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Ausgabe:

1924 Nr. 11

Spalte:

225-226

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Becker, C. H.

Titel/Untertitel:

Islamstudien. Vom Werden und Wesen der islamischen Welt. I. Band 1924

Rezensent:

Horst, Friedrich

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225

Theologische Literaturzeitung 1924 Nr. II.

226

Empfinden unterstützt, den Schwierigkeiten der Texte
zu Leibe, beruhigt sich nicht bei halben Lösungen, sondern
gibt sich erst dann zufrieden, wenn er den Tatbestand
allseitig erkannt und erklärt hat. Von Wichtigkeit
scheint mir in der gegenwärtigen Lage der alttest.
Wiss. vor allem dies zu sein, daß er mit der Unsitte,
nach Geschmacksurteilen Echtes und Unechtes zu scheiden
und so einen glatten Text herzustellen, ohne nach
der Herkunft der „unechten Zusätze" weiter zu fragen,
gründlich aufräumt, und daß er im Jeremia-Buch die
Unebenheiten vieler Partien durch die Erkenntnis von
dem Kompositions-Charakter dieser Partien erklärt und
dann beseitigt Volz hat in dieser Zeitung (1923,391)
der bisherigen Pentateuch-Kritik die Forderung entgegengehalten
, daß die bei den prophetischen Büchern geübte
Methode', die vorliegende Unebenheiten in erster Linie
textkritisch beseitigt, auch beim Pentateuch anzuwenden
sei. Umgekehrt wendet hier der Verf. — nicht in Übertragung
einer anderswo geübten Methode auf sein Gebiet
, sondern in immanenter Untersuchung seines Gegenstandes
— die beim Pentateuch bewährte Kritik auf das
Jeremia-Buch an und vermag dadurch so viele Schwierigkeiten
zu erklären und zu beseitigen, daß man an der
Richtigkeit des von ihm eingeschlagenen Weges nicht
wird zweifeln können. Übrigens kann er dabei wenigstens
in einem Falle an Volz anknüpfen, der in seinem
Jeremia-Komm. 11,1—8 als Addition zweier Rezensionen
erklärt hat. Weiter verdient ernsteste Beachtung der
wiederholte Hinweis und Nachweis des Verf., daß die
vielfach textkritisch, durch mühsame Heranziehung einer
Wolke von Zeugen, „geheilten" Verderbnisse in Wahrheit
literarkritisch zu beseitigen sind: Viele Unebenheiten
des M. T. erklären sich aus der Tatsache, daß
hier zwei oder mehrere Rezensionen addiert sind. Die
Übersetzungen, vor allem LXX, haben oft den Text geglättet
. Nicht ihr glatter Text ist das Ursprüngliche,
sondern der holprige des M.T., der sich bei Verteilung
der betreffenden Worte auf zwei oder mehrere Quellen
als glatt herausstellt (vgl. S. 108 zu Jer. 25,4; S. 136
zu 7, 3; S. 136 f. zu 7, 9. 10).

Man legt die Aufsätze aus der Hand mit der, Beruhigung
und Ansporn zugleich bedeutenden, Gewißheit,
daß der alttest. Wiss. der Strom der ihr aus dem A. T.
selbst zufließenden Fragen nicht so bald versiegen wird,
daß es ihr aber auch nicht an Jüngern fehlen wird, die
entschlossen und befähigt sind, ihre Kraft an die Lösung
dieser Fragen zu setzen.

Halle a. S. Otto Eißfeldt.

Becker, C. H.: Islamstudien. Vom Werden und Wesen der
islamischen Welt. I. Band. Leipzig: Quelle & Meyer 1924. (Xlt,
534 S.) gr. 8°. °m 14—; geb. 20—.

Man wird es allseitig nur mit größtem Dank begrüßen
müssen, die mannigfach verstreuten Arbeiten B.'s
in dem vorliegenden 1. Bande „Islamstudien" soweit vereinigt
zu sehen, wie sie sich auf die Religionsgeschichte
des Islam und die Geschichte der Chalifenzeit beziehen.
Die auf den Schlußseiten gegebene Übersicht über die erstmaligen
Erscheinungsorte kann das jedem sehr deutlich
sagen. Daß dieses Buch somit einem Bedürfnis aller entspricht
, die irgendwie mit dem Islam sich zu beschäftigen
haben, braucht darum fast kaum noch besonders betont
zu werden. Die hier getroffene Sammlung von Aufsätzen
dürfte aber noch einen weiteren, durchaus nicht
zu unterschätzenden Wert haben. Alle Einzelarbeiten
sind nicht chronologisch, sondern sachlich geordnet; ein
1. einleitender Teil behandelt die allgemeinen Probleme
des Islam, seine historischen und kulturellen Zusammenhänge
im großen, während Teil II Aufsätze zur Geschichte
und Kulturgeschichte der Chalifenzeit bringt,
und Teil III die religionsgeschichtlichen Arbeiten über
den Islam umfaßt; dabei sind wiederum gleichmäßig in
jedem dieser 3 Teile die allgemeineren Aufsätze zur Einführung
vorangestellt. In dieser Eigenart weist das Buch

immer wieder auf das im Untertitel ausgesprochene Ziel
der Islamforschung hin, Wesen und Werden der islamischen
Welt herauszustellen, es zeigt die mannigfachen
Aufgaben ebenso, wie es gerade in den spezielleren
Untersuchungen Wege und Methoden vorführt. So füllt
es zugleich eine in der noch relativ jungen Islamwissenschaft
bisher immer schmerzlich empfundene Lücke aus.
Es ist gerade wegen seiner pädagogisch anregenden
Eigenart ein trefflicher Führer in dem so ausgedehnten
Neuland der Islamforschung, so wie die Jüngeren ihn
sich während des Studiums immer gewünscht hatten.
Die für die Nachträge des 2. Bandes versprochene Aufarbeitung
der Literatur bis zum gegenwärtigen Stande
vermag hierfür noch viel Nützliches zu leisten. Jeder, der
nicht nur für das eigentliche Islamgebiet, sondern auch
noch darüber hinaus für die historische Fragestellung
dem Gesamtorient gegenüber von B. gelernt hat, wird diesem
Buche gerade auch in Kreisen der Theologen eine
recht große Verbreitung wünschen.

Bonn. F. Horst.

Moulton, Warren J.: The annual of the American School
of Oriental Research in Jerusalem. Vols. II and III for

1921—1922. New Häven: Yale University Press 1923. (XIII,
128 S.) gr. 8".

Aus diesem in glänzender Ausstattung vorliegenden Doppelhande
des Jahrb. d. Amerik. Schule in Jerus. interessiert vor allem der
Aufsatz von Albright „Contributions to the Historical Geography
of Palestine" (S. 1—46). Der Verf. geht von dem durchaus richtigen
Satz aus, daß eine größere oder geringere Ähnlichkeit zwischen
einem alten und einem modernen Ortsnamen nicht mehr in erster
Linie entscheidend sein dürfe für eine Lokalisation bei mehrdeutigen
topographischen Angaben der Literatur. Vor allem müsse sich eine
Ortschaft, die eine lange und bedeutende Geschichte hinter sich
habe, stets durch das Vorhandensein eines Teils, sowie von Tonscherben
ausweisen. Aus diesem Grunde bestreitet er im 1. Teil seines Aufsatzes
die herkömmliche Identifikation von 'Eqrön mit dem heutigen
'Aqir (das abweichend schon Macalister in Hirbet Dikerln gesucht
hat) und tritt für dessen Glcichsetzung mit Qatra (xedpuw

1. Makk. c. 15 und 16) ein. Gat sucht er, wie schon Outhe in
seinem Bibelwörterbuch, in Teil el-Mensiieh nördl. v. 'Aräq el-M.,
einer Ortlichkeit, die wirklich auch die Bedingung erfüllt, im eigentlichen
Philisterland zu liegen. In dem bisher vielfach (so bes. von
Biss), allerdings meist mit einem Fragezeichen für Gat gehaltenen
Teil es-Säfi sieht Albr. die alte Stadt Libna. Bei dieser Identifikation
dürfte Sanheribs Zug gegen Jerus. gewiß verständlicher werden. Ein

2. Abschn. bietet einige Lagebestimmungen in Westgaliläa, genauer
im Umkreis der Ebene von 'Akko, wo nach dem Kriege zahlreiche
engl. Ausgrabungen gemacht worden sind. Sehr ansprechend wird
Bet 'Anat in Be'ne (Nähe des wadi eä-sagür) gesucht. Hier wäre
sogar der heutige Name noch eine auch sonst geläufige Verkürzung
aus dem alten (vgl. * i~lJ)0~*J im jer. Talmud). In Einzelheiten
glaube ich den philol. Ausführungen hier nicht immer zustimmen zu
können. Nebenher wird übrigens Bet se'an als Bet se'al (= Gottheit
Se'ol) erklärt. An weiteren Identifikationen werden gegeben Bet
Semeis ^ Teil es-semdin, Hannatön — el-Harbag, Nahalal (gewöhnl
= Ma'lul nw. Nazareth) = Teil en-Nahl, Qattat bezw. Qitron = Teil
Qurdäneh, Qis(i)ön = Teil Qisän (sie!) und vermutungsweise Rehob
= Tell Berweh. (Fig. 8 u. 13 müssen übrigens gegenseitig vertauscht
werden). Ein letzter Abschn. behandelt auf Grund neuer archäol. und
liter. Nachprüfung die lang und viel umstrittene Lage von Taricheä. Im
Oegensatz zu der bisher überwiegend vertretenen Lokalisation in Hirbet
Kerak setzt sich der Verf. durchaus überzeugend dafür ein, daß t. der
griech. Name für Magdala sei u. zw. für das talm. Magdal Saba'aia

j südl. v. wadi Hammäm. (Neuerdings ist auch Da Im an, Orte und
j Wege Jesu2 S. 114—116, 159 f. von seiner früheren Meinung abge-
! gangen; auch vergl. Procksch, P.J.B. 1918 S. 13—15).

In MC. Cown's „Muslim Shrines in Pal." (S. 47—79) sind
die 32 Abbildungen gegenüber dem Text wohl das Willkommenere. —
Religionsgeschichtlich bietet Worrel in „Sepulchral cup-marks,
i pools and conduits near Jerus." (S. 80—94) etwa über Karge,
j Rephaim hinaus kaum Neues. — „Ein ausgemaltes chrl. Grab in Bet

Gibrin", 1 Meile entfernt von den von Peters u. Thiersch dort