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Ausgabe:

1924

Spalte:

409-412

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pettazzoni, Raffaele

Titel/Untertitel:

J Misteri. Saggio di une teoria storico religiosa 1924

Rezensent:

Clemen, Carl

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack

Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von

Prof. D. Wilh. Heitmüller, Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

Bezugspreise vierteljährlich 7.50 Gm.; 11— s. Fr.; 9 sh.; 2—$; 5.40 Fl.; 11.50 d. Kr.; 14.40 n. Kr.;

7.50 s. Kr.; 45— Lire; 66.50 tsch. Kr.; 80— finn. Mark.

AQ I'iht-rr Nr 10 .Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind aussch 1 ießlich an Professor D. Hirsch in Oöttingen, Jft C«ntpnihf>r 1074

iy. JUlirg. nr. ly. Nikolausberger Weg 31, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. OCUICIIIUCI IZiVf.

Pettazzoni, J Misten (Cleinen).
Letpoldt, Handbuch der Religionswissenschaft

(Wobbermin).
Recherches de Science Religieuse (Greßmann).
Wüst, Der Lamaisnius als Religionsform der

hochasiatischen Landschaft (Gemen).
Jacob, The Decalogue (Dalman).
Robinson, The Book of Arnos (Volz).
Gairdner, King Hezekiah (Ders.).
Botttflower, In and around the Book of

Daniel (Ders.).
H e i n i s c h , Die persönliche Weisheit des Alten

Testaments (Ders.).
Ganzfrid, Quissür sulhän 'ärilk im Tr ditwid

(Dalman).

Mader, Viereiniges Evangelium (Dibelius).

Ghellinck, Backer, Poukens, Lebacqz,
Pour l'histoire du mot „Sacramentutn" (Lohmeyer
).

Brettle, Van Vicente Eerrer und sein
literarischer Nachlaß (Riickert).

Wendlandt, Die weiblichen Orden und Kongregationen
der katholischen Kirche (Ders.).

W Q nsch, Gotteserfahrung und sittliche Tat
bei Luther (Hirsch).

Vorländer, Kant-Schiller-Goethe (Rust).

Kant, Briefwechsel (Hirsch).

Kutter, Im Anfang war die Tat (Thimme).

St im er, Der Einzige und sein Eigentum
(Hirsch).

Adolph, Die Weltanschauung Gustav Theodor
Fechners (Thiinme).

B r u n n e r , Die Grenzen der Humanität (Siegfried
).

Wobbermin, Religionsphilosophie (Schmidt).
H ö f f d i n g , Erlebnis und Deutung (Siegfried
).

Cahn, Christentum und Wirtschaftsethik

(Schian).
Die Tat (Ders.).

Arper, Zillessen, Evangelisches Kirchenbuch
(Smend).

Eberhard, Arbeitsschulmälliger Religionsunterricht
(Ders.).

Pettazzoni, Raffaele: J Misteri. Saggio di une teoria storico-
religiosa. Bologna: N. Zanichelli 1924. (XIX, 352 S.) 8°. (Storia
delle religioni 7.)

Pettazzoni, dem wir außer kleineren Arbeiten schon
den ersten Band eines Werkes über Entstehung und
Entwicklung des Monotheismus, eine Geschichte des
Parsismus und eine solche der griechischen Religion
bis auf Alexander verdanken, gibt in dem vorliegenden,
die zuletzt genannten beiden in gewisser Weise
fortsetzenden Buche eine Darstellung der Mysterienreligionen
ebenfalls nach Entstehung und Entwicklung.
So spricht er zunächst, einen 1912 im 65. Bande der
Revue d'histoire des religions veröffentlichten Artikel
weiter ausführend, von dem Rhombus oder Schwirrholz,
das nicht nur bei zahlreichen Primitiven (und in verschiedenen
Gegenden Europas noch jetzt) als Zaubergerät
oder bloß als Spielzeug vorkommt, sondern auch
in den orphischen und andern Mysterien eine Rolle
spielte. Das wird hier in größerem Umfange, als es
bisher geschehen war, nachgewiesen oder wenigstens
wahrscheinlich gemacht, ja P. ist geneigt, auch den
Gebrauch des Rhombus als Liebeszauber bei den Griechen
auf seine entsprechende Verwendung bei Primitiven
zurückzuführen, was mir nicht notwendig zu sein
scheint. Daß dagegen auch in mancherlei andern Beziehungen
die primitiven Pubertäts- und Geheimbund-
Weihen in den griechischen Mysterien nachwirken, glaube
ich in einem im laufenden Jahrgang des Anthropos
erscheinenden Artikel gezeigt zu haben.

P. behandelt dann in einem 2. Kapitel die kretischen
und weiter die eleusinischen Mysterien, die übrigens, wie
Bloch (bei Roscher) auch Persson im vorigen Jahrgang
des Archivs für Religionswissenschaft auf die
vorgriechische Bevölkerung und zwar Kretas zurückgeführt
hat. Wenn P. in der sog. alaygoloyke einen
„entfernten Rest einer primitiven sexuellen Ungebunden-
heit" sieht, so scheint mir das nicht nötig zu sein;
m. M. n. genügt der Hinweis auf den ursprünglichen
Zweck dieser Begehungen, nämlich die Beförderung der
Fruchtbarkeit. Dagegen möchte ich den Einfluß des
Orphismus auf die eleusinischen Mysterien höher als
P. einschätzen; die Verwandlung eines Ackerbau- in
einen Mysterienkult scheint mir nur aus einem solchen

Vorbild recht erklärt werden zu können. Aus der Behandlung
des Orphismus selbst hebe ich als neu die=
Umschreibung des egirpog ig yäl' «VreTec mit: hai
raggiunto la massima beatitudine, perche hai realiz-
zato l'aspirazione congenita nella tua natura (S. 66)
hervor, die neben den anderen, älteren Erklärungen des
Spruches wohl Beachtung verdient. Was weiterhin die
Mysterien der Kabiren betrifft, so modifiziert P. seine
1908 in den Memorie della r. accademia dei Lincei,
Classe di scienze morali V, 12 gegebene Erklärung,
indem er auch ihre Verbreitung in Böotien berücksichtigt
und andererseits den phönikischen Einfluß zu Gunsten
des thrakischen einschränkt; namentlich wird ein solcher
des Orphismus erwiesen — ebenso wie auf die
Mysterien von Andania. Auch für den thrakischen Ursprung
der Sabaziosmysterien werden neue Gründe angeführt
, von denen mir freilich der aus der Verwendung
einer Schlange in ihnen entnommene für sich nicht
zwingend zu sein scheint.

Die Mysterien des Attis und der Kybele läßt P. in
rudimentärer Form aus der phrygischen Religion, im
eigentlichen Sinne aber erst auf griechischem Boden
und unter griechischem Einfluß entstehen, und in der
Tat kann man erst hier von Mysterien, die mit den bisher
besprochenen zu vergleichen wären, reden. Im einzelnen
ist es mir zweifelhaft, ob die Bezeichnung des
in die Attismysterien einzuweihenden als homo mori-
turU9 bei Firmicus Maternus, de err. 18 sich wirklich
auf den Tod im bildlichen Sinne bezieht; ich habe
darüber in einem 1920 im rheinischen Museum erschienenen
Aufsatz gehandelt.

Auch von ägyptischen Mysterien darf man in demselben
Sinne, wie es sonst hier geschieht, in alter Zeit
nicht sprechen — der Ausdruck sesta, der auf der Stele
aus der Zeit Senusrets III. gebraucht wird, bedeutet,
wie mich mein verehrter Kollege Wiedemann belehrt,
nur das Geheimnis und Herodot redete von ägyptischen
Mysterien blos, weil ihn der öffentliche Kult des Osiris
an die eleusinischen Mysterien erinnerte, ohne daß zu
seiner Zeit schon andere als der Pharao und zwar, um
ihnen die Seligkeit nach dem Tode zu verschaffen, mit
Osiris identifiziert worden wären. Nicht nur Mysteriengemeinschaften
(das gibt P. selbst zu), sondern auch

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