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Ausgabe:

1922

Spalte:

109-110

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eckhof, A.

Titel/Untertitel:

De theologische Faculteit te Leiden in de 17 de ceuw 1922

Rezensent:

Köhler, Walther

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Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 5.

110

Bd. 61 der baltifchen Monatsfchrift bereits 1906 in Auslieht (teilte. Um
fo mehr, da in der Zeit, als der Coadjutor einrückte, dem fa(t neunzigjährigen
Ordensmeilter Plettenberg die Kraft zu nachhaltiger Gegenwirkung
dahinfehwand.

So lagen denn die Verhältniffe in Livland trotz aller
Bemühungen Plettenbergs fo, daß auf ein ungehemmtes
Wachfen der evangelifchen Bewegung feit Anfang der drei-
ßigerjahreim ganzen Lande Ausficht gewefen wäre, wenn geeignete
Männer in genügender Zahl fie vertreten hätten. Aber
da fehlte es. Begabte und begeifterte Verkündiger evangelifchen
Glaubens waren fpärlich, obwohl treue Prediger
in der Arbeit ftanden, — die jedoch nicht im Stande
waren, die Bewegung einheitlich zu fördern und die
Schwierigkeiten zumal in ihrer Pflege außerhalb der
Städte bei den .Undeutfchen' zu überwinden. Erft durch
die Vereinbarung der drei Städte in Lehre und Kultformen
, zu der Riga den Anftoß gab, ift fchließlich dem
baltifchen Proteftantismus eine Einhelligkeit auf der Wittenberger
Grundlage gefchaffen worden. In der Mitte der
dreißiger Jahre hat fichdiefe Einhelligkeitin Kurland, Livland
und Eftland durchgefetzt, und fo mag der Verfaffer, obwohl
ein geficherter Abfchluß der Bewegung erft in
der Zeit des Augsburger Religionsfriedens eintritt, feine
Darftellung der Einführung der Reformation fchon mit 1535
befchließen.

Ein kurzer Blick auf die Quellen wird fchließlich erwunfeht fein.
Zu den unentbehrlichen Sammelwerken wie den Akten der livländifchen
Ständetage (1907, 1910), der .Livländifchen Geiftlichkeit' von Arbufow
senior, den .Mitteilungen aus der livländ. Gefchichte' von 1837 ab in
21 Bänden, dem Bunge'fchen Urkundenbuch mit feinen Fortletzungen
bis 1914, dem Ifcharkert'lchen Urkundenbuch und den Sitzungsberichten
der Gefellfchaft für Gefchichte und Altertumskunde in Riga (1873—1914)
und den Revaler .Beiträgen' treten zahlreiche Monographien und die
Ergebniffe von Einzelunterfuchungen, zum Teil archivalifcher Art, wie
fie an Ort und Stelle (ich dem Fachmann bieten oder das Zentralarchiv
des Deutfchordens in Wien fie möglich machte. Daß ein gut Teil der
mehr gelegentlichen Informationen nur dem zugänglich war, der wie
unfer Verfaffer (ich an fo günftiger Stelle für die Beobachtung auch
des Entlegeneren befand, ift felbftverftändlich und tritt immer wieder
in den überaus forgfältigen Nachweifen hervor. Für die allgemeine
bibliographifche Orientierung leidet die f b(.rficht S. XIII—XIX guten
Dienft, Für diefe fowie für die beiden Regifter am Schluß wird der
Lefer noch befonderen Dank wiffen.

Königsberg. Benrath.

A. Eckhof: De theologifche Faculteit te Leiden in de I7de
ceuw. (VII, 506 S.) Utrecht, G. J. A. Ruys 1921.
Der holländifche Kirchenhiftoriker legt hier eine fehr
beachtliche Monographie zur Gefchichte feiner Fakultät
vor, und wer die ausgezeichneten Anmerkungen lieft,
begreift, daß es fleh um die ununterbrochene Arbeit von
heben Jahren handelt. Die äußere Anlage des Buches
ift .diefe: eine Einleitung von 112 Seiten gibt einen Überblick
über Inhalt und Bedeutung der Dokumente, die,
teils in lateinifcher, teils in holländifcher Sprache, den
Grundbeftandteil bilden. Die Materialfülle ift überra-
fchend und greift weit über Lokal- oder holländifche
Landesgelchichte hinaus; die Hochfchule in Leiden ift
in ihrer theologifchen Fakultät ein reformiertes Spruchkollegium
gewelen, deffen Urteile über alle den Calvinismus
bewegenden Fragen von den Calviniften der ganzen
Welt gefucht und geachtet wurden. Zum größten Teile
unbekannte Dokumente zieht Eekhof an's Licht, leider
ift von der Zeit vor der Dordrechter Synode nur ein
Aktenftück bekannt, alles Übrige verloren. Sachlich
wird m der Einleitung (die Texte felbft werden in chro-
nologifcher Folge geboten) gruppiert - nach einer kurzen
Einfuhrung in die Gefchichte der Gründung und
Entwicklung der Hochfchule unter Charakteriflerung der
Dozenten, von denen Rivetus, Heidanus, Coccejus,
Hoornbeeck genannt feien _• 1 die Fakultät und die
Geiftesftrömungen (Sozinianismus, Cartecianismus) 2. die
Rechte der Fakultät bei Anftellun°- und Ausbildung von
Prädikanten (fehr intereffante Nachrichten über die Entwicklung
der praktifchen Theologie) 3. Bücherzenfur 4
Verfchiedene Kontroverfen (Sabbatfrage) 5. Auswärtig'
Angelegenheiten (England, Zürich, Heften, Frankfurt a. 0

wo 1638 nur noch ein Dozent übrig geblieben war, den
Leiden unterftützte, die Unionsbeftrebungen des Joh. Du-
raeus) 6. Kirchliche Angelegenheiten 7. Ehegerichtsfachen
(Verwandtfchaftsgrade ete.; diefe Entfeheidungen dürften
für die Entwicklungsgefchichte der Konfiftorien von Bedeutung
fein.

Im einzelnen hole ich heraus: Nr. 3 Fürfprache fiir Wilh. Arne-
sius bei Jakob I von England, Nr. 11 Gutachten übe rdie Deutung
von Apoc. 12—20 auf den Winterkönig Friedrich V von der Pfalz
N. 18 über die Aufgabe des Theologieftudenten (an practica theologia'
a theoretioa disiungenda), Nr. 36 Urteil über ein Buch von W. Teel-
linsk, Nr. 43 Überletzung des Heidelberger Katechismus ins Spanifche,
Nr. 99 Kulturlnftorifcb.es über die Hochzeitsleier, Nr 112 Frage, ob
ein radkaler Abftinenzler am Abendmahl teilnehmen darf, Nr. 127
über A. Geulinx, Nr. 153 ff Nachrichten über Solingen. S. 264 Z. 1
bis Ziegenhainae.

Zürich. W. Köhler.

Schleiermacher als Menfch. Sein Werden und Wirken.
Familien- und Freundesbriefe 1783 bis 1804. In neuer
Form mit einer Einleitung und Anmerkungen hrsgeg.
v. Heinr. Meisner. Mit 3 Bildern. 1368 S.) gr. 8°!
Gotha, F. A. Perthes 1922. Geb. M.&6o—

M. läßt feiner in Th. L. Z. 1920 N. 9 befprochenen
Neuherausgabe von Schleiermacher's Briefwechfel mit
feiner Braut (1804—1809) jetzt einen zweiten Band, Familien
- und Freundesbriefe, folgen, der die Zeit vorher
umfaßt. Die Ausgabe Hellt in chronologifcher Reihenfolge
und unter Zugrundelegung der Originalniederfchrif-
ten refp. erften Abfchriften, fo weit fie vorhanden, die
wichtigften Briefe zufammen, die fleh in der Sammlung
von Jonas-Dilthey über den 1, 3. und 4. Band verteilen.
Dazu kommen noch eine Anzahl bisher ungedruckter
Briefe. Über die Jugendzeit Schleiermacher's in Niesky,
Barby und Halle geht der Herausgeber in der Wiedergabe
der Briefe fchnell hinweg. Fhnen tieferen Blick gewährt
er uns in den Briefen an v. Brinckmann aus Droffen
in die fkeptifche Gemütsverfaffung, die ihn damals be-
herrfchte. Aus den Briefen aus Schlobitten tritt uns die
frohe, heitere Stimmung diefer Periode entgegen. Die
Hauptmaffe der Sammlung bilden dann nach der Übergangszeit
in Droffen und Landsberg die Briefe aus Berlin
, gerichtet an die Männer und Frauen der Romantik,
vor allem aber an die geliebte Schwefter Charlotte in
Gnadenfrei. Aus der Einfamkeit feiner Predigerftelle in
Stolpe hält er die Verbindung mit dem Berliner Kreis
aufrecht und gewinnt neue Freunde zu den alten, bis zu
der Berufung in die Profeffur nach Halle, wo die vorliegende
Brieflämmlung abbricht. Es gibt gewiß gegenwärtig
keine beffere Fhnführung in die Werdezeit des
nachher fo hervorragend tätigen Mannes, als wenn man
fleh in diefe Briefe verfenkt. Der Herausgeber bezeichnet
mit Recht die vorliegende Sammlung als einen „teilweife
neuen, jedenfalls aber gereinigten Kommentar" für
diefe Lebensperiode (S. 5). Die Ausgabe ift für einen
weiteren Kreis beftimmt und deshalb verfehen mit einer
Einleitung, kurzen Erläuterungen zu den einzelnen Briefen
und einem außerordentlich genauen Regifter.

Die Neuausgabe macht die ältere Sammlung von Dilthey nicht
überllüffig, da fie nur Briefe von Schleiermacher enthält und diefe in
einer vom Herausgeber felbft getroffenen Auswahl. Zu bedauern ift,
daß nicht wenigftens der ganze ergreifende Briefwechfel zwifchen Vater
und Sohn aus der Barbyer Zeit abgedruckt ift, ebenfo der fcharfe
und wohl überlegte Brief des Hofpredigers Sack vom Jahre 1801. Wo
in einer folchen Weife zwei in fich felbft feftgegründete verfchiedene
Auffaffungsweifen, ja Weltanfchauungen miteinander ringen, muß auch
die andere Seite zu Gehör kommen. Die kurzen Erläuterungen zu den
Antworten Schleiermachers können die Lektüre der Briefe, die diefe
Antworten veranlaßt haben, nicht erfetzen. Ungern vermißt'man auch
den Brief an Reimer vom 30. April 1802 mit den wichtigen Äußerungen
über die Nachwirkungen feiner herrnhutifchen Erziehung. Die
Weglaffung hängt wohl mit der Unterfchätzung der herrnhutifchen
Nachwirkungen von Seiten des Herausgebers zufammen. Der Brief an
die Schwefter Charlotte vom 27. Dezember 1799, der bei Dilthey 2'|2
Seiten füllt, wird bei Meisner auf 29 Zeilen zufammengeftrichen, und
zwar fo, daß er unverftändlich wird. Die wichtigften Briefe an v.
_e j Brinckmann fehlen nicht, find aber fchon, fo weit ich fehe, alle in
0., ! einwandfreier Form bei Dilthey veröffentlicht. Eine Anzahl Briefe an