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Ausgabe:

1924 Nr. 18

Spalte:

387-388

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Devaranne, Theodor

Titel/Untertitel:

Chinas Volksreligion 1924

Rezensent:

Haas, Hans

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Seite 1

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387

Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. 18.

388

Illustreret Religionshistorie af Vilh. Qrönbech, Bernhard Karlgren,
Sten Konow, H.O. Lange, Edv. Lehmann, Martin P. Nilsson, Johannes
Pedersen og Knut Tallqvist. Udgivet ved Edv. Lehmann
Kopenhagen: O.E.C. Gad. 1924. (5S8 S.) gr. 8°. dän.Kr. 24-.
Ein Kreis skandinavischer Religionsforscher hat
sich unter der Leitung von Edv. Lehmann zusammengetan
um ihren Landsleuten eine in der nordischen
Literatur bisher vermißte ausführliche Darstellung der
fremden Religionen zu geben; das Unternehmen ist
auch „gemeinskandinavisch" insofern, als die drei
Sprachen: die dänische, die norwegische und die schwedische
darin vertreten sind, da die Beiträge der Mitarbeiter
in der Muttersprache des Betreffenden abgedruckt
sind, nur daß der finnische Gelehrte selbstverständlich
schwedisch schreibt. Die Verfasser sind alle
auf den verschiedenen Gebieten anerkannte Fachgelehrte
, so daß die wissenschaftliche Art und Genauigkeit
der Leistungen dadurch als gesichert gelten kann;
zugleich sind sie bestrebt gewesen die Darstellung derartig
zu gestalten, daß sie jedem gebildeten Leser ohne
besondere Voraussetzungen faßbar sei. Der einleitende
Abschnitt über religiöses Leben überhaupt und über
primitive Religion (S. 1—34) stammt vom Herausj-
geber und gibt eine kurze Phänomenologie der niedrigen
Religionsformen; dann folgt (S. 35—98) eine sehr
inhaltreiche aber zugleich übersichtliche Darstellung der !
ägyptischen Religion von H. O. Lange, vormals Direktor
der königlichen Bibliothek, jetzt Lektor für
Ägyptologie an der Universität Kopenhagen. Die babylonisch
-assyrische Religion (S. 99—146) hat der finnische
Assyriologe Prof. Tallqvist-Helsingfors übernommen
, und er hat seine Schilderung durch eine ansehnliche
Zahl von Texten in schwedischer Übersetzung
erläutert, nicht selten solche, bei denen ein Vergleich
mit alttestamentlichen Aussagen nahe liegt. Eine
fesselnde Darstellung der islamischen Religion, ihrer
Voraussetzungen und ihrer Entwicklung bis auf unsere
Zeit hat der Kopenhagener Semitist Prof. Johannes
Pedersen (S. 147—216) gegeben, und über die mannigfachen
indischen Religionen und ihre Spekulationen
berichtet (S. 217—344) ausführlich Prof. Sten Konow-
Oslo (Kristiania). Von Edv. Lehmann liegt schon in
der dänischen Sprache ein großes Werk über Zara-
thustra vor (I—II; Kopenhagen 1899—1902); ganz
natürlich hat er dann hier die Behandlung des Parsis-
mus (S. 345—380) übernommen und dazu eine kurze
Besprechung des Manichäismus (S. 381—390) beigefügt
. Die griechische und römische Religion von den
ältesten Zeiten bis zu ihrer Auflösung durch das Eindringen
der orientalischen Mysterienreligionen hat (S.
391—478) in dem wohlbekannten klassischen Philologen
und Archäologen Prof. Martin Nilsson-Lund seinen
berufenen Darsteller gefunden, ganz wie die nordische
Religion (S. 479—521) in dem Kopenhagener
Religionshistoriker Prof. Vilh. Grönbech, dessen großes
vierbändiges Werk über altnordische Religion und Kultur
(„Vor Folkeaet i Oldtiden". Bd. I: „Lykkemand
og Niding", 1909. Bd. II: „Midgaard og Menneske-
livet", 1912; Bd. III: „Hellighed og Heiligdom",
1912. Bd. IV: „Menneskelivet og Guderne", 1912)
auch auf anderen Gebieten vorbildlich gewirkt hat. Der
Schlußabschnitt über die Religion in China und Japan
(S. 523—580) rührt von einem schwedischen Sinologen
Prof. Bernhard Karlgren-Gothenburg her. — Das
Werk ist mit mehr als 150 sorgfältig ausgesuchten
Illustrationen versehen und auch bezüglich Papier und
Druck sehr hübsch ausgestattet. Beigegeben ist schließlich
ein Sachregister und eine die Verbreitung der
verschiedenen Hauptreligionen darstellende Weltkarte.
Kopenhagen. Holger Masbech.

Devaranne, Pfarrer Th.: Chinas Volksreligion dargestellt nach
einer Rundfrage und verglichen mit den Grundlehren des Laotze,
Konfuzius und Buddha. Tübingen: J.C.B. Mohr 1924. (48 S.)
gr. 8°. = Sammig. gemeinverst. Vorträge u. Schriften aus d. Oe-
biet d. Theologie u. Religionsgesch. Heft 107.

Gm. 1—; Subskr.-Preis —90

Das Glaubensexamen, das die „Rundfrage" des
Titels, ergangen an chinesisches Volk jeder Altersstufe
und der verschiedensten Stände der Mittelschicht,
abgenommen, geht auf britischer oder amerikanischer
Missionare, nicht auf des deutschen Missionsinspektors
Devaranne Rechnung. Er referiert nur über das Ergebnis
. Ob viel anderes, ob besseres, ob auch nur
gleichwertiges und ebenbürtiges herauskäme, wenn man
bei uns selber Leute in so großer Zahl bereit fände, so
einen indiskreten Fragebogen mit ganzen 70 Herzen
und Nieren prüfenden Antworten auszufüllen? Von M.
Horten haben wir zwei Bücher: „Die religiöse Gedankenwelt
der gebildeten Muslim" (1916) und „Die
religiöse Gedankenwelt des Volkes im heutigen Islam
" (1917). Weiter Abstand! Es ist überall dasselbe
: Des Höhenborns reines Gewässer trübe Schlammflut
im Unterlaufe! Oder aber versickert und endend in
ärmlichen Lachen, umschwirrt von Gemücke! (Ausführlicher
habe ich Devarannes lesenswertes Heft auf
Ersuchen im Theol. Literaturblatt und in der Zeitschr.
f. Missionsk. u. Relw. angezeigt.).

Leipzig. H. Haas.

Klein, Samuel: Neue Beiträge zur Geschichte und Geographie
Galiläas. Wien: Verlag „Menorah" 1923. (IV, 56 S.) 8". = Palästina
-Studien Heft 1.

Der durch seine „Beiträge zur Geographie und
Geschichte Galiläas" (1909) als gründlicher Arbeiter
auf dem Gebiet des topographischen Materials in der
rabbinischen Literatur bekannte Verfasser hatte seit jenem
ersten Werk durch Artikel in verschiedenen Zeitschriften
, besonders aber durch seine hebräische Geographie
Palästinas, Erez Jisrael (ohne Jahr, wohl 1922,
Verlag „Menorah", Wien), sein Jüdisch-Palästinisches
Corpus Inscriptionum (R. Lowit Verlag, Wien-Berlin
1920) und durch seine Abhandlung über die Küstenstraße
Palästinas in den Scripta Univers. atque Bibli-
othecae Hierosomymitanarum (Jerusalem 1923) sein
rastloses Fortarbeiten auf dem Gebiet der Kunde vom
jüdischen Palästina kundgetan. Willkommen sind dem
Palästinaforscher auch die „Neuen Beiträge", welche
sich mit dem Geschick Galiläas im Kriege gegen Rom
und in dem Jahrhundert nach demselben beschäftigen.
Die Nachrichten des Josephus werden durch die Mitteilungen
der rabbinischen Literatur ergänzt und so ein
Bild entworfen von der Verwüstung Galiläas durch den
Krieg, dem Treiben der römischen Erpresser und den
jüdischen Gemeinden unmittelbar nach dem Kriege. Dabei
wird die Niederlassung zahlreicher Priesterfamilien
in Galiläa nach 70 wahrscheinlich gemacht, aber angenommen
, daß die alte, durch Eleazar Kalir uns bekannt
gewordene Nachricht von den galiläischen Sitzen
aller vierundzwanzig Priesterordnungen erst der Zeit
nach der hadrianischen Verfolgung gelte, weil erst in
dieser Zeit Obergaliläa wieder eine jüdische Bevölkerung
erhalten habe. Bei der Zufälligkeit der unter anderem
Gesichtspunkt in der jüdischen Literatur mitgeteilten
Notizen wird große Vorsicht geboten sein, wenn
aus ihnen weiterreichende Schlüsse gezogen werden.
Aber ohne Zweifel wird die jüdische Geschichte Galiläas
aufgehellt, und die alten Namen vieler heutigen
Orte werden ermittelt, wenn auch bei dem Fehlen
näherer Angaben die Identität öfters unsicher bleibt
und zu wünschen wäre, daß das Gesicherte von dem
nur Möglichen deutlicher geschieden würde. Lautlich
unerlaubte Gleichsetzungen sind jedenfalls S. 38 Baka
(beka')-Ter Bichä, und S. 50 f. Thella-'Aitahlu. Das
letztere wird gegenüber dem von mir vorgeschlagenen
et-tlel am Chet-See als das Bessere bezeichnet, weil es
in der Nähe der tyrischen Grenze „in nicht allzugroßer
Entfernung vom Jordan" liege, während et-tlel nicht
in Frage komme, weil es nicht am Jordan, sondern an
jenem See gelegen sei. Aber das „nahe dem Jordan
liegende" Thella ist bei Josephus (Bell. Jud. IV 3, 1)
der östliche Endpunkt von Obergaliläa und kann nicht