche
Gottesberufung und den Zusammenschluß der Berufenen
in die Heilsgemeinschaft in sich betaßt; in der Ausspätere
Generationen von dem astronomischen Phänomen sichere Kennt- ; wjrkun£ des Bekenntnisses rhs sich gleicherweise im
nis hatten (die Jupiter-Saturn-Konjunktion des Jahres 7 und ihre Be- Ausdruck des oflSbMS^ dPTat U^¥tol3dt£!
üeutung für die christliche Religion war in jüdischen und christlichen u,,rpite '71« L Tr 'n " A L,LAh,fZi t LLQftIlS

Kreisen des Mittelalters hekannt), sodann dadurch, daß das Jahr 7 sich btreitschatt bewahrt; und im Gemeinschaftsleben, dessen

auch auf anderem Wege als Geburtsjahr Jesu ergibt (erfolgte der j Kennzeichen sind das Wirken in der Freiheit der Liebe,

Schätzungsbefehl io oder 9 v. Chr., so mag er in Palästina im Jahre 8 I uie willige Unterordnung unter die berufenen Führer und

ausgeführt worden sein, dann stimmt hierzu die Oeburt Jesu im Jahr 7). I die Leitung des Geistes, der die Interessen und Lebens-