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Ausgabe:

1922 Nr. 5

Spalte:

101-103

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gabarrou, François

Titel/Untertitel:

Arnobe, son Oeuvre 1922

Rezensent:

Koch, Hugo

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ioi Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 5. 102

Döller, Prof. Dr. Jobannes: Das Weib im Alten TeCtament. (Bibl.
Zeittragen, 9. Folge, Heft 7/9.) (84 S.) 8". Münder i. W.,
AfchendoriT 1920. M. 3.30

Vf. behandelt die Stellung des Weibes zur Jahwereligion, das Weib
in und außer der Ehe (Eheformen; Wertung, Ablchluß und Lofung der
Ehe; Patriarchat und Matr.; Stellung der Mädchen und Witwen); das
Wirken des Weibes in und außer dem Haufe; Kleidung. Schmuck und
Körperpflege; Schilderung und Wertung des weibl. Gefchlechts. In rei
eher Belefenheit verwendet Vf. das exegetifche Material und die ethno-
logifche Forfchung, fetzt fleh mit de/ neueften Forfchung gründlich
auseinander und kommt nach reiflicher Erwägung zu beibnnenen Urteilen
, die nicht feiten von der Schulmeinung abweichen. Vielmännerei
fei bei den Hebräern nicht das Urtprüngliche gewefen, und das A. T.
ftimme mit den Überlieferungen vieler Völker überein, wenn es die
Monogamie als das Urfprünglicbe vorausfetze. Gen. 4,19 betrachtet Vf.
als gefchiebtlich auf Gen. 2,19—25 folgend und nimmt an, daß der
biblifche Erzähler Lamechs Doppelehe, das 1. gefchichliche Beifpiel
der Doppelehe, als Zeichen der Entartung der urfpr. Gottesordnung
fchildern wolle. Von Raubehe finde fich im A. T. keine Spur, das j
Levirat habe in gefchichtlichcr Zeit den Zweck der Erhaltung der Familie
; 13 in Dt 25,5 fei im eigentlichen Sinn (als „Sohn", nicht als
„Nachkommenfchaft") zu verliehen. In Dt 24,4 erklärt Vf. KW temini-
nifch (ftatt neutrifch; das Weib ift, wie ich das Gefetz, verliehe, für den
r. Mann unrein geworden, weil die I. Ehe im Grund immer noch gilt,
ein Beweis für die hohe Auffaffung der Ehe im A. T.). Überrede von
Ahnenkult feien im A. T. nicht fleher nachzuweifen; die Sehnfucht
nach einem Sohn wurzle fchwerlich im Ahnenkult, auch im heutigen
l'aläftina werde eine zahlreiche Familie hochgefchätzt, wo doch der
Ahnenkult keine Rolle fpiele (eine etwas eigenartige Begründung).
Wenn Verf. meint, in älterer Zeit habe es keinen Brautlland gegeben,
fo widerlegt er dies felbft durch das Zitat von Jcr 2,2, das doch wohl
auch ältere Verhältniffe widerlpiegelt. Für das Matriarchat findet er
mit Recht aus der gefchichtlichcn Zeit keinen beflmmten Beleg. Schulen
glaubt erauch für (lädtifche Verhältniffe erlt in fpäter Zeit annehmen zu fohlen
; ob aber nicht doch die Einrichtung höher hinaufreicht (vgl. Jes. 10,19
28,10 Jer. 5,51? Daßdas Weibim jüdifchen Kult in fpäterer Zeit eine gewiffe
Zurückweifung im Vergleich zu früher erfuhr, wird richtig fein. So
lieht Vf. in der Hauptfache und in Kinzelfragcn dem A. T. unbefangen
gegenüber. Ohne Zweifel habe die Frau bei den Jsraeliten eine
Stellung eingenommen wie bei wenigen alten Völkern: es gehe aber
zu weit, wenn man fage, fie habe eine Achtung genoffen wie bei keinem
andern Volk; bei den Ägyptern z. B. habe fle mindeflens eine
ebenfo hohe Stellung inne gehabt. Das treffliche Büchlein fchließt
mit einem Satz von der jungfräulichen Gottesmutter Maria, der wohl
der Gemeinde wegen hinzugelugt ift.

Tübingen. Volz.

Miller, Arth.: Ecclesia orans IV. Die l'ulmen l. r benetzt und
kurz erkl. I. Abt. das I. und 2. Buch d. Ffalmen. (Pf. 1—71).
Mit e. Einführg. i. d. Pfalmen. (4. Bdch.) 1. u. 2. Aufl (XII,
295 S.) kl. 8». Freiburg. Herder & Co. 1920.

M. 11.50; geb. M. 15 —
Das Bändchen enthält PI. 1 — 7' 172 , linksfeitig den Test der
Vulgata, rechtsfeitig die deutlche Überletzung des Vf., beide Texte
rhythmifch gedruckt. Die Überfetzung will unlerem deutfehen Sprachgefühl
möglichfl gerecht werden und fchließt lieh in Zweifelsfällen ftatt
an Vulg. bezw. LXX an den hebräilchen Urtext an. Das Verftändnis
der Lieder wird dadurch unterftützt, daß in jedem Pfalm ein einheitlicher
, klarer Gedankengang von Anfang bis zum Ende herausgearbeitet
wird. Diefem Zweck dienen auch die Überfchrift über dem Lied und
die Randüberichriften zu den einzelnen Ablchnitten des Lieds. Ganz
kurze Anmerkungen bieten eine gedrängte Inhaltsangabe und wenige
Erklärungen zu einzelnen Ichwierigen oder wichtigen Ausdrücken. In
der Einführung fpricht der Vf. über das Plälmbuch, das Pfalmenftudium
und das Pfalmenbeten; er berührt auch allerlei gegenwärtige Fragen,
z. B die Gattungen, Metrik und Rhythmik; er verlangt ein gründliches,
nüchternes Studium des Wortfinns, das die liturgifch-myftifche Anwendung
zunächft beifeiteläßt. und er betont, daß die Pfalmen trotz ihres
altteftamentlichen Charakters auch heute noch lur die chnftliche Kirche
wichtig find So will das Büchlein dem Gebrauch der katholifchen
Kirche und ihrer Liturgie mit Benutzung der w.lfenfchaltlichen Metho-

den dienlich fein.

»u Volz.
1 Uhingen.

Gabarrou, Dr. Frangois: Arnobe, son Oeuvre. (77 &) g«"- 8».

Paris, Ed. Champion 1921 trc- 5 —

Gabarrou, Dr. Frangois: Le latin d'Arnobe. (217 S.) gr. 8 .

Paris, Ed. Champion 1921. frc- 2~

1. Die an erfter Stelle genannte Schrift, eine Differ-
tation von Touloufe, behandelt unter A Leben und Cha- I
rakter des Arnobius, unter B feine Quellen, unter C fein
Werk adversus nationes. Diefe Einteilung ift nicht ftreng
logifch, da die Quellen doch offenbar /.um Werk gehören,
und auch fein Charakter fich nicht davon trennen läßt.
Neues wird man unter A nicht erwarten. G. zeichnet aber
die Eigenart des Arnobius nicht ubel auf dem Hintergrund
feiner afrikanifchen Heimat. Mit Recht bemerkt
er Seite 14, daß A. nicht feiten in feinen Gedankengängen
über das Ziel hinausfehießt und mit feiner Verwerfung
I jedes äußern Kults im Grunde auch den damals fchon
ziemlich entwickelten chriftlichen Gottesdienft trifft. Dagegen
täufcht er fich, wenn er meint, daß auch der Weih-
1 rauch damals fchon in der Kirche im Gebrauch gewefen
fei. Übrigens hätte hier auch die Stellung des A. zum
Bilderdienft Erwähnung verdient (vgl. meine Schrift „Die
altchriftliche Bilderfrage" 1917, 25 f.). Als Quellen werden
Clemens von Alexandrien, die Gnoftiker, Plato, Lucretius
und Cornelius Labeo in Betracht gezogen. Bei Clemens
und Lucrez ftand die Abhängigkeit des A. fchon bisher
außer Zweifel. Beftritten ift fie bei Cornelius Labeo.
G. bejaht fie im Anfchluß an Kettner. Zu Plato fteht A.
nicht allein durch Ciceros Vermittlung, fondern wahr-
I fcheinlich auch unmittelbar in Beziehung. Gnoftifchen
Einfluß aber verrät die Herleitung der menfehlichen
Seelen von einem untergöttlichen Demiurgen.

übrigens klingen manche Äußerungen auch an Marcioil an. So
kann A. nicht glauben, muscas scarabeos et eimices, nitedulas eucculiones
et tineas omnipotentis esse opus regis' (II, 47), da vom höchften Gott
nur hervorgehen könne ,quod sit omnibus salutare' (II, 55). Von Marcion
aber berichtfit Tertuilian: ,Marcionis deus nee unius lacertae deus'
(adv. Marc. IV, 24), ,deus Marcionis non habet scorpium' (IV, 26), und
Hieronymus läßt ihn lagen: ,ad quam enim utilitatem hominum serpentes,
scorpios. crocodilos et pulices eimicesque et culices pertinere' (v. Har-
nack, Marcion 1921, 9 ff.). Voll Verachtung und Ekel fpricht A.
vom menfehlichen Leib: ,cutes viscera pituita atque omnis illa pro-
luvies intestinorum sub involucris constituta' (IV 23), von der menfehlichen
Zeugung: ,foeditas iste coeundi' (IV, 19). Ganz wie Marcion:
.carnem stereolibus infersam' (Tert. adv. Marc. I, 29), .Marcionitae omnem
nativitatis et educationis l'oeditatem et ipsius etiam causis indignitatem,
quauta amaritudine possunt perorant.' (IV, 21) ,humoris et sanguinis
foeda coagula' (de carn. Chr. c. 4). Andere Stellen find Erinnerungen
aus Seneca. So heißt es II, 40 von der menfehlichen Habfucht:
,possessionum Semper producerent fines et quainvis provincias totas rus
facerent unum etc'. wie bei Seneca ep. qo, 39; .licet agros agris adiciat. ..
licet in provinciarum spatium rura duatet'. II, 66 lagt A. von der Entwicklung
der menfehlichen Kleidung: ,quod cortieibus contegi et ami-
ciri desierint pellibus, postquam vestis exeogitata est textilis', vgl. damit
Seneca ep. 90. 16: non pelles . . . a Irigore satis abundeque defendere
queunt? non cortieibus arborum pleraeque gentes tegunt corpora?' Auch
von feinem Landsmann Cyprian kennt A. nicht bloß die Schrift ad De-
metrianum. II, 41 heißt es; .interlicere se alios nullius ob meriti causam
sed in gratiam voluptatemque sessorum' (im Amphitheater), wie bei
Cypr. ad Donat. c. 7: ,homo occiditur in hominis voluptatem' (Sen. ep.
95,33: ,homo iam per lusum ac iocum occiditur'). Vgl. auch II, 64
(Rciflerfcheid 99,25ff,) mit Cypr. ad. Donat. c. 5 (Härtel 7,8ff), II, 77
(110, 2off.) mit Cypr. de mort. c. 22f. (bef. 3ii,2off). Wie man lieht,
ift alfo die Quellenfrage von G. keineswegs erfchöpfend behandelt.
Bemerken möchte ich noch, daß ich in einem fchon vor längerer Zeit
dem .Philologus' ubergebenen Auffatze es wahrfcheinlich machen zu
können glaube, daß A. II, 15 ff einen Seitenhieb gegen die ältefte Schrift
des Laktantius de opificio Dei führe, während diefer in De ira Dei
bzw. fchon in Inst. II, 17 den A. mit im Auge habe, daß alfo die
Schrift das A zwifeben die genannten Werke des Lakantius falle.

Unter C Bellt G. in kurzen Zügen die Art der Polemik
des A., feine Pfychologie und Metaphyfik, feine
Religion, feine philofophifche Bedeutung dar. Auch hier
begegnen kaum irgendwo neue Gefichtspunkte.

2. Dankenswerter ift die zweite, größere Arbeit über
die Sprache des A., fchon aus dem Grunde, weil wir, wie
G. Krüger kürzlich in diefer Ztg. (1921, 256) mit Recht
bemerkte, fprachliche Unterfuchungen zu fpätlateinifchen
Schriftftellern — und zu diefen darf in gewiffem Sinne
auch A. fchon gerechnet werden — nicht im Überfluß
befitzen. Allerdings haben bereits Stange (1893), und
Scharnagl 1894 u. 1895) und, was G. merkwurdigerweife
entgangen ift, vor kurzem C. Brakman in feinen ,Arno-
biana' (Lugdunei Batavorum 1917) fprachliche Beobachtungen
zu A. geliefert. Aber G. übertrifft feine Vorgänger an
Umf ang und Ausführlichkeit. Er behandelt unter A den
, Wortfehatz (die Bildung von Haupt-, Eigenfchafts-, Um-
ftands- und Zeitwörtern, Fremdwörter, Bedeutungswechfel),
unter B die Abwandlung (der Hauptwörter und der Zeitwörter
), unter C die Wortfügung (Zahl, Fall, Vorwörter
ufw.) unter D den Stil Natürlich berückfichtigt er auch
die Vorgänger des A„ namentlich feine Landsleute Apu-
leius, Tertuilian und Cyprian, und verwertet die vorhandenen