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Ausgabe:

1923

Spalte:

366-367

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Büchler, Adolph

Titel/Untertitel:

Types of Jewish-Palestinian Piety from 70 B. C. E. to 70 C. E. The ancient pious men 1923

Rezensent:

Dalman, Gustaf

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hätte sich Holzinger mit Greßmanns Gesichtsmasken-
Theorie auseinander setzen sollen. Vielleicht wäre dann
auch die Textscheidung bei Holzinger etwas anders
ausgefallen. Auffallend ist, daß von Marti für Deut.
17, 16 nicht die Elefantinepapyri herangezogen werden.

In der Anmerkung zu Rieht. 17,5 wird auf Rieht. 17,5 — es
soll wohl heißen Rieht. 8,27 — verwiesen. IS.412Anm.a ist 2 mal
Exod. 38,8 statt Exod. 38,7 zu schreiben. 1. Sam. 19,13 ist der
Teraphim „vielleicht eine Gesichtsmaske" — das steht im Widerspruch
zu der Anmerkung zu Gen. 31, 19. Ebenso differieren die Ansichten
über die Lade I S. 414 (Kittel) verglichen mit I S. 135. Für
2. Kön. 22/3 hätte E i ß f e 1 d t manches aus der feinsinnigen Analyse
des Textes bei H. Schmidt in dem Göttinger Bibelwerk
(Große Propheten S. 172 ff.) aufnehmen können.

Ein ganz besonderes Verdienst hat sich Holzinger
um das Unternehmen durch die Beigabe der Register
erworben, die für, die 4. Auflage in Verbindung mit
E. Nestle revidiert worden sind.

Zum Schluß zu den literargeschichtlichen Fragen
übergehend, so ist jetzt mehr Gewicht als früher auf die
stichische Absetzung der poetischen Texte gelegt. So
sind jetzt z.B. von Eißfeldt 1. Kön. 22,17 und
2. Kön. 20,5. 6 als kleine Gedichte auch durch den
Druck hervorgehoben. Überall machen sich die neueren
Ergebnisse und Forschungen auf literargeschichtlichem
Gebiet bemerkbar. Eine größte Umgestaltung ist beim
Psalter durch Bertholet vollzogen. Hier wirkt stark
die von Duhm eingeleitete Rückkehr zu der individuellen
Deutung der „Ichlieder" ein. Ich fürchte, daß
man jetzt vielfach zu schnell ins entgegengesetzte Extrem
geraten ist. Sollen Männer wie Olshausen, Reuss,
Stnend, Cheyne und Wellhausen überall daneben
getroffen haben, wo sie das „Ich" verallgemeiner-
* ten? Solange man, um die „Ich"theorie zu retten, einen
Psalm wie Ps. 22 in 2 Stücke zerlegen muß, bin ich skeptisch
. Im Übrigen bin ich aber durchaus einverstanden
mit dem Freimut, der sich grade bei Bertholet in
der historischen Bewertung der Psalmen bekundet. Hier
macht sich auch besonders der Einfluß Duhm's bemerkbar
. Bertholet geht auch auf die Frage der Literaturgattungen
grade beim Psalter ein. Bei den anderen Mitarbeitern
könnte mehr in dieser Richtung geschehen sein.
Die entsagungsreichste und schwierigste Arbeit war
Rothstein bei der Bearbeitung von Jeremia und
Ezechiel anvertraut. Er ist den modernen Fragestellungen
nicht verschlossen. Größere Streichungen und Zusammenziehungen
würden aber hier der Sache nur dienen
! Einen gelinden Schrecken bekam ich, als ich in
der von Roth stein revidierten Übersicht in der Kolumne
über Entstehung der israelitischen Literaturdenkmäler
II S. 685 las: um 1320: Dekalog — Grundlegung
der Bundesbuchgcsetzgebung? Also der Dekalog wieder
— wenn auch mit? versehen — von Mose! Da wären
wir glücklich in die Zeit vor Well hausen auf den
Standpunkt Ewald's zurückversetzt! Ein Schmuckstück
des ganzen Werkes sind die Beiträge, die von
Q n t h e stammen. Besonders freut es mich, daß Düthe
ganz nach meinem Vorschlag (Festschrift für Wellhausen
S- 28 f.) Jes. 18,6 auf die Vernichtung der Aethioper
durch die Assyrer deutet. Damit ist viel gewonnen für
eine richtigere Beurteilung der Stellung Jesajas zu
Assur! Hier spitzt sich die ganze Jesajakritik zu. Für
das Deuteronomium hält M a r t i I S. 260 daran fest, daß
Hilkia dem König Josia gesagt habe, wie es mit dem
»gefundenen" Gesetzbuch sich verhalte. Warum dann
aber die feierliche Deputation zu Hulda? Einen gewissen
Umsturz in der Hexateuchkritik bedeuten die Auslassungen
Hölscher's zu Esra-Nehemia. Als eine Art Jahn
•"edivivus legt H. sich dafür ein, daß Esra ein dem
späteren Zeitgeschmack entsprechender legendarischer
trsatz für Nehemia ist II S. 500. Auch für die im Zusammenhang
mit seiner Esrahypothese stehende Bestreitung
der Echtheit der aramäischen Urkunden im
tsrabuch kann ich mich nicht recht begeistern. 'H.
•uhrt hier zum großen Teil Argumente vor, die bereits
viele Gegenargumente gefunden haben. Doch die Hexa-

teuchprobleme sind jetzt wieder einmal in Fluß geraten
und zwar in größeren als früher! Erwünscht wäre es
gewesen, wenn Eißfeldt auf die im Anschluß an
Smend von Benzinger und Hölscher neu angeregte
Frage nach der Fortsetzung von J und E im
Königsbuch eingegangen wäre. Schon seit Jahren vertrete
ich auch die Ansicht, daß J und E erst im Königsbuch
ihren Abschluß finden. Die vielen Quellen und
Quellchen, die jetzt im Pentateuch rauschen und plätschern
sollen, wirken nachgerade verwirrend! Womit
sollen denn J und E ihre Werke anders abgeschlossen
haben als mit der Königszeit, auf die in der Genesis
mehrfach hingewiesen wird? J1 mag sein ganzes Werk
als eine Geschichte Salomos 1. Kön. 11,41 herausgegeben
haben, wozu die vorhergehende Darstellung in
Hexateuch, .Richter und Samuel ein weitgreifender
Rückblick ist. Das jüngere Konkurrenzwerk J2 läßt sich
dann in dem Annalenwerk über die Könige von Juda
vermuten, in dem auch die Geschichte des Nordreichs
mitbehandelt war. Auf den Efraimiten E1 könnte
das Werk über die Könige von Israel zurückgeführt
werden. Der jüngere E2, der den Untergang des Nordreichs
Ex. 32, 34 Jos. 24, 27 kennt, mag die Geschichte
des Nordreichs bis zum Zusammenbruch behandelt haben
, falls er nicht die Geschichte bis zu seiner eignen
Zeit (ca. 600) weiter führte.

Es ist an der Zeit, daß wir die alttestamentliche
Literatur als einen wichtigsten Ausschnitt der israelitischjüdischen
Kultur betrachten, für die sie selbst die vornehmste
Erkenntnisquelle bildet. Für dieses Ziel der
kulturgeschichtlichen Betrachtung des A. T. erweist sich
die neue Auflage des Kautzsch'schen Bibelwerkes als
ein im Allgemeinen vortreffliches Hilfsmittel.
Heidelberg- Georg Beer.

Büchler, Adolph, Ph. D.: Types of Jewish-Palestinian Piety
from 70 B. C. E. to 70 C. E. The ancient pious men.

London: Jews' College 1922. (IV, 264 S.) 8" = Jews' College
Publications Nr. 8.

Das Vorwort bezeichnet Bousset's Darstellung der
Religion des Judentums im neutestamentlichen Zeitalter
als verfehlt und verspricht eine unparteiische Untersuchung
des vorhandenen Materials über die jüdischen
„Frommen" jener Periode nach rein wissenschaftlicher
Methode. Hillel und die anderen benannten und unbenannten
Personen, deren Frömmigkeit die jüdische Literatur
rühmt, wie Baba ben Buta, Hanina ben Dosa, der
Regenbeter Honi, aber auch die Frommen der Salomo-
psalmen werden zu dem Ende vorgeführt, um das Wesen
des von ihnen verwirklichten Frömmigkeitsideals klar
zu machen. B. betont gegenüber Kohler, daß es sich dabei
nicht um essenische, sondern um pharisäische Frömmigkeit
handele. Ihr gelte das Gesetz nur als Mittel, die
Menschen selbstlos, gütig und sündenscheu zu machen und
wer als hasid „fromm" anerkannt werde, von dem sei
vorausgesetzt, daß er diese Eigenschaften in besonderern
Maße verwirklicht habe. Es sei unberechtigt, bei den
zu vermeidenden Sünden nur an Vergehen gegen den Gesetzesbuchstaben
besonders auf rituellem Gebiet und bei
dem Motiv der Sündenscheu nur an krasse Lohnsucht
zu denken. Da es im Bereiche der christlichen Theologie
an einer Stelle fehlt, in welcher jemand das Studium des
Judentums zur Lebensaufgabe machen könnte, ist nicht
wunderbar, daß schiefe und den Tatsachen nicht völlig
gerecht werdende Urteile auf diesem Gebiete häufig
sind. Es fehlt uns an einem auf der Höhe der Wissenschaft
stehenden Kenner des jüdischen Rechts, der jüdischen
Schriftauslegung und der jüdischen Frömmigkeit.
Das sollte allgemein anerkannt werden und der Weg gefunden
, der an die Stelle des Dilettantismus echte
Wissenschaft setzt. Daraus folgt nicht, daß alles, was
von jüdischer Seite über das Judentum geschrieben
wird, reine Wissenschaft sei. Auch das umständlich und
nicht ohne Abschweifungen auf nicht zur Sache Gehöriges
geschriebene neue Buch Büchlers bedarf der