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Ausgabe:

1923

Spalte:

534-536

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bauernfeind, Otto

Titel/Untertitel:

Der Römerbrieftext des Origenes 1923

Rezensent:

Koetschau, Paul

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Wreszinski, Walter. Atlas zur altaegyptischen Kulturgeschichte
. 13.-17. Lief. Leipzig: J. c. Hinrichs. (Der nunmehr vollständige
1. Teil enthält 424 Lichtdr.-Tafeln mit eingedr. Text).
Lex. 8°. Preis des vollst. Teils in Sammelkasten Oz. 230—.
Die Bedeutung dieses Werkes für die Wissenschaft
des A. T.'s ist schon in dieser Zeitung 1923 Nr. 9 Sp.
195 f. gewürdigt worden. Durch die weiteren Lieferungen
ist aber der Umfang dessen, was für den A. T.ler
von Wert ist, noch um ein Beträchtliches gewachsen.
Hierzu sei u.a. auf die verschiedenen Darstellungen von
Tribut bringenden syrischen Gesandschaften, Taf. 269.
273—77 verwiesen. Die Keramik auf diesen Bildern zeigt
Typen, von denen einzelne uns durch die Ausgrabungen
in Palästina, vollständig erhalten oder nach diesen Vorlagen
rekonstruierbar, wieder in die Hände gekommen
sind; ferner hebe ich die Abbildung einer syrischen befestigten
Stadt aus der Mitte des 2. Jhrt.'s hervor und
ihres — ausnahmsweise — bartlosen Oberhauptes, Taf.
16S; dann nenne ich Taf. 266 mit Syrerinnen von verschiedener
sozialer Stellung, an denen man, wie schon
bei den oben erwähnten Gesandtschaften, Kleidung und
Haartracht beobachten kann. Alle diese Tafeln mit ihren
mannigfachen Details geben ein lebendiges Bild der
Kultur, in welche Israel hineinwuchs. Der at.lichen oder
besser palästinischen Archäologie hat Wr. mit seinem
Atlas eine außerordentlich wertvolle Quelle erschlossen.
Königsberg i. Pr. Max Lohr.

ana ittisu AOTU. II, 1, 39, 37f. — S. 161, Nr. 150,8 lies: ul i-
tar(!)-ma ^= er soll nicht Ungültigkeitsklage anstrengen. —
S. 164 Nr. 111,7 kann: i-hu-za nicht bedeuten ,,he will take her".
— S. 166 Nr. 129,8 lies" 1 i b i r (!) • r a ■ n a. — S. 173 Nr. 173
Rs. 3 ist die Form: [ al ] .gaz.za Subjunktiv = daß sie getötet habe.
Berlin. Bruno Meißner.

Marr, Nikolaus: Der japhetitische Kaukasus und das dritte
ethnische Element im Bildungsprozeß der mittelländischen Kultur.
Aus dem Russischen übersetzt von F. Braun. Stuttgart: W. Kohlhammer
1923. (76 S.) 8° = Japhetitische Studien zur Sprache und
Kultur Eurasiens. II. Heft. Oz. 3—

Die unter dem obigen Titel vereinigten, ungemein
anregenden Vorträge eröffnen für jeden, der sich für
die um das Mittelmeerbecken im höchsten Altertum gelagerten
Völker und ihre Kulturen interessiert, weite
Ausblicke. Unter Japhetitologie versteht Marr die Kunde
von den Völkern, die einst vor den Semiten und lndo-
germanen die Küsten- und Binnenländer des Mittelmeeres
(besonders des östlichen) besetzt hatten (S. 21). Der
Verf. findet Verwandtschaft zwischen diesen „Japhetiten"
und den Semiten, speziell den Hebräern.

So z. B. in der Entstehungssage des Menschen aus Erde. „Eva"
bedeute bei den Japhetiten „Frau", zugleich aber auch Seite, Rippe
(S. 56f.), woraus sich der Mythus Genes. 2 erkläre. Auch die Sintflutsage
weise auf die Urheimat der Japhetiten. Für^'p^ „Firmament"
gebe der japhetitische Terminus „rkiak = „Eisen" den Aufschluß.
Vgl. auch phöniz. yp~)Q „Blechschale" (Procksch Genesis 427).
Eine Erinnerung an die Bedeutung der kaukasischen Völker für die
Metallkunde des alten Orients hat sich in dem biblischen Namen
Tubal-Kain erhalten (S.5S). Vgl. auch Udisch Zido „Eisen",
das ich bereits 1895 in v. Erckert's Die Sprachen des kaukasischen
Stammes S. 57 mit griech.rtzifrypo«' verglichen habe. „Jahwe" soll nach
den japhetitischen Sprachen soviel wie „der böse Geist" sein. Mag auch
noch manches von den Aufstellungen Marr's gewagt, oder nicht stichhaltig
sein — der Verf. erklärt selbst (S. 8), daß einzelne Thesen seiner
1920 gehaltnen und jetzt gedruckten Vorträge inzwischen in manchen
Punkten überholt seien — daß wir aus der „Japhetitologie" noch gar
manche Aufschlüsse und neue Rätsel für das Gebiet des Semitisnius
zu erwarten haben, ist mir gewiß.

Vielleicht gehören dem Kreise der japhetitischen Sprachen auch
Wörter an wie DID, p i~i2{:Dr "11D die Griechen und Semiten gemeinsam
, aber aus keiner der beiden Sprachen zu erklären sind. Auch

Chiera, Edward: Old Babylonian Contracts. Philadelphia:

University Museum. (S. 113—226 u. autogr. Tafeln 103—263) 4°

* Publ.'of the Babylonian Section VIII, 2. New Series. 1922.
Chiera, der in der ersten Hälfte dieser Publikation
i. J. 1914 bereits 102 Rechtsurkunden aus der
Zeit der Hammurapidynastie veröffentlicht hatte, läßt
jetzt noch weitere 162 (Nr. 103—264) Texte folgen.
Die erste Hälfte (Nr. 103—182) stammt aus Nippur
von den Ausgrabungen der Universität von Pennsylvania
und ist meist sumerisch abgefaßt, die zweite (Nr. 183
—264), durch Kauf erworbene, aus Sippar und Babylon
. Die große Masse gehört der Zeit der 1. Dynastie
von Babel an. Was aber die Nippurtexte anbelangt, so
ersehen wir aus ihnen, daß die Stadt anfangs den Herr- ,

schern der Isindynastie, dann dem König Rim-Sin von | 3?s , c 4 sfrachllchc Probleme interessant zu behandeln, wobei
Larsa gehörte, bis sie nach Hammurapis Sieg über seinen 1 Semlthten und Hebräern Mancherlei abfällt: z. b. über

Gegner in seinem 31. Regierungsjahre dem Reiche von
Babel zufiel. Dort blieb sie bis zum 29. Jahre Samsui-
lunas, worauf sie dem Nordreiche wieder verloren ging.
— Diesen Urkunden hat Ch. noch einen Verkaufsvertrag
aus der 3. Dynastie von Ur (Nr. 157) und einige
Texte der Kassitenzeit (Nr. 158—163) beigegeben, die
uns u. a. mit einem neuen König namens E 11 i I - a m a h
bekannt machen. — Der Inhalt der Inschriften ist im
wesentlichen der gleiche wie der der andern uns bekannten
Urkunden dieser Zeit. Merkwürdig ist aber
Nr. 173, die eine richterliche Entscheidung betreffs eines
Mordes enthält: Eine Frau wurde beschuldigt, ihren
Mann ermordet zu haben; die richterliche Untersuchung
ergab aber, daß ein Barbier und ein Gärtner die Täter
waren.

Ch.'s Edition macht einen guten Eindruck und verdient gewiß
volles Zutrauen. Die Umschrift und Obersetzung ausgewählter Texte
ist aber wohl nicht immer ganz einwandfrei. Ich erwähne nur ein
paar Kleinigkeiten, die mir bei der Lektüre aufgefallen sind: S. 127
Nr. 252,6 lies das Gefäß: garru. Es findet sich in dieser Aussprache
auch Rm. 2,27,16 (CT. XIV, 46); vgl. SAI. 1580. — S. 132
Nr. 137,1 lies: siki 1 (1). 1 a .n i .äu nach RA. XVII, 32f.; ZA.
XXXIV, 183. - Ib. Z. 5' lies: in da dag (!). — S. 138 Nr. 205,3
lies: ki-sa-li-im. — S. 139 Nr. 220, 1 ff. u. ö. lies: n a t i t (!)
(il) Samas. — S. 145 Nr. 246,10 ist: i-ka-al natürlich Prs.
von: akälu = nutznießen. — Jb. Z. 12. Ob anstelle des unklaren:
i-na-ma-al nach BE. VI, 1, 23,11 vielleicht: i - n a - z u - u r (!)
zu lesen ist? Das: zu steht wirklich im Text. — S. 149 Nr. 140,3
kann: i-ba-lu nicht bedeuten „has taken". — Ib. Z. 6 lies: bu-ul-
ta-ami-naka-sa-di-im = wenn er gesund wird, (wird er der
Lamassu die 3V3 Sekel Silber abgeben (!)). — S. 158 ff. Nr. 181,
182. Zu den Bestimmungen über Zusatzzahlungen bei ungleichwertigen
Tauschobjekten vgl. auch die Bemerkungen in der Serie

___er

die Zahlwörter, etwa 4: 4 ist das Wort für Füße, wobei die Vorstellung
eines 4füßigen Tieres vorschwebte vgl. JQ"1 - hebr. p2"l
lagern von den Tieren, die 4 Füße von sich strecken, oder unter den

Leib ziehen, 5 = Faust vgl. 5 Ufön, ass. Ü/^H zerschlagen. (S. 51).
Ich verweise auch auf den Kult des Stiers und der Ziege (S. 72) bei
den Japhetiten, um zu zeigen, wie viele wichtigste Probleme hier
berührt werden.

Heidelberg. Georg Beer.

Bauernfeind, Priv.-Doz. Lic. Otto: Der Römerbrieftext des

Origenes. Nach dem Codex von der Goltz (Cod. 184 B 64 des
Athosklosters Lawra). Untersucht und herausgegeben. Leipzig:
J.C. Hinrichs 1923. (VII, 119 S.) 8° = Texte u. Untersuchungen z.
Geschichte d. altchristl. Literatur. 44,3. Oz. 4—.

Der 1897 von Ed. Frh. von der Goltz entdeckte Codex
des Athosklosters Lawra s. X. (vgl. TU 17,4), ent-»
haltend Acta und Briefe des N.Ts., ist für die nt.Textkritik
von größter Wichtigkeit. Denn sein Inhalt stammt
nach einem Scholion aus einer „sehr alten" Hs., die aus
dem Text (?orov) der betr. Kommentare des Origenes
zum N. T. hergestellt und wahrscheinlich aus der Rezension
des Euseb.-Pamphilos geflossen war (v. d. Goltz
S. 34). Der Benutzer jener alten Hs., ein Gelehrter
wahrscheinlich aus der Schule des Arethas (ebenda S.
6 f.), bezeugt uns nun in seiner Abschrift, daß er den
Text des Römerbriefs nicht jener alten Hs., sondern den
damals noch vorhandenen Büchern des Römerbriefkommentars
des Origenes — schon zu Rufins Zeiten waren
einige verloren, und damals fehlten tom. 11. 14 —
entnommen habe. Der Verf. der vorliegenden Arbeit
weist S. 26 ff. die Richtigkeit dieser Angabe nach, hebt
aber nicht hervor, daß der Schreiber das Alter seiner Vor-