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Ausgabe:

1923 Nr. 2

Spalte:

32-33

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dalman, Gustaf

Titel/Untertitel:

Jesus - Jeschua. Die 3 Sprachen Jesu. Jesus in der Synagoge, auf dem Berge, beim Passahmahl, am Kreuz 1923

Rezensent:

Bauer, Walter

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Theologifche Literaturzeitung 1923 Nr. 2.

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wiffermaßen entfchuldigend hinzufügt, das feien auch Worte eines ,Aus- I
länders'. So wahrfcheinlich die Vermutung ift, daß der Stoff des Hiob-
buches ausländifch ift, fo wenig ift es doch wahrfcheinlich, daß der Inhalt
der Reden von auswärts übernommen ift, vielmehr find es auf dem
Boden des Jahvismus erwachfene Anfchauungen, die den einzelnen
Rednern in den Mund gelegt werden, diefe fpeziellen Worte aber von
diefer Annahme auszunehmen, liegt kein genügender Grund vor. Ich hätte
noch viel gegen die Beweisführung von Del. anzuführen, vgl. die Abfchnitte
über die Schöpfung, die Flut, über Abraham ufw., doch verbietet das
der Mangel an Raum, das Gefagtc wird auch zur Charakteriftik genügen.
Leipzig. W. Nowack.

Theologiska Studier, Tillegnade Erik Stave pä 65 ärsdagen av kolleger
och lärjungar. 359 S. Lex. 8". Uppsala, Almqvist & Wikseil, 1922.

Da in Schweden fchon immer ein Profeffor mit
65 Jahren in den Ruheftand tritt, war diefer Zeitpunkt
für zahlreiche Freunde und Schüler der Anlaß, fich um
den mit Recht gefeierten Altteftamentler in Upfala, Profeffor
und Dompropft Erik Stave, der als Lehrer wie
als Schriftfteller eine für die theologifche Entwicklung
Schwedens bedeutfame Tätigkeit entfaltet hat, mit Proben
wiffenfchaftlicher Arbeit zu fammeln. Diefe Proben geben
einen ungewöhnlich vielfeitigen Eindruck davon, in welcher
Richtung und mit welcher Gründlichkeit man in Schweden
arbeitet. Hier kann der reiche Inhalt nur angedeutet
werden. G. Aulen macht gegen Harnack geltend, daß
fich A. T. und N. T. nicht löfen laffen, weil das A. T.
nicht nur Gefetz, das N. T. nicht nur Evangelium fei, und
weil Schöpfergott und Erlöfergott zufammengehören.
K. V. Zetterfteen berichtet über die hebräifche Rede
Prof. Lilieblads beim Jubelfefte in Upfala 1693. N. J. Gö-
ransson betont die Notwendigkeit einer Neugeburt des
Wahrheitsfinnes des Menfchen durch den Geift, der in der
Heilsgefchichte lebt. E. Briem fchließt aus den Götterbildern
der Sumerier, daß fie in älterer Zeit Haar und Bart
trugen und erft fpäter beides rafierten. H. Brilioth weift
auf die Bedeutung der alten Erklärungen der Meffe für die
Beurteilung der mittelalterlichen Frömmigkeit. S. Herner
findet in der Zeriffenheit und Kleinheit Paläftinas wie in
feinem Ackerboden wichtige Momente für die Formung
der Religion Israels, die indes nicht zu überfchätzen feien.
E. Eidem fetzt auseinander, auf welchen Gebieten Paulus
auffordert, ihm ,nachzuahmen', nicht ,nachzufolgen'.
E. Rodhe weift nach, daß das Verhör der Jugend bei
der Vifitation der Bifchöfe die katholifche Konfirmation
erfetzte und ein Vorläufer der lutherifchen Konfirmation
der Neuzeit war. Nach J. Lindbiom ift Mt 1, 1 in dem
Sinne ,Buch von Jefu Chrifti Geburt' Titel des ganzen
Evangeliums. Hj. Holmquift weift auf den von Acontius
ausgeübten Einfluß im Sinne kirchlicher Friedfertigkeit,
der durch Joh. Matthiaeum 1650 auch in Schweden wirkfam
wurde. Über die älteften jefuitifchen Miffionsberichte wird
von K. B. Weftman bibliographifch berichtet. Die
neuefte Entwicklung der Bekenntnisfrage in Schweden be-
fchreibt T. Bohlin. Das Bekenntnis habe bindende Bedeutung
nur noch für die Paftoren, und bei ihnen fei
praktifch das Apoftolikum die entfcheidende Größe. Von
der Zukunft fei zu fordern die Abfchaffung jeder ju-
riftifchbindenden Verpflichtung und die Freigabe des
Gewiffens. Von Gottes ewigem und zeitlichem Willen bei
bn al-Halläg und Bisr redet H. S. Nyberg, die Objektivität
der Religion findet A. Nygren vor allem in der
ununterbrochenen ,Notwendigkeitskette*, welche die Re-
ligionsphilofophie und Theologie in allen Teilen verbindet.
Einen Beitrag zur Gefchichte der Behandlung fremder
Eigennamen bei den Griechen gibt G. Rudberg.
G. Wetter findet in der Einrichtung einer neuerdings
aufgefundenen Kultanlage in Aquileja ein Zeugnis dafür,
daß am Anfang des 4. Jahrh. die Darbringung von Gaben
durch die Gemeinde hier noch immer das Wefentliche
des Meßopfers war. Das Nebeneinander einer aktiven
und einer kontemplativen Lebensform im katholifchen
Denken bis auf Thomas von Aquino zeigt G. Ljunggren.
Der Jahvift fah nach E. Lehmann Adams Aufgabe im
Paradiese als einen Dienft an, den er Gott leiften follte.

Sein Streben nach Selbftändigkeit brachte ihn um das
Glück eines leichten Arbeitsfeldes. Empfangender Ge-
horfam ift das Frömmigkeitsideal des Verfaffers. Rom.
3,21—26 unterfucht A. Kolmodin und legt Nachdruck
darauf, daß die Anerkennung des Urteils Gottes über
den Sünder im Tode Jefu den Punkt in der Welt bedeutet,
wo die von der Sünde geftörte Weltordnung wiederaufgerichtet
war. Die in der fchwedifchen Verfaffung
von 1809 ausgefprochene Religionsfreiheit verfolgt
O. Hippel in ihrer weiteren Anwendung bis 1860. Gegen
die Echtheit des Kolofferbriefes fammelt Gründe J. Lund-
berg. Bei den fchwachen Verben der femitifchen Sprachen
vermutet E. Morbeck vorwiegend eine Entwicklung von
der Einfilbigkeit zur Zweifilbigkeit. Von der Chriftlichkeit
der Ethik handelt A. Runeftam, von dem Verhältnis
der katholifchen Infpirationslehre zur Bibelkritik S. v, En-
geftröm, von der .höchften Religion' E. Reuterskiöld.
Mit Bultmann und Schmidt fetzt fich E. Aurelius auseinander
wegen ihrer Behandlung der Cäfarea Philippi-
Perikope bei Markus. Den Glauben an himmlifche Doppelgänger
vermutet T. Andrae Mt. 18,10. Die UnVollkommenheit
der vorreformatorifchen Textanwendung in
der Predigt zeigt G. Lizell. Die Ausficht von Tekoa
befchreibt S.Linder, das Auftreten der Propheten aus den
Cevennen in Schweden zu Karl des Zwölften Zeit E. Linderholm
. Eine Überficht über 115 Auffätze und Schriften
Staves von 1881—1922 gibt einen Begriff von der vielfeitigen
Tätigkeit des Unermüdlichen, der in den letzten
Jahren befonders den Bibellefern und der Volksfchule das
wiffenfchaftlich verftandene Alte Teftament näher zu
bringen fuchte. Die von deutfcher Wiffenfchaft angeregte,
aber fei bftändig ausgebaute fchwedifche Forfchung, welche
aus allen Teilen der ihn ehrenden Schrift herausleuchtet,
bedeutet für Schweden eine Ära, an deren Heraufführung
Erik Stave wichtige Verdienfte hat.

Greifswald. G. Dal man.

Dal man, Guftaf: Jefil8— Jelchua. Die 3 Sprachen Jefu. Jefus in
der Synagoge, auf dem Berge, beim Paffahmahl, am Kreuz. (IV,
222 S.) gr. 8". Leipzig, J. C. Hinrichs 1922. Gz. 3,9.

Das Buch enthält Beiträge zur Löfung des Problems:
Jefus und das Judentum. Sie wollen dartun, wie fich
Jefus und feine Worte, die wir aus den griechifchen
Ffvangelien kennen, unter den .Hebräern' ausgenommen
haben. Zu diefem Zweck wird die Sprache unterfucht,
die Jefus geredet, das Begriffs- und Gedankenmaterial
vorgelegt, deffen fich feine jüdifchen Zeitgenoffen bedient
haben, um gleiches oder ähnliches auszudrücken wie er,
endlich auch die Umgebung deutlich gemacht, in der
viele der Worte Jefu gefallen find, um fo ihr Verftänd-
nis zu fördern. D. ift uns feit lange als gründlicher
Kenner des hl. Landes, feiner Gefchichte, Sitten und
Sprachen in alter wie neuer Zeit auf das vorteilhaftefte
bekannt. Seine früheren Forfchungen, wie fie vor allem
in Die Worte Jefu I, der Grammatik des jüd.-paläftinifchen
Aramäifch, dem aramäifch-neu-hebr. Wörterbuch, den
Petra-Werken, aber auch in der Schrift Der leidende und
der fterbende Meffias vorliegen, find in dem neuen Buche
wieder aufgenommen, zufammengefaßt, weitergeführt und
mit 'den Ergebniffen anderer verbunden, auch wohl auseinandergefetzt
worden. Doch ift die offenfichtliche Be-

| nutzung fremder Literatur nicht gerade das, wodurch fich
unfere Studie auszeichnet. Im Gegenteil ift weit mehr
Nachdruck darauf gelegt, zahlreiche Quellenbelege aus
der rabbinifshen Literatur beizubringen, die das Leben
Jefu fachlich und fprachlich beleuchten. Und wenn heute
niemand vor der Öffentlichkeit reden follte, ohne fich getagt
fein zu laffen, daß ihm nur das wirklich Nötige darzulegen
geftattet fei, dann hat D. zweifellos eine fehr
weife Raumbefchränkung geübt.

Der erfte Abfchnitt über ,die drei Sprachen Jefu'
fucht darzutun, daß J. außer dem Aramäifchen, feiner
Mutterfprache, auch das Griechifche und Hebräifche ge-

! kannt habe. Hierbei polemifiert D. ftark gegen Schulthess