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Ausgabe:

1923 Nr. 18

Spalte:

363

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lamer, Hans

Titel/Untertitel:

Altorientalische Kultur im Bilde. Hrsg. v. Johannes Hunger. 2. Aufl 1923

Rezensent:

Lidzbarski, Mark

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363

Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 18.

364

historischer Objektivität die Zuhilfenahme der Hypothese
einer Selbstoffenbarung Gottes im religiösen Leben
der Menschheit vermeidet, kommt nie einer adäquaten Erkenntnis
der Dinge nahe, sondern bleibt in der Beschreibung
des Primitiven hängen auch da wo diese Stufe
schon überwunden ist. — Diese Bemerkungen sollen
aber die Dankbarkeit nicht schmälern für eine Fülle
von Einzelerkenntnissen. Insbesondere ist die Darstellung
der Elemente und Formen des Kultus und seiner
verschiedenen Mittel ausgezeichnet, für die Geschichte
z. B. des Opfers, des Gebets, des Spruchs, der Weihen
von weittragender Bedeutung. Insbesondere möchte ich
auf die sorgfältige Untersuchung der verschiedenen Arten
von Opfer hinweisen. Auch systematische und praktische
Theologie können hier viel lernen, denn darin
hat Pfister recht, daß bis in die höchsten Stufen der
Religion und des Kultus die Grundformen ihrer primitiven
Elemente nachwirken.
Greifswald. Ed. v. d. Goltz.

Lamer, Stud.-Dlr. Dr. Hans: Altorientalische Kultur im Bilde.

Hrsg. und m. Erläuterungen vers. im Verein m. Prof. Dr. Johannes
Hunger j Mit 1°4 Add- auf °6 Tafeln. 2. Aufl. Leipzig:
Quelle & Meyer 1923. (VII S., 96 S. Abb., 64 S. m. Abb.) kl. 8Ü =
Wissenschaft und Bildung 103.
Das Interesse, das im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege der alte
Orient in weiten Kreisen Deutschlands, veranlaßt durch die rege
deutsche Ausgrabungsarbeit im Osten erregte, veranlaßte H. Lamer,
seinen früher in der Sammlung „Wissenschaft und Bildung" erschienenen
Bändchen, in denen die griechische und die römische Kultur
im Bilde vorgeführt wurden, ein Bändchen über den Orient hinzuzufügen
. Er verband sich zu der Arbeit mit dem inzwischen verstorbenen
J. Hunger. Da das Interesse für den Orient immerhin geringer
ist als für Griechenland und Rom, wurde der Stoff aus einem
größeren Kreise vereinigt. Auf 96 Tafeln sind die wichtigsten Denkmäler
der Ägypter, Babylonier und Assyrer, Hethiter, Aramäer,
Phönizier und Perser dargestellt. Die Auswahl ist vortrefflich, und die
Bilder sind so gewählt, daß sie nicht nur die künstlerische Betätigung
der alten Völker des vorderen Orients veranschaulichen, sondern auch
einen Einblick in ihr Leben im Hause wie im Staate, in ihre Religion
und ihren Kultus gewähren. Ein beigefügter Text sucht in
Kürze die Kultur der betreffenden Völker zu schildern und die abgebildeten
Monumente zu erläutern. Das Bändchen liegt jetzt in zweiter
Auflage vor. Der alte Inhalt ist bis auf geringfügige Änderungen im
Texte beibehalten. Das Papier, dessen Qualität ja für autotypische
Wiedergaben von besonderer Bedeutung ist, ist nicht so gut wie in der
ersten Auflage; immerhin sind auch jetzt die Abbildungen hinreichend
scharf. Die Anschaffung größerer Tafelwerke ist jetzt in Deutschland
selbst für öffentliche Bibliotheken ein unerfüllbarer Wunsch, daher
ist das Bändchen mit seinem reichen Inhalt jetzt besonders willkommen.
Göttingen. M. Lidzbarski.

Die Heilige Schrift des Alten Testaments in Verbindung mit

andern übersetzt von E. Kautzsch j Vierte, umgearbeitete
Auflage in Verbindung mit den früheren Mitarbeitern und Otto
Eißfeldt hrsg. von A. Bertholet. 2 Bde. Tübingen: J.C.B.
Mohr 1923. (IV, 864 S.) 4<> Gz. 40; in Halbleder 70.

Dank der Rührigkeit von Verlag, Herausgeber und
Mitarbeitern ist pünktlich innerhalb der versprochenen
Zeit die neue Auflage der K a u t z s c h'schen Übersetzung
des A. T. fertig gestellt worden.

Das der ersten Lieferung in dieser Zeitung gespendete
Lob kann für die folgenden Lieferungen und den
Schluß nur wiederholt werden. Das Ganze ist ein würdiges
Denkmal der Erinnerung an den ersten Herausgeber
. Kautzsch selbst würde an der neuen Auflage,
die zugleich ein Ehrenmal für die fortschreitende
deutsche Bibelwissenschaft ist, seine stille und dankbare
Freude haben können.

Zunächst einige Bemerkungen zur ganzen Übersetzung
. Daß es für die Kunst des Übersetzens nur
eine Methode gibt, wird nur behaupten, wer vom Übersetzen
nicht allzuviel versteht. Es wird ruhig gesagt werden
können, daß die Mitarbeiter an dem Kautzsch'schen
Bibelwerk ihr Bestes zu leisten versucht und das Ideal,
dem deutschen Durchschnittsleser ein zuverlässiger Führer
zu sein, im Allgemeinen erreicht haben. Damit ist
schon gesagt, daß an einzelnen Stellen der Wortlaut

besser getroffen sein könnte, oder noch nicht richtig
wiedergegeben ist.

Aufs Geradewohl einige Beispiele, wo ich die Obersetzung nicht
billigen kann. Jes. 6, 3 übersetzt Outhc „Erhaben" ist Jahwe der
Heerscharen. Bei einem so allbekannten Bibelwort ist jede andere Übersetzung
als die übliche „heilig" usw., die doch auch richtig ist, vom
Obel! Das gilt auch für Ps. 42,2 wo Bertholet übersetzt: „Wie
die ,Hinde', die sich sehnt ,nach' Wasserläufen." Bei einer für ein
größeres Publikum berechneten Übersetzung würde sich hier empfohlen
haben, den Lufhertext beizubehalten und dem textkritischen Gewissen
des Übersetzers und Lesers in einer gelehrten Note sein Recht zu gönnen.
Ist denn „Hinde" überhaupt im Deutschen noch recht gebräuchlich?
Mitunter könnte wörtlicher übersetzt sein. Wie würde z. B. wohl von
einem angehenden Oberlehrer für Hebräisch der Text Exod. 18,19
ins Hebräische zurückübersetzt werden, der in der Wiedergabe bei Holzinger
lautet: „Folge jetzt einmal mir, ich will dir einen guten
Rat geben und Gott möge dir beistehen: vertritt du selber das Volk
vor Gott". Auch Hölscher's Obersetzung Esr. 4, 16 Schluß:
„so wirst du dann Syrien verlieren" — ist viel zu frei. Ebenso ist

es irreführend, wenn Esra 7,12 N!TH ~©D mit „Gelehrter im
Gesetz" wiedergegeben wird. Gelegentlich ist, was früher in Klammern
stand, jetzt ausgeklammert, so z.B. 2. Kön. 9,5 „die Obersten
der Truppen saßen gerade beisammen" — früher: [beisammen].

D^DEP heißt hier: „sie hielten grade Sitzung" - dann braucht
man das „beisammen" nicht! Eine Verbesserung bedeutet es grade
nicht, wenn aus dem „Krith" 1. Kön. 17,3. 5 in der 3. Auflage
nun in der vierten ein „Kerith" geworden ist. Auf S. 1,587
1. Spalte verwandeln sich die mehrfach erwähnten „Assyrier" plötzlich
in richtige „Assyrer". Stark gefeilt hat Lohr an seinen

Klageliedern. Hobel. 1,5. 6 hätte Budde mUlB' bzw. P~)rnnE7
nicht mit „braun", bzw. „gebräunt" übersetzen sollen. Denn dazu
paßt dann 1, 5 nicht der Vergleich: braun wie die Zelte Kedars!
Die Zelte Kedars sind schwarz! Warum ist Jos. 15, 9. 18, 15 nicht
statt „Wasser von Naphtoach" direkt „Merneptach" eingesetzt und
das Richtige nur in die Anmerkung aufgenommen?

An manchen anderen Stellen ist der überlieferte hebräische Text
unrichtig übersetzt. So z.B. übersetzt Budde Jes. 52,4 DDND
mit „um nichts". In der Anmerkung heißt es dann, zu erwarten

wäre rDTFlND „darnach". Aber DDfO braucht nur wörtlich übersetzt
zu werden, dann kommt der von B. richtig vermutete Sinn heraus,

nämlich: „zu Ende" d. i. „zuletzt"! LXX ßia hat nicht, wie in
der „Biblia hebraica" zu lesen ist, DüDrO, sondern DJr>3 gelesen!

Hohel. 6,11 ist neben „Nuß", „Weinstock" und „Granate"

nicht das „Tal" — so Budde — sondern „Palme". An anderen
Stellen ist der Text zu korrigieren. 1. Sam. 12,3 behält Kittel

□^jyNl des M. T. bei. Das Richtige hat aber hier LXX, nämlich
□ I^^J >>ein Paar Schuhe", was auch durch Jes. Sir. 46,19 bestätigt
wird. Jes. 1,2 ist mit LXX ^1^1 statt M.T. TPU zu
lesen; letzteres ist dogmatische Korrektur. Jerem. 4,31 ist nicht
Sara — so M. T. —, sondern Sira „Wehen, Wehgeschrei" zu punktieren
. In der Anmerkung zu Hiob 8,14 ist für M. T. JDlp^ von
Steuernagel an nip1"!^ als mögliche Lesart gedacht - aber
„Flachsfasern" sind bekanntlich sehr stark und passen nicht neben
„Spinngewebe"! Deut. 12, 7 setzt Marti nach LXX in den Text
„eure Hände" — in der Anmerkung sagt er: M.T.: „deine Hand",
aber M.T. bietet vielmehr „eure Hand". Ps. 8,2 liest Bertholet
tunna, statt tena. Der Vorschlag findet sich bereits in meinen
Individual- und Gemeindepsalmen 1894 S. 11. Aber ein Relativsatz
mit "lll^N ist hier gar nicht am Platz, wie 8, 2 a verglichen mit
8, 10 lehrt. Duhm will geistreich ("lyPEW verbessern, Well-
hausen, Skizzen und Vorarbeiten VI, 1889, S. 167 denkt an

}rni£fN (schließendes fl von HjC"! könnte von folgendem ""11"
herrühren) „rühmenswert" — das ist alles besser als a scher
tunna.

Ein Gesamtlob ist auch den Anmerkungen zu spenden
. Sie ersetzen fast einen kurzen Kommentar. Auch
hier einige Desiderata etc.!

Beim Dekalog Exod. 20 konnte erwähnt sein, daß
auch das Elterngebot — wie, glaube ich, zuerst Qreß-
ni a n n erkannt hat — sich an den erwachsenen Israeliten
richtet. Die „alten Eltern" sollen nicht schlecht
behandelt, oder gar aus dem Hause gejagt werden. Der
„Elternschutz" will im Zusammenhang mit Anschauungen
der Antike verstanden werden, die in dem bekannten
Satz „sexagenarios de pont,e" ihre klassische Umschrift
erhalten haben. Leider erfahrt man bei Holzinger nichts
Näheres über die „Hülle Moses" Exod. 34, 33 ff. Hier