Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1923 Nr. 7

Spalte:

154

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Birnbaum, Salomon

Titel/Untertitel:

Das hebräische und aramäische Element in der jiddischen Sprache 1923

Rezensent:

Duensing, Hugo

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

153

Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 7.

154

zumal der Vorgänge am Himmel sind, an sich gewiß sehr
elementar, aber lebhaft, höchst aufmerksam, man könnte
manchmal sagen, allseitig. Und ihr Bedürfnis zu „erklären
", ist garnicht gering. Befriedigen sie es nach
„Kindesart", so gilt es für uns, für den Religionsforscher
, oft, daß nicht Geheimnisse unterlegt werden, wo
gerade sie nach der Empfindung der Primitiven nicht
oder nicht mehr sind. Der „Aufenthalt" eines Wesens
„im" Himmel, nicht mal das Verlangen eines solchen
Wesens „geehrt" zu werden, macht es ohne weiteres
zu einem wirklichen Gott. Für all das hat P. guten
nüchternen Blick. Als wirklich „übernatürliches" Wesen
, ein Wesen schlechthin spezifischer Art ist zuerst
Jahveh empfunden. Wirklicher religiöser „Monotheismus
" ist auch der Islam, nur er doch in seinen qualitativen
Maßstäben noch nicht innerlich frei auf
sich gestellt. Allah bleibt wie auch der Jahveh des
Alten Testaments, also vor dem Verständnis, das Jesus
erschloß, noch in naturhafte Verhältnisse verstrickt. Man
hat dennoch den Begriff „Gott" nicht lediglich vom
Christentum aus zu verstehen. Doch da tun sich grundsätzliche
Fragen auf, denen auch Pettazzoni nicht eigentlich
aufgeachtet hat, Fragen auch, die nicht leichter
Hand zu lösen sind.

Halle a.S. F. Kattenbusch.

Horowitz, Rabbi Israel S.: Erez Jisrael uschechenothgha

(Englischer Titel: Palestine and the adjacent countries, a geographical
and historical Encyclopaedia of Palestine, Syria and the Sinai Penin-

sula). Erster Band. ^ ((, Herausgegeben vom Sohn des Verfassers
Abraham Horowitz. Wien 1923. Zu beziehen durch den
Herausgeber, Wien II, Untere Augartenstraße 25/34. (XII, 372 S.)
4".

Der im J. 1918 in Jerusalem achtunddreißigjährig
gestorbene Verfasser hinterließ die jetzt herausgegebene
erste Hälfte eines geographischen Palästinawörterbuches,
außerdem einen Band „Jerusalem", der als zweiter Teil
folgen soll, und Materialien für die zweite Hälfte des
Wörterbuches, welche der Herausgeber zu einem dritten
Bande vervollständigen will. Die hebräische Sprache ist
für das umfassende Werk gewählt, weil es als Zeugnis
des vom eigenen Lande redenden Volkes ausgehen soll.
Aus diesem Grunde soll es, außer dem biblischen Stoffe
beider Testamente, die von Josephus und von der alt-
rabbinischen Literatur einschließlich des Sohar erwähnten
Orte und Länder enthalten mit stetem Verweise auf die
jetzt entsprechenden arabischen Namen. Daß das Buch
während des Krieges in Jerusalem entstand, bedeutet, daß
dem Verfasser die dortigen Bibliotheken nicht zugänglich
waren, und erklärt, daß die deutsche Palästinaliteratur
mit Ausnahme der Zeitschrift des DPV keine Berücksichtigung
fand. Sein Urteil, daß die protestantische Palästinawissenschaft
vom jüdischen Material nur gelegentlich
Verworrenes mitteile (S. XI), würde er gegenüber den
Leistungen schon Lightfoots und Relands nicht aufrecht
erhalten können. Aber jedermann wird ihm für das in
großer Vollständigkeit und Zuverlässigkeit übersichtlich
Dargebotene dankbar sein. Möge die Vollendung des
wichtigen Nachschlagebuches nicht lange auf sich warten
lassen! Was der als Christ gestorbene Jechiel Hirschensohn
im geographischen Teile seines Sepher Scheba
Chochmoth 1883 leistete, ist hier weit überboten. Der
rabbinische Stoff, für den der Sohar keine nennenswerte
Bedeutung hat, scheint vollständig zu sein. Saadja, dessen
Identifikationen Beachtung fordern, ist indes z. B. bei
Alexandria und Tripolis nicht ausgenützt (l.M. 10,13.
17) Dem Verfasser sollte doch die jemamtische Ausgabe
des Pentateuch (Jerusalem 1894—1901) zur Verfügung
gestanden haben. Auch die der rabbinischen
Literatur gleichzeitigen Pilgerschriften, wie sie Geyer
gesammelt hat, sollten ausgezogen sein. Thomsens Loca
sancta (1907) wären dazu ein gutes Hilfsmittel gewesen.
Daß nicht alle Gleichsetzungen alter und neuer Orte
sicher sind versteht sich von selbst. Wenn in Seppho-
ris ein Artebin Türschwellen untersuchte (b. Jörn. IIa),

beweist doch nichts, daß er aus einem sonst unbekannten
Orte Artab stammte und daß dies das heutige 'artüf an
der Bahn von Jaffa nach Jerusalem war. Bei Ariach
muß man dem Verfasser gegen Klein Recht geben, daß
es nicht Beth Jerach am Ausfluß des Jordan aus dem See
von Tiberias sein kann, daß auch nicht die heißen
Quellen bei Tiberias nach dem entlegenen Beth Jerach
benannt werden konnten. Aber das Dorf er-rlhän im südlichen
Libanon, das der Verf. für das Bessere' hält, kann
als galiläischer Priesterort nicht in Frage kommen und
scheidet deshalb für Ariach völlig aus. Daß es ein Sche-
bä'a in seiner Gegend gibt, kann auch für Gubbetha
ariach keine Hilfe leisten. Für Jabesch in Gilead erwähnt
der Verf. das dem wadi jabis fernliegende Mirjamin,
während die beherrschende Ortslage chirbet et-maklnb im
Tale selbst (PJB 1907, S. 13) unberücksichtigt' bleibt.
Bei dem Jidala Sebulons wird die talmudische Gleichung
Chirajja als Chawarja angeführt, um es mit einer
heutigen Ruine Huwara gleichzusetzen. Daß dann auch
dscheda genannt wird, scheint beachtenswerter, weil es
in der Gegend liegt, um die es sich bei Jidala wirklich
handelt. Die Palästinaarbeit wird hier nicht stille stehen
dürfen. Der Verfasser, der zuweilen die eigne Ansicht
der bisher üblichen gegenüberstellt, wird dies auch nicht
gemeint haben. Ein für jedermann nützliches Handwerkzeug
wollte er liefern und hat er geliefert. Amerikanische
Munificenz erlaubte eine glänzende Ausstattung.
Orcifswald. Q. Da Im an.

Birnbaum, Dr. Salomon: Das hebräische und aramäische
Element in der jiddischen Sprache. Leipzig, Gustav Engel 1922
(56 S.) 8°.

Behandelt wird in dieser nützlichen Arbeit das hebräische
und aramäische Element im Jiddisch der Gegenwart
und zwar in vierfacher Hinsicht: das bezeichnete Element
in direkter und dasselbe in entwickelter Gestalt, wobei
unentschieden bleibt, welche Entwicklungen erst auf
dem Gebiete der jiddischen Sprache vorgegangen und
welche Erbgut sind, das schon beim Entstehen des Jiddischen
vorlag; weiter hinsichtlich des Einflusses der
germanischen und slawischen Elemente auf das hebr.
aram. Sprachgut und endlich hinsichtlich des Einflusses
dieses auf die anderen Elemente. Ziemlich unverändert
ist nur wenig geblieben wie die Partikel rak „nur" oder
ragla:iim „Füße"; das meiste liegt in lautlicher Umgestaltung
vor, die manchmal die Wörter fast bis zur Unkenntlichkeit
entstellt hat so etwa bezn, das aus beth
din hervorgegangen ist. Aus dem germanischen Elemente
sind z. B. Endungen für hebräische Wörter übernommen
. Der Einfluß des hebr. aram. Elementes auf
die andere zeigt sich am stärksten in der Syntax. Der
Verf. schätzt, daß das in' Rede stehende Sprachgut lexikalisch
ungefähr ein Viertel des jiddischen Wortschatzes
ausmache neben sechs Zehnteln deutschen und einem
Zehntel slawischen Sprachgutes. Die Terminologie, mit
Hilfe deren die sprachlichen Erscheinungen und" Wandlungen
erfaßt und dargestellt werden, ist modern.
Dassensen, Kr. Einbeck. Duensing

G r e ß m a n n , W D Dr. Hugo: Die Anfänge Israels (Von 2. Mose
bis Richter und Ruth) ubersetzt, erklärt und mit Einleitung versehen
. Mit Namen- u. Stichw.-Verz. u. l Doppelkarte 2 verb
Aufl. Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht 1922 (VIII,284 u 12S)
gr. 8°= Die Schriften des A. T., 1. Abt., Die Sagen des A. T„
2- Bd Gz. 5; geb. 7.

Was der Verf. im Vorwort zur 2. Aufl. des 1. Bandes
der 2. Abt. sagt, daß sie trotz mannigfacher Aende-
rungen den Geist der 1. Aufl. nicht verleugne, gilt auch
von der vorliegenden Neuauflage. Dennoch kann diese
Anzeige nicht in einer Charakterisierung jener Änderungen
bestehen, sondern sie muß sich mit dem Geist des
Buches auseinandersetzen. Denn nach seinem Erscheinen
sind einige Arbeiten veröffentlicht, die seinen Gegenstand
in neue Beleuchtung rücken. Bei 1. Mose bis Josua