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Ausgabe:

1923 Nr. 19

Spalte:

389-391

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eißfeldt, Otto

Titel/Untertitel:

Hexateuch Synopse 1923

Rezensent:

Volz, Paul

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339 Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 19. 390

liehen auf den Klerus beschränkt war, Bar-Hebraeus das
Wissen seiner Zeit in syrisch geschriebenen Handbüchern
darzustellen suchte, schrieb er auch ein umfassendes
Lehrbuch der Sprache, dazu ein kleines Kompendium
in Versen. Der Mann, der einen arabischen Namen trug
und zum Teil arabisch schrieb, zeigt sich natürlich stark
von den Arabern beeinflußt. Besonders war es die
Grammatik des Zamakhschari, die sich seit ihrem Erscheinen
(1120 n. Chr.) bis in die Jetztzeit des höchsten
Ansehens bei den Arabern erfreut und an Wert und Autorität
beinahe Allahs Wort gleichgesetzt wurde, die er
bei seinen Werken verwertete. Die größere Grammatik,
das „Buch der Strahlen", war in der Folgezeit im Osten
das Hauptlehrbuch der syrischen Sprache und war auch
später für die europäischen Darstellungen des Syrischen
die wichtigste Quelle. Es wurde nebst der kleineren
Grammatik mit beschränkter Benutzung der Handschriften
1873 vom Abbe Martin in Autographie herausgegeben
. Mit ergiebiger Verwertung des handschriftlichen
Materials hat Moberg das Werk ins Deutsche übertragen
(1907. 1913). Er beabsichtigte damals keine
neue Textausgabe und gestaltete die Übersetzung so, daß
sie den Text ersetzen sollte. Es ist zu begrüßen, daß er
sich doch noch entschlossen hat, den Text neu herauszugeben
. Das Werk ist im Osten durch viele Hände
gegangen, ein jeder glaubte, daran ändern und feilen zu
dürfen, so weisen denn die Handschriften viele Varianten
auf. Moberg hat das gesamte Handschriftenmaterial verwertet
, aber mit Recht von den vielen Varianten nur eine
Auswahl mitgeteilt. Sehr verdienstlich ist die Zusammenstellung
der grammatischen Termini und der Versuch
sie auf ihre Quellen zurückzuführen. Sie ist in den
Übersetzungsband eingefügt, so daß selbst für denjenigen
, der die Übersetzung entbehren kann, der andere
Band von Wert ist. Durch beide Werke hat sich der
schwedische Gelehrte ein großes Verdienst um die Kenntnis
der syrischen Sprache, des wichtigsten Idioms des
christlichen Orients, erworben.
Güttingen. M. Lidzbarski.

EiSfeldt, Otto- Hexateuch-Synopse. Die Erzählung der fünf
Bücher Mose und des Buches Josua mit dem Anfange des Richterbuches
, in ihre 4 Quellen zerlegt und in deutscher Obersetzung
dargeboten, samt einer in Einleitung und Anmerkungen gegebenen
Begründung. Leipzig: J. C. Hinrichs 1922. (XV, 393 S.) 4°

Gz. 5,5; geb. 8, — .

Hauptstück des Werks ist die Synopse. Sie umfaßt
die Erzählungen von Gen. 1 bis Ri. 2,9. Verf. nimmt an,
daß in diesen Erzählungen 4 Quellen fließen, dem Alter
nach: L (die Laienquelle, früher J1 genannt, etwa aus der
Zeit Elias), J aus der 1. Hälfte des 8. Jahrh., E aus der
Zeit des Arnos, P um 500. Jede Quelle hat in der Synopse
ihre eigene Spalte, so daß sie für sich allein gelesen
werden kann; der Erzählungsstoff der 4 Spalten
ist aber so nebeneinander gesetzt, daß der jetzige Aufbau
sichtbar wird. Verf. versieht die einzelnen Stücke der
Quellen mit Überschriften; spätere Zusätze im Text
sind kursiv gedruckt. Der Synopse geht eine synoptische
Übersicht über den Hexateuch voraus, die den Erzählungsgang
der 4 Quellen durch Anführung der Überschriften
ihrer einzelnen Stücke aufzeigt und zugleich
ihren parallelen Verlauf veranschaulicht. In einer Einleitung
zeichnet Verf. die Geschichte der Pentateuchkritik
, wie sie aufblühte und das allgemeine Interesse auf
sich lenkte, und warum sie gegenwärtig mehr zurücktritt
. Die Quellenscheidung selbst darf ja wohl zu den
bleibenden Errungenschaften der Forschung gerechnet
werden; aber ihre Beweiskraft kann immer noch verstärkt
werden. Hauptbeweis für die Quellenscheidung ist
nach Meinung des Verf. die Tatsache des mehrfachen
Vorkommens der Erzählungen, und dies führt zur Lösung
des hexateuchischen Problems. „Lassen sich im Hexateuch
(von D abgesehen) etwa 50 Stellen aufzeigen,
an denen vierfache Elemente auftauchen; gelingt es,
diese 50 mal 4 Punkte zu 4 Punktreihen zu ordnen, oder
vielmehr, nötigt eindringende Beobachtung des Tatbestandes
zu dieser Ordnung; und wird dabei der ganze
Stoff des Hexateuchs so gut wie restlos aufgebraucht:
so darf die Annahme des vierfachen Erzählungs-Fadens
als erwiesen betrachtet werden." Mit großem Fleiß und
eindringender Gelehrsamkeit führt Verf. diese These
durch alle Geschichten durch und reiht die Motive aneinander
, die in vierfacher Form behandelt werden (Verheißung
von Land und Nachkommenschaft an Abram,
Jakobs Herdenerwerb, Jakobs Begegnung mit Esau,
Sinaigeschichte usw. usw.). Der Zweck der Synopse ist
eben die graphische Darstellung dieser These, um damit
den Nachweis der vier genannten Quellen zu erbringen
und zu veranschaulichen. In einem letzten Teil der Einleitung
bespricht Verf. die Entstehung des Pentateuchs.
Die Gleichheit des Gesamtaufrisses in den 4 Quellen
und die vielen Berührungen im einzelnen erklären sich
dadurch, daß die jüngeren die älteren als Vorlage benutzt
haben; die Zusammenarbeitung geschah nicht durch
selbständige Redaktion, sondern durch Kompilation, so
daß der erzählende Teil des Hexateuchs sukzessiv in
3 Redaktionen aus 4 Erzählungswerken entstand, also
z. B. E die Kompilation L und J als Vorlage hatte. Endlich
werden die Aufgaben der künftigen Pentateuchkritik
gezeigt, besonders das was sich aus der Tatsache und
Beschaffenheit der „Laienquelle" für die israelitische
Religions-, Profan- und Literaturgeschichte ergebe.

Es steckt viel Fleiß in diesen Synopsen, Einleitungen
und Anmerkungen. Beachtenswert ist, daß Verf. größere
Gruppen zusammenfaßt als die meisten Pentateuchkri-
tiker, daß er die Kapitel mehr in Abschnitte als in Verse
und Verssplitter teilt; an einigen Stellen freilich wie z. B.
Gen. 49 findet er neue, bisher nicht gesehene Schwierigkeiten
und Zerteilungen. Für den, der grundsätzlich auf dem
gleichen Boden sieht, wie der Verf., enthält das Buch viel
Wertvolles, und er wird sich gerne mit dem Verf. in
vielen Einzelheiten weiter auseinandersetzen; auch sein
Verhältnis zu Smend innerhalb der Geschichte der Penta-
teuchforschung wird man mit Interesse kennen lernen.

Die grundsätzliche Abneigung gegen diese Art
Quellenscheidung, die ich seit vielen Jahren hege, ist
mir durch Eißfeldts Arbeit neu bestärkt worden. Ich
sehe in dieser Synopse den Schlußpunkt der bisherigen
Methode und finde, daß sie gerade das Gegenteil von
dem beweist, was sie beweisen will, denn die kümmerlichen
Brocken von Erzählungen, die meist in den Spalten
stehen, beweisen eben, daß nicht vier ursprüngliche
Erzählungen bestanden, und daß diese ganze Synopse
des Pentateuchs das künstliche Gebilde heutiger Gelehrsamkeit
ist. Nicht daß ich das Vorhandensein der 4 Pen-
tateuchschriftsteller (JE DP) anzweifelte; es muß vielmehr
gewissen außerwissenschaftlichen Kreisen gegenüber
mit allem Nachdruck ausgesprochen werden, daß die
Grundthese der Pentateuchforschung, die Quellenscheidung
, und vor allem die auf dem Gedanken der Entwicklung
aus dem Pentateuch aufgebaute Darstellung
der israelitischen Religions- und Kulturgeschichte ein
unerschütterter Besitz ist, mögen auch die einzelnen
Gänge der Entwicklung anders laufen, als die Meister
der Pentateuchkritik einstens geglaubt haben.

Innerhalb dieser Gemeinschaft wende ich mich aber
gegen zwei Fehler der Methode. Einmal gegen die Meinung
, der Erzählungstoff sei durchlaufend von
mehreren Quellen (L J E P oder wie sie heißen) behandelt
worden. Im besonderen wende ich mich gegen die
Scheidung von L und J und gegen die Selbständigkeit
von E neben J. Ein Erzähler im strengen Sinn ist nur der
Jahwist gewesen, und was an wirklichen und selbständigen
Erzählungen im Pentateuch steckt, ist ihm zuzuweisen
. Es liegt kein Grund vor, etwa Gen. 22 von J
abzutrennen und E zuzuweisen (ich freue mich, daß
Eißfeldt, der das Kapitel E zuteilt, in den Anmerkungen
wenigstens wieder darauf zurückkommt, daß neben der
Darstellung durch E eine von J in dem Kapitel noch
durchscheine). Auch andere haben schon erkannt, und
dies ist gewiß richtig, daß E neben J nicht selbständig
ist, sondern daß er nur eine spätere Ausgabe des