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Ausgabe:

1924

Spalte:

481-482

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, P. W.

Titel/Untertitel:

Die geheime Jugendweihe eines australischen Urstammes 1924

Rezensent:

Wobbermin, Georg

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack

Herausgegeben von Professor D. EtTianuel Hirsch unter Mitwirkung von

Prof. D. Wilh. Heitmüller, Prof. D. Dr. 0. Hölscher, Prof. D. Arthur Titlus, Prof. D. Dr. 0. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

Bezugspreise vierteljährlich 7.50 Gm.; 11— s. Fr.; 9 sh.; 2— $; 5.40 FI.; 11.50 d. Kr.; 14.40 n. Kr.;

7.50 s. Kr.; 45— Lire; 66.50 tsch. Kr.; 80— finn. Mark.

IQ Iflhrtr Nr 22 Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D.Hirsch in Göttingen, I nvPtnhpr 102at

nry. JHlirg« Nikolausberger Weg 31, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. I. liUVCIHUCr iy£t.

Schmidt, Die geheime Jugendweihe eines

australischen Urstammes (Wobbermin).
Erman, Eine ägyptische Quelle der „Sprüche

Salomos" (Meinhold).
Schneller, Die Bergpredigt (Schian).
Landgraf, Das Wesen der läiilicheu Sünde in

der Scholastik bis Thomas von Aquin (Scheel).
Alanitius, Naturwissenschaft im beginnenden

Mittelalter (Krüger).
Günther, Die Bilder des Genther und des

Isenheimer Altars (Stuhlfauth).
Strunz, Paracelsus (Seeberg).

Hankam er, Jakob Böhme (Seeberg).

Erlebnisse und Beobachtungen des ehemaligen
Generalstipcrintendenten von Schleswig D.
Theodor Kaltau (Scheel).

Schabert, Propst Dr. phil. Karl Schlau (Gemen).

L o e s c h e, Kaspar Tauber (Ders.).

Schmerl, Leonhard Kaiser (Ders.).

Koche ndörffer, Das Archivwesen Schleswig-
Holsteins (Scheel).

Cahn, Bismarck als Sozialpolitiker (Thimme).

Baur u. Rieder, Päpstliche Enzykliken und
ihre Stellung zur Politik (Mulert).

Teologisk Tidsskrift (Scheel).

B a e u m 1 e r, Kants Kritik der Urteilskraft, ihre
Geschichte und Systematik (Knittermeyer).

Odenwald, A. E. Biedermann in der neueren
Theologie (Siegfried).

D r e w s, Psychologie des Unbewußten (Winkler).

Geyser, Einige Hauptprobleme der Metaphysik
(Ders.).

Lorenz, Der politische Mythus (Rust).

Hirsch, Die Liebe zum Vaterlande (Schian).

Foerster, Sozialer Kapitalismus (Graff).

Schmidt, P. W., S. V. D.: Die geheime Jugendweihe eines
australischen Urstammes. Mit einem Abriß der soziologischen
und religionsgeschichtlichen Entwicklung der südost-australischen
Stämme. Paderborn: F. Schöningh 1923. (73 S.) 8°. = Dokumente
der Religion Bd. III. geb. Gm. 1.20.

Der Verfasser dieser Schrift ist der als Vorkämpfer
der Urmonotheismus-Theorie bekannte Pater Wilhelm
Schmidt, der auch hier seine ausgezeichneten Kenntnisse
der primitiven Religion in den Dienst seiner Lieblingstheorie
stellt. Es handelt sich um die Jugendweihe des
südost-australischen Stammes der Kurnai, die Schmidt
im engsten Anschluß an die Darstellung Howitts in
seinem großen Werk „The Native Tribes of South-
East-Australia" (London 1904) beschreibt. Howitt seinerseits
gibt seine Darstellung aus intimster Kenntnis, da
es ihm geglückt war, einer solchen Feier selbst beizuwohnen
.

Die australischen Stämme stehen auf der ältesten
Stufe menschlichen Kulturlebens, der sog. Jagd- und
Sammelstufe. Sie erwerben also ihren Lebensunterhalt
allein durch die Jagd sowie durch das Sammeln
von Früchten und Wurzeln; weder treiben sie Viehzucht
noch üben sie Ackerbau, sie kennen keine Töpferei
und keine Metalle. Die „Jugendweihe" besteht in eigenartigen
und umständlichen Initiations-Riten, durch welche
die Knaben etwa im vierzehnten Lebensjahr aus der
Obhut der Mutter und der Gesellschaft der Schwestern
losgelöst und in den Kreis der vollberechtigten
Stammesmitglieder aufgenommen werden. Bei dieser Gelegenheit
werden ihnen die religiösen Stammes-Tradi-
tionen mitgeteilt, die nicht nur vor Fremden, sondern
teilweis auch vor den eigenen Frauen geheim gehalten
werden.

Diese Zeremonien sind nun gerade bei den Kurnai
besonders eindrucksvoll. Im Mittelpunkt ihrer Kultsage
steht ihr „höchstes Wesen" Mungan-ngaua d. h. „Vater
unser". Daß wir hier einen Henotheismus — im Sinne
der Terminologie Max Müllers — vor uns haben, der die
monotheistische Tendenz sehr stark hervortreten läßt,
kann nicht zweifelhaft sein. Soweit hat Schmidt recht.
Und auch das wird richtig sein, daß dieser Sachverhalt
nicht, wie Tylor meinte, restlos auf christliche Einflüsse
zurückzuführen ist.

Aber Schmidt geht weiter. Er will zeigen, daß hier
ganz reiner Monotheismus — strenger Urmonotheismus
— vorliegt, der keinerlei mythologisch-polytheistische
Züge aufweist. Indes an diesem Punkt gerät Schmidts
Betrachtung in Widerspruch zu der eigenen Tradition
der Kurnai. Denn sie sagt, Mungan-ngaua habe einen
Sohn Tundun gehabt, der verheiratet war und der Vorfahr
der Kurnai wurde; dieser Tundun habe auch die
Mysterienfeier eingesetzt und die beiden Mysterien-Instrumente
(Schwirrhölzer) verfertigt. Schmidts Argumentation
, das Wort „Sohn" sei hier nur im „moralischen
Sinne" gemeint, ist an sich eine Ausflucht und
wird vollends durch die Analogie der kultischen Traditionen
der nächstverwandten Stämme widerlegt. Auch
sein Versuch, sieben verschiedene Schichten der Kultur
der australischen Stämme zu unterscheiden und die
Kurnai der ältesten dieser Schichten zuzuweisen, ändert
an jenem Tatbestand nichts, zumal er vielfach hypothetisch
ist und mit bloßen Vermutungen arbeitet.
Göttingen. G. Wobbermin.

Erman, Adolf: Eine ägyptische Quelle der „Sprüche
Salomos". Sonderabdruck a. d. Sitzungsberichten d. Preuss. Akad.
d. Wissenschaften. Sitzg. d. philos.-histor. Kl. v. 1. Mai 1924, XV.
Berlin: W. de Gruyter & Co. in Komm. (S. 86—93 m. 2 Taf.) 4°.

Gm. —.30.

Daß in dem „salomonischen" Spruchbuch mancherlei
vorliegt, was anderswoher übernommen ist,
war schon lange bekannt. Die Überschriften in
Prov. 30, 1 und 31, 1 führen doch auch wohl darauf
. Wichtig ist, daß wir nun durch das ägyptische
Buch „die Lehre des Amen-em-hope", das von
Budge entdeckt und in den Egyptian Hieratic Papyri in
the British Museum, second Series London 1923 herausgegeben
, von H. O. Lange (vgl. Ermans Verdeutschung
in der Oriental. Literaturzeitung Mai 1924) in der „Nor-
disk Tidskrift af Letterstedska Föreningen 1924 übersetzt
wurde, festen Boden unter die Füße bekommen. —
Frühestens in der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends
v. Chr., vielleicht auch erheblich später, ist das Buch
„die Lehre des Amen-em-hope" verfaßt worden. Man
benutzte es bald in den Schulen und es mag noch bis in
das sechste Jahrhundert v. Chr. recht verbreitet und

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