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Ausgabe:

1923

Spalte:

108-109

Autor/Hrsg.:

Altaner, Berthold

Titel/Untertitel:

Die Beziehungen des hl. Dominikus zum hl. Franziskus von Assisi 1923

Rezensent:

Wenck, Karl

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io7 Theologifche Literaturzeitung 1923 Nr. 5 ro8

z'eht: fo läßt man (ich die Kapitel: Die große Unmöglichkeit
, das ewig Mannliche, der große Schaufpieler:
Göttliche Komödie, Pa fiflora: mittelalterliches Leiden
gefallen. Es find fchöne Wörte, manchmal unficher gefetzt
, ge'egentlich nicht richtig oder umft itten: aber das
Refultat ift fchwach. Wertvoll ift dann in den folgen Ln
Kapiteln die Einführung in das bene liktinifche Mönchs-
leben, in die St. Galler Landfchaft, in Notkers Entwicklungszeit
und die Grundlage feines Wiffens und feiner
Stimmung. Die Kappel Ii —17 aber, die Notkers eigentliches
Werk, feine Übere'zungen, Bearbeitungen und
Dichtungen, z. T. unter recht ichwülftigen Titeln (M gie
des Wertes — Rhetorik, der Pfalter im Wandel der Jahrtaufende
) behandeln, find fehr ungleichmäßig und lauen
eine gründliche Kenntnis des Stoffes teilweie vermiffen.
Das Kapitel 13: in der Nachfolge des Anftoteles ift b eit
und fchwerfallig und bringt wenig Neues. Bei dem Ab-
fchnitt über Boethius (14. De lpatrönifchen Tröftungen
der Phdofoohie) und Mirtianus Capella (15. Die Hochzeit
der Philologie) bringt der Vf. überhaupt kein eigones
Wiffen und keine neuen E'gebniffe: Dis Han touch
Manitius' ift ihm Fuhrer und Quelle. Be'onders eigen
tümlich w rkt es, daß H. die Breite und Ungefchicklich-
ke t Capell >s fcharf tadelt und nun felbft eine trockene
Inhaltsangabe des Capella'l'chen Werkes gibt, die den
getadelten Mängeln des Originals mindeftens gleichkommt
und zur No kerfchen Wertung nichts bri igt. Am an-
fprechendften ift noch die B-handlung der Notkerfchen
Pfalmen, da wird auch der Theologe nicht ungern lernen.
Die le'zten drei Kapi el (Gott und Menfch, Wunder und
Myftik, der ewige Weg) nehmen Ton und Gedankon der
Eingangskapitel wieder auf. Aber nachdem man nun
durch die Ode und Ergebnislofigkeit der Hauptftucke
des Buches gewandert ift, da macht dies keinen Eindruck
mehr. Hoffmann will das Buch nicht als Theologe und
nicht als Philofo-h, fo idetn als Germanift gefchrieben
haben. Als Germanift brngt er einige Bei rage zur
Lebens- und Literaturgefchichte Notkers des Deuifchen.
Dem German ften müflen wir aber auch fagen, daß teine
Übersetzungen nidr immer gewandt find und daß feine
Sprache oft mit den Regeln deuifchen Stils im Wi ier-
fpruch fteht; mit der neuhoch 'eutfehen Grammatik lebi
H. in fchwerem Kampfe und die an fich unerfreu ich<-n
Kapitel wimmeln von Druckfehlern. Treue und Li be
find ,das Ewige, das b'eibt, das durch alles noch fo Verworrene
hindurchfehimmert, das fegnend alle Unzulänglichkeit
rechtfertigt, mit der nun einmal nur das Wirkliche
gefchaffen wer len kann . . .' Treue und Liebe
machen das Unfein lebenswert, und von Treue und Liebe
foll dies Buch fürs Mittelal er Zeugnis ablegen. D is wird
dem Theologen nicht genügen und dem Philofo hen

davon Beifpiele an markanten h:ftorifchen Geftaltungen
und verlucht eine Wegweffung für die Gegenwart.

Die Kathol cität der Weltan'chauung war die große
unübertroffene und unüber reftliche Einheit des Mittel-
a'te s. Die Antike in ihrer fublimften Form lebte im
Mittelalter fort und läuft durch das Mittelalter in die
Renafff ince. Der Ausgang d rr Antike brachte das Chaos;
doch knüpft Auguftin unmittelbar bei Piaton wieder an
und führt auf Thomas von Aqutn und Dante: vollendetfte
Ausgeftaltung des Kosmos bei d;efen beiden, völlige Harmonie
m>t der Umwelt. Kerne Rückkehr zum Mittelalter
ift das Gewünfchte: nicht eine neue Myftik oder eine neue
Scholaftik kann uns helfen. D is He 1 liegt in der Wiederentdeckung
des Ewigen in der Welt. ,Die konferva ive
Revolution, die Rev olution d s Ewigen ift das Werdende
und fchon Seiende der gegenwärtigr-n Stunde.'

Es muß uns ver agt bleiben mit Rückficrt auf den zugemerfencn
Raum, die vielen unbedingt richtigen The en und Gefichtspunk e hier
auch nur annähernd z i fkizzieren A.s Katholik (lebt L. dem Mittelalter
a prior' verwand er und ympathi ch-r gegenüber als z. B. Jakob
Burkharde Die A isein .n ler etzung L.'s mit Burckhar t ilt außerordentlich
wertvoll. L. hat unbedingt recht, wenn er behauptet, d e
protetan ifche Tradition Sperre habe B. an der richtigen Eikcnn'ni.s
des Mi telabers gehindert. Wenn B. lagt: .Theismus erkennen wir in
der erhöhten pofitiven Andacht zum güt lichen We en, welche das
Mittelalter nicht gekannt hatte', fo ift das, wie wir das M ttelalter fehen
mülfen, chlechthin unverftändl ch. Die enge Verknüpfung Zwilchen
Mittelalter un 1 Renail'fance ift unbeftreilbar: die Totalität Dantes ift
nur zu verftehen aus dem Mittelalter heraus. Das Mittelalter erreicht
feine höchfte Blüte und Ent altung in der RenaifTan-e.

Uni noch ein and.res. L. letzt den preußi chen Menschen —
werentlich den von Spengler ge ehenen dem m t ehn'erlichen Men-
fchen gegenüber. Der preuß fche Men ch fieht fich dem Chaos, der
mittelalterliche Men ch dem Kosmos gegenüber: ein Ausgleich ift da
kaum möglich. Darum red.t L. einem gu en Europäertum das Wort,
uegen Oriin'alismus, gegen Amcrik.inifierung. Im Chriften'um haben
wir d:e Wahrheit über a ler Religion des Orients, im Grechentum
und in d r romanischen Kunft d e leftalt über aller orien'ali chen Kunfl.

Während Hotfmann in Notker dem D.utlchen einen
ottonifchen Z-itgeroffen darftellt, gibt M. Buchner in
feinem Einhard die Biographie eines karolingifchen Men-
fi hen. B. erfüllt als Hiftoriker. der die kultur-und kunft-
gefchich'liehen Belange in jeder Hinficht beftens berück-
fichtigt, feine bio,Traph fche Aufgabe . uf das vollkomm' nfte.
Das Leben und die Schriften Einhards waren im allgemeinen
gut bekannt. B hatte fich insbefondre mi den
Leiftungen Einhards als Künftlerinbeifalligaufgenommener
Weife befaßt. So ftellt er neben Einhards Gelehrtentätigkeit
die Künftlerlaufbahn und -Leift ng des liebenswürdigen
M-nf hen. Aber auch a s Verwaltungsmann (Laienabt
) un i als Gutsherr findet Einhar i eingeh nde Darftellt
ng. Das ganze B ch ift mit peinlicher So gfalt und mit unendlicher
Liebe für den Stoff gefchrieben. So ift ein
Bild eines mittelalterlichen Menfchen von vo lendeter
K'arheit und anfprechender Stitnmurg entftanden. B.

klingt es fchal, ja mehr noch. H. fordert auf zur Über- halt fich erfreulicher Weife van jeder Gefchraubtheit des

windurg des Mittelalters: Dazu hat der Germanift keine
Befugnis, der Theologe und der PhiloTph wollen und
dürfen das nicht: es wäre Wahnfinn, diefen Born lebendigen
Waffers zu verftopfen.

Das Buch ift eine große En'täufchung, es fardert je
mehr und mehr Widerfpiuch heraus. Und doch merkt
man von Zeile zu Zeile, von Sei e zu Seite die große
Ehilichkeit. die heilige innere Anteih ahme und das Ringen
des Verfaffcrs um fein Werk Damit wird uns das Buch,
das von großer Bdelenheit über den eigentlichen Stoff
hinaus zeugt, liebenswer , obwohl wir es wfffenfchaftlich
ablehnen muffen.

Ganz anders Landsberg: er ift Philosoph, Schüler
Max Schelers und vom Lehrer auf das Stärkfte beeinflußt;
feine Darflellung ift dityrambifh, enthufiaftifch modern,
Hoffmann ift epifch breit, mit elalterlich. Landsberg bezweckt
die Darftcllung der zentra'en mit elalterlichen Po-
fition in ihrer inneren Größe und Folgerichtigkeit, des
Ewigen im Mittelalter, mit ferner Sinnbeziehung auf die
griftigen Zuftände der Gegenwart. So ftellt er dar die
allfeits gebietsumfaffende Einheit des Denkbddes, gibt

Stils o ler der Gedanken fem, ohne irgendwie den ge ftes-
gefchichtlichen, reichsgefchichtliehen und (onftigen Problemen
auszuweichen. Dem Plane der Sammlung, in der
dies Bich erfchemt, entfprechend ift an einen weiteren
Lelerkreis gedacht. Defer darf dem Buche durch ms
gewünfeht werden: es ift auf (olider kultur- und geiftes-
gefchichtlicher Grundlage aufgebaut und bleibt in ftän-
diger Fühlung mit den Quellen.

Woifenb ttel. Otto Lerche.

A11 an e r, Privatdozent B- phold cer Armuttredanke beim hl Dominikus.

iln: Theologie u. Glaube, Zeitlehr, AI, S. 4 4—417) 1919.
— Die Bet ehungen des hl Domini' us zum hl. Franziskus von Arm.

(In: Franziskani che Siudien IX, S. 1 — 281 922.

Diefe beiden Auffätze find Nebenfrüchte der um-
faffenden Unterfuchungen des jungen Kirchenhiftorikers
zur Gefchichte des Dominikus, die ihren Niederfthlag gefunden
haben in dem trefflichen Buche ,Der hl. Dominikus
Unterfuchungen und Texte' B-eslau, Aderholz
1922, 265 S., über das ich für die Zeitchritt für
Kirchengefchichte 40. Band berichtet hübe, die hoftent-