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Ausgabe:

1923

Spalte:

1-3

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Harnack, Adolf v.

Titel/Untertitel:

Albrecht Ritschl. Rede 1923

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack
Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Wilh. Heitmüller, Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig Vierteljährlich 600 Mark

Für den Fall der weiter fortfchreitenden Markentwertung behält der Verlag fich eine entfprechende Erhöhung im Laufe des Quartals vor.

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-tu. uaurö. inj., j. Rezenfionseiemplare ausfchließlich an den Verlag. atu'um 1C7AO.

Die für die Umrechnung von Grundzahlen gemeinfam von dem Börfenverein der Deutfchen Buchhändler und dem Deutfchen

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Stange, Albrecht Ritfehl (Kattenbufch).
v. Harnack, Albrecht Ritfehl (Derf.).
Oldenberg, Reden des Buddha (Titius).
— Das Mahabharata (Derf.).
Hart mann, Weltgefchichte in gemeinverfländ-

licher Darftellung (Staerk).
B ittel, Gefchiehte des Volkes Ifrael (Nowaek).
Budde, Der Segen Mofe's (Derf.),

Lemme, Das Jakobus-Evangelium (Bauer).
Bertram, Die Leidensgcfchichte Jefu und der

Chriftuskult (Jülicher).
Feftgabe Albert Ehrhard (Kattenbufch).
Feftgabe für Karl Müller (Ritfehl).

Poland, Reifinger & Wagner, Die antike
Kultur (Koch).

Kurney, The Äramalc Origin of the Fourth I Harden, Psalterium iuxta Hebraeos Ilieronymi
Gospel (Dalman). I (Jülicher).

Schmarsow, Kompofitionsgefetze in der Kunft

des Mittelalters (Stuhlfauth).
Die deutfehe Bibel vom 15.—18. Jahrb. (Clemen).
Wernle, Der fchweizerifche Protellantismus im

XVIII. Jahrhundert (Staehelin).
Otto, Das Heilige (Wobbermin).
Hirfch, Die Reich-Gottcsbegriffe des neueren

europäifchen Denkens (Troeltfch).
Mitteilungen (Hirfch).
Verzeichnis neuefter Befprechungen.

Stange, Carl: Albrecht Ritschi. Die gefchichtliche Stellung feiner
Theologie. (24 S.) 8°. Leipzig, Dieterich'fche Verlh. 1922. Gz. 0,4.
Harnack, Adolf v.: Albrecht Ritschi. Rede, am 30. April 1922 zum
100. Geburtstag gehalten. (Gedenkfeiern der Univerfität Bonn für
einfüge Mitglieder) (16 S.) gr. 8°. Bonn, Ludw. Röhrfcheid 1922.
Am 25. März 1922 war Ritfchls hundertfter Geburtstag
, und die beiden Univerfitäten, an denen er gewirkt
hat, haben ihm Gedächtnisfeiern von vollem aka-
demifchem Ausmaß gewidmet. In Bonn, wo Ritfehl 1846
als Privatdozent feine Lehrtätigkeit begann und bis 1864
(feit 1852 a. 0. Prof., feit 1859 0. Prof.) blieb, hat ihm
A. v. Harnack die Gedächtnisrede gehalten, in Göttingen,
wo er genau 25 Jahre wirkte (geft. 20. März 1889), der
gegenwärtige Inhaber feines Lehrftuhls, C. Stange. Beide
Redner bieten gleich würdige, gedanklich forgfältig abgewogene
, weithin fich begegnende, natürlich nicht lediglich
übereinftimmende Ausführungen. Daß A. Ritfehl
der größte evangelifche deutfehe Theolog nach Schleiermacher
gewefen, anerkennen beide. Daß er der Gegenwart
nicht mehr einfach als .Meifter' erfcheine, fprechen auch
beide mit Recht aus. Nur die Allergrößten überleben
ihre ,Zeil' in der höheren Art, daß fie wie unmittelbar
zu den Nachgeborenen zu fprechen, die Probleme ihrer
Wiffenfchaft mit ihnen weiter zu durchdenken fcheinen.
Bei Lebzeiten traf A. Ritfehl in weitem Maße auf Unfähigkeit
und auch Ungewilltheit, in die Gedanken zu ehrlicher
Miterwägung einzutreten, die er darbot. Es war ihm be-
fchieden an einer Reihe junger Theologen Schüler zu
finden, deren keiner bloßer Nachtreter war. In dem
Jahre, da wir dankbar deffen gedachten, was er unferer
Wiffenfchaft an frifchen Lebensimpulfen gewährt hat,
ftarb derjenige diefer .Schüler', der in feinem Geilte und
Sinn das Bedeutfamfte gekittet hat, W. Herr mann
(geft. 2. Jan. 1922); ein anderer, H.H. Wendt — per-
fönlich, wie ich glaube, der einzige unter ihnen, foweit
fie als Syltematiker an Univerfitäten gewirkt haben (er
wirkt als letzter folcher noch heute), der als Student
fein Schüler geworden — hat fich in der Zeitfchr. f.
Theol. u. Kirche (1922, S. 3—47, ,Albrecht Ritfchls theo-
logifche Bedeutung') in einer feinen gediegenen Sonder-
ftudie über feine .religiöfe Beurteilung Jefu' (daneben
feine .Beurteilung Luthers, des Luthertums und des Pie-
*1 tism"s') Rechenfchaft geben dürfen, worin wir wohl das

Größte bei ihm gefunden. Nach all dem oft geradezu
gehäffigen Streite über den großen Mann, der ihm das
letzte Jahrzehnt feines Lebens verbitterte, hat die Nachwelt
ja bald begonnen — zum Teil mit dem Verfuch,
ihn zu vergeffen, der nicht gelingen konnte — in hifto-
rifcher Art ihn zu .verarbeiten'. Die anerkannt tüchtige,
von voller Pietät getragene und doch unbefangene Biographie
, die fein Sohn von ihm geboten, wurde zuerft
von C. Fabricius ergänzt durch eine Unterfuchung
der- .Entwicklung' feiner .Gefamtanfchauung des Chriften-
lums' (in ,Die Entwicklung in Albrecht Ritfchls Theologie
1874 bis 1889', Tübingen 1909); Fabricius faßt die ITage
ins Auge, ob Ritfehl fich bis zuletzt als Syftematiker
auf feiner Höhe gehalten habe, oder durch die Einreden,
die er erfuhr, beirrt worden fei. Seine eindringliche, be-
deutfame Unterfuchung ift foeben wieder aufgenommen
worden von E. Günther ,A. R.'s fpätere theologifche
Entwicklung', Stud. u. Krit. 1922, S. 195—229); hier wird
bei voller Anerkennung der Arbeit von ITibricius gezeigt,
daß Ritfehl im Grunde bis zuletzt gewachfen fei.
Nicht unterlaffen möchte ich, auch hinzuweilen auf den
Vortrag, den A. Titius fchon 1911 hielt über ,A. R. und
die Gegenwart' (Stud. u. Krit. 1913, S. 64—92).

Die beiden Centenarfeftreden heben natürlich mit
Betonung das hervor, was A. Ritfehl herausftellt aus der
Reihe feiner Zeitgenoffen. Der Stoff gliedert fich, wie
von felbft, in zwei Abfchnitte: Die Würdigung Ritfchls
als Hiftoriker und als Syftematiker. In erfterer Hinficht
tritt, wieder wie von felbft, in den Vordergrund, worin
er fich von feinem .Lehrer' F. Chr. Baur löfte und deffen
Betrachtung des Urchriftentums überwand. Es ift nicht
ohne Reiz zu fehen, worin beide Redner fich dabei begegnen
. Der große Hiftoriker, der in Bonn fprach, hat
die feinere Witterung für das Große an den beiden Vorgängern
feiner eigenen Forfchung. So wirkt fein Schlußurteil
über R.'s .Entftehung der altkath. Kirche' (gelefen
und zitiert werdi es wenig mehr, .doch ift und bleibt es
ein klaffifches Buch der kirchengefchichtlichen Wiffenfchaft
, und das Gefchick des Werks ift in Wahrheit beneidenswert
— es ift in den Boden gefunken, weil es fähig
und ftark war, das Gebäude zu tragen, das zwei Generationen
von Forfchern über ihm gebaut haben und an