Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1923 Nr. 12

Spalte:

247

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Chiera, Edward

Titel/Untertitel:

Selected temple accounts from Telloh, Yokha and Drehem 1923

Rezensent:

Meissner, Bruno

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

247

Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 12.

248

C h I e r a, Ph. D. Edward : Selected temple accounts from Telloh,

Yokha and Drehern. Cuneiform tablets in the Library of Prin-
ceton University. Princeton, N. Y.: University Press 1922. (VI, 40 S.
u. 59 S. i. Autographie.) $ 0,75.

Die ungeheuren Massen der Wirtschaftstexte aus
Telloh, Yokha und Drehern, die zumeist der 3. Dynastie
von Ur (z. 2400 v. Chr.) angehören, sind in alle 4 Winde
zerstreut; ein Teil davon ist in die Bibliothek der Princeton
University gelangt, und 36 von ihnen legt uns hier
C. in einer musterhaften Edition vor. Ihr Inhalt ist recht
einförmig; sie enthalten ausschließlich Listen von Opfern
und Abgaben für bestimmte Tempel. Einige dieser
Texte hat C. auch umschrieben und übersetzt, sodaß
auch der Nichtfachmann einen Einblick in den Tenor
der Inschriften erhält. — S. 7 Nr. 36,7) ist :is nicht
sword carrier, sondern : k i z ü-Gehilfe. — S. 8 (Nr. 12, 10)
ist : a p i n nicht irrigation, sondern, wie Witzel nachgewiesen
hat, der „Pflug". — S. 12 (Nr. 29, I, 10) wird
rgü-gal nicht large millet (Hirse), sondern wohl
„Bohne" sein; die semitische Uebersetzung ist p u 1 i 1 u.
Ein Verzeichnis der Eigennamen ist eine wertvolle Zugabe
. Die Textedition macht einen ausgezeichneten Eindruck
und verdient gewiß volles Zutrauen.

Berlin. Bruno Meißner.

Langdon, S., M. A.: Babylonian VVisdom containing the poem
of the righteous sufferer, the dialogue of pessimism, the books of
proverbs and the supposed rules of monthly diet. London: Luzac
and Co. 1923. (104 S. u. VI. Taf.) 8°

Unter dem Titel Babylonian Wisdom hat L. das bekannte
Lied „Ich will verehren den Herrn der Weisheit
", den pessimistischen Dialog des Herrn und Dieners,
die Sprichwörter, die Weisheitssprüche Ut-napistis und
die monatlichen Speisevorschriften behandelt. Die Idee,
die babylonischen Texte philosophischen Inhalts in Zusammenhang
zu übersetzen, ist zweifellos eine sehr
glückliche; denn wir besitzen von dieser Kategorie eine
ganz stattliche Reihe. Aber die Ausführung des Planes
läßt zu wünschen übrig. Die erste Dichtung „Ich will
verehren den Herrn der Weisheit" gehört streng genommen
gar nicht hierher, weil sie, wie Ebeling nachgewiesen
hat, mystischen Inhalts ist, und die supposed
rules of monthly diet zeigen auch nicht gerade philosophischen
Charakter. Andererseits hätten die Sprichwörter
(z. B. W e i d n e r , Keilschrifturk. aus Boghazköi
IV, 4+97) und Dialoge (z. B. Ebeling, Keilschriftt.
aus Assur relig. Inh. Nr. 111) nicht unbedeutend vermehrt
werden können, und dann hätten m. E. der babylonische
Kohelet (vgl. diese Zeit. 1923, 29 f.) sowie sämtliche
Fabeln (vgl. z. B. auch E b e 1 i n g a. a. O. Nr. 145)
hier mit hineingezogen werden sollen.

Auch die philologische Behandlung steht trotz mancher
guter Erklärungen nicht ganz auf der Höhe. Es ist
schade, daß L. für den ersten Text die gute Uebersetzung
Landsbergersin Lehmann-Haas, Textbuch der
Religionsgeschichte, 2. Aufl. 311 ff. nicht benutzt hat,
die das Verständnis dieses Textes wesentlich gefördert
hat. Einzelheiten, wo ich von L. abweiche, aufzuzählen,
würde zu weit führen; ich erwähne nur, daß 51, 29 nach
Analogie von Z. 21 : a s (!) -1 u - u s - m a = ich sah zum
3. Male einen Traum zu lesen sein wird. — Zu dem pessimistischen
Dialoge vgl. auch die Bemerkungen Z i m -
m e r n s in der Zeitschr. f. Assyriol. 34, 87 ff. — Von den
Sprichwörtern gibt L. nur die Uebersetzung, während
er für Umschrift und Erklärung auf seine Arbeit im
Amer. Journ. of Semit, lang. 28, 217 ff. verweist. Diese
schwierigen Stücke sind aber noch weit von sicherem
Verständnis entfernt und sollten von neuem behandelt
werden. — Ebenso kann man in dem Verständnis der
Weisheitssprüche, die auch nur in Uebersetzung mitgeteilt
sind, wohl noch etwas weiter kommen. — Immerhin
muß anerkannt werden, daß L. durch diese Studie unsere
Kenntnis der philosophischen Literatur der Babylonier
gefördert hat.
Berlin. Bruno Meißner.

Prelsigke, Friedrich: Fachwörter des öffentlichen Verwaltungsdienstes
Aegyptens in den griechischen Papyrusurkunden
der ptolemäisch-römischen Zeit. Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht
1915. (X u. 186 Seiten.) Lex.-8. Gz. 6.

Wer früher über die Apokryphen und Pseudepi-
graphen des A. T. oder sonst über hellenistisch-jüdische
Geschichte und Literatur arbeitete, stand sehr oft vor
großen Schwierigkeiten, wenn er auf einen der vielen
in unsern Quellen vorkommenden termini technici des
hellenistischen Verwaltungswesens stieß. Die Lexica versagten
nur zu oft, und so kam es denn, daß erhebliche
Mißverständnisse unvermeidlich waren, von denen jeder
Kommentar, jede Uebersetzung Beispiele liefern. Dieser
Umstand veranlaßte mich, vor etwa 10 Jahren die mir
befreundeten Inhaber der Verlagsbuchhandlung V. u. R.
aufzufordern, bei einem geeigneten Gelehrten die Abfassung
einer Schrift anzuregen, die jene schmerzlich
empfundene Lücke ausfüllen könnte. Es ist denn auch
gelungen, den damaligen Telegraphendirektor in Straßburg
, Friedrich Preisigke, der sich bekanntlich im Nebenamt
zu einem der bedeutendsten Papyrologen entwickelt
hat, dafür zu gewinnen, und so erschien das vorliegende
Buch, das mit einer souveränen Beherrschung der so unendlich
weit verstreuten Papyrusliteratur geschrieben ist
und uns in vielen Fällen festen Boden gibt, wo man
früher auf trügerischem stand. Pr. begnügt sich nicht
damit, die Fachausdrücke zu sammeln, zu übersetzen
und zu erklären, sondern er gibt auch kurz die entscheidenden
Stellen der Quellen und der modernen Literatur
an, damit jeder Leser selber nachprüfen kann. Statt
vieler Beispiele für die Nützlichkeit seiner Arbeit sei hier
nur eins vorgeführt. II. Makk. 4,8 verspricht Jason in
der Absicht, seinen Bruder Onias um das Hohepriester-
tum zu bringen, „rtfi ßaailü di hrev^eug" eine
höhere Tributsumme. Auf Grund der Lexica übersetzt
Grimm in seinem bekanntem Kommentar das Wort
'ivreviig durch „zufälliges Zusammentreffen", während
Kamphausen bei Kautzsch: „Apokryphen und Pseudepi-
graphen" übersetzt „bei einer Unterredung". Aus Prei-
sigkes Schrift sehen wir, daß tvtev^ig eine, in der
Regel an den König gerichtete, Eingabe oder ein Bittgesuch
bedeutet, daß also an der betreffenden Stelle nicht
von einer persönlichen Zusammenkunft die Rede ist.
Da ich zufällig erfuhr, daß Preisigkes Buch in dieser
Zeitschrift noch nicht besprochen ist, möchte ich nicht
versäumen, die Theologen auf dies vortreffliche Hilfsmittel
hinzuweisen, das so recht zeigt, wie stark die
Papyrologie sich auch für ihr Gebiet geltend gemacht
hat. Vielleicht darf ich daneben noch auf die im letzten
Bande (VI, 1920) des Archivs für Papyrusforschung
erschienenen „Bemerkungen zum Stile hellenistischer
Königsbriefe" von Wilhelm Schubart aufmerksam
machen, die einen vernichtenden Schlag für die immer
noch nicht ausgestorbenen Verteidiger der Echtheit der
in den jüdischen Quellen massenhaft vorgeführten
Königsbriefe aus hellenistischer Zeit bedeuten. «

Die äußere Ausstattung des Buches entspricht mit
dem geschmackvollen Druck und dem guten Papier
durchaus der inneren Solidität.

Göttingen. H. Willrich.

Schmalohr, Dr. theol. J.: Das Buch des Propheten Joel.

Uebers. u. erklärt. Münster: Aschendorff 1922. (VIII, 156 S.) gr. 8°
= Alttest. Abhdlgn. VII, 4. Oz. 4,2.

Der erste Teil dieser Schrift (S. 1—41) behandelt
Verfasser und Abfassungszeit: das Buch Joel ist weder
unter Joas noch nach dem Exil entstanden, sondern
unter Uzzia, kurz vor Arnos (der es schon voraussetzt)
und Hosea; innerhalb der kleinen Propheten nimmt es
also die ihm geschichtlich zukommende Stellung ein.
Der zweite Teil (S. 42—54) bringt eine Uebersetzung
nebst Gliederung und kurzer Inhaltsangabe, mit anschließenden
Bemerkungen über Versmaß, Strophenbau
und andere dichterische Darstellungsmittel. Im dritten
Teil (S. 55—156) folgen die textkritische und sachliche