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Ausgabe:

1923

Spalte:

305-306

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Norvegia sacra. Jahrg. II 1923

Rezensent:

Scheel, Otto

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Seite 1

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305

Theologische Literaturzeitung 1Q23 Nr. 14.

306

Theologen, der 1562/63 die kirchlichen Wirren in
Königsberg noch mehrte, zum Osianderischen Hader
noch einen Sakramentsstreit fügte, dann in Wilna und
Lithauen verhängnisvoll wirkte und schließlich fast in
die römische Kirche zurücktrat. Weigel war bisher ganz
unbekannt, nur Löscher erwähnte ihn kurz in seiner
historia motuum, Wotschke gibt viel Neues zur Geschichte
des polnischen Adels und seiner Unbeständigkeit
.

K. Bauer geht in seiner großen Abhandlung „Der
Bekenntnisstand der Reichsstadt Frankfurt a. Main im
Zeitalter der Reformation" von dem Vorwurf gegen
Poullain aus, welcher am 15. März 1554 um Aufnahme
von 24 wallonischen Familien ins Frankfurter Bürgerrecht
und eine Kirche zum Gottesdienst bat, er habe
die Erlaubnis zum Gottesdienst erschlichen, denn die
Wallonen haben nicht nur eine andere Sprache, sondern
auch einen andern Glauben gehabt, sie seien Zwingli-
aner gewesen. Bauer sucht zu beweisen, daß sich in
Frankfurt ein Unionstypus nach dem Straßburger Vorbild
heranbildete und die Abwendung von Luther und
Wittenberg unverkennbar sei. Er bietet manche gute
Schilderung, z. B. von Joh. lndagine, und Micyller
und macht wahrscheinlich, daß der ehrgeizige Cochleus
sich infolge seines Durchfalls bei der Bewerbung um die
Leitung der Schule der alten Kirche wieder zuwandte.
Auffallend ist S. 219 die Behauptung, der Rat habe
sehr bald wieder den katholischen Gottesdienst zugelassen
und für ihn sogar den Dom freigegeben, und doch
hat Ref. in der Abhandlung „die Wiedereinführung der
Messe in Frankfurt 1535" Arch. f. Ref. G. 13,147 klar
nachgewiesen, daß das erst 1548 der Fall war. Schornbaum
zeigt in der Abhandlung „die brandenburgisch-
nürnbergische Norma doctrinae 1573" zuerst, wie An-
dreä, der auf der Rückreise nach Überdeutschland nach
Ansbach kam, vom Markgrafen Georg Friedrich benützt
"wurde, um Karg, für welchen die gesamte Geistlichkeit
eintrat, wieder in sein Amt einzusetzen, wie er aber wenig
Erfolg hatte mit der Einigung aller evang. Theologen,
wie insbesondere die Sachsen erbittert gegen ihn waren
und Kurfürst August den Markgrafen vor ihm warnte als
vor einem unruhigen Mann. Zu einer norma doctrinae
kam es in Nürnberg; Schornbaum schildert die Kämpfe,
die der Melanchthonschüler Heling veranlaßte, der sogar
offen auf der Kanzel sich zu Calvins Lehre bekannte,
wie der Rat auf Einigkeit der Theologen drang, Flacius,
der unter den Bürgern viele opferwillige Freunde hatte,
mit seiner Schrift: Treue Vermanung und Verwarnung,
das man das h. Testament des hohen Nachtmahls — unverfälscht
rein behalten soll, Nürnberg sehr wehe tat,
und im Juli 1563 die Haupttheologen sich über Einigung
in den streitigen Lehren berieten, deren Ergebnis
in dem Scriptum declaratorium zusammengefaßt ist, das
von allen Predigern unterzeichnet wurde, und die erste
Norma doctrinae oder Bekenntnisschrift der Nürnberger

Kirche darstellt.
Stuttgart. O. Bossert.

in dieser Sache berichtet und dafür eintritt, daß 1925
das Bistum wieder errichtet werde, 800 Jahre nach der
Gründung. 14 Bilder, bis auf 5 alle Photographien von
Geistlichen und kirchlich verdienten Männern, sind dem
Bande mitgegeben. In einer Reihe selbständiger „Schriften
zur Kenntnis der norwegischen Kirche in Vergangenheit
und Gegenwart" (Bibliotheca Norvegiae sacrae) sollen
die größeren Beiträge veröffentlicht werden, die im
Jahrbuch nicht untergebracht werden können.

Tübingen. O. Scheel.

General-Schematismus der katholischen Geistlichkeit Deutschlands
. Herausgegeben von der Zentralstelle für kirchliche Statistik.
Passau: M. Waldbauer 1921. (705 S.) 8° Oz. 4,5.

Dieses Adreßbuch gibt ein Verzeichnis sämtlicher katholischen
Geistlichen Deutschlands, zuerst nach Diözesen geordnet, dann in alphabetischer
Reihenfolge. Durch die Beschränkung auT die Namen steht
es hinter dem protestantischen Parallelwerk „Das evangelische Deutschland
" zwar zurück, aber kann doch, zumal in Verbindung mit Kroses
kirchlichem Handbuch, für manche Studien zur Kirchenkunde der
Oegenvvart gute Dienste leisten.

Göttingen. Carl Mirbt.

Arens, Bernard, S. J.: Die katholischen Missionsvereine. Darstellung
ihres Werdens und Wirkens, ihrer Satzungen und Vorrechte
. Mit einem Titelbild. Freiburg i. Br.: Herder & Co. 1922.
(XV, 363 S.) 8° = Missions-Bibliothek. Gz. 10; geb. 11,5.

Dieses Werk, eine Ergänzung des Handbuchs der kath. Missionen
(1920) von demselben Verf., unternimmt es zum erstenmal einen „genauen
Einblick in den Gesamtbetrieb der kath. Missionsvereine und
namentlich in die Einnahmen der einzelnen Organisationen zu gewähren
". Im Blick auf die außerordentliche, in protestantischen
Kreisen oft unzureichend gewürdigte Bedeutung der Missionen für die
Geschichte des neuzeitlichen Katholizismus wie mit Rücksicht darauf,
daß die Missionsvereine in dem letzten Menschenalter die Hauptträger
des Missionswesens in der Heimat geworden sind, ist die Inangriffnahme
dieser nicht leichten Aufgabe dankenswert. Das nach Ländern
geordnete Material gewährt einen lehrreichen Einblick in die große
Ausdehnung dieser Organisationen und gibt Ausschnitte aus dem
Finanzwesen der kath. Mission (vgl. S. 26f.), auf dessen vollständige
Veröffentlichung auch in Zukunft kaum zu rechnen sein wird.

Göttingen. Carl Mirbt.

Norvegia sacra. Jahrg. II. Christiania: Steenske Forlag. 192:
(356 S.)

Der zweite Jahrgang dieses norwegischen kirchen-
geschichtlichen Jahrbuchs bietet einen noch reicheren
Inhalt als der erste Jahrgang. Aufsätze aus dem Gebiet
der ältesten bis zur jüngsten Kirchengeschichte Norwegens
, aus der Geschichte der Kirchenverfassung und
Kirchlichen Kunst, aus der Personalgeschichte in Vergangenheit
und Gegenwart füllen den Band. Sie alle
aufzuführen, geschweige denn zu charakterisieren ist

o.^-T^ möglich. Ein für die Norvegia sacra instruk- I rum muß ich auch dieAufra«',™ "7 TT^'a Ya~

i..r I „ui.i____ a..h a-.„ i^.-„Lu'.:Ia?lIng.aufs entschiedendste

Howald, Emst: Die Briefe Piatons. Zürich: Verlag Seldwyla
1923. (VII, 197 S.) gr. 8°

Die Ausnutzung der piaton. Briefe für Piatons Philosophie
hat deshalb manche Bedenken, weil hier noch
so vieles kontrovers ist. Ich glaube, daß die Arbeit
Howalds weiterführen kann. Aus dem ersten Abschnitt,
der in sorgfältigster Weise die Textgeschichte behandelt,
möchte ich die Hypothese von dem Konzept-Charakter
des 7. Briefes hervorheben (11). Zur „Echtheitsfrage"
nimmt er im allgemeinen die beachtenswerte Stellung ein,
daß die Entscheidung letzten Endes jenseits des Beweisbaren
, im Stilgefühl liegt (12 u. 156), spricht sich dann
aber selbst für die Echtheit nur des 6., 7. und 8. Briefes
aus und löst in der „Entstehung des 7. und 8. Br." die
Schwierigkeit ihres Zusammenstehens durch die oben erwähnte
Annahme (bes. 32 f.). Philosophisch am interessantesten
ist „die erkenntnistheoretische Partie des
7. Br." und der Abschnitt „Was lehren Pl.s Briefe?"
Aber so sehr ich hier der Erklärung zustimme, daß für
Pl.s Philosophie die Politik das Ziel gewesen ist, und
auch anerkenne, daß wenigstens für den Piaton des
7. Br. ähnlich wie für den des Symposions und des
Phaidros die Dialektik als Vorstufe des Erkennens durch
den Nus gilt — Phaidr. 247 c wäre hier besonders heranzuziehen
—, so wenig kann ich mich mit dem Gedanken
befreunden, daß PL irgendwann einmal die Dialektik als
etwas minder Wichtiges betrachtet habe. (Vgl. 43).
Gerade der Timaios beweist 59 c f. das Gegenteil. Da-

tiver Aufsatz darf aber herausgehoben werden: der Auf- ablehnen, daß die Dialektik im piaton. Mysterion die

satz über den Bischofssitz Stavanger. Kolsrud schildert I gleiche Stellung einnehme wie der Tanz oder der Rausch

die Grenzen und die Geschichte des Bistums bis zur in den gewöhnlichen Mysterien (44, vgl. 174). Dadurch

Verlegung nach Christianssand im Jahre 1682. Ragnvald wird das rationale Moment der piaton. Philosophie viel zu

Gjerlöw ergänzt die historischen Ausführungen durch j sehr zugunsten des ohne Frage auch vorhandenen, aber

einen Aufsatz, der sich für die Wiedererrichtung des i schwerlich je mit klarem Bewußtsein von ihm ge'trenn-

alten Bistums einsetzt, über die jüngsten Bemühungen | ten irrationalen verschoben. Auch das ist letzten Endes ge-