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Ausgabe:

1923 Nr. 2

Spalte:

47

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Radbruch, Gustav

Titel/Untertitel:

Religionsphilosophie der Kultur. Zwei Entwürfe. 2. Aufl 1923

Rezensent:

Schian, Martin

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47

Theologifche Literaturzeitung 1923 Nr. 2.

48

Radbruch, Prof. Guftav u. Priv.-Doz. Paul Tillich: Religionsphllo-

Ibphie der Kultur. Zwei Entwürfe. 2. Aufl. (Philofoph. Vorträge,
veröffentl. v. d. Kant-Gefellfchaft, Nr. 24) (52 S.) 8°. Berlin, Reuther
& Reichard 1921.

Zwei Vorträge in der Berliner Abteilung der Kant-
gefellfchaft, an mehreren Punkten erweitert. Sie ,zeigten
eine fo ungewollte und unerwartete Übereinftimmung,
daß die Vortragenden darin nicht das Walten des Zufalls
, vielmehr den Ausdruck der philofophifchen Lage
diefer Zeit finden zu muffen glaubten'.

Radbruch gibt zuerft eine Betrachtung des Wefens der Religion.
Diefe i(l Überwindung des Gegenfatzes von Wert und Unwert, fetzt aber
eben deshalb diefen Gegenfatz voraus. Die Art der wertenden Wertphilofo-
phie und der wertüberwindenden Religionsphilofophie veranfchaulicht
er an der Betrachtung des Rechts. Auch das Recht ift ein Wert, den
die Religion überwindet, aber eben deswegen immer wieder fordert.
So befteht ein Widerfpruch zwifchen Recht und Religion, und es muß
das letzte Wort der Religionsphilofophie bleiben. Eine geiftvolle Betrachtung
von größten Gefichtspunkten aus, einen zweifellos von jedem
Standpunkt aus richtigen und wichtigen Grundgedanken in befonderer,
im Einzelnen oft fehr anfechtbarer Formulierung verfolgend. Religion
,letztendige Bejahung alles Seienden, lächelnder Pofitivismus, der über
alle Dinge fein Ja und Amen fpricht'? Religion ohne Gott, denn ,Gott'
ift in der Tat nicht Religion, fondern Theologie!? Ein Eingehen auf
diefe Fragen würde uferlos werden. — Tillich entwickelt, gleichfalls
mit umfaffenden Gedanken, die Idee einer Theologie der Kultur, die er,
nachdem vorher das Verhältnis von Theologie und Religionsphilofophie
, von Kultur und Religion befprochen und das Wefen der Kultur-
theologie erörtert ift, in Beziehung zur Kirchentheologie Hellt. Ein
Gegenfatz zwifchen beiden ift vorhanden, aber er ift ausgleichbar; in
dem Augenblick ift er nicht mehr möglich, wo der Kulturtheologe die
Notwendigkeit des konkreten Standpunkts in feiner Kontinuität und der
Kirchentheologe die Relativität jeder konkreten Form gegenüber der
ausfchließlichen Abfolutheit des religiöfen Prinzips felbft anerkennt. T.
fchließt mit einem Wort über die theologifchen Fakultäten. Wir
brauchen ,für die neue, auf fozialiftifchem Boden fleh erhebende Einheitskultur
theologifche Fakultäten, deren erfte grundlegende Aufgabe
eine Theologie der Kultur ift'. Auch T. gegenüber hätte ich Neigung
zu ausführlicher Auseinanderfetzung; aber wo anfangen und wo aufhören
? Die Entfcheidung fällt doch von beftimmten Vorausfetzungen
aus, bei denen es fich um die grundlegenden Fragen Religion, Chriften-
tum, Offenbarung handelt. Ich empfinde T.'s Vortrag als einen neuen,
fehr wirkfam aufgebauten, fehr beftechend formulierten Verbuch, den
längft verfochtenen ,Monismus der Kultur' in der Anwendung auf die
Theologie zur Durchführung zu bringen. Zu der ,auf fozialiftifchem
Boden fich erhebenden Einheitskultur' erlaube ich mir ein befonderes,
ganz großes Fragezeichen.

Gießen. M. Schian.

Verzeichnis neueiter Beiprechungen.

Von Vikar Kurt Dietrich Schmidt, Göttingen.

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Gressmann, H: Die ältefte Gefchichtsfchreibung u. Prophetie Israels.

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1922, 5; JDöller: ThRev 21, 1922, 16/18).
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— Grundriß einer neuen Philofophie. (ThSteinmann: ThLZ 47, 1922,
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Holzhey, Karl: Affur u. Babel in der Kenntnis der griech.-röm. Welt.
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Vol II: Liber III (Adjülicher: ThLZ 47, 1922, 2; derf.: ebd. 18/19;

ThQs 103, 1922, 1/2; FrDiekamp: ThRev 21, 1922, 1/2).
König: Sogenannte Volksreligion Israels (KMüller: Krlll-Ztg 31, 8/9

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Korczok, A: Griech.-kathol. Kirche in Galizien (Bernewitz: ThLtbl,

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1921, 5; FKattenbufch: ThLZ 47, 1922, 20).

Kunze, Johannes: Symbolik (EHirfch: ThLZ 47, 1922,8; HanzPreuß:

ThLBl 43, 1922, 14; GB: LtZtbl 73, 1922, 33; HermannBaukc:

ThBlätter 32, 1922, 10).
Landner, Jof: Kirchl. Zinsverbot (GGrützmacher; ThGgw 1919, 3;

JBiederlack: ZKathTh T8, 4; VCathrein: StimZeit 49, 8, T9; FKcller:

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Leeuw, Gvder: Historifch Christendom (HTdeGraaf: NThTyds 1919,

4; vWijk: ThLtbl '20, 4; Schmidt: ThLZ 47, 1922, 22).
Lehmann-Iffei, Kurt: Die Grenzen des objektiven Erkennens in der

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1922, 19; LV: LtZtbl 73, 1922, 26).
Leipold, Jh: Urchriftentum u. Gegenwart (Schultzen: ThLtbl 1921,

8; Ed vd Goltz: ThLZ 47, 1922, 3; Sange: LtZtbl 73, 1922, 38/39).
Leifegang, H: Heilige Geift (Jordan: LtZtbl 1920, 12; Leipoldt:

ThBl 43, 1922, 17; Fiebig: LtZtbl 73, 1922, 24).
Lenkner, Fritz; Recht am altwüi Remberg, ev. Kirchengut (GBoflert:

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1922, 21).

Ljunggrern, G: Zur Gefch. d. chriftl. Heilsgewißheit (JGotthardt:
LtZtbl 1921,41; ErichSeeberg: DtLZ 43, 1922, 12; JMausbach: "ThRev
21, 1922, 7/8).

Mager, Alois: Der Wandel in Gottes der Gegenwart (ErnftRöminghaus

SJ: LtdZt 52, '22, 9; Adam: ThQs 21, 1922, 1/2; EauritiusDemuth:

ThRev 21, 1922, 1/2).
Mausbach: Aus kathol. Ideenwelt ufw. (FXKiell: LtHdw 1921, 1;

Schilling: ThQs 103, 1922 1/2; FSawicki: ThRev 21, 1922, 1/2).
Meurer, Chr: Bayer. Kirchenvermögensrecht 3 (KAGeiger; ThRev 1919,

19/20; Rieker: BeitrrBayerKg 26, 2, '20; ROeschey; ThLtbl '20, 17;

ESehling: ThLZ 47, 1922, 21).
Nerses von Lampron: Erklärg. d. Sprichwörter Salomos h. u. üb.

v. Prinz Max 1. u. 2. T. (TKlugc: LtZtbl 1920, 8; derf. Ebd. 22, 35;

JLeipoldt: DtLtZ 43, 1922, 36).
Pfennigsdorf, E: Wie lehren wir Evangelium? (HDungs: Krtll-Ztg

31, 8/9, '21; ASchrüder: ThLBl 42, 1921, 25/26; Schufter: ThLZ 47,

1922, 21).

Prümer, M: Manuale juris eccles. 2. ed. (hemme: ThLtbl 1920, 21;
Nililling: ArchKathKr 100, '21; Sägmüller: 'ThQs 103, 1922, 1/2).

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J.C. Hinrichs'sche Buchhandlung Leipzig

Soeben erschien:

Hexateuch-Synopse

Die Erzählung der fünf Bücher Mose und des
Buches Josua mit dem Anfange des Richterbuches

in ihre vier Quellen zerlegt und in deutscher Übersetzung
dargeboten samt einer in Einleitung und Anmerkungen
gegebenen Begründung

Von

D. Dr. Otto Eißfeldt

Professor a. iL Univ. Halle a. S.

408 Seiten. 4U. Grundzahl 5,5; geb. 8.
Schw. Franken 13; geb. 15,50.

Die Arbeit möchte in die Fragen nach der Entstehung des
Hexateuch als eines Ganzen und nach den ihm zugrunde
liegenden Quellenwerken einführen und zu ihrer Lösung beitragen
. In den Wegen derer gehend, die sich zu diesem
Gegenstand geäußert haben, sie weiter verfolgend und auch
korrigierend, teilt sie die gesamte Erzählung des Hexateuch
auf 4 Quellen auf, die im vorliegenden Werke in 4 Spalten
so nebeneinandergestellt sind, daß jede Quelle für sich gelesen
werden kann und zugleich die Art, in der die Quellen zu
einer Einheit zusammengearbeitet worden sind, auf den ersten
Blick erkennbar wird. Eine der Synopse vorausgeschickte
„Synoptische Übersicht über den Hexateuch" erleichtert noch
den Überblick über das Ganze. Eine ausführliche „Einleitung"
und zahlreiche „Anmerkungen" dienen der eigentlichen Synopse
als Erläuterung und Begründung.

Nach dum Ausland in der Währung des Bestimmungslandes auf der
Grundlage des Umrechnungskurses der amtl. Anßouliandeltatolle.

=riiiiiiit ititiiiiiiif iiiiiiiiii iiiiiiiiiiintiif ■■itiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii 1 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiainiiiiT=

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 10. Februar 1923.
Beiliegend Nr. 2 des Bibliographischen Beiblattes.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Döttingen, Nikolausberger Weg 31.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leioziu. Rhimpavas» -> — Tfrnrk vom Au auf) Prl»« in r nin^io