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Ausgabe:

1924

Spalte:

313-318

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Seeberg, Erich

Titel/Untertitel:

Gottfried Arnold, die Wissenschaft und die Mystik seiner Zeit 1924

Rezensent:

Zscharnack, Leopold

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack

Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von

Prof. D. Wilh. Heltmüller, Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

Bezugspreise vierteljährlich 7.50 Gm.; 11— s. Fr.; 9 sh.; 2— $; 5.40 FL; 11.50 d. Kr.; 14.40 n. Kr.;

7.50 s. Kr.; 45— Lire; 66.50 tsch. Kr.; 80— finn. Mark.

A( l.hrir Nr 15 Manuskripte und gelehrte Mittellungen sind ausschließlich an Professor D. H irsch in Göttingen, ff. |nli lQ?i

4V. janrg. III« Nikolausberger Weg 31, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. *<«• "u" 'Z^t.

Seeberg, Gottfried Arnold, die Wissenschaft
und die Mystik seiner Zeit (Zscharnack).

Abel, Die vorweltlichen Tiere in Märchen,
Sage und Aberglauben (Bertholet).

Bell, Early Architecture (Grcllmann).

Siegel, Laut- und Formenlehre des neuaramäischen
Dialekts des Tür Abdin (Duensing).

Norden, Die Geburt des Kindes (Bultmann).

D i e h 1, Inscriptiones latinae (Krüger).

Manitius, Geschichte der lateinischen Literatur
des Mittelalters (Ders.).

Wolff, Der Gottfried von Straßburg zugeschriebene
Marienpreis und Lobgesang auf
Christus (Müller).

Luther-Jahrbuch (Schian).

H a II Ii, Erweckungspredigt und Erweckungs-

prediger (Ders.).
Rabenau, Bodelschwingh als Erzieher (v. d.

Goltz).

Richter, Indische Missionsgeschichte (Frick).

Louis, Katholische Missionskunde (Schian).

Immanuel Kant. Festschrift (Hirsch).

Giese, Recht und Religion als Kräfte zum
Wiederaufbau (Thimme).

D i e 11 r i c h , Was lernen wir aus der Psychotherapie
für die Methodik des Religionsunterrichts
? (Schian).

Eberhard, Moderne pädag. Bestrebungen
(Ders.).

B ü rcks tü m m er, Das evangelische Schulideal
und seine Bedeutung (Ders.).

Tiling, Erziehung zu kirchlichem Bewußtsein
und kirchlicher Gemeinschaft (Ders.).

Bach mann, Der Religionsunterricht der
Schule und die Kirche (Ders.).

Pfennigsdorf, Methode und Persönlichkeit
im Religionsunterricht (Ders.).

Walz, Die Sichtbarkeit der Kirche (Schmidt).

Linderholm, Neues Evangelienbuch (Katz).

Fünfundzwanzig Jahre „Grüne Blätter" von
Johannes Müller (Niebergall).

Neue Christoterpe (v. d. Goltz).

Paul u. Hosemann, Die Kirchensteuer in
Preußen für das Rechnungsjahr 1024 (Schian).

Seeberg, Prof. D. Erich: Gottfried Arnold, die Wissenschaft
und die Mystik seiner Zeit. Studien zur Historiographie und
zur Mystik. Meerane: E. R. Herzog 1023. (VIII, 611 S.) gr. 8°.

Was S. mit diesen „Studien zur Historiographie
und zur Mystik" beabsichtigt und in ihnen
bietet, ist mit diesem Untertitel seines Buches deutlicher
ausgedrückt als mit dem Namen „Gottfried Arnold
". Die Beziehung auf A. und insonderheit auf sein
großes historiographisches Hauptwerk, die „Unparteiische
Kirchen- und Ketzerhistorie", hält zwar dieses zuweilen
scheinbar ganz in Einzeluntersuchungen auseinanderfließende
Buch mit seiner Fülle von quellenmäßigen
Analysen über Gestalten und Bewegungen aus
der noch weithin ungesichteten Geschichte des 16.—18.
Jahrh. zusammen und gibt ihm seine innere Einheit.
Aber S. ist weit davon entfernt, eine Biographie Arnolds
oder eine Darstellung des ganzen Arnold geben zu
wollen. Er will nicht wiederholen, was andere schon
geleistet haben, sondern er will weiterführen. Wenn
Franz Dibelius in seiner Monographie über G. A.
(1873) das Biographische, soweit es sich durch Berücksichtigung
von A.s Büchern und des vorhandenen ungedruckten
Materials erledigen läßt, im Wesentlichen
erledigt hat, so steht A. bei ihm doch so sehr fast isoliert
und allzu voraussetzungslos, daß hier der Versuch
gemacht werden mußte, die Fäden und Zusammenhänge
aufzusuchen. Daran ging S. schon in der Vorkriegszeit
und führte seine nun veröffentlichten Studien
bis 1920 fort, ohne daß die inzwischen erschienene, aus
der W a 1 d b e r g'schen Schule stammende Arbeit von
William v. Schröder („Gottfried Arnold". 1917.
Heidelberg, Winters Universitätsbuchhandlung) seine
Forschungen irgendwie überflüssig gemacht hätte. Denn
Sehr, beschränkte sich doch bei seinem Versuch, A.s
Verbindung „mit den auf eine religiöse Verinnerlichung
dringenden und gegen das kirchliche Lehrsystem fron-
dierenden Richtungen früherer Zeiten" aufzuzeigen, all-
. zusehr einerseits auf die Frage nach Speners Bedeutung
'.für die Entwicklung A.s, anderseits auf die spanisch-
/ französische Mystik, die ihm als die wichtigste Quelle

gilt, und die er in seinem ergänzenden Aufsatz über
„Poirets Anteil an G. Arnolds Historie der mystischen
Theologie" (Monatsh. f. Rheinische KG. 16, 1922, S.
3—10) auch mit A.s Geschichtsauffassung in Beziehung
gesetzt hat, endlich auf den Kreis um Jakob Böhme, auf
den A.s Sophienkultus u. a. zurückgeht. Geht Sehr,
darauf aus, die gesamte Produktion A.s zur Charakteristik
seiner Frömmigkeit heranzuziehen und ist seine
Basis daher bei aller Kürze der Ausführungen breiter,
als die Seebergs, so ist dieser ihm durch die vorgenommene
Erweiterung des Horizonts bei aller Kon-
zentricrung auf A.s historiographische Leistungen
unendlich überlegen, und die Beziehung auf A.s
wissenschaftliches Hauptwerk ließ ihn für A. nicht
bloß, wie Sehr, es tat, innerhalb der Geschichte
der Mystik seinen historischen Ort suchen, sondern
mit gleicher Stärke die wissenschaftlich-humanistischen
Tendenzen herausarbeiten, die in A. mit den
mystisch-spiritualistischen zusammengeflossen sind, und
ihm so auch in der Wissenschaftsgeschichte seinen
Platz anweisen. Damit ist S.s Stelle in der bisherigen
A.forschung im Allgemeinen bestimmt.

Was die Anlage von S.s Buch betrifft, so steht am
Anfang nur eine kurze Kennzeichnung des Lebensganges
A.s. mit seinem mehrfachen Bruch und eine Charakteristik
seiner Persönlichkeit, an der mit Recht von
vornherein die mangelnde Einheitlichkeit betont wird.
Daraus werden ja auch die Brüche und die Rückentwick-
lungen A.s letztlich verständlich; aus ihr erklärt sich
sein bewußtes Streben nach der Mittelstraße im Gegensatz
zu jenen radikalen Enthusiasten, die zwischen dem Entweder
und dem Oder kein Mittleres kannten, und die
doch tatsächlich auch bei seiner „Kirchenhistorie" nicht
allein Pate gestanden haben, obwohl S. dieses Werk als
Ganzes sehr richtig als Frucht der radikalen Periode A.s
angesprochen wissen will.

In unmittelbarstem Zusammenhang mit dem die Monographie S.'s
beherrschenden Ziel steht das, was er schon in diesem einleitenden
Kapitel über die historischen Jugendschriften A.'s und insonderheit
über seine Gießener Antrittsvorlesung De corrupto historiarum studio

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