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Ausgabe:

1922 Nr. 3

Spalte:

51

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nicholson, R. A.

Titel/Untertitel:

Studies in Islamic Mysticism 1922

Rezensent:

Goldziher, Ignác

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ci Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 3. 52

med- und Islamliteratur wird über Mohammed's Perfön-
lichkeit und Charakter (S. 1—22), fodann über leine Re-
ligionsftiftung (S. 23—33) abgehandelt, wobei auch die dem
Volksglauben anhaftenden parafitifchen Auswüchfe be-
rückfichtigt werden. Daß der Islam den .Aberglauben ...
offiziell adoptiert und sanktioniert hat' (S. 28,6)
ift eine Behauptung, deren in diefer generalifierenden Form
gefchehende Darftellung ohne Schwierigkeit widerlegt werden
könnte (vgl. mein .Richtungen der islamifchen Koranauslegung
' S. 137 fit).

Noch einige Bemerkungen zu Einzelheiten: S. 5,1g v. u. ift die
Identifizierung des Freitagsritus mit dem täglichen Mittagsgottesdienft
zu beanftanden. Jener, der in feinem Formelwefen vom Salät allzufehr
verfchieden ift (dort 2, hier 4 obligate rak'ah's) kann nicht in der beliebigen
Mofchee jedes Ortes abgehalten werden. — Ebend. Z. 9. v.
u. ift laut Koran Sure 3 v. 91 hinzuzufügen: ,infofern ihm dies feine
Verhältniffe ermöglichen'. — S. 23 Anm. 3 Der Imam ift im Sinne
der Schieten nicht eben ,liturgifcher Vorfteher'. Ein Druckfehler fon-
derbarer Art ift S. 26,15 flDn alias = Senulfi' für Ibn 'Ali as-Senusi.
— Das Epithet, das S. 19 Anm. 3 einer Bemerkung des größten Mei-
fters diefer Wiffenfchaft beigegeben wird, werden Wenige .gefchmack-
voll' linden.

Budapeft. fl. Goldziher.

Nicholson, R. A.: Studies in Islamic Mysticism. (XIII,
282 S.) 8°. Cambridge, University Press. 1921. sh. 24 —
Der Verf., der fich in zahlreichen Werken als einer
der berufenden Interpreten der islamifchen Myftik er-
wiefen hat (vgl. diefe Zfchr. Jahrg. 1914 Sp. 418), bietet
uns hier ein die Kenntnis derfelben vertiefendes Werk, das
uns in die Gedankengänge hervorragender Myftiker des Islams
auf Grund ihrer Schriften in monographifcher Weife
einführt und je die befondere Art ihrer auf verfchiedene
Gefichtspunkte gerichtete Spekulation darftellt. Die ftau-
nenswerte Schaffenskraft des Verf.'s läßt dies Buch unmittelbar
auf dem Fuße folgen einem im felben Jahre
vorangegangenen Band ,S tu dies in Islamic Poetry',
(XII u. 300 S.) in welchem er hauptfächlich eine reich
dokumentierte Charakteriftik der religiöfen und fozialen
Weltanfchauung des fo manches Problem bietenden ara-
bifchen Denkers Abu-l-'Alä al-Ma'arrl unternimmt. Das
vorliegende Werk ift ausfchließlich den von arabifchen und
— wenn auch arabifch fchreibenden — perfifchen Mystikern
(bemerkenswert die pfychologifch vergleichende
Herausfteilung der Verfchiedenheit der beiden Schichten

voneinander, S. 163) ausgedachten Syftemen gewidmet.

, ,u j ,c «41 « r 1 buw. i_ ai c '-1 1 Schweren rabbinifchen Strafen' wegen judifchen Ver-

Zunachft wird (S. i—76) die myftiichc Richtung des Abu Said I 1 , _■. xt: lühji j 1 j r • t

b. Abi-l-Cheyr (967-1049), des erften Begründers des fuhfchen Klofter- kehrs mit Nichtjudinnen redet, und wenn er, der fo viel

eine in die Kenntnis der islamifchen Myftik tief einfchnei-
dende Leiftung gerühmt werden.

Budapeft. fl. Goldziher.

Fiebig, Paul: Juden und Nichtjuden. Erläuterungen zu
Th. Fritfchs .Handbuch d. Judenfrage' (28. Auflage)
(VIII, 100 S.) 8°. Leipzig, Dörffling & Franke 1921.

M. 15-

F. will ,der Gerechtigkeit, wiffenfchaftlichem Verftänd-
nis, echt deutfcher Gründlichkeit dienen, niemand zu
Liebe und niemand zu Leide'. In Wahrheit ift feine Schrift
eine (mit weiteftgehender Hilfe feines Lehrers Kahan verfaßte
) genau fo einfeitige und bedingungslofe, alfo nicht
rein wilfenfchaftliche Apologie rabbinifcher Lehren und
Anfchauungen, wie das von ihm allenthalben bekämpfte
(nicht .erläuterte') .Handbuch der Judenfrage' des Laien
Fntfcheinfeitigantirabbinifch ift. Nicht .gerecht', gefchweige
denn wiffenfchaftlich ift es von vornherein, Fr., der fich
als Laien bekennt, wie einen Gelehrten zu behandeln, von
ihm .Wiffenfchaft', Textnachprüfung ufw. zu verlangen. —
,Zu Leide' fchreibt F. bewußt, wenn er (S. 79) einen fa-
loppen Ausdruck feines Laiengegners .abfichtliche Fäl-
fchung' nennt und über den f Prof. Ecker eine ihm (F.)
längft widerlegte üble Nachrede verbreitet (S. 96). —
,Zu Liebe' geichrieben und nicht wiffenfchaftlich unpar-
teiifch nenne ich es, wenn F., der in chriftlichen Dingen
fehr radikalkritifch fein kann (vgl. S. 100 und fein Jefu
Blut'), felbft bedenklichfte Talmud- und Schulchan-aruch-
Stellen mit oft gewagter Apologie zu retten beftrebt ift,
indem er fie (Kahan und D. Hoffmann nachahmend) für
praktifch unwirkfame, ,rein juriftifche' Theorie ausgibt,
obwohl doch zumal der Schulchan-aruch (vgl. Karo's Vorrede
) ein ausgefprochen praktilches Handbuch oder (wie
F. felbft fagt) ,ein bequemes Hilfsmittel für die Rechts-
befcheide' der Rabbiner über praktifche Fälle, ,alfo eine
Art Efelsbrücke' fein folll — Zu diefer Art Apologetik
gehören auch befchönigende Überfetzungen. — Nicht
,echt deutfche Gründlichkeit' ift es, über drei Vierteljahre
nach Ericheinen der 5. Auflage von Stracks .Einleitung'
durchweg die 4. zu zitieren und dafelbft etwas zu ver-
miffen, was in der 5. flieht! Ebenfo, wenn Marx-Dalmans
wichtige jüdifche Fremdengefetze' totgefchwiegen werden,
obgleich fie F. im Leipziger Institutum Judaicum ficher
zur Hand hat. Ferner, wenn F. wahrheitswidrig von

wefcns (S. 76) dargeftellt mit ihrem pantheiftifchen, anti-fcholaftifchen und
antinomiftilchen (u. a. Negation der Verpflichtung zur rituellen Pilgerfahrt
iS. 62) Tendenzen. — Ein zweiter, wohl der fehwerwiegendfte
Abfchnitt (S. 77—148), führt in die komplizierte Theorie vom insän
kämil (vollkommener Menfch) ein, wie fie, die Ideen des Ibn al-Arabi
weiterführend, von Abd al- Karim al-Dfchili (1365-Zwilchen 1406 und
17) in einem eigenen Buch entwickelt wird. Der i. k. fei ein lieh im
Menfchen darfteilender Mikrokosmos höherer Art, der nicht nur die Kräfte
der Natur, fondem im Maße der feelifchen Einverleibung der göttlichen
Namen, Attribute und des göttlichen Wiffens, auch die göttlichen
Kräfte wie in einem Spiegel reflektiert, während die übrigen Menfchen
dielelben nur als .Kopie' befitzen. Die gründliche Analyfe des Buches
begleiten Auszüge aus einem die Theorie desfelben in poetilcher Form
darftellenden gedehnten Gedicht des 'Abd al-Karim ('ajnijja), bei welchem
es uns nicht entgehen kann, daß er fich offen als Antinomiften
bekennt (S. 147,5 v- '4^,4). — Ein dritter Abfchnitt (S. 162-266) be-
fchäftigt fich mit den fünfchen Oden des .Sultans der Gottliebenden'
Omar b. al - Färid (1181 — 1235) und der Darfteilung der Myftik
diefes arabifchen Sufi, über die unlängft auch der römifche Proleffor
C.Nallino mit vonNichollön rühmlich anerkannlen(Preface VII)Ergebnis
gehandelt hat. — Auch der .größte Schejch' Muhje al-din ibn al-
'Arabi geht im Buche N.'s nicht leer ans. S. 149—161 werden zu dem
Zweck, das Maß der Abhängigkeit 'Abdal Karims von ihm nachzu-
weifen, die betreffenden Auseinanderfetzungen in den .Ringfteinen der
weifen Belehrungen' erläutert.

Nicht mag unerwähnt bleiben, daß N. in überaus
förderlicher Weife Parallelen und Anknüpfungen an ok-
zidentalifche Myftik (einmal fogar an Lucratius 1910
heranzieht, und dadurch die Beleuchtung feines fpeziellen
Gegenftandes durch die allgemeinen Erfcheinungen diefes
Gebietes gewinnt. Dies Werk Nicholfons kann als

Überfluffiges Überfetzende, bei der bedenklichen Maimo-
nidesftelle Hilchoth melachim II. 2f. das Überfetzen
und fogar die Stellenangabe vergißt und den böfen Inhalt
obendrein befchönigend falfch widergibt! Ufw.

Wie unbedenklich der bedingungslofe Apologet F. ift, zeigt S. 10,
wo er Laibles abwegigen Parallel-Hinweis auf Solons Nichtbeftrafung
des Vatermordes als .treffend' bezeichnet. Solon hält ein lolches Verbrechen
tür unmöglich; im Talmud wird aber die Schändung von Nicht-
jüdinnen gerade als möglich vorausgefetzt und nach F.'s eigener Anficht
Jchwcr beftraft'!

Die heutigen Juriften, denen F. fein Buch wiederholt
aufdringlich empfiehlt, dürften bei einigem Scharffinn feine
unwiffenfehaftliche Einfeitigkeit merken, die auch im Ver-
fchweigen nicht gering ift, und aus Fiebig-KahansÜberf. und
Deutungen oft ganz andere Schlüffe ziehen, als F. möchte.
Unbefangene andre Lefer auchl

Leipzig. Erich Bifchoff.

Lucas, Rabb. Dr. Leop : Mitteilungen auf Grund neuer Forrchgn. über
d. Religionen. (22 S.) gr. 8». Berlin, ,Die Theten' 1920.

Etwa M. 3 —

Soweit ich die unzufammenhängenden Andeutungen der kurzen
Schrift verftanden habe, handelt es fich dem Verf. um eine Apologie
des orthodoxen Judentums. Der Widerftreit zwilchen at. Überlieferung
und mod. Gefchichtsforl'chung wird auf Mängel in deren Methode und
unzuläffige Grundprinzipien zurückgeführt; dagegen wird nun allerdings
die nt. Überlieferung über die Beteiligung der Juden am Tode Jefu mit
Hilfe angeblicher Gefcbichtsforfchungen für bloße Behauptung erklärt.
Am wichtigften ift wohl die 4. Thefe von der Auserwähltheit lfratls,
die aufs nachdrücklichfte darauf hinweift, daß Exiftenz und Gelchichle