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Ausgabe:

1924 Nr. 25

Spalte:

551-552

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Baumann, Eberhard

Titel/Untertitel:

Alte Prophetenstimmen in neuer Zeit. Jesaja in unserer Gegenwart. 10 Predigten 1924

Rezensent:

Goltz, Eduard Alexander

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 25.

552

grundsätzliche greift nicht in den ganzen Ernst des
Problems hinein; der praktische gibt multa, non multum.
Die Formulierungen sind oft peinlich schief (z. B. S. 37:
7s bis 72 der standesamtlich getrauten Paare sollen zeitweis
die kirchliche Trauung verweigert haben! 1874
sei „durch das preußische Landrecht" der Taufzwang
abgeschafft worden), manchmal geradezu flach. Der
Stil ist erschreckend liederlich. Mit Eigennamen steht
der Verf. auf Kriegsfuß: S. 38 A. Ritschel, S. 97
Nietsche, S. 47 und 129 Troeltzsch. Daß er mehr österreichische
als reichsdeutsche Verhältnisse berücksichtigt,
wäre kein Unglück, wenn er sonst die Fragen mehr an
der Wurzel anfaßte; aber gerade da fehlts.

Breslau. M. Schi an.

Baumann, Lic. Eberhard: Alte Prophetenstimmen in neuer Zeit.

Jesaja in unserer Gegenwart. 10 Predigten. Halle: C. Ed. Müller
1923. (85 S.) 8°.

Barth, Karl, und Eduard Thurneysen: Komm Schöpfer Geist!

Predigten. München: Chr. Kaiser 1924. (266 S.) 8°.
, Gm. 2.80; geb. 3.60.

Nicht jede Predigtsammlung kann in dieser Zeitung
besprochen werden. Die heute vorliegenden verdienen
es durch ihre kraftvolle Eigentümlichkeit. Baumann
zeigt es in 10 Jesajaspredigten, wie man prophetische
Texte für die Gegenwart verwenden kann. Bei
dem heute zur Norm gewordenen Sturmlauf gegen das
Alte Testament ist das besonders erfreulich. Der Prediger
führt die Gemeinde, ohne sich in breite Schilderungen
zu verlieren, kurz und packend in das zeitgeschichtliche
Verständnis ein, soweit das nötig ist, um den
Text und seine religiösen Grundgedanken zu verstehen.
Diesen Grundgedanken stellt er mitten in die lebendige
Gegenwart hinein, und es gelingt ihm jedesmal, dann die
Gemeinde aus dem Zeitgeschichtlichen und Gegenwärtigen
hinauf in die christliche Höhe bleibender Ewigkeitsgedanken
zu führen. Die Sprache ist einfach, klar und
doch schwungvoll, die Einteilung durchschnittlich ohne
Schulmeisterei; Bilder, Liederverse und anderer Predigtschmuck
sind ohne Aufdringlichkeit und immer zweckdienlich
.

Die Sammlung der beiden Schweizer ist fast
durchweg auf einen Grundton gestimmt: das Sterben
Jesu, Gottes Offenbarung und Erlösung: deine große
Absetzung — Mensch! Gott ist alles. Seine Gnade
ist das Einzige, und du bist nichts! Es weht kalvinischer
Geist in diesen Predigten im besten Sinne. Herbe Vernichtung
jedes menschlichen Ausreichens, ein Versperren
jedes andern rettenden Auswegs. Der lebendige Gottesgedanke
in seiner vollen Heiligkeit, seinem unausweichlichen
Ernst macht allein den Weg zum Evangelium
frei — und das aber ist weiter nichts als Gottes
Gnade und das ist seine Ehre. Das sagen uns 6 Predigten
über alttestamentliche Texte, 6 über Evangelientexte
, 13 aus den Briefen. Wer jedesmal der Prediger
ist, wird uns nicht verraten. Auch da soll nur
Gottes Wort reden, nicht die Kunst eines Einzelnen.
Der Trost des Evangeliums tritt immer am Schluß
heraus, wenn der Weg dazu geebnet ist. Die geistigen
Anforderungen an den Hörer oder Leser sind nicht
gering. Die Politik fehlt ganz, überhaupt die zeitgeschichtliche
Farbe. Und doch wird überall der Mensch
der Gegenwart gefaßt im Innersten seiner Gedankengänge
und Empfindungen. Ich möchte Niemand raten,
es zu versuchen, ebenso zu predigen. Es wird nicht
gehen. Aber eine reiche Gedankenfülle, bohrende Vertiefung
in Gottes Gedanken — das kann man lernen.
Vielleicht haben die Prediger Recht, daß unserer Zeit

der Ernst mehr not tut als der Trost — sie wollen
letzteren ja auch geben, aber erst den Weg dazu freimachen
.

Greifswald. Ed. v. d. Goltz.

©oeben finb erfüjienen:

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begrünbet oon 31. SB. SJleper. 6. 31btlg.:

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D. Dr. 5>ans 3T5tnbifd)

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VIII, 436 6. gr. 8°. 15, 9Jtf». geb. 17,20

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IV, 100 S. gr. 8°. Stüh. 5,60

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fonbers farijkunbigen füftorihers toerben bei fjteuteftamentlern
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Verlag oon 25onbengoectt & 9tunred)t in (Böttingen

Soeben erschien:

Neue Christoterpe 1925

Titelbild: D. v. Dryander und D. Söderblom
8 Kunsttafeln vom Straßb. Münster

gbd. 5.—, Goldpr. 6.—, L. Relief 6.50

Inhalt: Briefe der Kaiserin, Beiträge von G. v. Dryander,
Ficker, Hasse, Jungnickel, Lobsien, Schanz, Schrickel, Speckmann
, Schomerus, Spitta u. a.

Die Neue Christoterpe entspricht ihrem altbewährten
Ruhm. Theol. Lit.-Ztg.

C. Ed. Müller's Verlag, Halle-Saale

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 27. Dezember 1924.
Beiliegend Nr. 25/26 des Bibliographischen Beiblattes.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Nikolausberger Weg 31.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.