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Ausgabe:

1923

Spalte:

109-110

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schramm, Albert

Titel/Untertitel:

Die illustrierten Bibeln der deutschen Inkunabeldrucker 1923

Rezensent:

Clemen, Otto

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Seite 1

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109

Theologifche Literaturzeitung 1923 Nr. 5. no

lieh fich zu einer vollftändigen Biographie des Dominikus
gertalten werden.

In I erftrebt und (,'ibt A. eine airettige, quellenmäßig fundierte
Darftellung des Armuts^edankens beim hl. Dom. A. beweitt, daß von
Dom in der erften v tlorencn Regel von 1216 keineswegs die Befitz-
lofi 'keit als Or len-gefetz au geltellt worden ift, wie doch der Biograph
Jordan (c. 27) berich'et, da die zwei päpftlichen Beftätigunysbmlen vom
Dez. 1216 vielmehr alle Befitztitel des Ordens aufzählen und (auch
k nftigei un er päpftlichen Schutz Hellen, auch nicht 1217 formuliert
wurde igegen Ilauck), daß Dom. erft gegen Ende feines Lebens (f 1221)
auf dem Generalkapi'el von Ptingften 1220 den Befi z von Grund und
Boden und rentie ender Einkünfte verboten hat. Bei der Durchführung
und Beobachtung des leicht radikal zu deutenden Gefetzis hat er aber als
Mann der realen Wirklichkeit, nüch'erncr Berechnung einen Mittelweg
eingefchlageu, der die Gefahren der ül eren Orden und die Enttäufchungen
oerStiftung des hl. Kranz vermie I, und auch nichtohnegewilfeinnereSelbit-
ftündigkeit ift Dom. vorgegangen. Als A.mn en ammler laut den Be
Limmuugen von 1220 erfchienen die Pred'gerbrüder der Öffentlichkeit
gegenüber gleich den Jüngern des hl. Kranz als Betttll rüder. In II
wird feit :eftc lt. daß die Erzählung d s Thomas von Celano in feinet
2. Vi'a des Franziskus über eine Begegnung der beiden Ordensflifter im
Haue des Kardinalbifchofs Hugo von Oftia feilzuhalten ift, gegen übet
den kritiichcn Anzweiil ngen der Quelle als toLher und der angeblichen
Tendenz des Berichtes — im Einklang mit der neueren Korfchung, ferner
daß die Begegnung wahrfcheinlich nach Florenz in den Anfang des
Lahres 122t zu verlegen ift Anderes Material kommt kaum in Be rächt.
Wenn lomit eine perfonl che BeeinHuffung durch Franz von Al'fift nicht
zu erweifen ilt, fo haben doch die Gedanken det Wanderpredigt und
der chrltli.-hcn Armut, die fchon lünglt umlefen, na ürlieh auch in
franziskanifcher Ausprägung auf Dominikus gewirkt.

Marburg. Karl Wenck.

Vorträge, gehalten auf dem 2. Ferienkurs oftfehweizerifcher Dlafpora-
pfarrer m Zug:

Johannes Ficker, Neuer evan gel ifch er Kirch bau und Diafpora-
bauten.

Walther Köhler. Das Bleibende im Glauben der Reformatoren.

Zur ch: Schul hess & Co. (04 S.) 8". 192J.

Beffer könne den oflfchweizerifchen Dia'pnrapfarrern bei ihrem
Ferienkurs in Zug nicht gedient werden als mit d e en beiden V rträgen
der beiden deutichen Kirch' nbiftortker. Wie müflen fte beide gezündet
und na.-hhaltig gewirkt haben I An d .m Ficker chen ortrag ilt namentlich
wer voll die Bezugnahme auf die neuen kiichbaul chen Leiltuugen
in der Schweiz e nirfeits, die kirchbaulichen Diafporabcdürfnifle andercr-
feits. Im einleitenden ge chiehtlichen Teil liegen die Vorgänge da und
dort etwas anders, als Ficker fie lieht, aber das Wertvolble am Vortrag
find de der Pfarrerwelt lo notwendigen prakdft-hen Anregungen, die
über den Kreis der Hörer und die Grenzen der Schweiz hinaus eben o
Beachtung verdienen wie die kundigen Darlegungen Köhlers, die mit
Meifterhand gegenüber den Stimmen derer, welche den Glauben der
Re ormatoren in allen Beziehungen als übe. wunden erklären, das Un-
vergänglb he und Bleibende an ihm auizetgen.

Berlin. Georg Stublfauth.

Scheel, Prof. D. Dr O to: Die nat onale und übernationale Bedeu
tung ür. Mart n L.thers. Wittenberg, Luther-GeieL cba t (27 s.) t>°.
Die er bei der Erinnerungsfeier an Luthers Ankunft auf der Wartburg
in E l'enach gehal ene mannhafe Vo trag verdient weitefle V>r-
brei'ung, auch im Ausland. Be1. dankensweit ilt die Beantwortung der
ncerd ngs öf ers aufgetauchten Fiage. .ob es nicht beifei gewtfen wäre,
wenn Luther in Wo ms nich hartnäckig den Widcrru' geweigert hät'e.
um dann im Bunde mit einer großen antiwel chen Opposition dem
deutfehen Volke die koni'eifionede Einheit u. damit die polui che Kiaf't
zu erhalten'.

Zwickau, i. Sa. O. Clenien.

Schramm, Albert: D e illuRrferten Bibeln tkr deuUchen Inkunabel-
Drucker. Leipzig: Deuilcbes Mufeum f. Buch u. Schult 1922 (24 S.

m. 30 Abb.) 4U-

Für eine Auslt Illing zum Lutberbibeljubiläum am 21. Sept. 1922,
die im Deutichen Mul'eum tür Buch u. Sihrift in Leipzig (Zeitzei Str. 14.
ftattgetünden hat, toll'e als Führer ein Überblck über den gefamten
Bibeldruck ercheinen was an den enormen HerllellungskolUn icheiterte.
Nu. hat der D rektot des Mu'eums wenigilens als Wegweier für die
Befucher des Inkunabel aals einen bei der ahrtsver ammlung der Gu'en-
bergge eil cha "t in Mainz gehaltenen Vortrag über die tliultrierten Bibeln
der deut chen Inkunabeldrucktr gekürzt veroffen liebt. Als die 1. deu' che
illuitrier'e Bibel gib ihm d'e von Günther Zainer in Ai gsbt.rg um 1475
mit niren mannigial gen Bi.deiinitialen. Die rcchlten B1 Itrbibei-
inkunaheln lind d e von Hcmii h Quentell in Köln um 1470 (die Holz-
fchnit'e Kopie . nach Zeichnen en einer Handfchri t'. Dieletztedentfcheillu-
(tr erteBibel der Inkunalielzeit i'l Hie von Steffen Arnde in Lübeck (die Holz-
fchnilte find denen der Körner Bibeln frei nuihgebildeti. Latein! che
Biotin waren für d e Gelehrten beftimmt u. find eiten illullrierl; Sehr,
be.chreibt eine Gruppe von 7 lat. Bibeln mit archäoloyüchen IJuftra-

tionen. Zahlreiche Reproduktionen erhöhen den Wert der gehaltvollen
Abhandlang.

Zwickau i. S. 0< Giemen.

Meyer-Kraemer, Rudolf: Briefe Jakob Burckhardts an Gottfried
und Johanna Kinkel. (i5i S.) 8°. Balel, Verlag Benno Scnwabe
u. Co. 1921.

Ein Sonderdruck aus der , Bafler Zeitlohn t" für Gefchichte u.
Altertumskunde" XIX 2 S. 105-315. Von B.s Perlönlichkeit, ihrem
Ringen und Werden geben die Brie e ein wunde.bar_lebendiges B ld.
Man fieht ihn fich allmählich von dem fpieleriichen Aflhetizismus los-
löien. Der theologilche Ertrag ift geringer, als man angefichts des
Empfängers erwar'en lollte. Ahes hier Wichtige betrifft die Perlönlich-
lichkeit W. Beylcblags. Der Einfluß Schi llings auf die kon er-
vativere deutfehe I heo.ogie der vierziger Jahre (der noch immer nicht
umfalfend Unterlucht ifti wird auch an ihm anfehaulich. Anfchaulich
aber find auch die Enge und Flachheit der freiheitlichen deutichen
Bildung der vierziger Jahre. Der Ltzte Lebensernft leint auf allen
Gebieten. Eine religiöfe Frage ift für den Kreis um Kinkel und Burck-
bardt, ftreng genommen, gar nicht vorhanden.
Göttingen. E. Hirfch,

Brugg Her, Prof. Dr. Ludwig: Ajfnebuii und Wiedererrichtung
des Domkapitels Eichftätt. Eichftätt: Phil. Bronner 1922. (46 S.j
kl. 8". Gc 0.5.

Diefie zuerft im Paftoralhlatt für das Bistum Eichftätt 1921 er-
fchienene Abhandlung behandeh auf Grund der Akten zum erftenmal
die am 23. Nov. 1806 erfolgte Aufhebung des fütftbi chö liehen Eich-
ftätter Domkapbels und feine Wiedererrichtung im Jahre 1821. Der
geringe zur Ver ügung flehende Raum notig'e zu einer kurzen Skiz-
z erung des äußeren Vi rlau es und verhindere ein näheres Eingehen
auf die tre benden Kräfte. Doch werden die Pflichten und Rechte des
neuen Don kappels genau befchrieben, 10 daß der Unterfchied von linft und
jetzt klar zu Tage tritt. Mochte es auch manchen Ichmerzlich berühren, die
Aufhebung des alten Domkapitels, in dem 1806 noch nicht tinmal alle
Domherren pnefterliche Weihen emp angen hatten, erweill fich beute
als ein Segen für die Kirche lelbft. Nur ein einziger ehemaliger Domherr
wurde für würdig befunden, in das neue Domtapiiei aufgenommen
zu werden. Fs möge dem Verf. vergönnt ein, (liefe Sudie noch zu
erwei ern; innere fieren würden Mitteilungen über das Schickfal der alten
Domherren und über die Grundsätze, nach denen die Bildung des neuen
Domkapitels er olgte.

Roth bei Nüinberg. Schornbaum.

Priinner, Dominicus M., O. Pr.: IVanu le Juris Canonici, in usum
clericorum, praesenim illorum, qui a l instituta reli_iosa per b eut.
3 ed. aueta jXLHI, 719 S.j gr. tA Freiburg i. Br, Herder & Co.
1922. Gz. 14: geb. 16.

Der Umftand, daß diefes Handbuch nach 2 Jahren
in neuer Auflage erfcheint, läßt darauf fchlteßen, daß
der Verf. feine Aufgabe, in den gegenwältigen Stand
des kanonifchen Rechts tinzuführen, für leinen Leferkreis
in zweckenlfprecbender Weife geiöft hat. Diefer Erfolg
ift verftandlich, da der Verfaffcr feinen Gedanken eine
beftimmte und präcife Form zu geben weiß und in der
Gliederung des Stoffes der Ordnung des Codex juris
canonici folgt. Vielleicht haben wir es die em Vorbild
zuzufthreiben, daß feltfamerweife das Verhältnis von
Staat und Kirche nicht behandelt wird und auch der
Lehre von den einzelnen Sakramenten keine Darlegung
des Begriffs und Weftns cer Sakramente vorangefchickt
wird. Daß der Veif. dafür auf fein Manuale theologiae
moralis hinweift, ift kein Erfatz. Soviel ich (ehe, wird
von Fr. auch die wichtige Frage der .Wiedertaufe' nicht
behandelt. Daß feine Ausfuhrungen über die Mifdnhen
nicht ausreichen, wird jeder, der fich darüber belehren
laffen will, fofort feftfteilen. Und derariige Beifpiele
ließen fich noch manche anführen, man brat cht nur z. B.
das Kirchenrecht von Sägmüller vergleich>wei(e heranzuziehen
. Auch in der Mif.e lung von Spezialhteratur legt
fich Verf. eine Ichwcr verftändliche Zu ückhaltung auf.
Über den Wert eines an die Spitze gtftellten alphabetischen
Ver/.eichniffes der Schnftfteller des Kirchenrei hts
k >nn man verkhiedener Meint ng fem. f-'o g bt es mancherlei
Wünfche, die dem Verf. für die 4. Auflage zur Erwägung
geftellt fein mögen.
Göttinyen. Carl Mirbt,