Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1923

Spalte:

457-461

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Reik, Theodor

Titel/Untertitel:

Der eigene und der fremde Gott 1923

Rezensent:

Titius, Arthur

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

Postalischer Erscheinungsort Marburg.

Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack
Herausgegeben von Professor D. EmatlUel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Wilh. Heitmüller, Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Arthur Titlus, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Erichsburg.

Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis der einzelnen Nummer Grundzahl 0.25, für den Monat November somit 0.50 x Buchhändler-
Schlüsselzahl des Zahlungstages.

Bezugspreise für das Ausland vierteljährlich 12.50 s. Fr.; 40— fr. Fr.; 50— b. Fr.; 10 sh.; 27, $■ 6 25 FI-
11.25 d. Kr.; 12.50 n. Kr.; 8.75 s. Kr.; 52.50 Lire; 200000 öst. Kr.; 75— tsch. Kr.; 81.25 finn. Mark.

jn .„,___ M_ ->•> Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in QSttingen 1 m ,

40. Jahrg. 1X1. LL. Nikolausberger Weg 31, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. O. INOVember 1923.

Schilder, Seele und Leben (Titius).
Bychowski, Metaphysik und Schizophrenie
(Ders.).

R e i k , Der eigene und der fremde Gott (Ders.).

HOberg, Katechismus der biblischen Hermeneutik
(I.ohineyer).

D o b s c h ü t z , Vom Auslegen insonderheit des
Neuen Testaments (Ders.).

B e h m , Heilsgeschichtliche u. religionsgeschichtliche
Betrachtung des N. T. (Ders.).

A v z iov i d i t}i , K-yxetgiAiox iigiig tß.utj-
rt vztx^s (v. d. Goltz).

D a 1 m a n , Aramäisch - neuhebräisches Handwörterbuch
(Lidzbarski).

H e a d 1 a m , The Life an Teaching of Jesus

the Christ (Lohmeyer).
Werner, Der Einfluß paulinischer Theologie

im Markusevangelium (Dibelius).
Mn «X « vög, Iaiämgos u IlrjXovaimzrg (v. d.

Goltz).

— 7/ TioXvTtXiia xazet rolg ygüi'ovg läSp zia-
zigmv zijg ixxXzaiag (Ders.).

Schulte, Der Adel und die deutsche Kirche
im Mittelalter (Stimming).

Eck, Disputatio Viennae Pannoniae habita
(1517) (Clemen).

Fischer, Das deutsche evangelische Kirchenlied
des siebzehnten Jahrhunderts (Cohrs).

Rickert, Der Gegenstand der Erkenntnis
(Titius).

- Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft
(Ders.).

Pesch, Die selige Jungfrau Maria . . . (Graf
Hoensbroech t).

Grabmann, Wesen und Grundlagen der
katholischen Mystik (Mulert).

M a h 1 i n g, Soziale Gesichtspunkte im Religionsunterricht
und in der religiösen Unterweisung
(Niebergall).

Eberhard, Der Katechismus als pädagogisches
Problem im Lichte des Arbeitsschulgedankens
(Ders.).

Schilder, Priv.-Doz. Dr. med. et phil. Paul: Seele und Leben.
Grundsätzliches zur Psychologie der Schizophrenie und Paraphrenie
, zur Psychoanalyse und zur Psychologie überhaupt. Berlin:
Julius Springer 1923. (IV, 200 S.) 4° = Monographien a. d. Gc-
szmtgebiet d. Neurologie u. Psychiatrie. Heft 35. Gz. 9.70

Bychowki, Dr. Gustav: Metaphysik und Schizophrenie. Eine
vergleichend-psychologische Studie. Berlin: S. Karger 1923. (190
S.) Lex. 8° = Abh. a. d. Neurologie, Psychiatrie, Psychologie
u. ihren Grenzgebieten. Heft 21. Gz. 3.60.

Reik, Dr. Theodor: Der eigene und der fremde Gott. Zur
Psvchoanalyse der religiösen Entwicklung. Wien: Intern. Psychoanalytischer
Verlag 1923. (VII, 257 S.) gr. 8° = Imago-Bücher III.

Gz. 10.—.

Schilder hat sich bereits durch mehrere Schriften
auf dem Grenzgebiete zwischen Psychologie und Psychiatrie
hervorgetan; aus eigner Kenntnis schätze ich
seine psychopathologische Studie über „Selbstbewußtsein
und Persönlichkeitsbewußtsein" (1Q«4)- Die vorliegende
Schrift enthält Abhandlungen 1. über Begriffe und Sätze.
2. Körper und Welt. 3. Ethos und Neurose. 4. Zur Psychologie
der Schizophrenie. 5. Zur Psychoanalyse; nebst

sehen Ideals" (S. 105). Diesem Minderwertigkeitsgefühl
gegenüber sind die Erscheinungen der „Krankheit" vielfach
schon als psychogene Reaktion aufzufassen, als
Versuch, auf veränderter Grundlage das Ichideal und
die innere Harmonie mit ihm wiederherzustellen (S.
114ff.). Bei der grundlegenden Änderung spielt organische
Intoxikation oder Hirnschädigung eine verhängnisvolle
Rolle (153. 197. 200); es hat demgemäß der physikalische
Kausalitätsbegriff auch auf dem Gebiete des Psychischen
sein Anwendungsgebiet (S. 7. 11), aber erschöpfend
ist er nicht einmal beim Geschehen der äußern
Natur (101). S. weist daher gegenüber dem anatomisch
gerichteten Denken hin auf die große Kompliziertheit der
biologischen Relationen gegenüber den somatischen Faktoren
(z. B. S. 20. 114) und betont die Notwendigkeit,
überall den stetigen psychischen Zusammenhang der
Phänomene zu eruieren. Jene Änderung der Grundlage
findet er (hier wie überall in selbständigem Anschluß an
die Grundgedanken der Freudschen Psychoanalyse) in
einer psychischen Niveauverschiebung, in der Rückkehr

.--- r-k ■- <--

Einleitung und Schlußwort. Gestützt ist die Ausführung mnei psycniscnen mveauverschiebung, in der Rückkehr
auf die Analyse von 25, z. T. sehr ausführlich be- ! ^r Psyche zu einer primitiven Reaktionsweise. Durch

I den Abbau ubergeordneter Funktionen scheinen primitive
organische Tätigkeitsweisen freigelegt zu werden
Alle primitiven Bildungen sind angeblich im Bewußtsein
stets vorhanden; es kommt nur darauf an, wie das Geschriebenen
Krankheitsfällen der Wiener Klinik, die dem
Psychologen, auch dem Religionspsychologen und nicht
zum wenigsten dem Seelsorger reichlichen Stoff zu Untersuchungen
darbieten. Hier kann nur der Grundgedanke .

des Buches hervorgehoben werden: die Persönlichkeit /|m,bl'd1's*' br^zwob es/,ner früheren Stufe entspricht

'87 f. 117). Die Anwendung dieser Gedanken auf die

Oes DUUIC3 nci vuigkiiuucii wciuui. v..- . ... ........... | .

entfaltet sich nur an einer reich gegliederten, strukturier- V*'

ten Außenwelt und die Tiefe der Gliederung dieser
Struktur ist ein unmittelbarer Maßstab für den Reichtum
des Erlebens (S. 99. 117 f. 199 f.). Dies Ziel entspricht

schizophrenen und sexuell-pathologischen Phänomene
muß ich, so lehrreich sie ist, übergehen imd bemerke nur
noch, daß auch auf religionsgeschichtliche Probleme, wie

.1.. ........... ... 1 .. i ~i. . _i • ■ • ._. *

den YchTriebenT ^MacWt&belT" dte~nd5ST.den ! das magische Denkern fch

Sexua.Sen den Triebuntergrund der Persönlichkeit m^^^O^ (z. B. S. 74) die Halluzination

bilden (104) und kommt im Ichideal, der höchsten Sub- u- dgl- eingegangen wird.

limierung des Trieblebens (S. 86. 105 f.) zu bewußtem Von einer sehr verwandten Grundauffassung aus
Ausdruck Auch Logik und Ethik wurzeln in diesem versucht Bychowski die Verbindungslinien von den
Urgrund- Begriffe sind „Haftpunkte für die Handlung", schizophrenen Phänomenen zu den völker- und religions-
, Handlungsbereitschaft einem bestimmten Stück Mög- psychologischen und zu den metaphysischen Systemen
öävlichkeit gegenüber" (36. 64); Ethik kann man eine „For- ! zu ziehen. In einem „klinischen" Teil führt er, in der
Gerung der Dinge" nennen (114), sofern die Normen der j Hauptsache nach Material der Lausanner Klinik, eine
Gesellschaft die Bewältigung der Wirklichkeit, mithin ; Reihe von religiös interessanten schizophrenen Typen
ihre tiefere Erfassung anstreben (100). Unter diesem j vor (Weltuntergangsstinnming, Mvstik, Bekehrung" ErGesichtspunkt
betrachtet, steht „im Beginne einer jeden ; löser, Propheten, Wahrsager, Philosophen, auch'den
Psychose und jeder Neurose die Gefährdung des ethi- „schizophrenen Gott"). Dann analysiert er die schizo-

457 458