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Ausgabe:

1923 Nr. 2

Spalte:

545-546

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nedergaard, Paul (Ed.)

Titel/Untertitel:

Kirkelig Aarbog 1923 1923

Rezensent:

Mosbech, Holger

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Seite 1

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545 Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 25/26. 64B

Die vom Vorstande der Straßburger Wissenschaftlichen
Gesellschaft mit einem Vorworte herausgegebene
Rede des gebürtigen Elsässers charakterisiert vortrefflich
die hervortretenden Persönlichkeiten der deutschen
Universität Straßburg (mit fast völliger Beschränkung
auf die schon Verstorbenen) in ihrer wissenschaftlichen
Bedeutung — eine stolze Reihe bedeutender Gelehrter,
eine große Summe wissenschaftlichen Fortschritts! Sie
behandelt — was zu dem Vorworte hinzugefügt sei —
einen Abschnitt aus meiner voraufgegangenen, die gesamte
Tätigkeit der Universität einbeziehenden Rede
(Halle, 1922) ausführlicher und ergänzt die Schrift von
Mayer (Berlin, 1922), die mehr die äußere Entwicklung
und die Organisation schildert. Eine umfassende
Geschichte ist von der Straßburger Wissensch. Gesellschaft
in Angriff genommen. Die drei Schriften vermögen
aber jetzt schon, zusammen mit den allgemeiner
gehaltenen von O. Lenel (Freiburg, 1921) und H. von
Schubert (Heidelberg, 1921), einen Überblick über das
Große zu geben, was von der Kaiser Wilhelms Universität
Straßburg getan worden ist.

Halle a. S. Johannes Ficker.

Held mann, Prof. Dr. Karl: Die St. Maria Magdalenen Kapelle
auf der Moritzburg zu Halle. Vierhundert Jahre hallischer
Kirchen- u. Kulturgeschichte. Mit 10 Abb. Halle a. S.: Oebaucr-
Schwetschke 1923. (70 S.) 8° Preis 1.15.

Die Schrift gibt, unterstützt durch eine Anzahl von
nicht gleichartigen und nicht gleichwertigen Bildern,
eine für einen weitern Leserkreis bestimmte und geeignete
Schilderung der ungewöhnlich bewegten Schicksale
der in ihrer Anlage wie in ihrem Patrozinium und
in ihren geschichtlichen Zusammenhängen, die über das
Ortsgeschichtliche hinausgreifen, beachtenswerten Burgkapelle
.

Halle a. S. Johannes Ficker.

Bonwetsch, Q. Nathanael: Aus A. Tholucks Anfängen. Briefe
an und von Tholuck Ein Beitrag zur Geschichte der religiösen
Erneuerung im 19. Jahrhdt. Gütersloh: C. Bertelsmann 1922 = Beiträge
zur Förderung christlicher Theologie 11,4. Gz. 5.— ; geb. 6.—.
Die im Tholuck - Konvikt zu Halle vorhandenen
Briefe des Barons Kottwitz an Tholuck bilden die Keim-t
zelle dieser Veröffentlichung. Sie hat dann mehr gebracht
— mit Recht. So wenig von Kottwitz veröffentlicht
ist, der eigenartige Mann [dem gegenüber man
zu keinem ungemischten Eindruck kommt] wird durch
das Vorliegende nicht schärfer charakterisiert, die
Sprache Kanaans überdeckt das Persönliche.

Weit ausführlicher ist der junge Tholuck im Briefwechsel
mit seinen Freunden zu Worte gekommen und
zeigt uns das Fluidum jener ersten, von Idealismus und
Romantik herkommenden Generation der Erweckung,
oft in gekünsteltes, verschrobenes Empfinden sich verlierend
, fester, charaktervoller Ruhe ermangelnd. Das
Bild, das uns gegeben wird, ist nicht neu, aber lebendig
und psychologisch überaus lohnend.

Zu der Ausgabe noch einige Fragen: wie verhält
sie sich zu L.Wittes Biographie? Soll man ohne
diese auskommen, so waren biographische Erläuterungen
notwendig. Andernfalls war der Wiederabdruck so
vieler Briefe, die Witte bringt, unnötig. Auch wären bei
den übrigen Briefen Quellenangaben erwünscht gewesen.
Sodann: ist der Zweck der Ausgabe erbaulich oder
wissenschaftlich? Im letzteren Fall sind eine Reihe von
Auslassungen im Text der Briefe unerwünscht, die zwar
nicht immer erbauliche, wohl aber oft charakteristische
Bemerkungen betreffen.

Kiel. E. Kohlmeyer.

Kirkelig Aarbog 1923. Udgivet af den danske Praesteforening
Redigeret- af Paul Nedergaard. Kopenhagen: Gyldendalske
Boghandel (321 S.) gr. 8°
Der dänische Predigerverein hat die glückliche Idee gehabt, ein

„Kirchliches Jahrbuch" zu veranstalten, das als Nachschlagewerk für

Pastoren, Gemeindevertreter und andere, die Interesse an die kirchliche
Administration haben, gedacht ist. Das Buch enthält u. a. ein ausführliches
Verzeichnis sämtlicher dänischen Pfarrämter mit Angaben
von Gehalts- und Wohnungsverhältnissen, Zahl der Gemeindeglieder
u. dergl. mehr, wozu die Namen der jetzigen Inhaber kommen; eine
alphabetische Liste aller theologischen Kandidaten mit Aufschlüssen
über ihre früheren und jetzigen Anstellungen, und ähnliche Verzeichnisse
der Pastoren der Landeskirche, welche ihre Ausbildung nicht an
der Universität Kopenhagen erhalten haben, und der Geistlichkeit
der nicht-lutherischen Gemeinden; Berichte (mit Personalverzeichnissen
) über das kirchliche Leben auf den Färöerinseln, Island und
Grönland, in den beiden dänischen Kirchen der U.S.A. und in den
Auslandgemeinden; eine ausführliche kirchliche Statistik; eine übersichtlich
systematisch geordnete Darstellung der gesetzlichen Bestimmungen,
die für Kirchenadministration, Verwaltung des Pfarramtes und Gemeindeleben
gelten; Anzeigen aller kirchlichen und philanthropischen
Gesellschaften und Vereine; ausführliche Berichterstattungen der großen
kirchlichen Institutionen (Bibelgesellschaft, Diakonissenanstalten, Innere
und Äußere Mission, Jugendfürsorge usw.); kirchliche Literatur- und
Zeitschriftverzeichnisse. Eingeleitet wird das Werk durch eine pastorale
Abhandlung: „Die Fürbitte des Pastors für seine Gemeinde" vom
Primas der dänischen Kirche, dem Bischof H. Ostenfeld, und kurze
Erwägungen über „Die dänische Kirche nach dem Kriege" von Pastor
Th. Lomholt Thomsen. — Auch für Ausländer, die sich über die kirchlichen
Verhältnisse Dänemarks orientieren wollen, wird das Buch sehr
nützlich sein.

Kopenhagen. Holger M o s b e c h.

Söderblom, Nathan: Tre Livsformer. Mystik (Sundar Singh)
Förtröstan. Vetenskap. Andra Upplagan. Stockholm: Hugo Geber.
(123 S.) kl. 8°

„Drei Lebensformen: Mystik, Gottvertrauen, Wissenschaft", in
vier Reden: 1. Evangelische Mystik in einer indischen Seele: Sundar
Singh, der christliche Sadhu. 2. Gottvertrauen: Die gegenwärtige
Krisis der Lutherforschung. A. Gemütsart und Religion bei Luther.
B. Die Ausmündung der Mystik in Martin Luthers Gottvertrauen.
3. Wissenschaft als Lebensform.

Von dem Reichtum und dem Glanz S.'scher Rede, der umfassenden
Kraft seiner geistigen Leistung zeugt dies Heft. Als das grundlegende
Sadhubuch von Streeter-Appasamy vorlag, wählte sich S. den
gleichen Gegenstand. Er ordnet ausgewähltes Material zu einem
schlanken Bau, in dem die neu zugebrachten Steine das Ganze erst
recht tragen und in seiner Schönheit hervorheben. Der Leser von
S.'s nicht genügend beachtetem „Natürliche Theologie und allgemeine
Religionsgeschichte" (Leipzig, 1914) wird manche Erkenntnis hier
fruchtbar konkretisiert finden, hervorleuchtend hinter seinem wundervoll
klar gegliederten Versuch einer (sympathischen) Beurteilung.
Seine, reich belegten, Kategorien sind: Sundar Singh ist ein echter
Hindu. Er ist ein ebenso echter evang. Christ.

Dieser Satz, ohne die im Original die Seiten 14—51 füllenden
Belege, findet sich in dem kurzen „Geleitwort" vor der deutschen
Übersetzung des Sadhubuchs unglücklich am Platze. Eine neue Auflage
sollte dies „Geleitwort" aus dem schwed. Originalaufsatz, nicht aus
der engl. Übersetzung, neu ausheben und würde damit Ungenauig-
keiten (S. spricht von einer „bezaubernden Heiligengestalt", daraus
wird „liebenswerte und fromme Persönlichkeit" u.a.m.), ja Fehler
(S. VII Mitte muß es heißen: Zeitlich uns naheliegende Dinge werden
leicht überschätzt) ausmerzen. Dann könnten auch die Bibelzitate
gründlich nachgeprüft, die Hinweise auf engl. Bücher und Encyclopädie-
Artikel durch entsprechende, Deutschen zugängliche ersetzt, sprachlich
geglättet werden („Einung" für unio rnystica ist nicht schön),
der indian, aus einem Indianer, gebührend in einen Inder rückverwandelt
werden (S. 69), was den Leser doch „arg" (S. 68) „beeindruckt
" (S. 177). Damit würden dem deutschen Sadhubuch, das
schön und wichtig ist, Stäublein abgefegt: es ist dessen wert.

Dann die beiden Luthervorträge. 2A. faßt die Ereignisse des
Buches „Humor und Melancholie und andre Lutherstudien" zusammen,
über das D. Scheel hier berichtet hat (Th. L. Ztg. 1921, Nr. 37), nicht
ohne Sclbstkorrektur (die Neuheit von Luthers Werk wird als steter
Anreiz zur Anfechtung höher gewertet). 2 B. läßt sich auch dem, der
nicht das große Lutherbuch, nur etwa die Stuttgarter Wonnsrede:
„Martin Luthers universale Bedeutung" gelesen hat, einigermaßen
vorstellig machen.

Französische kath. Forscher wie Imbart de la Tour haben, was
Grisar aus seinem Material nicht herausleuchten sah, was S. seit Beginn
seiner Lutherstudien empfindet, Luther als Mystiker, als das
Gegenteil eines rationalisierenden via-med/a-Mannes erkannt. In
dieser Einsicht müssen sich alle Forscherparteien treffen, und Vieles
wird dann nicht mehr gesagt werden können, worin sich vordem
alle, auch „Lutheraner", getroffen hatten.

Ich darf hier die feinen Vorträge nicht ausschöpfen wollen; nur
eins sei abschließend gesagt: Dieser Luther schaut aus seinen eignen
Augen, nachdem eine, der seinen sich verwandt fühlende Lebensleidenschaft
, gestüzt auf einen untrüglichen Sinn für das Charakte-