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Ausgabe:

1924 Nr. 20

Spalte:

444-446

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Conscientia, Anno II

Titel/Untertitel:

1923 1924

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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443

Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 20.

444

Altaner, Priv.-Doz. Dr. Berthold: Die Dominikanermissionen

des 13. Jahrhunderts. Forschungen z. Geschichte der kirchl.
Unionen u. der Mohammedaner- u. Heidenmission des Mittelalters.
Habelschwerdt: Frankes Buchh. 1924. (XXIV, 248 S.) 4°. = Breslauer
Studien zur histor. Theologie hrsg. v. J. Wittig u. Fr. H.
Seppelt Bd. III. Gm. 10—.

Der durch seine Untersuchung der Quellen zum
Leben des h. Dominikus rühmlich bekannte Verfasser
bietet hier eine Abhandlung, die von niemand, der über
die Missionsgeschichte im Mittelalter sich unterrichten
will, übersehen werden darf. Mit einer ganz außerordentlichen
Belesenheit bringt er aus den entlegensten
Quellen eine Fülle von bisher meist unbekannten Nachrichten
, die in streng wissenschaftlicher Weise verarbeitet
werden. Freilich leidet, weil A. sich fast ausschließlich
auf urkundliches Material stützt, da und
dort die fortlaufende Entwicklung, es häufen sich Stellenangaben
, leere Namen und Zahlen, sowie dann ausführliche
Spezialuntersuchungen, die den Text belasten:
und es darf vielleicht die Frage erhoben werden, ob
nicht, wenn minderwertigere Quellen, wie Legenden u. a.,
mehr herbeigezogen worden wären, vielleicht doch da
und dort tiefer noch in die inneren Motive und Vorgänge
der Missionen hätte eingedrungen werden können, aber
A.'s Art hat jedenfalls den Vorzug, daß seine Ergebnisse
weil auf Urkunden sich stützend ein sicheres und
zuverlässiges Gerippe darbieten. Die an sich bedauerliche
Beschränkung der Arbeit auf die Dominikanermissionen
war durch die schon vorhandenen neuen
Untersuchungen v. Golubowich, Lemmens u. a. über die
Franziskanermissionen veranlaßt, konnte freilich bei der
nahen Berührung der Tätigkeit beider Orden nicht ganz
durchgeführt werden. In geographischer Reihenfolge
werden die Missionen in Griechenland, Vorderasien,
Nordafrika, Rußland und den Ostseeländern besprochen.
Unter Mission versteht A., wie im Mittelalter üblich,
alle Ausdehnungsbestrebungen der römischen Kirche
durch Union mit den schismatischen Christen des
Ostens, durch Evangelisationsarbeit in Verbindung mit
militärischer und politischer Machtentfaltung und durch
eigentliche Missionspredigt. Von dem Erfolg all der
heroischen Bestrebungen gilt im ganzen, was A. am
Schluß des Abschnitts über Andreas von Longjumeau
schreibt (S. 138): „Man gewinnt immer wieder den
Eindruck, daß weder die an der Missionsfront tätigen
Missionare noch die päpstlichen Behörden die Fähigkeit
besessen haben, die tatsächliche Lage der Dinge
nüchtern und richtig zu erkennen und danach die notwendigen
Maßnahmen zu treffen. Große Pläne und
Hoffnungen erfüllten die Gemüter und schließlich endigte
alles mit einem großen Mißerfolge." Die
Unionsversuche schlugen alle fehl, weil man nicht
erkannte, (man bekommt fast den Eindruck: nicht erkennen
wollte), daß die Neigung der Schismatiker zur
Union mit Rom immer nur dem Verlangen nach politischer
Hilfe, nie religiösen Beweggründen entsprang.
Die charakteristisch mittelalterliche Missionsmethode war
die, wie sie in Palästina versucht und in den Ostseeländern
durchgeführt wurde, die nichtchristlichen Länder
militärisch niederzuwerfen, den unterworfenen Völkern
als einzige Lebensrettung die Taufe aufzuzwingen
und ein Netz von kirchlichen Organisationen ihnen
überzuwerfen, wonach dann erst in jahrzehntelanger
Kleinarbeit, die nur unter dauernder militärischer Niederhaltung
des Volkes gelingen konnte, die allmähliche
Christianisierung herbeigeführt wurde. Ein ganz kleiner
Teil der Arbeit der Bettelorden war der direkten,
von politischen Absichten unberührten und von weltlichen
Mitteln nicht unterstützten Mission gewidmet
. Ihre minimalen Erfolge werden von A. hauptsächlich
dem Mangel an Sprachenkenntnis und der Zu-
sammenhangslosigkeit der einzelnen Missionsvorstöße
zugeschrieben. Aber ich möchte doch noch eine Frage
aufwerfen, die tiefer greift. Aus den frühesten Legenden
der Franziskaner ist zu ersehen, daß das Hauptmotiv der
ausziehenden Missionare nicht das Verlangen war, den

Ungläubigen das Evangelium zu bringen, sondern für
sich die Märtyrerkrone zu erlangen, oder anders ausgedrückt
, in den Kreisen, in denen diese Legenden entstanden
und gelesen wurden, galt es als selbstverständlich
, daß das Verlangen nach dem Martyrium das
Hauptmotiv der Missionare war (vgl. Franz v. Assisi,
Antonius v. Padua, die 5 marokkanischen Märtyrer u. a.).
Ich finde nun bei A. keine Auskunft darüber, ob das bei
den Dominikanern ebenso oder anders war. Wo der
Blick der Missionare und Missionsleitung auf die eigene
Krone statt auf die zu bekehrenden Ungläubigen gerichtet
war, ist es kein Wunder, wenn man nicht viel um
Vorbereitungen sich mühte, die einen Erfolg der Mission
sichern konnten, dann ist begreiflich, daß das Auftreten
der Missionare unter den Ungläubigen öfters so geschildert
wird, als ob sie mit Absicht dieselben eher
zu Gewalttaten reizen, als zur Bekehrung locken wollten,
dann ist auch begreiflich, warum da und dort die im
fremden Land wohnenden Christen die Mission sich vom
Leib zu halten suchten (vgl. S. 99). A. weiß nun wohl
von Bemühungen der Christen zu berichten, z. B. den
Islam richtig kennen zu lernen (S. 86 f. 95 f.), sowie von
Aufforderungen und Veranstaltungen, die Sprachen der
Ungläubigen zu erlernen, (S. 43 f. 91 f.) und dadurch
einen Missionserfolg besser vorzubereiten; aber im Ganzen
waren diese Bemühungen doch sehr vereinzelt, und
auch er weiß davon zu sagen, wie die Blicke der Missionare
bei allen heroischen Leistungen und scheinbaren
Erfolgen auf den eigenen Lohn gerichtet waren (S. 5.
187). Wo das der Fall ist, da ist der Missionsarbeit das
richtige Ziel verrückt und der tiefere Erfolg genommen.
Freilich A. berichtet über diese Dinge zu wenig, als
daß man zu einem Urteil berechtigt wäre.

Stuttgart. Ed. Lempp.

Rossi, A. Mario: Lutero e Roma. La fatale scintilla 1517-1519.
Roma: Casa editrice „Bilychnis" 1923. (478 S.) 8°. L. 15—.

Müller, A. V.: II Dr Paulus di Monaco U Beato Fidati e Lutero

(Estratti Rivista „Bilychnis" II. Serie Nr. 84. Roma: 1922. (13 S.).
Conscientia, Anno II, 1923. Roma: Societa anonima poligrafica
italiana.

Rivista trimestriale di Studi filosofici e religiosi, vol. IV, 1923,
Perugia.

Ii Progresso religioso Anno IV, 1924, Firenze.

Solovev, Vladimiro: I fondamenti sprirituali della vita.

Traduzione dal Russo con introduzione di Aurelio Palmicri.

„Maestri della vita spirituale" I. Bologna: N. Zanichelli 1922.

(204 S.) 8<>. L. 10-.

Über drei der Zeitschriften, die vorstehend bezeichnet sind, habe
ich schon 1922, Nr. 23 (18. Nov.) berichtet. Die „Conscientia" ist,
wenn ich recht sehe (der 1. Jahrgang, wo vielleicht bestimmte Auskunft
gegeben, ist mir unbekannt geblieben; als „casa" editrice ist
angegeben „Bilychnis", von der ich als solcher seit 1922 nichts mehr
erfahren habe), eine Umgestaltung der Bilychnis, die ich auch
1921, Nr. 7/8 (Mai) besprach und eingehend charakterisierte. Das
frühere Monatsblatt ist unter dem' neuen Titel zur Wochenschrift geworden
und gleicht jetzt einer großen Zeitung. Der ursprüngliche
Titel, „Doppelleuchte" (oder wie man übersetzen mag: Xv/vk bezeichnete
eine Pflanze mit leuchtender roter Farbe, auch einen im Dunkeln
leuchtenden Edelstein; die „Lampe", „Leuchte" hieß Xvvyos, das
Bild, welches im Titel der Bilychnis stand, war eine antike Lampe
mit zwei Flammen) deutete auf zwiefache Grundtendenz, eine so belehrende
wie erbauende. Das Blatt wollte im italienischen Volksleben
dem Evangelium zu Einfluß verhelfen, dazu dienen, daß
das zeitliche, das nationale Leben durchflutet werde von christlichem
Geiste, dem Geiste der Ewigkeit. Also das Blatt mochte am ehesten
unserer „Christlichen Welt" verglichen werden. In der neuen Form
hat es die Tendenz nicht geändert, eher noch bewußter und vollständiger
sich darauf eingestellt. An der Spitze jeder Nummer bringt
es sein „Programm" in einem kurzen Satze zum Ausdruck: Die
Conscientia wende sich an alle diejenigen, welche die „Zukunft
Italiens" mit seiner „geistlichen Erneuerung" (rinascita spirituale) in
Eins dächten und bereit seien, aus den „tradizioni italiane di riforma
religiosa" die Triebkräfte eines „rinnovamento nazionale" in der
Gegenwart zu entnehmen. Der neue Titel ist glücklicher als der
erste, er macht sofort klar, daß es sich um ein Blatt von ernstester,
nicht unmittelbar konfessionell evangelischer, aber bewußt christlich-
reformatorischer Abzielung handelt. Es beleuchtet in der Tat alle politischen
Verhältnisse in solchem Geiste, insonderheit alle Vorgänge im
öffentlichen Leben Italiens, natürlich u. a. die Beziehungen zum