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Ausgabe:

1923

Spalte:

169-171

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hauer, J. W.

Titel/Untertitel:

Die Anfänge der Yogapraxis. Eine Untersuchung über die Wurzeln der indischen Mystik 1923

Rezensent:

Franke, R. Otto

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack
Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Wilh. Heitmüller, Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Vikar Kurt Dietrich Schmidt, Erichsburg.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig Vierteljährlich 2400 Mark

Für den Fall der weiter fortschreitenden Markentwertung behält der Verlag sich eine entsprechende Erhöhung im Laufe des Quartals vor.

Bezugspreise für das Ausland vierteljährlich 12.50 s. Fr.; 31.25 fr. Fr.; 37.50 b. Fr.; 10 sh.; 2V, $; 6.25 Fl.;
11.25 d. Kr.; 12.50 n. Kr.; 8.75 s. Kr.; 37.50 Lire; 56.25 tsch. Kr.

io i . MO Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind a u ssch Heß lieh an Professor D. Hirsch in Güttingen, f Anril

48. Jahrg. INT. 8 Nikolausberger Weg 31, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. April I /*..>.

Die für die Umrechnung von Grundzahlen festgelegte Schlüsselzahl beträgt ab 3. April 2500.

Mitteilung.

Hauer, Die Anfänge der Yogapraxis (Franke).
Trebor, Yogha im Lichte des Christentums
(Richter).

Streeteru.Appasamy, DerSadhtt (Franke).
Hopfner, Fontes historiae religionis Aegyp-

tiacae (Ranke).
Dal man, Palästinajahrbuch (Horst).
Sellin, Wie wurde Sichern eine israelitische

Stadt (Horst).
Messel, Der Menschensohn in den Bilderreden

des Henoch (Horst).

Bert, Das Evangelium des Johannes (Bttlttnann).

Friedell, Das Jesusproblem (Bultmann).

Jelke, Die Wunder Jesu (Bultmann).

Altaner, Der heil. Dominikus (Letnpp).

Doelle, Die Martinianische Reformbewegung
in der sächs. Franziskanerprovinz (Letnpp).

Smith, The Age of the Reformation (Köhler).

M i 1 c h s a c k , Gesammelte Aufsätze über Buchkunst
und Buchdruck (Clemen).

S t ö 1 z 1 e , Charles Darwins Stellung zum Gottesglauben
(Steinmann).

K ü c h 1 e r , Ernest Renan (Petsch).

K e s s e 1 e r , Die religiöse Bewegung der Gegenwart
(Schmidt).

Spengler, Der Untergang des Abendlandes
(Ficker).

Schroeter, Der Streit um Spengler (Ders.).
Fiedler, Der Anbruch des Nihilismus (Mayer).
Macintosh, Theology as an empirical science

(Wobbermin).
Isen krähe, Experimental-Theologie (Stein-

mann).

Werdermann, Wir Pastoren! (Thimme).
Deutsche Evangelisation (Thimme).

Mitteilung.

Die Herren Mitarbeiter erinnere ich noch einmal daran, daß

ich innerhalb vierer Monate nach Absendung des Besprechungsstückes

die Einsendung der Besprechung oder eine Verständigung über die
Verzögerung erwarte. Hirsch.

Hauer, Priv.-Doz. Dr. J. W.: Die Anfänge der Yogapraxis. Eine
Untersuchung über die Wurzeln der indischen Mystik. Stuttgart,
W. Kohlhammer 1922. (VIII, 210 S.) 8°. Gz. 3.

Da ich Hauers ausgezeichnetes zweites Buch „Werden
und Wesen der Anthroposophie" (im selben Verlage
1922) zuerst gelesen hatte, ging ich mit hohen Erwartungen
an das Studium des vorliegenden. Und es entsprach
in mancher Beziehung diesen Erwartungen. Wäre
das, was H. erweisen will, überhaupt erweisbar, kein
Zweifel, dal! er mit seiner vortrefflichen Garbe'schen
Schulung, seinem methodischen Vorgehen, seinem Scharfsinn
, seiner Kombinationsgabe und seiner Gelehrsamkeit
es erwiesen haben würde. Und unter dem ganz bestimmten
Gesichtswinkel, unter dem es entstanden ist, hat es als
Materialsammlung seinen Wert. In allgemeinerer Würdigung
aber komme ich nicht über das Bedauern hinweg,
daß H. Fleib und Intelligenz an eine Aufgabe gewandt
hat, die ich für eine falsch formulierte halte. Und damit
der Schaden, den Oldenbergs Religion der Veda anrichtet,
nicht durch dieses Buch noch vergrößert werde, muß ich

meinem Urteil darüber einigermaßen unverhohlen Aus- j lieh kümmerliche Lese dessen zusammenzubringen was

überdenke, nicht daran, daß einmal der Zeitpunkt kommen
wird, wo er sich nicht mehr gern daran erinnert,
Ansichten geäußert zu haben wie, um nur ein bezeichnendes
Beispiel anzuführen, die, daß der große indische Gott
Indra eigentlich ein wilder Medizinmann sei (41 f., s.
auch 97 Anm. 4).

Ein zweiter Hauptfehler ist die arge Überschätzung
der Altertümlichkeit der in Wirklichkeit erst nach Buddha
nachzuweisenden Yogatechnik, d. i. der Technik einer
Art Selbsthypnose zur Herbeiführung ekstatischer Zustände
, die jetzt fast ebenso und fast mit gleich großer
Nichtberechtigung zum guten Tone gehört wie die ethnologische
Erklärungsweise. Aus diesen beiden falschen
Grund-Prämissen fließen die übrigen Fehler. Schon
das Titelblatt könnte man beanstanden. Denn wie kann,
wenn die Yogapraxis schon aus der Zeit der Primitivität
stammt, H. für die Vedenzeit von den „Anfängen der
Yogapraxis" reden? Es ist unter dieser Voraussetzung
auch unverständlich, warum nicht gerade das älteste indische
Literaturwerk, der Rgveda, den wir doch für gestopft
voll von Yogatechnik halten müßten, ausdrückliches
oder wenigstens unmißverständliches Zeugnis für
deren Vorhandensein ablegt, sondern erst sehr viel spätere
, und daß H. sich mühsam abarbeiten mußte, uns aus
Rgveda und Atharvaveda eine (der Menge nach ganz
achtungswerte, aber sachlich, am Zweck gemessen) ziem-

druck geben, üld. hat als erster auf die indische Religion
die ethnologische Methode angewandt, die durch Ver-

wenigstens er für Spuren davon hält. Für eine Reihe von
Einzelelementen dieses Yoga erklärt er selbst, daß sie in

gleichung der Anschauungen und Bräuche primitiver Völ- RV. oder AV. noch nicht oder nur schwach belegt sich

ker der Gegenwart Anschauungen und Bräuche alter Kul
turvölker erklären will. Sie ist in ihrer Anwendung auf
die Religionsgeschichte, so sehr sie auch im Schwange
geht, als wissenschaftlich nicht zu erachten, denn es ist
wissenschaftlich ein Unding, zweierlei gleichzusetzen nur,
weil es gleich oder ähnlich aussieht,"und sogar das, was,
noch am ehesten aus sich und aus seiner offenliegenden
oder wenigstens z. T. offenliegenden Entwicklungsgeschichte
verständlich ist, nämlich den derartigen Besitz
alter Kulturvölker, erklären zu wollen durch den Hinweis
auf die in ihrer Entwicklungsrichtung und also in ihrem
Sinne gar nicht beurteilbaren Besitzstücke der geschichts-.
losen Wilden. H. ist O.'s in dieser Hinsicht schädlichem
Einflüsse zum Opfer gefallen. S. 4 bekennt er selbst seine
Abhängigkeit. Ich zweifle, wenn ich H.'s Fähigkeiten

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finden (9, 27, 35, 48, 62, 63, 97 etc.)! Hat es ihn ferner
nicht stutzig gemacht, daß er auch sonst so häufig auf
Stellen sich stützen muß, die er selbst für dunkel oder
zweifelhaft erklärt? (so 3, 10, 15, 38, 40, 46, 50, 58,
68, 74, 76, 84, 135, 150, 151, 170 etc.). Auch so hat
er, sehr mit Recht, die Basis seiner Beweisführung noch
nicht für breit genug gehalten und sie verbreitert, indem
er, dies aber schwerlich mit Recht, die Frage verschoben
hat: er hat Yoga und Ekstase in gewissem Grade zusammengeworfen
(s. z. B. S. 4, 36 etc.). Aber Yoga ist
doch bestenfalles Mittel zur Ekstase, und nicht jeder Ekstase
, und nicht aller Yoga führt zu Ekstase. Überhaupt,
wenn z. B. der Tanz der Götter, die in RV. X, 72, 6 mit
Tanzenden verglichen werden, einfachhin als ein ekstatischer
aufgefaßt wird (S. 30), was kann da noch für un-

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