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Ausgabe:

1923

Spalte:

337-342

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sellin, Ernst

Titel/Untertitel:

Das Zwölfprophetenbuch übersetzt und erklärt 1923

Rezensent:

Volz, Paul

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Theologische JLiteraturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack

Herausgegeben von Professor D. EmatlUel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Wilh. Heitmüller, Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Erichsburg.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig. Bezugspreis fürs 3. Quartal Grundzahl 1.25.
Der Preis ist zu errechnen durch Vervielfältigung der Grundzahl mit der jeweiligen, von dem Börsenverein der
Deutschen Buchhändler gemeinsam mit dem Deutschen Verlegerverein bestimmten Schlüsselzahl, s. unten.

Bezugspreise für das Ausland vierteljährlich 12.50 s. Fr.; 31.25 fr. Fr.; 37.50 b. Fr.; 10 sh.; 21/, $; 6.25 Fl.;
11.25 d. Kr.; 12.50 n. Kr.; 8.75 s. Kr.; 37.50 Lire; 56.25 tsch. Kr.; 62.50 finn. Mark.

AS |„l,.„ »i 16 117 Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschli eßlich an Professor D. Hirsch in Göttingen, fc ,nm.„i 1075

TrO.Janrg. Iii. 1071/. Nikolausberger Weg 31, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. AUgUSI VyLo.

Die für die Umrechnung von Grundzahlen festgelegte Schlüsselzahl beträgt ab-elf. August 30O000i

Sellin, Das Zwölfprophetenbuch (Volz).

Ridderbos, Der Prophet Jesaja (Ders.).

Spanier, Die Toseftaperiode in der tannai-
tischen Literatur (Dalman).

AI brecht, Bikkurim (Volz).

Schütz, Der Jakobusbrief (Dibelius).

Weil!, Voll Zuversicht! Zur Parabel Jesu vom
zuversichtlichen Sämann Mk. 4,26 - 29 (Behnr).

Weber, Gal. 2 und Apg. 15 in neuer Beleuchtung
(Lohmeyer).

Schultze, Altchristliche Städte und Land-

S t e f f e s , Das Wesen des Gnostizismus und sein

Verhältnis zum katholischen Dogma (Koch).
Kors, La justice primitive et le peche originel

d'apres S. Thomas (Koch).
Schneider, Die Entstehungszeit der Monar-

chia Dantes (Hermelink).
Lütgert, Die Religion des Idealismus und

ihr Ende (Hirsch).
Kierkegaard, Religiöse Reden (Ders.).
— Tagebücher (Ders.)

Blätter für württembergische Kirchengeschichte

Schäften (Ders.). (Bossert).
Bees, Kirchliches und Profanes vom nach- ! Bauch, Valentin Trozendorf und die Goldchristlichen
Platäa (Dibelius). berger Schule (Scheel).

H a n s t e e n , Av det Norske Kristenlivs Psyko-

logi (Scheel).
Kessel er, Pädagogik auf philosophischer

Grundlage (Ders.).
Spinoza, Kurze Abhandlung v. Gott, dem

Menschen und seinem Glück (Jordan).
Hessen, Die philosophischen Strömungen der

Gegenwart (Ders.).
H o p p e 1 e r , Bibelwunder und Wissenschaft

(Mayer).

Isenkrahe, Waffen der Apologetik und ihre
Handhabung (Koch).

Sellin, Ernst: Das Zwölfprophetenbuch übersetzt und erklärt.

Leipzig: A. Deichert 1921. (IX, 568 S.) 4° = Kommentar z. Alt.

Testament 12. Bd.

Zwei Eigenschaften zeichnen diesen bedeutsamen
Kommentar aus, die religiöse Wärme, mit der die Gestalter
, und die Probleme des 12-Prophetenbuchs erfaßt
und dargestellt sind, und die zuversichtliche Kühnheit,
die die verwickelten Fragen des 12Prophetenbuchs
aufnimmt und sich zur Lösung durchringt. Durch die
erste Eigenschaft erreicht der Kommentar das Ziel, das
dieses ganze Kommentarwerk sich gesteckt hat: die
mächtigen Gestalten des A. T. der Gegenwart nahezubringen
und für die Verkündigung in Predigt und Unterricht
lebendig zu machen, zugleich das Wesentliche der
alttestamentlichen Religion dem heutigen Menschen als
einen unvergänglichen Besitz eindringlich vor die Seele
zu stellen. Durch die zweite Eigenschaft gelingt es dem
Verf., die wissenschaftliche Forschung zu befruchten und
überall stark zu beeinflussen. In beiden Hinsichten, in
der Beziehung auf die Gegenwart und in den wissenschaftlichen
Fragen, ist das 12-Prophetenbuch besonders
spröde. Man wird S. dankbar sein, daß er als Herausgeber
des gesamten Werkes bei diesem mühsamsten Teil
seine Kraft und Kunst bewiesen hat. Die ausführlichen
Einleitungen, die jedem einzelnen Prophetenbuch vorausgehen
, die den einzelnen Auslegungsabschnitten vorausgeschickten
trefflichen Überblicke, aber auch die fort-
!aufenden Erklärungen enthalten viele feine religiöse,
religionsgeschichtliche und religionspsychologische Bemerkungen
und verraten, wie der Verf. bei seiner jahrelangen
Arbeit mit den großen Persönlichkeiten und ihren
zeitgeschichtlichen Kämpfen verwachsen ist, und wie er
zugleich in lebendiger Fühlung mit der Gegenwart steht.
Auch bisher weniger geschätzte Gestalten wie Nahum
Weiß er zu würdigen und überall das Bleibende aus dem
Vergänglichen herauszuheben, und so führt der Kommentar
von der wissenschaftlichen Kleinarbeit immer wieder
zu der Höhe der prophetischen Geisteswelt. In den
bterarkritischen Fragen ist S. zurückhaltend, die Heils-
Weissagungen z. B. gelten ihm gründsätzlich als echter
Bestandteil; in der Textkritik dagegen ist S. frei, so sehr,
daß man ihm nicht überall folgen wird. Bei der Beweglichkeit
, die seine Arbeitsweise auszeichnet, fördert er
eine ganze Fülle neuer und eigenartiger Übersetzungen
und Auslegungen zu Tage, die sich auch nicht selten von
seinen ftyheren Ansichten unterscheiden. Die Exegese
ist immer lebendig, weil sie den Stoff, auch da wo er
durch Textverderbnis fast unkenntlich geworden ist, aus
konkreten Vorgängen der Zeitgeschichte, aus der Festliturgie
, aus alten Motiven der Volkseschatologie u. dgl.,
also überall aus dem Leben zu erklären weiß. In der
metrischen Frage ist S. vorsichtig und wendet sich mit
Recht zuweilen gegen Sievers, dem m. E. die alttestament-
liche Forschung mehr Irreführung als Gewinn verdankt.

Für eine 2. Auflage, die der Kommentar gewiß bald
erreicht, möchte ich einige kleine Wünsche äußern. Durch
Sinnüberschriften über den einzelnen Abschnitten würde
der Inhalt noch rascher erfaßt. Bei der Textverbesserung
dürften die Textzeugen noch umfassender beigezogen
werden; hier muß ein Kommentar doch wesentlich über
die Biblia hebraica ed. Kittel hinausgehen. Durchgehend
wäre der Leser dankbar, wenn der Anlage des Gesamtkommentars
gemäß das Philologische strenger von der
übrigen eigentlichen Auslegung geschieden wäre; niemand
verkennt zwar die Schwierigkeit dieser Scheidung,
gerade bei dem oft hoffnungslosen Text des 12-Prophetenbuchs
; aber der Vorzug des Kommentars, die treffliche
Behandlung des geistigen Inhalts, würde dadurch
noch stärker sichtbar werden.

Aus der Fülle des Neuen und Eigenartigen, das in
diesem Kommentar dargeboten wird, greife ich nur
einiges heraus, um darüber zu berichten und dazu Stellung
zu nehmen.

Hosea, den S. bis über 733 hinaus wirken läßt,
hat ursprünglich dem Orden der ekstatischen Nebiim angehört
; dadurch erklärt sich die wilde Leidenschaft seiner
Sprüche, auch das Freien einer Dirne wird so begreiflicher
. S. rühmt an H. vor allem die geistige Freiheit, mit
der er den geschichtlichen Überlieferungen seines Volkes
gegenüberstand und allen fleischlichen Hochmut in Geschichte
, Kultus und Politik zertrümmerte. S. nimmt an,
daß H. nur am Anfang als Volksredner auftreten konnte,'
später sei ihm verboten gewesen, an den Heiligtümern
zu wirken. Auch mir hat sich die Frage schon aufge-

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