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1924 Nr. 21

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465

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Mahêndra-Wikramawarman, Die Streiche des Berauschten. Satirische Posse 1924

Rezensent:

Franke, R. Otto

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Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 21.

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Aung, Shwe Zan, u. Max Walleser: Dogmatik des modernen
südlichen Buddhismus. Heidelberg 1924. In Komm, bei
O. Harrassowitz, Leipzig. (28 S.) gr. 8°. = Materialien zur Kunde
des Buddhismus, 5. Heft. Gm. 2—.

Eine „kritische Darlegung der systematischen Philosophie
, die für den modernen Standpunkt des ,südlichen'
Buddhismus in seiner maßgebenden Fassung — dem
Abhidhammatthasamgaha und der sich anschließenden
exegetischen Scholastik — charakteristisch ist" (3), beginnen
die beiden Verf. hier mit dem Versuch, den Begriff
des Bewußtseins aufzuklären (10 f.). Sicherlich
haben sie Recht (7), „daß an ein Studium der indischen
Philosophie erst gedacht werden kann, wenn man zu
einem exakten Verständnis der philosophischen Terminologie
gelangt ist, was also als eine vorbereitende,
propädeutische Arbeit unbedingt gefordert werden sollte
". Es kann aber nicht zugegeben werden, daß es, was
die buddhistische Philosophie anbetrifft, die erste Aufgabe
sein müßte, statt den Sinn der philosophischen
Begriffe aus den alten Texten selbst systematisch festzustellen
(„philologisch" und „etymologisch", 8, deckt
sich ja nicht), vielmehr an erster Stelle die sekundären
philosophischen Lehrbücher und die Kommentare dazu
und zu den älteren Texten auszunutzen (8). Auf einzelnes
, was zu erinnern wäre, wird hier nicht eingegangen
. Anerkennenswert ist die Betonung, daß Buddha
durchaus und ohne Reserve das „Nicht-Ich" oder, wie
die Verf. sagen, „die Wesenlosigkeit des Subjekts"
(15 f.) gelehrt habe.

Königsberg i.Pr. R. Otto Franke.

Mahendra-Wikramawarman, König: Die Streiche des
Berauschten. Satirische Posse. Vollständig verdeutscht von
Johannes Hertel. Leipzig: H. Haesscl 1924. (92 S.) kl. 8°. =»
Indische Dichter, Hrsg. H. Weller, Bd. 1. Gm. 1.50.

Der Dichter dieser im Grundtext von Ganapati Sästri in der
Trivandrum Sanskr. Series Nr. 55, Trivandrum 1917, herausgegebenen
ganz witzigen satirischen Posse mit dem Sanskr .-Titel Mattaviläsa-
Prahasana, die das Lasterleben der damaligen indischen Sekten verspottet
, war Anfang des 7. Jh. n. Chr. König des Pallava-Reiches
im östlichen Südindien. Ort der Handlung ist die Hauptstadt Käncl,
d. i. das jetzige Kandschiweram od., in engl. Schreibung, Conjevcram,
Zeit der Handlung etwa 600 n. Chr. Dem inhaltreichen Vorwort
folgt die Übersetzung, die einen guten Eindruck macht, dann S. 61
bis 68 eine Reihe Anmerkungen und S. 69 ff. ein Anhang „Einige
Worte über das indische Drama" (über die ältesten indischen Aufsätze
zum Drama, Verteidigung seiner früher schon geäußerten
Ansichten darüber gegen Angriffe).

Königsberg i. Pr. R.Otto Franke.

Hertel, Johannes: Die Zeit Zoroasters. Leipzig: H. Haessel
1924. (64 S.) 8°. = Indo-lranische Quellen u. Forschungen,
Heft 1. geb. Gm. 4.50.

Zweck der mit der vorliegenden Publikation beginnenden
Serie „Indo-iranische Quellen und Forschungen"
soll es sein, „durch wirklich kritische Methode den
Nebel zu zerstreuen, der in der indischen Philologie
auf sprachlichem, literarhistorischem und allgemein geschichtlichem
Gebiete noch vielfach die Tatsachen umhüllt
", und zweifellos hat H. im hier zu besprechenden
Bändchen seinen Zweck mit viel Scharfsinn und Gelehrsamkeit
zu erreichen gesucht. Es ist wohl ein Beweis
für die Dichtigkeit und Schwere der Nebel, daß
vier oder fünf dahingegangene Menschen-Generationen
von Forschern, die mindestens nicht alle ohne Fähigkeiten
waren, sich vergeblich bemüht haben, sie aufzuhellen
. Hoffen wir, daß es H. gelingen wird, nunmehr
Licht zu schaffen. In der vorliegenden Untersuchung
will er, z.B. gegen Ed. Meyer (Kuhns Zeitschr. für
vergl. Sprachforsch. XL11, 16, s. H. 36 f.) nachweisen,
daß Zoroaster viel später zu setzen sei, als es bisher
im allgemeinen geschah (seine Wirksamkeit nämlich ca.
f 550 v. Chr., S. 7 u. 21, genauer zwischen 559 und
522 S. 47), in erster Linie deshalb, weil Herodot (etwa
im 2. Viertel des 5. Jh. v. Chr.) noch nichts von ihm
und seiner Lehre weiß. Ich würde mich freuen, wenn
Verf. Recht behielte, denn es wäre eine Wohltat, das

z. T. fade oder gar höchst unerfreuliche avestische
Schrifttum möglichst weit von den alten hohen Gedanken
der indo-iranischen Urzeit fortrücken und für
eine sehr späte Entartung derselben halten zu dürfen.
Ich wage indessen vorläufig nicht, H.'s Ansicht mich
anzuschließen, weil sie meines Dafürhaltens noch nicht
bewiesen ist. Schon gleich die erste Seite von H.'s Beweisführung
(S. 7) muß dem Hoffen auf ein sicheres
Ergebnis den Boden entziehen. Beinahe ein Jh. nach
Zoroasters angeblicher Wirkenszeit scheint Herodot auf
seiner Reise durch das persische Reich, wie bemerkt,
noch nichts von ihm und seiner Lehre erfahren zu
haben, und er „kann.. auch die persischen Keilinschriften
" (in denen die Achämenideii Darius I. und seine
Nachfolger sich zum Zoroastrismus bekennen) „nicht
gesehen haben". Wenn Herodot Dinge, die zugestandenermaßen
und zweifellos im Perserreiche schon vorhanden
waren, nicht kennt und erwähnt, wie soll man
sich imstande fühlen, die Meinung zu teilen, das Erstaufkommen
dieser Dinge ließe sich aufgrund seines
Schweigens über sie datieren? Es lassen sich ja auch
andere Gründe dieses Schweigens denken. Der persische
Naturkult, das Tieropfer (S. 10 u. 12) und die
Bestattung der Toten durch Hunde und Vögel (11)
fielen leicht in die Augen, aber Zoroasters geistige
Lehre entzog sich dem Blick. Man stelle sich einmal
vor, Herodot hätte über die Rgveda-Religion zu berichten
gehabt! Würde er wohl eines Weisen wie
Vasistha (und eines möglicherweise diesem anhängenden
Kreises) Verehrung des Asura Varuna als alt-indische
Religion hingestellt haben und nicht vielmehr den
deva-Kult der breiteren Masse, z.B. den Sorna- und
Agnikult, und die Verehrung so massiver Götter wie
des Indra? Ferner war ja Gott Aura und Ahura gar
nicht eben erst aufgestellt, sondern uralt, da er, zuzusammengehalten
mit dem altindischen Asura, sich als
ur-indo-iranisch erweist, wie auch Mitra (in der Inschrift
Artaxerxes' IL, H. 32) schon der indo-iranischen
Urzeit angehört. H. hilft sich freilich dadurch, daß er
den Spieß umkehrt und den Rgveda erst auf das Avesta
folgen läßt (58 ff.), was er bekanntlich auch noch in
einer besonderen Publikation getan hat. Auf den Boden
solcher Ansichten ihm zu folgen werden aber vermutlich
wenige imstande sein. Auch die andere, negative,
Hälfte des mazdayasnischen Dualismus, das Reich des
Bösen, ist, nur nicht so systematisch oder schematiscli
ausgestaltet, schon im Rgv. (und früher) vorhanden:
im Gegensatze der Götter und des Dämons, der im
Rgv. meist Vrtra heißt, und im Gegensatze des hauptsächlich
guten Weltgesetzes Rta und der Nir-rti
oder auch des an-rta („Lüge", „Unrecht") U. s. w. —
Als das Allerunverständlichste erscheint mir, wie H.
den Umstand so ganz unbeachtet lassen konnte, daß
der Zoroastrismus im eigentlichen Perser-Lande ursprünglich
ein Fremdling war. H. selbst in II, 6 f. dieser
Serie weist das Avesta augenscheinlich den Mcdern
zu und spricht ebd. 41 vom „Awestavolk". Nehmen
wir auch an, wir könnten das Datum seiner Einführung
nach Persien sicher bestimmen, — über das Datum seiner
Entstehung ist damit nichts gesagt.
Königsberg i.Pr. R. Otto Franke.

H a n s e n , P. Guillamore: Sören Kierkegaard og Bibelen. Kopenhagen
; P. Haase og Sön 1924. (295 S.) 8°. dän. Kr. 8.50.

Ein alter emeritierter Geistlicher hat sein Otium
dazu benützt die Jugendliebe zu Kierkegaard neu zu beleben
; aus den beiden großen Sammlungen der „Nachgelassenen
Papiere" („Af Sören Kierkegaards Efter-
ladte Papirer" herausg. v. H. P. Barfod und H. Gottsched
, I—VIII, Kopenhagen 1869—81; und der neuen;
von P. A. Heiberg und V. Kühr besorgten Standardausgabe
: „Sören Kierkegaards Papirer", die in 9 (11)
Bände 1909—1920 bis 2. Januar 1849 gelangt ist) hat
er eine bedeutende Zahl von Stellen zusammengetragen,
in denen über Bibel oder einzelne Bibelworte die Rede