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Ausgabe:

1924

Spalte:

7

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Neumann, Karl Eugen

Titel/Untertitel:

Die Lieder der Mönche und Nonnen Gotamo Buddhos, aus dem Theragatha und Therigatha zum ersten Mal übersetzt. 2. Aufl 1924

Rezensent:

Franke, R. Otto

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liedcs; bes. der Basler Eloquenzprofessor Spreng hat
sich darin hervorgetan; in raschen Fluß kam aber die
Bewegung erst, als unter dem Einfluß Oellerts und Klop-
stocks, zweier typischer Vertreter einer vernünftigen
Orthodoxie, in Deutschland eine radikale Gesangbuchreform
Platz griff; da bekam Bern sein neues Gesangbuch
von 1775, Basel das Privatgesangbuch des Antistes
Emanuel Merian von 1782 und das offizielle von 1809,
Zürich sein offiziöses von 1787, ebenso St. Gallen das
seinige gerade noch vor dem Zusammenbruch der alten
Eidgenossenschaft; „Zürich steht weit voran in der
Modernität, Bern bleibt am stärksten zurück, Basel und
St. Gallen streben vorwärts unter möglichster Wahrung
des Zusammenhangs mit ältern Traditionen"; 63 Lieder
haben sie gemeinsam; „wir möchten das Studium
dieser 63 gemeinsamen Lieder jedem Historiker ans
Herz legen; in ihnen lebt das Beste dieser Zeit". Endlich
die Reform des Katechismus; sie war wohl am
nötigsten, indem sowohl der Katechismus Calvins als
der Heidelberger unkindlich waren; in der welschen
Schweiz siegt auf der ganzen Linie der Katechismus
Ostervaids (erschienen als Buch von ca. 300 Seiten 1702,
gekürzt 1734) entweder in seiner eigenen Gestalt oder
in mancherlei Bearbeitungen; nichts anderes als eine
solche ist auch der 1788 von der Genfer Geistlichkeit
offiziell an die Stelle des Calvinischen gesetzte; in der
deutschen Schweiz gelingt eine solche Entthronung der
alten Katechismen nicht; vielmehr bleiben „der alte Heidelberger
, der alte Basler, der alte Züricher Katechismus
die offiziellen Lehrbücher bis tief ins 19. Jahrhundert hinein
", immerhin begleitet von allerhand mehr oder weniger
privaten Versuchen.

Das ist ungefähr das dürre Gerippe dieser großangelegten
und ungeheuer reichhaltigen Darstellung. Sehen
wir recht, so liegt ihr Wert nicht so sehr in der Gewinnung
neuer entscheidender Gesichtspunkte für die
Kirchenhistorie — allerdings dürfte die eigenartige Übergangserscheinung
der vernünftigen Orthodoxie noch nirgends
so scharf in ihrer Bedeutung herausgearbeitet und
so in ihrem vielseitigen Niederschlag dargestellt worden
sein — als darin, daß sie aufdeckt, wie große geistesgeschichtliche
Bewegungen sich eines ganzen Volkes bemächtigen
, wie sie bis in die kleinsten Landstädtchen
und Dörfer und die abgelegensten Täler hineindringen,
wie sie dort bodenständig werden und ein eigenartiges
Leben entfalten. In dieser Hinsicht bietet sie ein Bild
der Geschichte der Frömmigkeit, wie es wohl für ein so
großes Gebiet und eine so reiche Zeit noch nicht in dieser
Anschaulichkeit und Gründlichkeit existiert.

Bereits findet sich der zweite Band, der die Darstellung
der Aufklärung bringen soll, unter der Presse.
Thalheim im Aargau. Ernst Staeheliu.

Neumann, Karl Eugen: Die Lieder der Mönche und Nonnen
Gotamo Buddhos, aus den Theragäthä und Therigäthä zum ersten
Mal übersetzt. 2. Aufl. München: R. Piper & Co. 1923. (XXVII,
634 S.) 16« Gz. 6—.

Da Neumann nicht mehr am Leben ist, darf die Kritik sich
an den Grundsatz halten, über Tote nur Gutes oder nichts zu sagen,
soweit sich das wenigstens hier mit dem Interesse der Leser verträgt
. Bei früheren Gelegenheiten ist ja das Nötige über seine sogenannten
Übersetzungen auch schon genügend deutlich gesagt worden
. Die „Lieder der Mönche und Nonnen" unterscheiden sich
in der Art nicht von seinen anderen Übersetzungen, und die hier vorliegende
, übrigens glänzend ausgestattete, 2. Aufl. ist vom Herausgeber
nur durch Hinzufügung von Notizen aus N.'s Handexemplar
der ersten dieser gegenüber abgeändert worden. Wissenschaftlich
betrachtet ist die Neuveröffentlichung nicht wohlgetan.

Königsberg i. Pr. R. Otto Franke.

Bieber, Friedr. J.: Kaffa. Ein altkuschitisches Volkstum in InnerAfrika
. Nachrichten über Land u. Volk, Brauch u. Sitte der
Kaffitscho oder Gonga u. das Kaiserreich Kaffa. Münster i. W.:
Aschendorff 1920. (XIV, 500 S. m. 24 Bild. u. 22 Taf.) gr. 8° =
„Anthropos" Ethnolog. Bibliothek II2.

Die Besprechung hat sich dadurch verzögert, daß
vergeblich das Erscheinen des Schlußbandes erwartet

wurde; es wäre bedauerlich, wenn infolge der Ungunst
der Zeiten das Buch dauernd ein Torso bleiben sollte.
Denn es gibt auf eigne Reiseeindrücke gestützt und
durch mühsame Verarbeitung einer entlegenen und weit
zerstreuten Literatur bereichert eingehenden Bericht über
die Kaffitscho oder Gonga im Bergland von Kaffa, der
Urheimat des Kaffeebaums (vgl. 114 ff.). B. rechnet
die Bewohner (d. h. nicht die Urbewohner, die als
„unrein" geltenden Mantscho oder Wueto, über die er
nichts hat erkunden können) dem kuschitischen Zweige
der Hamiten zu und gibt nach den spärlichen Nachrichten
ein Bild des tausendjährigen Kampfes zwischen Kuschi-
ten und Semiten um die Vorherrschaft in den Äthiopischen
Hochlanden, der in dem Siege Meneliks 1897 sein
Ende fand; heute fällt Kaffa in das englische Interessen-*
gebiet. Neben dem Glauben der Gonga, dem Hequo-
Bekenntnis hat sich das Christentum in Kaffa forterhalten
; die ersten Priester kamen dahin seit ca. 1500, vielleicht
aber ist das Christentum schon durch die Jako-
biten dorthin gelangt (119). Die statistische Übersieh!
S. 173 f. nennt 6, Giorgis oder Mikael geweihte
Kirchen, daneben Hequo-Heiligtümer und Moscheen. Genaue
Mitteilungen über die einzelnen Stämme und ihre
Religion finden sich S. 139 ff. Der Hauptteil der Darstellung
ist Nachrichten über Brauch und Sitte der
Kaffitscho gewidmet, während der 2. Band das „Gemeinleben
" des Volkes darstellen sollte. Von religionsgeschichtlichem
Interesse sind die Berichte über Speisegesetze
(„unreine" Tiere) und Schächtung der Schlachttiere
(246 f.), Beschneidung von Knaben und Mädchen
(260 ff.). Während des Essens wird Niemand mehr Zutritt
gewährt. Niemand darf allein essen, sondern muß
stets einen Zeugen haben, der sieht und kostet, was er
verzehrt. Dieser Brauch wird so streng eingehalten,
daß rechtloswerden würde, wer dagegen verstößt (254f.).
Ein Grund dafür wird nicht angegeben.

Berlin. Titius.

Herrmann, Prof. Johannes, u. Prof. Friedr. Baumgärtel: Beiträge
zur Entstehungsgeschichte der Septuaginta. Stuttgart
: W. Kohlhainmer 1923. (IV, 98 S.). Gz. 2.50.

Als Ergebnis ihrer Beiträge glauben die beiden Verfasser
folgendes hinstellen zu können: Die Bücher Ez.,
Is. und Dodekapropheton der Septuaginta sind in der

j Weise entstanden, daß ungefähr in der Mitte jedes
Buches ein neuer Übersetzer auftritt; in Ez. ist von Cp.

j 40 an sogar noch ein dritter Übersetzer zu finden. Ein
gleiches wird auf Grund der Arbeiten Thackerays für
Jer. angenommen. Die Übersetzung der Prophetenschriften
ist von einer Gruppe von Übersetzern zu einer bestimmten
Zeit gemeinsam, kommissionsweise ausgeführt
worden, damit so das Werk schneller zum Abschluß gebracht
würde. In ähnlicher Weise ist die Septuaginta-
Tora als eine offizielle Unternehmung der alexandri-
nischen Gemeinde von einer vielgliedrigen Kommission
von Gelehrten angefertigt und von der Gemeinde als
autoritativ anerkannt worden. Letzteres wird deutlich
durch eine Untersuchung des Aristeas-Briefes und der
ihm zugrunde liegenden älteren Legende. In sämtlichen
Büchern des Pentateuch setzt jedesmal ungefähr in der
Mitte eine neue Abschreiberhand ein, weil der Archetyp
aus zehn Rollen bestand. Daß auch je zwei Übersetzer
tätig gewesen sind, darf man für Num. vermuten und
für die anderen Bücher wenigstens als möglich ansehen.
Zwei Beilagen befassen sich mit den Gottesnamen bei
Ez. und im Pentateuch.

Die Verschiedenheit im Gebrauch der Gottesnamen bei Ez. —
xv(>ioi, xvQiof MVqiog, xi'Qiog (<',) #eof oder noWnz xipzoc
hat Herrmann den Anlaß gegeben, mehrere Übersetzer des Buches zu
vermuten. Diese Verschiedenheit liegt ohne Zweifel vor, besonders
wenn man nur den B-Text berücksichtigt. Es ist aber zu erwägen, ob
nicht auch der B-Text willkürliche Änderungen erfahren hat, wie das
in den übrigen Hss. mit Einschluß der Minuskeln der Fall zu sein
scheint. Ob der Übersetzer den Gottesnamen immer gleichmäßig wiedergegeben
hat, darf man wohl bezweifeln, wenn man sich das bunte
Bild schon im Anfang der Oenesis vor Augen hält.