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Ausgabe:

1923 Nr. 19

Spalte:

398-399

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Peeters, Paul

Titel/Untertitel:

Histoires monastiques Géorgiennes 1923

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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397

Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 19.

398

Fortschritt. In 807 heißt ravta ngoygaxpov keineswegs id
facias velim, sondern: schreibe das an den Anfang;
n. 808 ist e%J] "s" sicher mit Reischl durch evg>] zu ersetzen
, und avveldrfiiv durch icgocdgeoiv. n. 1182 war das
in den älteren Text eingefügte avw&ev auch in der
Übersetzung anzubringen, und das Acumen des Gedankens
bei Chrysostoinus (zu Rm- 1, 10 ff.) Sate xal
oo<pbv y.ai idiw%i]v dia rijjs öipecog /.arafia^övra . . . stiI
w üot avaßaiveiv nicht in dem lahmen ita ut conscendere
p o s s e t und in dem verkehrten ex solo visu — während
des Sehen gerade die höhere Stufe darstellt! —
zu ersticken. Viel seltner sind die Fälle, wo man für
Auslassungen von Satzteilen in einem größeren Satzgefüge
nach einem Motiv sucht, während man gerade das
Ausgelassene gern hier läse, z. B. n. 2184 die Erklärung
Leos, daß der wahre Mensch im Gottmenschen nec
secundum existentem prius animam deductus est e caelo,
nec secundum carnem creatus ex nihilo, genus commu-
nem nobiscum in corpore animaque naturam. Denn
unzweideutiger als hier hat sich Leo über die Frage nach
der Entstehung des einzelnen Menschen und nach der
Erzeugung Jesu im Mutterleib der Maria nicht aussprechen
können. Zu seinen Indexnummern 376—378
wie zu 222 f. 227 böte das fortgelassene Sätzchen für
de J. den vorzüglichsten Stoff.

Nun will ich nicht verschweigen, daß sich der
kirchliche Standpunkt des Verf.s trotz aller bona fides
oft genug verrät. Unsereiner würde eine andere Auswahl
treffen, — teilweise. Er würde auch nicht an einem so
riesigen Werk wie Augustins Enarrationes zu den
Psalmen schweigend vorübergehen; dem canon Muratori
und dem entsprechenden Absatz aus Athanasius' Festbrief
von 367 möchte er dagegen auf dieser Wanderung
durch die Gärten der Väter nicht begegnen. Aber wir
würden eben auch nie eine Sammlung nur im Dienste der
offiziellen kirchlichen Lehre anlegen, uns müßte sie
eine Blütenlese von Offenbarungen altkirchlicher Frömmigkeit
und Sittlichkeit sein; eine Schule, in der man
den Geist der alten Kirche kennen lernt, wehen fühlt
— den linden und feinen, aber auch den, der giftig oder
matt geworden ist — gleichviel was er zur endgültigen
Feststellung theologischer Satzungen beigetragen hat.
Mit Bewußtsein hat auch de J. nicht die Äußerungen
der Opposition unterdrückt, bei den Origenismen ausdrücklich
auf sie aufmerksam gemacht. Aber schon
dadurch, daß die den heutigen Katholischen in Empfindung
oder Ausdruck widerstrebenden Gedanken der
Väter, soweit es nicht zum offenen Kampf um sie gekommen
ist, übergangen werden, entsteht ein falsches
Bild vom Verhältnis der Väter zum modernen Katholizismus
, jedenfalls ein einseitiges.

Daß der Bilderdienst nicht eben viel Gönner unter
den Vätern besitzt, läßt der Verf. aus der Magerkeit des
Registers Nr. 286 ahnen; aber eine seiner Hauptstellen
Nr. 2095 (Cyrill. Alex.) verwirft vielmehr die
7CQooy.vvT]Oig vor Heiligenbildern: bei 962 (Basilius)
möchte ich ihm nicht die Rabbulistik zutrauen, daß er
den zu einem ganz anderen Zweck geprägten Satz des
Basilius r; tfjS eixbvog H(.iri itti *o icguixözvnov
üiaßalvei als Beleg beansprucht für sein cultus
sacrarum licitus est ac pius. Da die dritte Stelle aus
Johannes Dam. aber nur eine Ablehnung der kargeia
vor einem Menschenbild ausspricht, bleibt für den cultus
Pius nichts von Beweis übrig. Nr. 386 wird Tertullians
de idolol. herbeigeholt, um die These 506 zu stützen: ad
Ficitam et fructuosam communionem requiritur status
gratiae. Sofern das nicht eine für christliches Denken
selbstverständliche Sache ist, stützt sie Tert. nicht, der
vom status gratiae wohl andere Ansichten hatte als de J.,
dagegen spricht er über etwas aus, was im Register
keine Aufnahme findet, ob der Priester, der das heilige
Sakrament beschmutzt hat, das von ihm beschmutzte an
Andre austeile. Es kommt eben viel auf die Auslegung
a", und eine unbefangenere Auslegung wird uns nicht

selten zu anderen Ergebnissen als de J. führen. Aber
einen reichen wertvollen Stoff hat er zum Durchdenken
einzelner theologischer Fragen zurechtgelegt: ein in
seiner Art vortreffliches Vademecum beim Studium der alt-
kirchlichen Dogmengeschichte.

Marburg. Ad. Jü Ii eher.

Peeters, Paul, S.V.: Histoires monastiques Oeorgiennes.

Brüssel: Societe des Bollandistes 1923. (317 S.) gr. 8°

Dieser Band enthält die von einem anerkannten
Sachverständigen hergestellten lateinischen Übersetzungen
von 4 in georgischer Sprache abgefaßten Biographien
georgischer (= iberischer) Mönche. Die Texte
waren bisner zwar schon ediert, aber westlicher Wissenschaft
so gut wie unzugänglich geblieben. Die Handschriften
, denen sie entstammen, sind z. T. sehr jung,
scheinen aber im Allgemeinen alte Vorlagen zuverlässig
wiederzugeben.

Johannes und Enthymius, die Helden der ersten
Vita (S. 13—68), sind Iberer, die auf dem Athos-Berg
der georgischen Kirche ihre Ehrenstellung verschafft
haben, in II der Hagiorite Georg (S. 74—102), einer der
fruchtbarsten Schriftsteller seines Volkes in seiner klassischen
Periode. Serapion (S. 168—207) ist der Lokal-
heilige eines längst verfallenen Klosters Zarzma; gleiche
Bedeutung für sein Kloster Khandztha hat der Archiman-
drit Gregorius, dem die letzte Vita (S. 216—309 gewidmet
ist. Abgefaßt sind die drei ersten Schriften im
11. Jahrh,, die zweite nach 1072, die Vita Gregors
dürfte auf das 10. Jahrh. zurückgehen. Am meisten
verdächtig mit tendenziösen Fiktionen zu arbeiten, ist
die dritte; die Glaubwürdigkeit ist am größten bei der
zweiten, die ein Augenzeuge noch für Zeitgenossen seines
Helden niedergeschrieben hat.

Der Verfasser dieser mühseligen Studie hatte schon
1913 in den Analecta Bolland. eine Reihe solcher georgischen
Mönchsgeschichten mit der Vita des Iberers
Hilarion begonnen; er bedauert, jetzt nicht durch Pro-
legomena bzw. einen kritisch-historischen Kommentar
seine Arbeit für weitere Kreise nutzbar machen zu
können. Ich finde den Abstand von dem Anfang in der
Friedenszeit indes nicht sonderlich groß. Hier ist
sogar noch ein Namenregister hinzugekommen; über
Schwierigkeiten der Einzelauslegung hilft P. hier wie 1913
durch Anmerkungen hinweg, gibt auch eine Art geschichtlich
-geographischen Apparats, und nur bei dem
ersten Stück S. 8—12 enthält er sich des eignen Urteils
ganz; bei den folgenden Partieen wird er zunehmend beredter
. Über das 3. Stück hat er das treffende Votum
formuliert: La Vie de S. Serapion est proprement l'histoire
des origines du mon astere de Zarzma, ou plutöt une
version de cette histoire, Version retouchee et sensible-
ment differente de celle que racontent les murs de
l'edifice.

Weltbewegende neue Erkenntnisse werden wir aus
diesen neuerschlossenen Dokumenten nicht gewinnen.
Breite Phraseologie neben schematischen Wundergeschichten
mittelalterlichen Geschmacks, verhältnismäßig
wenig feste Einzelzüge. Und doch Besseres als in gleichzeitigen
griechischen Mönchsgeschichten. Natürlich in
erster Linie Beiträge zur Geschichte des georgischen
Volkes, Staates, seines Kirchen- und Klosterwesens und
auch des Volkstums. Das nationale Selbstbewußtsein
dieses Vorpostens der Orthodoxie im äußersten Osten
(zwischen den ketzerischen Armeniern und Nestorianern!)
bricht kräftig aus gegen die byzantinische Selbstgefälligkeit
; der georgische Mönch, mit seinem ruhelosen
Wandertrieb, ist doch eine eigne Nummer, und die
Frische dieser Kultur berührt den Leser, den gelegentliche
Einblicke in Hof- und Stadtgeschichte von Byzanz
und die stillen Kämpfe der Mönchsgemeinschaften auf
dem heiligen Berg kalt lassen, wohltuend. Dazu erfahren
wir Interessantes über die Geschichte der Übersetzungen
heiliger Bücher aus dem Griechischen ins
Georgische, z. B. daß erst Georgius um 1050 die pauli-