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Ausgabe:

1922 Nr. 26

Spalte:

573

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Guckenheimer, Ed.

Titel/Untertitel:

Der Begriff der ehrlosen Gesinnung im Strafrecht. Ein Beitrag zur strafrechtlichen Beurteilung politischer Verbrecher 1922

Rezensent:

Jordan, Bruno

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573

Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 26.

574

Eine rechtsphilofophifche Untcrfuchung über Hegriff und Wefen Feder Th. Uaeckers fo manches Gute über K. veröffentlicht hat, nun

des Eigentums vom Standpunkt der kadiolifchen Wiffenfchaft. Die diefe unzulängliche Schrift auf den Markt bringt.
Ideenwelt des Alten und Neuen Teffaments, der Patriftik, des Thomas Göttingen. Piper,
von Aquino und des Papftes Leo XIII wird in ausgezeichneter Weife

klargelegt und der Nachweis erbracht daß mft dreier die Gedanken des Hupfeld. Priv. Doz. Renatus: Graf Hermann KeyferlinQ. Ein Vor-

Sozialismus und Kommunismus über das Eigentum unvereinbar find. trag (4g gr g0_ Bonlli Friedrich Cohen 1022

Erlangen. £- Schling. Der _ in erfter Linie für Studenten beftiinmte — Vortrag gibt

- i einen klaren Überblick über K.s Gedankenwelt im Anfchluß an das

Guckenheimer, Dt, Ed.: Der Begriff der ehrlofen Gerinnung im Reifetagebuch eines Philofophen, fowie eine Einführung in das Wefen

Strafrecht. FÜn Beitrag zur ftrafiechtlichen Beurteilung politifcher der Schule der Weisheit zu Darmftadt. Da K.s Werk auf das InnerVerbrecher
. I (Hamburgifche Schriften zur gefamten Strafrechts-
wiffenfehaft. Abhandl. aus dem Seminar für Strafrecht u. Kriminalpolitik
an der Hamburgifchen Univerfität.) (112 S.J 8" Hamburg,
W. Gcnte 1921. Gz. 0,5.

Die kleine Schrift ift auch für den Theologen und Philo'ophen
von Intereffe. Sie fucht auf Grund theoretifcher Erwägungen und einer
Prüfung der Praxis zu erweifen, daß die ethifche Qualität der Gefinnung
des Verbrechers ungeeignet fei als gefetzliches Kriterium für die Wahl
der Strafart, wohl aber bei der Slrafdauer bei allen Delikten berück-
fichtigt werden muß. Als endogenes Moment fei lie neben den fozio-
logifchen Faktoren von befonderer Bedeutung. Feftungshaft u. a. wird
abgelehnt und die Befeitigung der enlehrenden Nebenfolgen der Zucht-
hausftrale gefordert, An fich anerkennenswerte ethifche Wärme verführt

den Verfaffer, wie mir fcheint, gelegentlich und auch wohl im ganzen j ii|«i.-___|i t, r vi t? u/:„ „____.... j__' j

zur Erweichung der de lege ferenda aufzuftellenden Forderungen. Ein Niebergall, Prof. D. P. Wie predigen Wir dem modernen

liehe und Wcfentliche gerichtet fei, könne es mit dazu helfen, den Sinn
für wahre Kultur zu pflegen. Aber die Kritik müffe fich entfehieden
gegen feine Auffaffung vom Wefen des Sittlichen und feine Beurteilung
der Religion wenden. K. fehe in der Selbflverwirklichung des Ich
das oberfte Ziel des Lebens. So fei er nicht in der Lage, die Religion
als Selbftzweck zu werten; und in der Moral werde die aktive opferbereite
Nächftenliebe zurückgefetzt zugunsten einer übertriebenen Be-
fchäftigung mit dem eigenen Ich. Es entgeht FL, daß gerade K. das
Letzte nicht in irgendeiner — immer relativen — menfchlichen Haltung
fucht, fondern — das iß; der Sinn der ,,Weisheit" — in dem transzendenten
Gehalte der Wirklichkeit,

Güttingen. Piper.

zur Erweichung der de lege ferenda aufzuftellenden Forderungen.
Urteil freilich über das rein Juriftifche fleht dem Laien nicht zu.
Bremen. Bruno Jordan.

Barth, Paul: Die Stoa. 3. u. 4 wiederum durchgefehene Aufl. (Frommanns
Klaffiker d. Philofophie XVI.) (294 S.) 8«. Stuttgart,
Fr. Frommann 1922. Gz. 3; geb. 4.

Die neue Autlage bietet der zweiten gegenüber keine bedeutenden
Änderungen. Sie läßt wie die früheren die Stoa aus ihrem gefchicht-
lichen Hintergrunde heraustreten und Hellt ihre innere Gefchichte
und ihre Lehre an fich und im Verhältnis zu andern Schulen und zur
pofitiven Wiffenfchaft dar. Ihr eigentümlicher Vorzug beruht in dem
letzten Abfchnitt, der die Nachwirkung der Sloa durch das Altertum
und Mittelalter hindurch bis in die Neuzeit hinein in großen Zügen
verfolgt und die große Bedeutung des ftoifchcn Denkens für diefe
Perioden in helles Licht fetzt. Die erläuternden Anmerkungen haben
manche Zufätze erfahren. Vermiffen wird man ein Sachverzeichnis.
Ohne dem großen Wert des Buches Abbruch tun zu wollen, fcheint
es mir doch allmählich an der Zeit zu fein, auf eine von Bemerkungen
über die Entwicklung durchbrochene Gefamtdarflellung der Stoa zu
verzichten und fich dem Verbuche zuzuwenden, die einzelnen Phafen
ihrer Entwicklung herauszuarbeiten.

Königsberg i. Pr. Goedeckemeyer.

Schlegel, Dr. med. 1:.: Paracelfus in feiner Bedeutung für untere Zeit.

Heilkunde, Forfchungsprinzipien, Religion, Der zehnte Huferband.
2., verm. Aull. (160 S.) 8Ü. Tübingen, Heckenhauerfche Buchhdl.
1922.

Der Verfaffer, der Arzt ift, behandelt vom Standpunkt des überzeugten
Homöopathen verfchiedene Kapitel zur Paracelfusfrage: das Prinzip
feiner Therapie, feine Anflehten über den pfychosomatifchen Betrieb und
die Relativität des Kleinen, Erkenntnistheoretifches, Heilkunde und Religion
, Aftrologifches, die Lehre von den Gafen (die Ableitung des
Wortes Gas von Ghaos behandelte ich fchon im III. Bd. meines Paracelfus
1904 S. 161 und in meiner Monographie über Jon. Bapt. van
Hclmont 1907) u. a. Die Schrift enthält trotz ihrer einfeitigen Richtung
und ihrer manchmal etwas formlofen Gedankengliedcrung, die übrigens
auch durch die vielen Akzente und Unterftreichungen nicht gewinnt,
Intereffantes und macht uns auch in der IL Aufl. fühlbar, daß fie aus
dem inneren Bemühen entftanden ift, fich der merkwürdigen und fchwer

erfchließbaren Perfönlichkeit btaAta g,I '^d mit Mt^t<b^gdti*~'VbeAW Wohltuend b7-
V^rfnrh ihn iininir wieder dem Okkultismus naue/uDi ingen, muri ich 1 . . . .. .... t»____ ... .. . ___

Menfchen? Dritter Teil: Predigten, Andachten, Reden,
Vorträge. (VIII, 220 S.) gr. 8°. Tübingen, J. C. B. Mohr
1921. Gz. 4; geb. 7.

Diefer Band bildet den würdigen Abfchlub1 des außerordentlich
wirksamen und in mancher Hinficht bahnbrechenden
Werkes, zugleich die praktifche Probe. Es bietet
30 Predigten, 25 Andachten, 4 Reden und zwei Vorträge,
— nicht als Munter zur Erbauung oder zur Nachahmung,
fondern als Vorlagen zum Studium, — wobei freilich
weder Erbauung noch Nachahmung ausgefchloffen zu fein
braucht. Man lefe aber zuerft das Nachwort, das die 4
verfchiedenen Arten der praktifchen Verkündigung genauer
charakterinert und reich an guten und anregenden
Gedanken ift, aber den Namen ,Andachten' und ,Reden'
in etwas ungewöhnlichem Sinn einfehränkt, auch zuweilen
übertreibende Urteile fällt.

Was in ihrer Weife AI. Bitzius, O. P'uncke und Benz
leiften, das vertritt Niebergall, aber bewußt, planvoll,
grundfätzlich und in pfychologifch begründetem und ein-
geftelltem Vorgehn. Er verlieht es, feine Hörer und Leier
in lebendige geiftige Zwiefprache hineinzuziehen und,
lolange und foweit fie ihm zu folgen fähig find, zu überzeugen
und fünft zu gewinnen. Er übt pfychologifche
Maffage und fördert die religiöfe Blutzirkulation. Er greift
ins volle Menfchenleben, in die Wirklichkeit, in die Gegenwart
hinein, ohne irgendwelche Rückficht auf Überlieferung
und Schablone. Sein Stoff ift von ungeahnter Vielfeitigkeit
und Fülle. Die Wahl der Gegenftände, die Aufftellung
der Themata, die Geftaltung der Leitfätze, die Anwendung
der Bilder ift faft überall gefchickt, anregend, glücklich.
Die Beobachtungsgabe ift hervorragend, das Combinations-
vermögen glänzend, das Urteil gefund, die Einftellung
fachgemäß. Seelenkundliche Entwicklung und Behandlung

Vernich, ihn immer wieder dem Okkultismus nahezubringen, muß ich .

ablehnen. Näheres darüber enthält mein kürzlich erfchienener Auffatz: j rührt uberall die rellgiofe Warme und die filtliche Klarheit
Der echte und legendarifche Paracelfus (Das literarifche Echo. Berlin, j und P'eftigkeit. Trotz aller Schlichtheit fchreibt und fpi icllt

24. Jahrg. Heft 11 vom 1. März 1922). N. aber nicht ganz einfach, fondern am meiften für die

Wien. Eranz Strunz.^ mehrfach genannten .feineren Geifter.' Er fucht feine

Originalität zu wahren. Er liebt es, nicht blos die Pa-

Dallago, Carlt Der Christ Kierkegaards (1914). (84 S.) 8". Innsbruck
, Brenner-Verl. 1922. G*« '>2.
Der Verf. hat ein paar Schriften von Kiarkcgaard gelefen, und
er fühlt fich durch fie genötigt, fich noch einmal mit dem Chriften-
tume, das er fchon hinter fich zu haben glaubte, auseinander zu fetzen.
Das Ergebnis ift die für den Kierkegaardkenner überrafchende Feft-
ftellung, daß der „reine Menfch" Laotses und der Chrift Kierkegaards
identilch feien. Denn das Siindenbewußtfein, das ja bei K. fo eine
entfeheidende Rolle Ipielt — was auch D. nicht entgangen ift — fei

radoxien des Evangeliums aufzudecken, fondern felbft
Paradoxien zu bilden und zu bieten, zuweilen auch überrafchende
Einfälle. Die unmittelbare Kraft und Kürze
derber Volkstümlichkeit ift nicht fein Charisma, wohl aber
die Umficht gründlicher Überlegung und fachlicher Dar-
ftellung in zugleich bildlicher und reflektierender Form.
Es wird keiner, der fich in (liefen Band vertieft, ohne Er-

nur ein Reft „Kirchenchriftentum". Man kann nicht fagen, was den i bäuuilg, Belehrung, Anregung und Freudigkeit bleiben.

Verf. mehr am Vcriländnis k.s gehindert bat': feint-katholifche Jugend, Dringend zu wünfehen ift aber ein gründliches und mehr-

feln Haß gegen dieArchen,Wae *^W**1^toate(^tWf- fach es Studium und ein Vergleich mit den beiden erften

halte Verarbeitung des Gelefenen. Jedenfalls muß man (einteilen, dal! _ ,__, ... . & . c ,. . , .

er alles Wefentliche an K. mißverftanden hat: Die Bedeutung der Re- Banden des Werkes. Für folch tin Studium empfehle

llexion als Wefenshaltung, das Ärgernis als Ausdruck des Glaubens, ich U. a. die Beantwortung folgender Prägen:

das F.ingcftändnis der Schwäche des Menfchen aus Glauben an den j Worin beliebt das Volkstümliche der einzelnen Predigten oder

Menfchen. Man kann nur bedauern, daß der Brcnnerverlag, der aus der Abfchnitte'r Welche eignen fich befonders und welche nicht für eine