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Ausgabe:

1924

Spalte:

457-462

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bardy, Gustave

Titel/Untertitel:

Paul de Samosate 1924

Rezensent:

Loofs, Friedrich

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack

Herausgegeben von Professor D. Emanuel HlFSCh unter Mitwirkung von

Prof. D. Wilh. Heitmüller, Prof. D. Dr. 0. Hölscher, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

Bezugspreise vierteljährlich 7.50 Gm.; 11— s. Fr.; 9 sh.; 2—$; 5.40 Fl.; 11.50 d. Kr.; 14.40 n. Kr.;

7.50 s. Kr.; 45— Lire; 66.50 tsch. Kr.; 80— finn. Mark.

40 Ijlhrcr Nr 71 Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch In Qöttingen, 10 ftLfnho«' 1Q74
t/. «iuiiiiS, iti.ii. Nikolausberger Weg 31, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. 1(5. UMUUbl I7Z.t.

Bardy, Paul de Samosate (Loofs).

Hertel, Die Himmelstore im Veda und im
Avresta (Pranke).

Wal leser, Sprache und Heimat des Pali-
Kanons (Ders.).

Rosenberg, Die Weltanschauung des modernen
Buddhismus im fernen Osten (Ders.).

A u n g u. W a 11 es e r , Dogmatik des modernen
südlichen Buddhismus (Ders.).

Mahendra-Wikramawarman , Die
Streiche des Berauschten (Ders.).

Hertel, Die Zeit Zoroasters (Ders.).

Hansen, Sören Kierkegaard og Bibelen (Mos-
bech).

M i n g e s , Über Väterzitate bei den Scholastikern
(Scheel).

Schneider, Die Erkenntnislehre des Johannes
Eriugena (Ders.).

Luyckx, Die Erkenntnislehre Bonaventuras
(Ders.).

O rabin an n, Hilfsmittel des Thomasstudiums

aus alter Zeit (Ders.).
The Church Quarterly Review (Kattenbusch).

Schulte, Die Kaiser- und Königs-Krönungen
zu Aachen 813-1531 (Wenck).

Maistre, Vom Papste (Koch).

Hermelink, Katholizismus und Protestantismus
in der Gegenwart, vornehmlich in
Deutschland (Fendt).

Svenska Kyrkans Arsbok (Katz).

Goedeckemeyer, Aristoteles praktische
Philosophie (Jordan).

Zeitschrift für systematische Theologie (Mayer,
Straliburg).

Hellemann, Neugeburt d. Gemeinschaft (Rust).

Bardy, Prof. Gustave: Paul de Samosate. Etüde historique.
Paris: H. Champion 1923. (XII, 581 S.) gr. 8°. = Spicilegium
sacrum Lovanieuse 4.

Dies Buch, das, wie ich brieflich aus Paris erfahren
habe, im letzten Winter als „These" für den theologischen
Doktorgrad dort hohe Anerkennung gefunden
hat, war dieser Zeitung nicht zugesandt worden. Aber
es ist eine so beachtenswerte Erscheinung, daß ich, auf
buchhändlerischem Wege seiner habhaft geworden, mich
verpflichtet gefühlt habe, mir den Raum für diese Anzeige
zu erbitten. Bei ihrer Korrektur kann ich hinzufügen
, daß der Pariser Verlag inzwischen der Bitte
um ein Besprechungsexemplar Folge gegeben hat.

Nicht nur den Seitenzahlen nach ist diese Monographie
über Paul von Samosata viel umfangreicher, als
meine wenige Monate später erschienene (im Folgenden
: PvS); sie steckt sich auch ihren Rahmen weiter
ab: nachdem im ersten Buche (S. 1 — 117) die Quellen,
im zweiten (S. 119—302) die Geschichte Pauls, im
dritten seine Lehre behandelt ist (S. 303—395: Kap. I:
Les fragments de Paul de S., Kap. II: La theologie de
Paul de S.), folgt S. 397—522 ein langes viertes Buch:
„Les survivances de Samosatenisme", das bis in die
Zeit des Febronius hinabsteigt. Auch die Gelehrsamkeit
des Verf.'s ist umfangreicher, als die meinige. —
Eine gewisse Breite ist an dem Buche freilich nicht zu
verkennen: Das zweite Buch beginnt mit einem „Le
milieu Antiochien" betitelten Kap. I (S. 121 — 158), und
Kap. II (Les debuts de P. de S.) bespricht, ehe es zu
dem Samosatener kommt, 1) , L'empire romain sous les
regnes de Valerien et de Gallien; prise d'Antioche par
les Perses et — eine sehr fragwürdige Größe! — exil de
Dcmctrianus" und 2) „La domination palmyrenienne";
die Register füllen 56 Seiten. Aber die Breite ist, obwohl
Wiederholungen nicht ganz fehlen (vgl. z. B. S. 15 f. und
468f.), doch nicht störend; sie gehört zu der gefälligen
Klarheit französischer Schriftstellerei. Die fünf Register
(zitierte Hss. S. 525 f.; zitierte Literatur, S. 526—546;
„Citations", d. i. 1) Fundstellen der Fragmente und
2) Schriftzitate, S. 547—550; Namen und Sachen, S.
551—576; Inhaltsverzeichnis, S. 577—581) entsprechen
der Vornehmheit und Sorgfalt der Drucklegung des
Werkes. Und den Umfang der Gelehrsamkeit des Verfassers
rückt nicht nur der weite Rahmen seines Buches
ins Licht; überall zeigt sich eine außergewöhnliche Belesenheit
in den Quellen und in der Literatur (ein-
chließlich der orientalischen) — nur Feuerlein, Ehrlich
, Walch's Ketzergeschichte (PvS 97—101) und einige
Arbeiten von E. Schwartz habe ich vermißt —; aus
der altkirchlichen Literatur sind weit mehr von Paul
v. Samosata redende Stellen nachgewiesen, als bei mir,
und nicht nur solche, die ich als bedeutungslos absichtlich
beiseite gelassen habe (vgl. über Chrysostomus
S. 35 f. und 383, Anm. 3, über Eulogius S. 41 und 278,
Anm. 3, über Maruta von Maipherkat S. 37 u. ö.; über
Severus v. Antiochien und Timotheus Aelurus die Stellen
im Sachregister und das, was unten folgt); auch
sieben wertvolle neue Fragmente sind nachgewiesen.

So schätzenswert Bardy's Buch daher auch ist — es
darf in keiner größeren Bibliothek fehlen —, ich glaube
doch sagen zu dürfen, daß es mein Buch nicht überflüssig
gemacht hat. In manchen Einzelheiten gehen
wir freilich zusammen; im Wichtigsten aber weichen
wir weit von einander ab. Bardy zeichnet mit großem
Fleiß und bewundernswerter Kenntnis das traditionelle
Bild Pauls, des weltlich gesinnten, sittlich anrüchigen
bischöflichen „Vicekönigs der palmyrenischen Herrscher
", des judaisierenden dynamistischen Monarchianers,
des Günstlings der Zenobia. Zweifel an der Richtigkeit
dieses Bildes kommen ihm nicht. Ja, sein „portrait
de l'heresiarque" (wie es gleich auf der ersten
Seite, Z. 6, heißt) scheut sich nicht, jeden dieser drei
Züge phantastisch grell auszumalen:

„Le Samosatecn etait un homme sans scrupulcs et ne pratiquait
aucune des vcrtus exigees du chef d'une Eglise chrdtienne" (S. 180f.);
wenn er die Hymnen auf Christus als „moderne Machwerke" verwarf,
so war der angegebene Grund nur ein Vorwand (183); die Briefe, die
er im Gehen diktierte, waren Propagandabriefe (6f.); und in bezug
auf seine „Syneisakten" weiß Bardy: tout le monde a pu voir Paul
se promener avec deux jeunes femmes et les inviter ä des somptueux
repas (188). Von der Lehre Pauls und dem Widerspruch, den sie
fand, heißt es in den Schlußworten des Buches: La doctrine de Paul
de Samosate est la supremc negation de la revelation chretienne.
D'autres hcresies pouvaient atteindre des points plus ou moins impor-
tants de l'enseignement orthodoxe. Cellc-ci frappe en son centre. Qu'y
a-t-il d'etonnant ä ce que contre eile se soient liguees toutes les forces
de 1'Eglise? (522). Auch B.'s Auffassung des dritten Zuges können wenige
Zitate veranschaulichen: La puissance de-Palmyre ... eut pour corol-
laire la Constitution d'un culte officiel necessairement syncretique,
capablc d'etre aeeepte dans tous les pays soumis au nouvel etat. De
ce culte, mätine de judaisme, d'astrologie babylonienne, de paganisme
local, on ne saurait dire que Paul de Samosate fut un predicateur
(174). Installe comme eveque par Zenobie, investi d'une charge im-
portante dans l'administration eivile, sa presence etait ä eile seule une
protestation contre le romanisme. Autour de lui se groupaient tous
ceux, Juifs, paiens et chreTiens, qui aeeeptaient le nouveau regime
(194).

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