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Ausgabe:

1923 Nr. 9

Spalte:

197

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gunkel, Hermann

Titel/Untertitel:

Meisterwerke hebräischer Erzählungskunst. I. Geschichten von Elisa 1923

Rezensent:

Meinhold, Johannes

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197

Theologische Literaturzeitung 1923 Nr. 9.

198

wohl ergeben, daß die Bestimmungen über das Jobeljahr und dergleichen
freilich mit längst vergangenen wirtschaftlichen Ordnungen zusammenhängen
, daß sie aber als religiös-ethische Forderungen eine
Nachwirkung der prophetischen Verkündigung darstellen. Es lohnte
sich, der hier angedeuteten Aufgabe einmal nachzugehen. In Kap.
1—6 sind mir vielfache unnötige Wiederholungen aufgefallen. Druckfehler
sind nicht selten.

Halle a.S. 0tt0 Eißfeldt.

Gunkel, Hermann: Meisterwerke hebräischer Erzählungskunst.

I. Geschichten von Elisa. Berlin: Karl Curtius. (100 S.) 8»
Es sind neben der Vorbemerkung (1—3) und den
Anmerkungen (95—100) 5 Aufsätze (1. Elisa Nachfolger
des Elia 4—15; 2. Die Sunamitin 16—30; 3. Naeman

31_45; 4. Die Belagerung Samariens 46—66; 5. Der

Aufstand des Jehu 67—94). Sie sind nicht neu, vielmehr
schon in der Evangelischen Freiheit (1. 1918. S. 337 ff.;
2. 1919 S. 347 ff.; 3. 1919 S. 359ff.), in der „internationalen
Monatsschrift für Wissenschaft und Kunst" (4; 14.
Jahrgang Sp. 73 ff. 155 ff.) und in der „Deutschen Rundschau
" (5, 1913 S. 289 ff.) seiner Zeit gedruckt worden.
Doch ist es sehr dankenswert, daß der Verf. sie hier zu
einem Bändchen vereinigt hat. Denn sie sind dessen
wert. Der weitere Kreis der Bibelleser, für den sie geschrieben
sind und den wir ihnen wünschen, wird in
ihnen viel Anregung und Belehrung finden. Denn Gun-
kels Begabung für das Verstehn der Sagen und ihrer
Motive, für das in ihnen und aus ihnen sprechende Fühlen
des Volkes ebenso wie sein Erfassen der künstle-

hat nicht den Vulgatatext kommentiert, sondern einen
altlateinischen aus Britannien stammenden Text, folglich
ist er nicht ein gleichzeitiger Textzeuge der Vulgata
(Souter) noch die Vulgata eine von Pelagius und nicht
von Hieronymus gemachte Textrevision (de Bruyne).
Nach einer Aufzählung der inbetracht kommenden
Quellen wird zuerst die These m. E. überzeugend vorgeführt
: Pelage n'etait pas competent enGrec, also kann
er nicht der Urheber der nach dem Griechischen angefertigten
Vulgatarevision sein. Sodann: Pelage ecrivait
un latin provincial et pedant; seine Bemerkungen zu Paulus
hat er seinen dictatores^adiutores litterarum=^specia-
listes en style diktiert, die sie dann für die Oeffentlich-
keit stilisierten. M. Vi 11 er bringt seine Geschichte der
griechisch-lateinischen Unionsbestrebungen von 1274 bis
1438 zu Ende. Ich hebe das für die ganzen Verhandlungen
charakteristische Wort des griechischen Gesandten
Baarlam heraus (1339): „Convaincre les savants est
facile; s'il en vient trente ou quarante aupres de vous, vous
tomberez aisement d'aecord, puisque les uns et les
autres vous ne desirez que la verite. Mais de retour en
Orient, les savants ne pourront absolument rien sur le
peuple." Auch die literarischen Verfechter des Unionsgedankens
sind als „les auxiliaires de l'Union" mit behandelt
. A. P e 1 z e r teilt aus der Vaticana den Bericht
der sechs Theologen mit, die Johann XXII. zur Prüfung
von 51 Artikeln Wilhelms v. Occam bestimmt hatte; inhaltlich
sind diese dogmatischer, nicht kirchenpolitischer
Art, Occam wird Pelagianismus vorgeworfen. J. de

heit der Nabotgeschichte in 1. Kön. 21 u. 2. Kön. 9,
die doch vorliegt, hinweggeglitten. Nach 1. Kön. 21
scheint der Jisreelite Nabot in Samarien neben dem
Königspalast einen Weinberg gehabt zu haben, 2. Kön. 9
handelt es sich um ein Ackerfeld in Jisreel. Dort wird
nur Nabot, hier sein ganzes Geschlecht getötet. 2. Kön. 5
wird der König von Aram ebenso wenig mit Namen
genannt wie der von Israel (S. 47!). Daß der Erstgeborne
2/3 des väterlichen Vermögens bekommen müsse, sagt
Deut. 21, 67 (S. 10 und 95) nicht. Er bekommt vor den
anderen Söhnen einen doppelten Anteil. Ist von dreien

die Rede, dann bedeutet GPLVß "'S natürlich *l9 (Sach.

13, 8). — Doch das u. a. m. betrifft nur Kleinigkeiten
. Als Druckfehler seien angemerkt: Elisa st. Elia
S. 5; das st. daß S. 100, 59.

Bonn. Jon- M einhole!.

Revue d'Histoire Ecclesiastlque. Tome Will. Louvaln: Bureaux
de la Revue 1922. Lex. 8°.

Die Revue d'histoire ecclesiastique hat in vorliegendem
Bande den Tod ihres Begründers, A. Cauchie zu beklagen
, der am 9. Februar in Rom überfahren wurde und
am Tage darauf starb. Ein Artikel von L. van der
Essen würdigt den Verewigten als Initiateur (Begründer
des historischen Seminars in Löwen nach dem
Muster Rankes, Begründer der Revue, Begründer des
institut historique beige in Rom) Savant und Homme; ein
ausgezeichnetes Porträt berührt sympathisch. Die wissenschaftlichen
Aufsätze des Jahrgangs 1922 betreffen mit
einer Ausnahme nur die alte und mittelalterliche Kirchengeschichte
. L. V i 11 e c o u r t bringt den bei unserer
letzten Besprechung schon gekennzeichneten Aufsatz „Un
manuscrit arabe sur le saint chreme dans l'Eglise copte"
zum Abschluß. J.B. Bord handelt, nicht frei von apologetischen
Interessen, über ,,L' autorite de s. Cyprien dans
la controverse baptismale jugee d'apres s. Augustin";
dankenswert ist die Zusammenstellung der betr. Stellen
bei Augustin. Aeußerst anregend und wertvoll verspricht
der Aufsatz von H. J. Chapman zu werden. „Pelage
et le texte de S. Paul", von dem der erste Teil vorgelegt
wird. Es wird eine Auseinandersetzung mit Souter vollzogen
und de Bruyne, Ch. stellt die These auf: Pelagius

rischen .Verarbeitung ,Jf .^^^g»^n ^jr Ghellinck gibt einen lehrreichen "Beitrag zur" Ge-

fu7ELuht : ^^^SSLmaI^ schichte des miftelalterlichen BibUothekwesens'durch ge-
aus berechtigt. Andrerseits wird über _die Verschieden- ^TS^S?WSS^

de Bury 0333—45)!
H. Watrigat handelt von Semi-quietisme guyonien an
der Hand eines mitgeteilten Dokuments; sein Kennzeichen
ist das Geltenlassen der menschlichen Aktivität,'
aber ihre Unterordnung unter das Gefühl der göttlichen
Motion, „qu'il ne faut pas prevenir". — Die Uebersichten
über die wissenschaftlichen Arbeiten in den verschiedenen
Ländern, Personalnachrichten, Bücherbesprechungen, Bibliographie
sind von bekannter Güte. Leider begegnen
wieder einige Chauvinismen, von denen ich nur die Anzeige
des Buches von J. Schmitz und N. Nieuwland,
Documents pour servir ä l'histoire de l'invasion alle-
mande (1919/20) nenne; daß die Verfasser Kleriker sind,
kann die Besprechung dieses rein politischen Werkes in
einer kirchenhistoriscr.en Zeitschrift m. E. in keiner Weise
rechtfertigen.

Zürich. W. Köhler.

Fendt, Dr. theol. Leonhard: Gnostische Mysterien. Ein Beitrag
zur Geschichte des christlichen Gottesdienstes. München, Clir
Kaiser 1922. (89 S.) 8° Qz. 1,6.

In scharfsinnigen Untersuchungen nach der Art
P. G. Wetters (Altchr. Liturgien: das christl. Mysterium
1921) spürt F. den religionsgeschichtlichen und religionspsychologischen
Untergründen der zum Teil so
abstoßenden Eucharistiefeiern der Gnostiker nach und
sucht von ihnen her den Abendmahlsgedanken der kirchlichen
Christenheit beizukommen und Winke für die
Gegenwart zu gewinnen. Er behandelt unter diesen Gesichtspunkten
zuerst die am tiefsten im Primitiven
stecken gebliebenen Feiern der Phibioniten und der
Ophiten (Sperma- u. Schlangenfeiern), dann die Wasser-
Eucharistien der Marcioniten, Enkratiten, Ebionäer,
Aquarier, der von Cyprian in ep. 63 gerügten kirchlichen
Kreise, der Mandäer und der Pistis Sophia, die Charis-
Communionen der Markusleute und der Thomasakten,
endlich hellenistische Jesus-Mahle (die Gruft-Eucharistie
der Johannesakten, die Feier der Consummatio Joannis,
die Danksagungen bei Isidor und Ptolemäus, die Tanzfeier
der Johannesakten). Es sind zu einem großen
Teile Mahlfeiern vorchristlichen Ursprungs, die sich
erst im Laufe der Zeit ein christliches Gewand umlegten
. So ergeben sich überall Uebereinstimmungen