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Ausgabe:

1922

Spalte:

149

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Göttsberger, Joh.

Titel/Untertitel:

Biblische Zeitschrift. 15. Jg., 2. - 4. H 1922

Rezensent:

Windisch, Hans

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Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 7.

daß er die subjektiviftifche Betrachtungsweife auf dem Gebiete der
Religion und dem der Philofophie zur Geltung brachte, macht feine
hiftorifche Bedeutung aus (S. 304). Der Eigenart feines Werkes ent-
fprechend laßt fich auch feine Perfönlichkeit begreifen als eine Kreuzung
des religiöfen Typus mit dem philofophifchen, als innere
Verfchmelzung des frommen „Gottesfuchers" und des kritifchen „For-
fchers" (S. 309). Der Verfaffer, der den Schlüffel zur Gedankenwelt
Ghazälis durch Intuition gefunden hat, hat ihn in jedem Einzelprobleme
erprobt und überall feine Auffaffung durch die wichtigften Belege
gerechtfertigt, fodaß feine hochbedeutfame Thefe wiffenfehaftliche
Geltung beanfpruchen darf.

Berlin-Schlachtenfee. Hugo Greßmann.

Biblifche Zeitfehritt v. Güttsberger u. Sickenberger. Jährl.
4 Hefte. Freiburg, Herder & Co.

Auch über diefer Zeitfchrift hat die Ungunft der
Verhältniffe gewaltet; Heft I erfchien 1918, Heft 2 1919,
(Heft 3 ?) und Heft 4 erft 1921.

Da die zwei letzten Hefte erft im Januar 1922 in meine Hände
gelangt find, hat fich die Anzeige etwas verzögert.

Von altteftamentlichen Arbeiten fei folgendes
hervorgehoben: R. Eisler veröffentlichte (1918) einen Vorbericht
zu feinem I919 erfchienenen Werke über die
kenitifchen Weihinfchriffen der Hyksoszeit (p. 1—8, vgl. p.
2691.) — G. Gral erörtert die arabifche Pentateuch-
überfetzung in cod. Monac. arab. 234. (97—115;
193—212; 291—300) und weift nach, daß die Überfetzung
die oltfyrifch-neftorianifche Geftalt der Pefchittho zur Vorlage
hat. — F. Hommel gibt Bemerkungen: Zu Genefis
14 und insbefondere zu Ariokh von Ellafar (213—218). —
Endlich finden fich noch Textrekonltruktionen: 3. Kg.
8,12—13 von S. Miklik (p. 9—14); Pfalm 45 von B.Hennen
(116—121) und Pfalm 80 Gebet für das Volk Gottes von
F. Zorell (122—124).

Der umfangreichfte Beitrag zur neuteltamentlichen
Wiffenfchaftift: A. Bludau, Der Prolog des Pfeudo-Hiero-
nymus zu den katholifchen Briefen (15—34, 125—138).
Der Prolog ift bemerkenswert wegen feiner Verteidigung
des Comma Johanneum. Diefe Tendenz ift ein Hauptgrund
für die kritifche Annahme, die auch B. vertritt,
daß der hieronymianifche Charakter des Textes fingiert
fei. Als Verfaffer kann nach B. nicht Peregrinus-Bachiarius
in Betracht kommen; vielmehr ift der Urfprung des Prologs
in Lerinum und im 5. Jhdt. zu fuchen. Mir will
freilich nicht einleuchten, daß der ganze Prolog eine
(raffinierte) Fälfchung fein füllte; kann die Stelle über das
Comma Job., nicht eine fpanifche oder gallifche Interpolation
fein, fo daß ein echter Prolog des Hieronysmus
oder Eustachius zugrunde liege? — S. Vogels gibt ein
kritifches Referat über eine Neuausgabe des Codex Ver-
cellensis (p. 301—318) d. i. Codex Vercellensis iamdudum
ab Irico et Bianchino bis editus denuo cum manu-
scripto collatus in lucem profertur curante . . Aidano
Gasquet (Cardinal) 1914. Nach Aufweis einiger Unge-
nautgkeiten in diefer neuen Edition heißt es, daß die Hdfchr.
Abfchrift einer lateinifchen Vorlage ift. — St. Dillinger,
J0-5, 45—47 >n der Pentateuchfrage (p. 139—148, 219—224)
kommt zu dem Schluß, daß hier Mofes als Autor des
Pentateuchs gemeint und von Chriftus bezeugt ift. —
Endlich meint J.PIoh, Zur Herkunft der vier Evangelien-
fymbole (229—234), daß Irenaeus, der die Symbolik zu-
erft bezeugt, fie aus den Spekulationen der judenchrift-
üchen ,Presbyter' über die Merkabah gefchöpft habe.
J- Kunzes Schrift über die Übergabe der Evangelien
beim Taufunterricht 1909 ift hier nicht berückfichtigt.
,. Die bibliographifchen Notizen, die jetzt unentbehr-
'icher denn je geworden find, umfaffen die Jahre 1917—1920.
Leiden. H. Windifch.

nie Heilige Schrift des Alten Teltaments in Verbindung mit
andern überfetzt von E. Kautzfchf. Vierte, umgearbeitete
Auflage in Verbindung mit den früheren Mitarbeiten
u. Prof Eißfeldt in Berlin hrsgeg. v. Prof.
A. Bertholet. Vorausfichtlich 18—20 Lieferungen zu
6 Bogen Lex. 8°. Tübingen, J. C.B.Mohr 1921. jeM. 15 —

Das Ericheinen der 4. Auflage von Kautzfch's weitverbreiteter
Überfetzung des Alten Teftaments darf zu-
nächft als ein erfreuliches Zeichen dafür begrüßt werden
daß wieder Leben und Unternehmergeift in den deutfehen
Buchhandel gekommen find. Es war aber auch höchfte
Zeit! In den 10 Jahren, die zwifchen der 3. und 4. Auflage
liegen, ift rüftig am A. T. weitergearbeitet worden.
Diefen Ertrag galt es für die Neuauflage zu verwerten
und es darf auf Grund der 1. Lieferung gefagt werden'
daß fie allen Anforderungen, die billigerweife an ein
folches populärwiffenfehaftliches Unternehmen geftellt
werden können, voll entfpricht. Die elegante und fixe
Feder Bertholet's, der als Hauptherausgeber zeichnet, forgt
dafür, daß diesmal größere Einheitlichkeit in das Ganze
kommt und an den früheren Auflagen bemängelte gelegentliche
Steif heiten in der Überfetzung ausgebügelt find.

Die Überarbeitung der 4 erften Bücher des Hexa-
teuch ift Holzinger übertragen. Die Wahl ift äußerft
glücklich. Hat doch gerade Holzinger hervorragende
Verdienfte um die Hexateuchforfchung. Er forgt auch
dafür, daß die großen Fortfehritte, die wir dem vortrefflichen
Werke von R. Smend: Die Erzählung des Hexa-
teuch 1912 für die hebräifch-jüdifche Literaturgefchichte
verdanken, für die Durchficht der Genefis, der die erfte
Lieferung gewidmet ift, berückfichtigt find. Natürlich hat
Holz, außer feinem eignen Genefiskommentar auch den
Konkurrenzkommentar von Gunkel als Ratgeber herangezogen
. Die 1. Lieferung, mit Genefis 50 fchließend,
übertrifft den Vorgänger um 12 Seiten. Die Bearbeitung
erftreckt fich auf Überfetzung, Einleitungen und Anmerkungen
.

Es wird dem Fachmann nicht fchwer fallen, allerlei Ausftellungen
im einzelnen vorzubringen. Ich grei'e auf Geratewohl einige Stichproben
heraus. Gen. 4,1 könnte Budde's fehr plaufible überfetzung
,zum Mann habe ich den Jahwe erhalten' erwähnt, wenn nicht lieber in
den Text aufgenommen fein. Gen. 15,6 fehlt wieder der Hinweis, daß
LXX für Jahwe' 6 9eÖQ = ,Gott' bietet. Gen. 24,2 kann m. E. der Sinn
nur fein: Elieer fchwört bei feinem eignen Zeugungsglied — der Eid ift
eine Seibftverwünfehung, in diefem Fall alfo Eiiefers! Gen. 32,29 ift
wie in der 3. fo auch wieder in der 4. Auflage als Zeit Mernelta's 1320
angegeben — das dürfte um 100 Jahre zu früh zu lein. Gen. 49,10
halte ich auch für einen Einfchub. Holzinger veiweift mit Kautzfeh3
auf Hefekiel 21.32 als Vorbild. Ich glaube berechtigt zu fein, für meine
abweichende Begründung auf meinen Auffatz in der Budde Feftfchrift
1920, 29 hinzuweifen. So könnte ich noch Kapitel lür Kapitel fortfahren
. Doch ich ftehe nicht an, zum Schluß zu bemerken: Der Eindruck
des Ganzen ift äußerft günftig, und halten fich die folgenden Lieferungen
auf der gleichen Höhe, woran ich nicht zweifle — es handelt fich alfo
uicht um bloße Vorfchußlorbeeren — fo darf man Verlag, Herausgeber und
Mitarbeitern nur Glück wünfehen.

Heidelberg. Georg Beer.

Budde, Prof. D. Karl: Das Lied Mofes Deut. 32 erläut. u. überfetzt.
(50 S.) gr. 8». Tübingen, J. C. B. Mohr 1920. M. 4 —

In Auseinanderfetzung mit einer Anzahl neuerer Arbeiten über
das Lied enticheidet fich B. für die Entftehung am Ende des Exils,
für die Auffaffung als Theodizee mit tröftlichem Ausgang, alfo welent-
lich als Troftlied, und für die Einheitlichkeit des Textes gegenüber
Bearbeitungshypolhefen (S. 1 — 13). Er bietet dann eine Reihe exege-
tifcher und be onders textkritifcher Bemerkungen (S. 13—41), die in
jedem Falle — das bedarf einem Autor wie B. gegenüber kaum der
Erwähnung — anregend find und forgfältigfte Beachtung verdienen,
denen ich jedoch nur teilweife überzeugende Kraft zuerkennen kann;
insbelondere kann ich mir die Deutung des yrts v. 8 auf einen von
Jahwe verfchiedenen höchften Gott, gerade auch in Anbetracht des
Gefarnttenors des Liedes, nicht aneignen. Dagegen fcheint mir B. mit
feinen Schlußbemerkungen (S. 41—46; S. 47fr. folgt dann nur noch
eine Cberfetzung des Liedes) eine im ganzen glückliche Löfung eines
fchwierigen Redaktionsproblems gegeben zu haben. Das Nebeneinander
von Lied und Segen Mo'es erklärt er ähnlich wie das der beiden
Abfchiedsreden Jofuas (Jof. 23 u 24): ein (übrigens ziemlich fpäter)

j Rd erfetzte den aus E flammenden, aber in feinem Ton mit den Reden
Mo'es in K. 28— -o nicht harmonierenden Segen durch das Lied, das
freilich nicht für diefen Zweck gedichtet war, nachträglich aber ift der

1 Segen aus dem älteren Text doch wieder aufgenommen worden.
Breslau. Steuernagel.

Thilo, Priv.-Doz. Lic. Dr. Martin: Das Hohelied. Neu

überfetzt u. äfthetifch-fittlich beurteilt. (48 S.) 8°. Bonn,
A. Marcus u. E. Weber 1921. M. 9 —