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1923 Nr. 8

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171

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Trebor, Yogha im Lichte des Christentums. Eine versöhnende Schrift 1923

Rezensent:

Richter, Julius

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171

Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 8.

172

beweisbar gelten? Und warum soll, wo schlecht und
recht vom Sitzen die Rede ist wie RV. X, 179, 2 das Yoga-
Sitzen gemeint sein (22 ft.)? Aber auch um die Ekstase
handelt es sich mindestens in den meisten von ihm
angenommenen Fällen, wo allenfalls ürund vorliegen
könnte, an sie zu denken, gar nicht (wenn er z. B. 76 f.
Anm. 3 behauptet, es habe „tast immer eine mystische
Bedeutung, wenn das Wort Freundschaft oder Freund
im RV. für die Beziehung zwischen Gott und den Menschen
gebraucht wird", oder S. 30, daß „Entstehung der
Welt und der Götter auf intuitive ekstatische Schau"
weise), sondern um Spekulation, um Philosophie; (von
ferne, aber nur sehr von ferne, etwas vom Richtigen geahnt
hat auch FL, s. z. B. 164ff.); und die Mittel und
Wege zum Einswerden mit der Gottheit sind nicht als
yogatechnische im gemeinten Sinne aufzufassen, sondern
als spekulativ begründete. Es muß immer wieder betont
werden, daß wir den Geheimnissen der Veden nicht näher
kommen werden, solange wir uns der Tatsache verschließen
, daß schon der RV. voll tiefer Philosophie und
voll von der Einheits-Idee ist. Was soll man gar dazu
sagen, daß sogar der bekannte philosophische Satz der
Upanisaden tat tvam asi „jenes (universale Seinsprinzip
) bist du" S. 3 als Ausfluß der Ekstase erklärt
wird? Auch S. 131 ist zu vergleichen, wo „das in mir"
doch wohl die Seele ist. Na ja, man kann ja schließlich
auch den Geistesschwung der zu philosophischen Erkenntnissen
führt, Ekstase nennen. Was hätte solch tast
spielerisches Wortvertauschen aber noch für Wert und
Zweck? — Eine Vorgeschichte wird ja Wort und Begrift
y o g a natürlich haben, und wer nicht aut die erörterten
unbegründeten Voraussetzungen eingeschworen ist, für
den ist es methodisch berechtigt, nach den Anfängen oder
Keimen von Yoga und Versenkung oder Ekstase zu
fragen. Die Antwort aber wird anders lauten müssen als
die von Flauer gegebene.

Königsberg i. Pr. R. Otto Franke.

Trebor: Yogha im Lichte des Christentums. Eine versöhnende
Schrift. Görlitz, Universitas 1922. (151 S.) 8°. Gz. 1,5

Eins jener vielen seltsamen Bücher, mit welchen man zur Zeit in
Deutschland für orientalische Religionen Propaganda zu machen sucht.
Diesmal handelt es sich also um eine Art indischem Yogha in einer
seltsamen Verquickung von indischen und sonstigen phantastischen
Anschauungen, das Ganze durchsetzt und verbrämt mit Bibelsprüchen,
die meist wie die Faust auf das Auge passen. Zur Kenntnis des indischen
Yogha ist aus der Schrift nichts zu lernen; die indologischen
Kenntnisse des Verfassers stehen offenbar auf sehr schwachen Füßen.
Berlin. Julius Richter.

Streeter, D. H. u. A. J. Appasamy: Der Sadhu. Christliche
Mystik in einer indischen Seele. Mit einem Geleitwort vom Erz-
bischof von Upsala. Stuttgart, F.A.Perthes, 1922. (X, 200 S.) 8».

Gz. 3,2; geb. 4,5.

Als Sädhu (wörtlich — „gut") bezeichnet in der Anwendung
, die hier in Betracht kommt, der indische Volksmund
einen „Heiligen". Es heißen solche so, die dem
weltlichen Leben entsagt und ganz dem religiösen sich
ergeben haben. Sundar Singh ist der eigentliche Name
desjenigen, dessen Lebensgeschichte, Lebensweise, geistiges
Wesen und lehrendes Wirken das vorliegende
Buch in vorzüglicher Weise schildert. Seiner Herkunft
nach ist er ein Sikh. 1889 wurde er in Rampur im Staate
Patiala im Pendschab geboren. 1904 bekehrte er sich
zum Christentum, nachdem er Jesus in einer Vision gesehen
hatte, und wurde 1905 als Täufling in die anglikanische
Kirche autgenommen. Von da an führte er, mit
dem saffrangelben Gewände der weltensagenden indischen
Heiligen angetan, das Leben der Weltentsagung,
der vollkommenen Besitzlosigkeit, des wandernden Predigers
und, wenn es sein muß, wie es wiederholt schon
Tatsache wurde, des auch zu leiden Bereiten. 1909/10
hat er im theolog. College von St. John in Lahore studiert
. Bis nach Afghanistan und nach Tibet erstreckte
und erstreckt sich seine Predigttätigkeit. Auch Südindien
und Ceylon durchzog er lehrend und wirkte in Birma, in

den malaiischen Staaten, in China und Japan. Auch Australien
, England und Amerika hat er besucht und dort
überall tiefen Eindruck gemacht. Es ist noch gar nicht
abzusehen, wie weit die Kreise des Einflusses dieser
packenden Persönlichkeit noch sich ausdehnen werden.

Ich kann nichts Besseres tun als aus Söderbloms
Geleitwort einige Sätze anzuführen: „Was haben wir zu
lernen von diesem christlichen Mystiker aus dem Lande
der Mystik? Eine überraschende Lehre, — eine Lehre,
die alle unsere fein erdachten Theorien einer höheren
Synthese zwischen der Bibel und Indien beschämt. Er
verändert das Evangelium in keiner Weise; es ist dieselbe
frohe Botschaft, die wir kennen; nur erfaßt und begreift
er sie mit einer, in gewisser Hinsicht, erstaunlichen
Klarheit, die uns nicht nur so manches über Indien, sondern
auch über das Evangelium selbst lehren kann..."
„Das Typische und Außerordentliche bei ihm ist... eine
neue Darstellung echt biblischen Christentums, die in so
mancher Hinsicht auch für uns ein Ansporn und eine
Erleuchtung ist."

Was meine Meinung anbetrifft, so scheint mir, daß
Sundar Singh sich vielleicht etwas zu vorherrschend von
! Bildern leiten läßt, zu sehr von den Bildern her die bib-
I lischen Gedanken klarzumachen sucht (s. auch S. 48) und
' daß er ferner, offenbar ohne es meist recht zu wissen
und sich erinnern zu können, von Vorbildern wie Paulus
und Buddha in seelischen Erlebnissen und manchen
Zügen seines wirklichen oder aufgefaßten Lebenslaufes
sich hat beeinflussen lassen. Aber solche Bedenken sind
I natürlich ganz bedeutungslos gegenüber der überzeugenden
Macht seines Wesens.

Die beiden Verfasser haben sich ein großes Verdienst
erworben, indem sie alle erreichbaren Nachrichten über
Sundar Singh zusammentrugen, den persönlichen Verkehr
mit ihm systematisch ausnutzten zur Ergänzung und Vertiefung
seines Bildes, indem sie sein Wesen möglichst
tiefgehend zu deuten suchten, und indem sie überhaupt
die Welt mit dieser Persönlichkeit bekannt machten.
Königsberg i. Pr. R. Otto Franke.

Hopf n er, Theod.: Fontes historiae religionis Aegyptiacae.

Pars I. Auctores ab Homero usque ad Diodorum continens. Bonn,
A. Marcus und E. Weber 1922. (146 S.) kl. 8°. Fontes historiae
religionum ex auetoribus Graecis et Latinis collectos ed. C.
Clemen II, 1. Gz. 1,8.

Der Verfasser, dessen Name schon durch eine ausgezeichnete
Untersuchung zur Textgeschichte der koptischen
Apophthegmata patrum sowie durch eine eindringende
Studie über griechisch-ägyptische Offenbarungszauber
in Fachkreisen einen guten Klang gewonnen
hat, beginnt in dem vorliegenden Hefte mit der Ausfüllung
einer längst überaus schmerzlich empfundenen
Lücke. Was an Zeugnissen über die ägyptische Religion
bei etwa 300 griechischen und lateinischen Schriftstellern
sich verstreut findet und dem Religionsforscher infolgedessen
zum großen Teil nur durch sehr mühsame Arbeit
zugänglich gewesen war, hat Hopfner jetzt in leicht
übersehbarer Form und unter Beifügung der wichtigsten
Textvarianten zusammengestellt. Dem ersten Heft, in
dem 68 Schriftsteller zu diesem Zwecke exzerpiert worden
sind, sollen — hoffentlich recht bald! — zwei weitere
folgen.

Heidelberg. H. Ranke.

Dal man, Prof. D. Di;. Gustaf: Palästinajahrbuch des Deutschen
ev Instituts für Altertumswissenschaft des Heil. Landes zu Jerusalem
. 17. Jahrg. (1921). Mit 10 Abb. Berlin, E. S. Mittler und
Sohn 1922. (103 S.) gr. 8».
Das Palästinajahrbuch bringt eine Reihe interessanter und auch in
Einzelheiten anregender Aufsätze. Da Im an selbst ist vertreten zunächst
mit einem anderwärts verändert gegebenen Artikel „Die Theologie
und Palästina", der eine glänzende Schilderung von Jerusalem
vom räs el-mekabber enthält. Von bewundernswerter Frische und Anschaulichkeit
sind auch seine Berichte über Ausflüge nach Hebron und
dem Gebirge Sehr, sowie die Schilderung des Jerusalemer Fruchtmarktes
Ende Aug. 1921. In dem Bericht über Hebron wäre eine Richtig-