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Ausgabe:

1923 Nr. 24

Spalte:

527-528

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stäglich, Martin

Titel/Untertitel:

Unser Christenglaube und unser Christenleben 1923

Rezensent:

Katz, Peter

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Seite 1

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527

Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 24.

528

stimme ich W. durchaus zu. Überhaupt ändern die hier
angedeuteten Einwände nichts an dem oben schon ausgesprochenen
Urteil, daß W.'s neue Schrift vielfach förderlich
und klärend wirkt.

Eine kurze Bemerkung sei mir noch zu W.'s Sätzen
über meine Bearbeitung von James' Varieties gestattet.
Eine bloße Übersetzung zu geben, ist nicht meine Absicht
gewesen. Jede „gewaltsame Deutung" aber habe
ich ängstlich vermieden. Das von mir gewählte Verfahren
der Bearbeitung nach einem festen Prinzip der
Auswahl ist denn auch von James selbst, mit dem ich
ausführlich und eingehend darüber verhandelt habe, ohne
Vorbehalt gebilligt worden.

Göttingen. G. Wobbermin.

Stäglich, Pfarrer Martin: Unser Christenglaube und unser
Christenleben. Ein Handbuch für den Konfirmandenunterricht.
Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht 1922. (VI, 106 S.) kl. 8°
= Praktisch-theol. Handbibliothek, hrsg. von Friedrich Niebergall
24 Bd. Gz. 1.40.

Ein durchgeführter Lehrgang, gewollt kein Beitrag zur Theorie
, zuerst vorgetragen Mai 1910 den deutsch-evang. Geistlichen
Italiens, 1913 in Spanuths Mon. bl. gedruckt, von Niebergall (Pr.Th.
II, 347) wohl aufgenommen und, erweitert, seiner Sammlung einverleibt
. 3 Teile: I. Wer war und was wollte Jesus? II. Wie sieht ein
Christ aus? III. Wie wird und wie bleibt man ein Christ? II. u. III.
entsprechend einem Niebergallschen Vorschlag, I. aus eignen Erwägungen
vorausgestellt. Als Einleitung zum Ganzen soll eine, nur
angedeutete, lokal auszugestaltende, „Gemeinde-, Kirchen-, Religionskunde
" dienen.

Auch so, ausdrücklich ungewollt, aus der Praxis stammende Beiträge
sind der prakt. Theologie willkommen und ihrer Beurteilung
unterstellt.

Luthers Katechismus, als „lehrhaft", wird zur Grundlage ungeeignet
empfunden. Fast auf der gleichen Seite aber heißt es, daß
„Weltanschauungsfragen", als heute im Mittelpunkt der Erörterung
und auch Kindern bereits nahegetreten, „im Unterricht nicht übergangen
werden dürfen". „Es hat sogar etwas für sich, dem ganzen
Unterricht einen apologetischen Charakter aufzuprägen."

Der eigne Katechismus, der sich an die Stelle des Lutherschen
schiebt, welch letzterer als in der Schule erledigt vorausgesetzt, aber
zu selten (so S. 31, 48, 55, 67) zur, weiterführenden, Anknüpfung
benutzt ist, sieht so aus: Bergpredigt (35); 10 Gebote (42); vornehmstes
Gebot (48); das dem „Glauben" Entsprechende („Der Christ und
Gott") (49—66); „der Christ und die Menschen" (67—78); (Zugabe:)
„der Christ und die Welt" (79—85); Sacramente (86—99); die kirchl.
Vereine (99); Gebet, Vaterunser (99—103); „die Arbeit an uns selbst"
(Heiligung) (103—106).

Die Lutherferne ist beträchtlich: in der Frage der Adiaphora wird
mit „erlaubt" und „nicht erlaubt" gearbeitet (42,44,84, lOlu), der
Gedanke des neuen Werks unterm neuen Gesetz mehr als nur gestreift,
sparsamer Gebrauch des VUs (nicht täglich) um der Wahrhaftigkeit willen
anempfohlen, desgleichen Zurückschraubung der Forderungen an das
Christenleben der Kinder auf Grund der vorauszusetzenden Verhältnisse
. Der gerne angerufene F.W. Foerster ist weniger der Verzärtelung
geneigt und ausgesetzt: er sieht, daß die Seele zu ihrer Gesundung
streng fordernder Aufgaben bedarf. Unbehagen muß wecken
und seit Schleiermacher eigentlich für ausgeschlossen gelten, wenn
zu den Propheten „große Männer aus dem Heidentum" gezählt werden
, Plato, Buddha, Confucius, Muhammed, mit dem Beisatz: „Diese
alle haben Gott verkündigt, wie er ist und was er von uns will".
Dann versteht man die Notwendigkeit der mehrfach ansetzenden vergleichenden
Konfessionskunde (auch sie etwas „Lehrhaftes"!) nicht
mehr recht. Wo der Kat. spröde scheint, wird die Bibel geschmeidig
gwnacht: „Richtet nicht" geht auf das Aburteilen zwischen den Ständen
unsrer Gesellschaft (41); das Leiden Jesu offenbart, u. a„ „wie er erst
nach bestandenem Strauß eine kleine Erquickung sich gönnt (Mich
dürstet)"; das Gleichnis vom verl. Groschen zeigt Jesu „feste Ueber-
zeugung, daß auch des Sünders Seele noch wertvoll sei und wieder
gereinigt werden könne". Psychologisiert wird drauf los: Mt. 6,33 ist
eine Anweisung, die irdischen Sorgen los zu werden [cf. über den
Zweck des Gottesdienstes (89)]; Dörries' Erklärung zu ,Was heißt ein
Gottesgebot' verunziert S. 42; Spruchweisheit wird gemeistert: „Müßiggang
ist vieler Laster Anfang".

Die Grundhaltung wird oft erst verständlich, wenn man sie als
polemisch d. h. oft nicht Genanntem als bewußt entgegengesetzt erkennt
: so die Attacke gegen die Jenseitsgedanken selbst der Offenbarung
(65).

Nichts wäre nun falscher, als aus Obigem auf eine ganz verfehlte
Leistung zu schließen. Anzumerken ist 1) die bewußt außerwissenschaftliche
, d. h. von theol. Reflexionen freigehaltene Entstehung
des Werkes, auch in der langen Zeit bis zum Neuerscheinen, 2) die
ausschließlich „moderne" Einstellung, der gar zu leicht entgeht, daß
Aktualität keine Gewähr der Richtigkeit ist, auch nicht gegen eine
gefährlichere, weil verborgnere, Gehaltenheit durch Zeitdogmen schützt.
Ausdrücklich muß ich mit der Versicherung schließen, daß auch zweierlei
dankenswert ist, einmal eine nicht geringe Fülle sehr hübscher
Einzelausführungen, auf denen die Frische des Lebens liegt, und dann
der Mut, in der Ausführung und Durchführung den Grad der Haltbarkeit
vieler ressentimenthafter Gegenwartswünsche und -meinungen
zu erweisen.

Fahrenbach (Baden). Peter Katz.

Braun, Josef, S. J.: Sakramente und Sakramentalien. Eine
Einführung in das römische Rituale. Regensburg: Josef Kösel u.
Friedrich Pustet 1922. (256 S.) 16°

Im Zusammenhang mit der liturgischen Bewegung
im Katholizismus, den Bestrebungen, Laien zu verständnisvollem
Miterleben des Kultus zu bringen, wird eine
kurze erläuterte deutsche Ausgabe der Hauptstücke des
Rituale gewiß Erfolg haben; sie kann auch für Nicht-
katholiken von Interesse sein. Um die Sakramente, die
jeder Katholik empfangen soll, vollständig zu beschreiben
, hat Br. die Firmung mit dargestellt. Die Formulare
für Taufe, Beichte, Kommunion, Trauung und Begräbnis
sind die wichtigsten Stücke des Buchs und sie enthalten
neben Weitschweifigem Schönes, das wir herübernehmen
könnten. Manche dem Nichtkatholiken besonders fremde,
mit massivem Volksglauben zusammenhängende Stücke
des Rituale sind beiseite gelassen, da sie seltenen Bräuchen
gelten (nicht deshalb, weil Br. diese Art des Volksglaubens
und der von der römischen Kirche hier vorgenommenen
Spezialisierung ablehnte; so teilt er die Formulare
für die Kerzen- und Halssegnung am Blasiustage
mit — der hl. Blasius hilft gegen Halsleiden — und für
die Segnung von Schweinefleisch, Käse und Butter). Die
Übersetzung ist, soweit ich sie nachgeprüft habe, zuverlässig
.

Kiel. H. Mulert.

C. Ed. Müller's Verlag Halle a. S.

Vortreffliche Werke

Neue Christoterpe 1924

Gz. kart 4.— , gbd. 5.—, Goldpr. 6.—.
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Supper, Schieber, Katterfeld; Lessing von Bartels; Gedichte u. a.

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her. v. Herrn. Josephson. 3. Aufl. Gz. 6.—.
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Die soziale Botschaft des Christentums

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Mitarbeiter aus allen Ständen, u. a. Michaelis, Classen, Dehn, Liebster,
Niebergall, Wurster.

Ein wertvolles Zeitdokument und eine Mustersammlung für
soziale Ansprachen.

Neuü Jesaia und unsere Gegenwart

10 Predigten v. E. Baumann.
Gz. 0.70, gbd. 1.25.

Das alte Testament ist eine Trostquelle für unsere Zeit.

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 15. Dezember 1923.
Beiliegend Nr. 28 des Bibliographischen Beiblattes.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Nikolausberger Weg 31.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.