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Ausgabe:

1923 Nr. 12

Spalte:

263-264

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wielandt, Rudolf

Titel/Untertitel:

Praktische Apologetik. 2. Aufl. von “Die Arbeit an den Suchenden aller Stände” 1923

Rezensent:

Katz, Peter

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263

Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 12.

264

Wielandt, Pfarrer Lic. Rudolf: Praktische Apologetik. 2. Aufl.
von „Die Arbeit an den Suchenden aller Stände". Güttingen:
Vandenhoeck u. Ruprecht 1922. (76 S.) 8° = Prakt.-theol. Handbibliothek
, hrsg. v. Friedrich Niebergall. 3. Bd. Gz. 1.
1906 erschien „Die Arbeit an den Suchenden aller Stände"; heute,
nachdem so Vieles dazwischen liegt, nicht nur im Titel umgestaltet, die
„praktische Apologetik". Auf 43/4 engbedruckten, wohl ausgenutzten
Bogen wird wirklich der ganze durch den Titel umgrenzte Stoff abgehandelt
. [. spricht über „Aufgabe und Wege", beurteilt das bisher Geleistete
, die Aufgaben der Apologetik, die neugeschaffene Lage, die
Unterschiede der Temperamente wie der Bevölkerungsschichten, den
Vortrag, die freie Aussprache, das Schrifttum und die Tagespresse als
Faktoren, deren es sich zu bedienen gilt. II. „Woran wir glauben";
A. Gott (14 Unterabteilungen); B. Christus (7); C. Der Mensch (7);
D. Die Kirche (7) gibt in seinen 35 kurzen Abschnitten, in knappster
Formulierung, was dem Apologeten, also dem Pfarrer, dem Religionslehrer
und wer sonst helfen will, an Gruppierung und Beleuchtung des
Materials, an Abwägung der Methoden im Blick auf das Ziel wichtig
sein muß. Ein gut Teil Raum nehmen die dankenswerten Schriftenverzeichnisse
ein, die dem Apologeten den Weg zeigen und zugleich
dem zu Belehrenden in die Hand gegeben werden können; in den
Titeln, ihrer Anordnung und kurzen Kennzeichnung, oft nur in einem
Beiworte, liegt saubere und nach allen Richtungen hin anerkennenswert
gerechte Arbeit. Den Schluß bilden jeweils Vorschläge für Vortragsthemen
.

Eine solche knappe Wegleitung zeigt, wie hoffnungsvoll die Bemühungen
um Gewinnung aller äußerlich oder innerlich der Glaubensgemeinschaft
ferngerückten Kreise ist; sie macht Mut und reizt zum
Versuch. Sie erfüllt damit ihren Zweck vollkommen.

Sie zeigt neben dem Haben, auch ungewollt, nicht selten das
Soll, den ferneren — grundlegenden wie ausmünzenden — Bemühungen
verbleibenden nicht kleinen Problemrest. Das tritt einmal hervor in
den noch offenen Fragen, wie der nach dem Verhältnis von Christentum
und Pazifismus. Solche heben sich schon rein formell dadurch
heraus, daß der Verfasser mit einem persönlichen Votum heraus muß,
während er anderwärts sich hinter dem in klarer Arbeit herausgestellten
consensus omnium zurückhalten kann.

Wenn wir, sodann, S. 59, lesen: „Nietzsche steht dem Christentum
näher als er selbst meint; das beachte jede Apologie", so ist
damit ein Ton angeschlagen, dessen sich die Apologetik ganz anders
wird bemächtigen müssen als irgendwo noch geschehn. Vieles, was
sich Apologetik nennt, wird in Wahrheit als Mission betrieben, d. h.
unter Zurückstellung oder gar Uebersehung des breiten Streifens gemeinsamen
Landes, auf dem Lehrer und Hörer stehn. Apologetische
Arbeit, streng gefaßt, ist Arbeit zur Rückleitung Irregegangener, die,
ihren Irrweg zurück, bis zum Kreuzungspunkt der richtigen Straße,
geführt werden. Wie für die Gedanken- und Lebensführung des Einzelnen
wie gleichgerichteter Mengen gilt das für die ganze geistesgeschichtliche
Situation, der sich die Individuen, meist ungewußt, eingliedern
: wenn wirklich das gesamte moderne Denken, die autonome
Vernunft, die neuere Bildung eine Abblassung eigengewachsener, in
ihrem Ursprung wie ihrer Durchbildung rein religiöser, Eingebungen
ist, dann ergibt sich eine ungeahnte Einheit der Einstellung für die
„große" wie für die angewandte Apologetik: sie ruft heim; sie wirft
die tausendfachen Ausstrahlungen der religiösen Welt — mögen sie
sich empfinden und gebärden als was sie immer wollen — in einer
großen Bewegung auf die Ursprungscbenc zurück.

Fahrenbach (Baden). P. Katz.

Schneider, Th. Studienrat in Wiesbaden : Biblische Geschichten.

I. (für Sexta) 1915 (102 S.), II. (für Quinta) 1916 (93 S.), III.
(für Quarta) 1918 (100 S.) 8°, Schülerheft für den Religionsunterricht
in der Untertertia 1920 (36 S.), in der Untersekunda, 2. A.,
1917 (80 S.) gr. 8°, alle in Kommission der H. Schellenbergschen
Buchhandlung (Ph. Brand), Wiesbaden.
Die B(iblischen) G(eschichten) AT.s (Sextaheft) sind gegliedert in
1. Hebräische Sagen über die Urzeit der Menschheit. 2. Hirtensagen
Israels über die Zeit seiner Erzväter. 3. Lebensbilder aus der geschichtlichen
Zeit des Volkes Israel a) unter Moses und Josua, Ii) unter den
Richtern, c) Israel als ungeteiltes Königreich. Im Quartaheft setzt sich
die Reihe fort: 4. Bilder aus der Geschichte der getrennten Reiche
Israel und Juda. 5. Zeit- und Ahnenbildcr vom babylonischen Exil bis
auf Christus.

Die BG. NT.s sind so abgeteilt (Quintaheft): 1. Wahrheit und
Dichtung über die Kindheit Jesu und Johannes des Täufers. 2. Bilder
aus der Zeit der öffentlichen Wirksamkeit Jesu. 3. Das Leiden und
Sterben des Heilands. Im Quartaheft folgt: 4. Die Ausbreitung der
ehr. Kirche im Zeitalter der Apostel.

Zum Lutherdeutsch hat der Verf. ein auf Respekt gegründetes
freies Verhältnis. Man kann ihn als Mitarbeiter an der langwierigen
Einzelarbeit der Umsetzung schwierig gewordener alter Redeweisen
begrüßen, wird ihn aber an Zurückhaltung weit hinter sich lassen
dürfen. Luther, nicht dem Luthertext nach schreibt er: „Sei mir gegrüßt
, liebe Maria", das Magnificat ist mit ganz schonender Hand
behandelt, weniger Lk. 1,43: „Wie komme ich zu der Ehre,-daß-
kommt?" In Zachariä Lobgesang ist das Horn des Heils beibehalten,
der im Liede festgeschlagene „Aufgang aus der Höh" (aus dem gleichen
Liede?) zum Morgenglanz aus Himmelshöhn geworden. Auch dem
Satzgefüge steht Sehn, mit Feingefühl gegenüber: er wahrt dem Anfang
der Gleichnisse von Schaf und „Geldstück" („Mark") die für
die praktische Ahzweckung Jesu so bezeichnende Frageform.

Es finden sich Spuren des, die Einzelgeschichten verbindenden,
Unterrichts im Buche selber in den, klein gedruckten, Einleitungen
zur Hochzeit von Kana (Deutung), sowie Nicodemus und Samariterin
(„Gelehrtenstolz" und „Nationalstolz" überwunden: Dispositionsbemerkung
).

Mit den Kennzeichnungen: „Wahrheit und Dichtung", „Sage" hat
sich Sehn., wie er selbst fühlen muß, auf einen, mindestens diesen
Unkonfirmierten, ungangbaren Boden begeben. Während in den
Schülerheften für höhere Klassen (die eine maßvolle Einführung in die
Hexateuchkritik bieten), ausdrücklich das Lebensbild Jesu aus den
Syn. aufgebaut und aus Joh. nur ergänzt wird, sind die genannten
johanneischen Gespräche nach ihrem geschichtlichen Werte durch nichts
von sonstigen unterschieden. Ihrer Schwierigkeit wird durch deutende
und gliedernde, unbiblische, Einschübe aufgeholfen.

Die Geschichten der Samuelis- und Königsbücher sind dankenswerterweise
in ihrer blutvollen Ausführlichkeit belassen. Hier wirkt,
wie vielfältige Erfahrung zeigt, jede verkürzende Wiedergabe auf die
Kinder anteilmindernd, also erschwerend, entgegen der urspr. Absicht
des pädagogischen Epitomators.

Dem gesunden Sinn des Verf.s wäre Konsequenz in diesen pädagogischen
Einleitungsfragen zu wünschen, die Ergebnisse der biblischen
Einleitungsfragen dagegen dürften hier getrost fehlen; sie verhindern
zudem weite Kreise, an der Arbeit Schn.s teilzunehmen, ohne
daß, auf dieser Stufe, ein Unterschied der Unterrichtsweise solchen
Verwahrungen eines kritischen Gewissens irgend riefe.

Fahrenbach (Baden). P. Katz.

Verzeichnis neuester Besprechungen.

Von Vikar Kurt Dietrich Schmidt, Erichsburg.

Althaus, P: Relig. Sozialismus (Schilling: ThQs 103, 1922, 1/2;
Otto Schilling: ThRev 21, 1922, 1/2; Caius Fabricius: ZfKG NF 4,
'22, S. 239).

Andersen, JO: Festschrift i Anleding af Det Danske Missionssels-

kabs Hundrede-Aars-Tubilaeum. (AllgMissZ 49, '22, 3; Scheel:

ThLZ 47, '22, 4; ders: ZfKG NF 4, '22, S. 226).
Aufhauser, J: Pflege d. Missionswissensehaft an der Univ. (Schmid-

lin: ZMisswiss 10, '20, 3/4; Merkel: AUgMiss-Z '20,6; Carl Mirbt:

ThLZ 48, '23, 5).
Batton, A: Wilh. v. Rubruk (ThQs 103, '22, 1/2; RStübe: OLZ 25,

'22, 7; Karl Wenck: ZfKG NF 4, '22, S. 206)'.
Baumstark, A: Geschichte der syrischen Literatur (Leipoldt:

ThLBl 43, '22, 14; C Brockelmann: LtZtbl 73, '22, 44; Horten:

ThLZ 48, '23, 6).
Braun, J: Liturgisches Handlexikon (JSmend: ThLZ 47, '22, 20;

Zscharnack: ZfKG NF 4, '22, S. 196; Walter Caspari: ThLBl 44,

'23, 1).

Bredt, JV: Neues evang. Kirchenrecht für Preußen Bd. I. (Arnold

Hein: ThBlätter 32, '22, 4; Otto Mayer: ZfThKirchcNF 3, '22, 1;

MSchian: ZfKG NF 4, '22, S. 216).
Büttner, W: MJSchmidt als Katechet (JGöttler: ThRev 21, '22,

13/15; WLange: LtZtbl 73, '22, 41; Zscharnack: ZfKG NF 4, '22,

S. 222).

Delehaye, H: Passions des martyrs et les genres litteraires (P
Peeters, Anal Bolland 39, '21, 1/2; HL: ZfNTWiss '21, '22, 2;
FKattenbusch: ThLZ 48, '23, 3).

Wilhelm Diitheys gesammelte Schriften. Bd. 4. Hrsg. v. HNohl. (Ernst
Troeltsch: ThLZ 47, '22, 10; MWundt: LtZtbl 73, '22, 37; Zscharnack
: ZfKG NF 4, -22, S. 225).

Doelle, F: Die Martinianischc Reformbewegung in der sächsischen
Franziskanerprovinz (Georg Buchwald: ThLBl 43, '22, 15; Patricius
Schlager: Franz Stud 9, '22, 1/2; Karl Wenck: ZfKG NF 4, '22,
S. 206).

Drews, A: Das Markusevangelium. (GGrützmacher: ThLBl 42, '21,

23; Ernst Lohmeyer: DtLZ 43, '22, 20; WBauer: ThLZ 47, '22, 26).

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 30. Juni 1923.
Beiliegend Nr. 14 des Bibliographischen Beiblattes.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Nikolausberger Weg 31.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.