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Ausgabe:

1923 Nr. 2

Spalte:

515

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Willink, M. D. R.

Titel/Untertitel:

Utopia according to Moses 1923

Rezensent:

Volz, Paul

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615

Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 24.

= unten. — Ib. 19 1.: k a i a m ä n (!) -1 i elf a-[hi-t]i = der
eigentliche auf dem andern. Z. 20 dann umgekehrt: a-Jji-tum
eli kaiamän(!)-ti. — Nr. 51, 26 1.: i m . t a b . t a b . b a = die
vier Winde. — Ib. 39 1.: (is) ku-sa-a su-ur-su-da = einen
festen Thron. — Ib. 42 1.: in ri-sa-an e -1 a (1) - a -1 i m = erhobenen
Hauptes.

Berlin. Bruno Meißner.

Hammurabi's Gesetz von P. Kose haker, Professor an der
Universität Leipzig und A. Ungnad, Professor an der Universität
Breslau. Band VI: Übersetzte Urkunden mit Rechtserläuterungen.
Leipzig: Eduard Pfeiffer 1923 (XII.220S.) 8°. Gz. 15-; geb. 18—.

Nach der Auffindung von Hammurapis Gesetzbuch
hatte auch P e i s e r unter dem Titel „Hammurapis Gesetz
" eine Übersetzung desselben geliefert, zu der Koh-
1 e r juristische Erklärungen beisteuerte. Später trat U n-
gnad an Peisers Stelle und gab eine doppelte Umschrift
des Kodex nebst einem ausführlichen Glossar. Als Band
III—V von „Hammurapis Gesetz" ließ Ungnad dann
eine Bearbeitung sämtlicher damals bekannter juristischer
Urkunden der Hammurapidynastie nach Materien geordnet
folgen, und Kohler fügte in einem Anhange
Rechtserläuterungen hinzu. Nun hat nach Kohlers Tode
in dem neuen VI. Bande Koschaker die juristische
Bearbeitung der Texte übernommen. Während die philologische
Bearbeitung der Inschriften im wesentlichen
die gleiche wie früher geblieben ist, hat Koschaker die
praktische Neuerung eingeführt, seine juristischen Erörterungen
entweder jedem größeren Abschnitte voranzustellen
oder der einzelnen Urkunde folgen zu lassen.
Auf diese Weise wird viel lästiges Nachschlagen erspart
, allerdings auch kein zusammenfassendes Bild der
juristischen Ergebnisse vorgeführt.

Das Material dieses neuen Bandes stammt großenteils
aus Mittel- und Südbabylonien, woher wir früher
nicht allzu viel Urkunden besaßen. Wir ersehen aus ihm,
daß Mittelbabylonien mit Nippur zuerst zum Reiche von
Isin, dann nach der Eroberung Isins durch Rim-Sin zu
Larsa und schließlich seit Hammurapis Sieg über Rim-
Sin zum Reiche von Babel gehörte. In Nordbabylonien
lernen wir neben dem Reiche von Babel auch ein solches
von Kisch kennen, das während der Regierung Sumu-
abums und Sumu-laels kurze Zeit bestand, dann aber
verschwand.

Die Übersetzung der Urkunden durch Ungnad, über die mir allein
ein Urteil zusteht, ist ausgezeichnet, nur in wenigen Fällen wird
man einer etwas anderen Ansicht sein dürfen: Nr. 1430. ki.dur =
kiturru bedeutet eigentlich „Gemach", hier aber vielleicht eine
Sitzgelegenheit, eine Art Stuhl. — Nr. 1436. Der bansur.zag.
gu.la = passür sakki wird auch Delitzsch, Assyr. Lesest. 3.
Aufl 87,111, 65 erwähnt. Er ist wohl wie der folgende paäsür
asirti ein Tempeltisch. — Nr. 1467. Das Praet. irus kommt auch
im altassyrischen Gesetzbuche (Nr. 2, II, 30, 34, 38; VII, 8) vor. —
Nr. 1496 u. ö. Das Maß SAR ist phonetisch musarü zu lesen.
— Nr. 1524 ist ud.e.ne vielleicht nach SAI. 5905 busü zu
lesen; vgl. auch Clay, Univ. of Pennsylv. II, 1, 158, 8, 17. —
Nr. 1548. Im altassyrischen Gesetz (Nr. 1, V. 29; Nr. 2, V, 6) ist
ummiänu der „Geldgeber", was auch hier passen würde. —
Nr. 1583, 1588 ist statt iku vielmehr iku zu schreiben. — Nr. 1871
Die Erklärung von rugbu als „Aufsatz" erscheint mir unsicher. —
Ni. 1874. Zu e.zi.musen vgl. vielleicht Gudea Statue E, Kol.
VII, 7: i.zi.musen. Die von Thureau-Dangin, Vorderasiat.
Bibl. I, 81 vorgenommene Ergänzung von 81, 7—27, 56, 6 [i].zi.
m us e n = nah. i r u ist aber nicht richtig, weil ein konstantinopeler
Duplikat des Textes nam.zi.musen bietet.

Berlin. Bruno Meißner.

W i 11 i n k, M. D. R.: Utopia aecording to Moses. A Study in the
Social Teaching of the Old Testament. London: S. P.C.K. 1919.
(184 S.) 8° 6 sh. 6 d.

Mit einer erstaunlichen Unverfrorenheit schickt Herr Willink bzw.
sein Verleger einem deutschen wissenschaftlichen Blatt sein Opus zur
Besprechung zu, einen völlig unwissenschaftlichen Mischmasch von
christlich sein sollenden Ammenmärchen und zusammengestöppeltem
wissenschaftlich sein wollendem Aufputz. Mit der gleichen Unverfrorenheit
des Charakters läßt der Verf. in seinem Dialog bei der Erwähnung
barbarischer Kriegssitten alter Zeit einen der Sprechenden
sagen: it seems rather a Prussian proeeeding.
Tübingen. P. V o 1 z.

Buonaiuti, Ernesto: Saggi sul cristianesimo primitivo a

cura e con introduzione di F. A. Ferrari. „Ii solco" [die Furche].
Casa editrice, Gitta di Castello 1923. (XXVII, 382 S.).
Ders.: Voci cristianc. Roma: Libreria di Cultura 1923. (329 S.)
Scrittori cristiani antichi. Nr. 4: Frammenti gnostici a cura di
Ernesto Buonaiuti (167 S.) L. 8—. Nr. 5. II pastore di Erma
a cura di Maria Monachesi (142 S.) L. 7.50. Nr. 6. S. Ireno
esposizione della predieazione apostolica a cura di Ubaldo Fa,dati
(170 S.) L. 9.50. Roma, Libreria di Cultura 1923.

Ernesto Buonaiuti wurde seiner kirchengeschichtlichen
Professur am päpstlichen Seminar als Opfer der
Modernistenverfolgung 1906 entsetzt. 1915 ist er, auf
den früher von Bald. Labanca bekleideten Lehrstuhl für
Kirchengeschichte an der staatlichen Universität in Rom
berufen, wieder in die akademische Tätigkeit eingetreten
. Von befreundeter Seite wurden in dem oben an
erster Stelle genannten Bande 18 kürzere Aufsätze aus
wissenschaftlichen Zeitschriften — meist wohl aus der
von B. früher herausgegebenen Rivista storico-critica
delle scienze theologiche — und 3 Vorträge gesammelt.
Sie behandeln alle die Kirchengeschichte der ersten vier
Jahrhunderte. Manche knüpfen an literarische Entdeckungen
oder wichtige Erscheinungen der internationalen
wissenschaftlichen Literatur an, wie der Bericht über die
Oden Salomos oder über den Streit über den Spruch von
den Kardinaltugenden bei Paulus und Porphyrius. Die
meisten Beiträge schildern in lebendig und fesselnd geschriebenen
, reichliche Mitteilungen aus den Quellen in
italienischer Übersetzung einflechtenden Skizzen führende
Persönlichkeiten der alten Kirche oder bedeutsame
Züge ihrer Entwicklung: Presbyter und Propheten
bei Christen und hellenistischen Heiden, die Wortgeschichte
von Schisma und Häresie in der ältesten christlichen
Literatur, Niedergang des Chiliasmus, Celsus und
Origenes, die Apologetik des Clemens AI., Lucian von
Antiochia, Basilius im Spiegel seiner Briefsammlung, die
Christenverfolgungen (Geschichte, politische Motive,
rechtlicher Charakter), die großen Krisen der alten
Kirche (Gnosis, Donatismus, Arianismus, Staatskirchen-
tum, Mönchtum), die Geschichte des Christentums in
Afrika. Einige Stücke greifen, eigene Meinungen und
Vermutungen des Vf. begründend, unmittelbar in die
wissenschaftliche Erörterung der betreffenden Gegenstände
ein. Die Übergabe des gefangenen Paulus an den
praefectus peregrinorum im Text des Gigas Act. 28, 16
wird (mit Zahn gegen Mommsen) als Glosse des ausgehenden
2, Jahrhunderts angesprochen, da die pere-
grini, erst von Hadrian formiert, nicht vor Ende desselben
politisch - polizeiliche Funktionen übernehmen.
AitoGTaoia in der Apocalypse 2. Thess., die für pauli-
nisch genommen wird, soll die politische Revolution
(nicht einen Abfall vom Glauben) bezeichnen, welche
der Zäsarenwahnsinn hervorrufen müsse, die aber vom
römischen Staatsbeamtentum niedergehalten werde und
so zugleich das xa%e%ov für die Erscheinung Christi
sei. Unabhängig von Preuschens gleichgerichtetem Versuch
vertritt B. die Hypothese, die Oden Salomos seien
ein frühvalentinianisches Psalmbuch, vielleicht die verlorenen
Psalmen Valentins; der Aufsatz folgt unvermittelt
auf den Bericht über die Entdeckung der Oden,
welcher sich überzeugt für eine Mehrheit von Verfassern
und gegen gnostischen Ursprung ausspricht. Ein
anderes Stück weist auf die relative Seltenheit apokrypher
Zitate in der christlichen Literatur Afrikas hin,
die in ihrem katholischen Teil sich als geradezu immun
gegen Apokryphen erweise; die pseudoeyprianischen
Schriften mit ihren zahlreichen apokryphen Zitaten seien
ja ohnehin nicht für afrikanisch zu halten. (Indessen
hier droht offenbar eine petitio prineipii; für mehrere der
von B. genannten Schriften ist afrikanische Herkunft
wegen ihres Bibeltextes höchst wahrscheinlich und sonst
nicht bestreitbar.) Die Entstehung des ersten Menschenpaares
wird in der manichäischen Tradition bekanntlich
verschieden dargestellt; B. entscheidet sich für die Version
der Acta Archelai und des von Chavannes-Pelliot
publizierten chinesischen Textes, nach welcher der Herr-