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Ausgabe:

1923

Spalte:

361-363

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pfister, Friedrich

Titel/Untertitel:

Kultus 1923

Rezensent:

Goltz, Eduard Alexander

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack
Herausgegeben von Professor D. Ematlliel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Wilh. HeitmüTler, Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Erichsburg.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig. Bezugspreis fürs 3. Quartal Grundzahl 1.25.
Der Preis ist zu errechnen durch Vervielfältigung der Grundzahl mit der jeweiligen, von dem Börsenverein der
Deutschen Buchhändler gemeinsam mit dem Deutschen Verlegerverein bestimmten Schlüsselzahl.

Bezuesoreise für das Ausland vierteljährlich 12.50 s. Fr.; 31.25 fr. Fr.; 37.50 b. Fr.; 10 sh.; 2'/,$; 6.25 FL;
11.25 d. Kr.; 12.50 n. Kr.; 8.75 s. Kr.; 37.50 Lire; 56.25 tsch. Kr.; 62.50 finn. Mark.

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in Güttingen, o ca.i.mi,., tftll
4ö. Jahrg. INT. lö. Nikolausberger Weg 31, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. O. ot-pieinDcr lyZ.J.

Das durch die Verhaltnisse bedingte schnelle Ansteigen der Schlüsselzahl macht es vielfach unmöglich, die jeweils giltige Zahl zutreffend
anzugeben. Wir sehen von deren Bekanntgabe daher für die Folge ganz ab, zumal sie in den Buchhandlungen jederzeit zu erfahren ist.

Pf ist er, Kultus (v. d. Goltz).
Lamer, Altorientalische Kultur im Bilde (Lidz-
barski).

Die Heilige Schrift des Alten Testaments (Beer).
Büch ler, Types of Jewish-Palestinian Piety

from 70 B. C. E. to 70 C. E. The ancient

pious men (Dahnan).
Lazarus, Zur Charakteristik der talmitdischen

Ethik (Bischoff).
Mann, The Jews in Egypt and in Palestine

under the Fätimid Caliphs (Volz).
Riggenbach, Der Brief an die Hebräer

(Dibclius).

Piepenbring, J£sus historique (Jülicher).

D ö 1 g e r, Die Eucharistie nach Inschriften frühchristlicher
Zeit (Koch).

McCown, The Testament of Solomon (Jfihcher).

I. i b a n i u s , Apologie des Sokrates (Ders.).

Premerstein, Zu den sogenannten alexan-
drinischen Märtyrerakten (Ders.).

Acta Conciliorum Oecuinenicorum (Koch).

Morin, Mönch tum und Urkirche (Ders.).

Schuck, Das religiöse Erlebnis beim hl. Bernhard
von Clairvaux (Hermelink).

Winckelmann, Das Fürsorgewesen der Stadt
Straßburg vor u. nach der Reformation (Anrieh).

C1 e m e n , Beiträge zur deutschen Kulturgeschichte
aus Riga, Reval u. Mitau (Zscharnack).

Rauch, Engelbert Klüpfel (Ders.).

Alexander, The shaping forces of modern
rcligotts thought (Mayer).

Jaeger, Vorsehung (Thimme).

Tögel, Der Herr der Menschheit (Schuster).

— Die ersten Christen (Ders.).

Keen, J Believe in God and in Evolution
(Wobbermin):

Hessen, Patristische und scholastische Philosophie
(Koch).

Pf ister, Friedrieh: Kultus. Separatabdruck aus Paulys Realenzyklopädie
der klassischen Altertumswissenschaft herausgegeben
von Wissowa-Kroll.

Diese Arbeit des Tübinger Archäologen Prof.
Pfister geht hinaus über die Bedeutung eines encyklopä-
dischen Artikels und verdient auch in theologischen
Kreisen besondere Beachtung. Sie enthält im Abriß eine
vollständige antike Kultuskunde für das Altertum, insbesondere
für das griechisch:römische Kulturgebiet. Es
kommt dem Verfasser nicht auf vollständige Aufzählung
oder Beschreibung der einzelnen Kulte an sondern auf eine
Erklärung und Wesensbestimmung der kultischen Erscheinungen
. Ein kurzer Abriß der Kultus geschichte
bildet nur den zusammenfassenden Schluß. (IV) Nach
Erörterung der religionsgeschichlichen Grundlage und
Methode entwickelt er die allgemeine Grundauffassung
von Kultus im Altertum (I) und bespricht dann die Personen
, Stätten und Zeiten des Kultus (II), dann die Elemente
und Formen des Kultus (III). Alles ist kurz gefaßt
und reichlich belegt aus der gesamten antiken
Literatur. A. und N.T. sind wenigstens gelegentlich
zum Vergleich herangezogen, häufiger noch die Anschauungen
und Gebräuche der primitiven Naturvölker.
Die wichtigste religionswissenschaftliche Literatur ist
mit großer Umsicht und Belesenheit benutzt.

Jeder, der sich mit Religionswissenschaft und Religionsgeschichte
beschäftigt, findet hier eine reiche
Ausbeute. Spezialisten werden auf je ihrem Gebiet Ergänzung
zu bieten und Kritik zu üben haben. — Eine
einheitliehe Grundanschauung vom antiken Kultus durchgeht
das Ganze. Unter „Religion" versteht Verf. das
jn Handlungen (Kultus) oder in Erzählungen (Mythus),
in künstlerischer Gestaltung (Kunst) oder in begrifflicher
Reflexion (Theologie) sieh äußernde Verhältnis der Menschen
zu einer nach dem Glauben der Menschen in
irgendwelchen Wirkungen sieh kundtuenden
Kraft oder zu solchen Kräften. Der Kultus ist demnach
der Teil der Religion, in welchem sich das Verhältnis
in Handlungen äußert (akustische Mittel, Worte,
Körperbewegungen, Objekte mit denen Manipulationen

__vorgenommen werden). Die Definition ist so allgemein

^Lr?c|«n3t, weil sie eben zugleich primitive wie höhere

*3 86a

und höchste Religions- und Kultusformen umfassen soll.
Der Zauber ist ebenso einbegriffen wie die höchsten
geistigen Verehrungsweisen. Für die überall sich geltend
machende Kraft wählt der Verfasser das der Religion
der Irokesen entnommene Wort „orenda". Diese
Grundform der religiösen Anschauung findet Pf. überall
wieder und es ist kein Zweifel, daß solcher Schlüssel
viele Türen schließt und daß der „Orendismus" eine
Fülle von Einzelheiten der antiken Religion zumal in
ihren Ursprüngen erklärt. Aber ich muß doch den Einwand
erheben, daß damit eine der primitiven Stufe entlehnte
Grundanschauung allzusehr die geistige Erfassung
höherer Stufen beschränkt. Schon im Übergang
zum dutyuov, rftog und vovg zeigt sich eine Unzulänglichkeit
dieser Betrachtungsweise, noch viel mehr
bei der christlichen Ufa/US, bei TtveCpia und %äqiana,
bei der Erklärung der t66al jcveviiarixal bei Paulus
oder bei dem Verständnis von „Wiedergeburt" und
„Essen und Trinken" des Blutes Christi. Ich will durchaus
nicht ablehnen, daß auch in den christlichen Kultusanfängen
Vorstellungen und Empfindungen mitschwingen
, die aus den Anfängen der Antike stammen, aber in
dieser selbst waren schon sittliche und geistige
Momente entwickelt, die es schlechterdings nicht zulassen
nur nach ihrem Nachwirken des Orendismus beurteilt
zu werden. So fehlt auch in der abschließenden
geschichtlichen Zusammenschau Pfisters dieses sittliche
und geistige Moment. Er sieht da nur den Fortschritt
vom primitiven Orendismus zum epischen Pantheon,
von diesem zur Einheit (homerische „Bibel", einheitliche
Weltanschauung, christlicher Monotheismus). Da
fehlt bei Pfister, ich will nicht sagen das Verständnis,
aber jedenfalls die wissenschaftliche Erfassung
der Wirklichkeit einer sittlichen und geistigen Religion
auf den höheren Stufen in ihrer das Primitive weit überragenden
besondern Eigenart, und die religionsgeschichtliche
Betrachtung läuft Gefahr, durch Klarstellung der
primitiven Elemente das Verständnis für ihre schöpferische
Weiterentwicklung zu verlieren, die letztlich
in dem Glauben an eine Offenbarung Gottes selber
zu einer wirklichen Wahrheitserkenntnis wird, welche
uns die Vorstufen besser begreifen lehrt. Wer aus lauter