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Ausgabe:

1922 Nr. 20

Spalte:

424

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Beer, Georg

Titel/Untertitel:

Steinverehrung bei den Israeliten 1922

Rezensent:

Gressmann, Hugo

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Seite 1

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423

Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 20.

424

Weife offenbarte: als Verfchuldung und Entfühnung nämlich
, als Opfer und Wiedergeburt, als Schöpfung und
Erlöfung. „Entweder in diefen Tatverrungenheiten oder
nirgends fonft ift die religiöfe Leiftung gottlofer Religio-
fität zu fachen."

Vielleicht, daß gerade die Unklarheit, in der das Referat in mancher
Hinficht den Lefer laffen muß, manchem ein Anreiz wird, zu
Ziegler felbft zu greifen. Er lernt in diefem eine Intelligenz kennen,
die des Gekanntfeins wert ift, ob ihr Name auch in Degeners „Wer ift's?"
bislang fo wenig zu finden war wie der Name Spengler. An diefen
erinnert er durch fein alle Gebiete durchftreifendes Wiffen. So ftrenge
Denkarbeit er dem Lefer in feinem Buche zumutet, ift die Lektüre
doch zugleich das Genießen eines literarifchen Kunftwerks. Möglich
freilich, daß manchem die oft fehr turbulente Diktion zu luxuriant ift,
und über Hörende Maniriertheiten wird jeder wegzufehen haben. Den
Eindruck, ein frivoles Buch gelefen zu haben, wird niemand haben.
Gott ift tot. Aber: de mortuis nil nisi bene! Wenn er gehen kann,
der Mohr Gott, fo darum, weil er wirklich doch feine Schuldigkeit getan
. Aufmerkfam gemacht fei befonders auf S. 209t., wo Z. es als die
entfeheidende Frage des gefilmten Chriftentums bezeichnet: ob diefes
Chriftentum wefentlich der von Paulus vergefchichtlichte und vereinma-
ligte Mythos vom Sühne-, Mittler- und Erlöfergott fei mit dem Chriftus
als dem eigentlichen Gegenftande der Anbetung und Verehrung, der
fich hier nur noch durch die apoftolifche Halbheit und Unentfchieden-
heit mit dem gnoftifch verworfenen Schöpfergott in die göttlichen
Ehren teile —, oder ob diefes Chriftentum nicht eher in einem ganz
neuartigen religiöfen Verhalten beftehe, davon der fynoptifche Heiland
der Welt ein erftes Beifpiel zu dauernder Nacheiferung gegeben habe.
Trifft erfteres zu, dann bleibt die abendländifche Religiofität unter der
Führung des Paulinismus die erkennbare Fortbildung antiker, vorwiegend
weftafiatifcher Myfterien, von ihnen unterfchieden nur eigentlich
durch die befondere Perfon des Gottes. Trifft letzteres zu, dann bringt
das nachpaulinifche Evangelium, wenigftens was Jcfus felbft angeht,
eine neue Betätigung der menfehlichen Frömmigkeit, wofern ftatt der
Geftalt des kultifch verehrten Du die Geftalt des kultifch verehrenden
Ich über den fchöpferifchen Wert der Religiofität entfeheidet. — Zuletzt
noch eine Bagatelle. t"c, sVoc S. 158 wird ja wohl bloßer Druckfehler
fein, wie auch das tpoe, das man einmal ftatt Ipmc lieft, fich
fo erklärt. Nicht recht aber weiß ich, was ich denken foll zu „una
substantia inmultisperfonis, /uta oiaia stc nöXXeic vnoozäGetg".
Das fleht fo auch fchon in der erften Ausgabe, müßte alfo wieder und
wieder überleben worden fein.

Leipzig. Hans Haas.

Weber, Otto: Die Kunft der Hethiter. (Orbis pictus, Welt-
kunft-Bücherei. Herausg. von Paul Weftheim Bd. 9)
(19 S. Text u. 48 S. Abb.) 8°. Berlin, E. Wasmuth.

Die Hethiter, die ja auch im alten Teftament fo oft
erwähnt werden, haben wir in den letzten Jahren als ein
bedeutendes Kulturvolk kennen gelernt, das zeitweife mit
den großen Reichen am Euphrat und Nil erfolgreich wetteiferte
. So war es denn eine gute Idee von Weber, [
auch die Kunft diefes Volkes einem weiteren Leferkreis
darzuftellen. Sein Büchlein befteht aus einer 12 Seiten |
langen Einleitung, einem Verzeichnis der Abbildungen und !
48 Seiten Reproduktionen hethitifcher Altertümer, enthaltend
Götter- und Menfchendarftellungen, religiöfe Typen,
mythologifcheSzenen, Bildniffe von Königen und ihrem Hof-
ftaat, von Munkanten, Jagden und Tieren, Architekturbilder
, Keramiken und Abrollungen von Siegelzylindern.

Da das Heft gewiß vielfach auch in die Hände von
Nichtfachleuten kommen foll und wird, wäre möglichfte
Klarheit und Zuverläffigkeit in der Darfteilung und Auswahl
des Materials am Platze gewefen; aber diefen felbft-
verßändlichen Anforderungen genügt das Büchlein leider
nicht: In die hiftorifchen Darlegungen haben fich mehrfach
Fehler und unbewiefene Hyothefen eingefchlichen,
bei der Erklärung der Kunftwerke ift alles in einen Topf
geworfen (vgl. S. 7) und nicht einmal der Verfuch gemacht
, eine Scheidung nach den verfchiedenen Orten und
Perioden vorzunehmen, auch bei der Auswahl der Bilder
hätte W. lieber auf mancherlei Unficheres verzichten und
nur abfolut geficherte Altertümer wiedergeben follen. So
werden diefe hübfehen Reproduktionen gewiß bei manchem
Intereffe erwecken, aber ich muß bezweifeln, ob der
Lefer durch diefes Schriftchen in die Lage verfetzt werden
wird, fich ein ungefähres Bild von den bearbeiteten
Gegenftänden zu machen. Für eine Neuauflage möchte

ich daher eine völlige Umarbeitung des Textes und eine
Sichtung des Bildermaterials empfehlen.

S. 5. Die Behauptung, daß die Sumerer im Ausgange des 5. vor-
chriftlichen Jahrtaufends in Ur die erfte politifche Organifation gefchaffen
haben, ift, was Zeit und Ort anbelangt, unbewiefen. — S. 7. Ob die
Hethiter fich im Wellen bis zu den Küften des Mittelmeeres ausdehnten,
ift recht unficher. — Überhaupt geht es nicht an, ,die Gefamtheit der
Völker, die als Träger der älteften einheimifchen kleinafiatifch-fyrifch-
nordmefopotamifchen Kultur' gelten, einfach als Hethiter zu bezeichnen.
Man wird fich fchon jetzt mit Erfolg bemühen können, zwifchen verfchiedenen
Völkern zu fcheiden. — S. 6. Daß die Stadt Affur von
Ganefch aus gegründet fei, ift unbewiefen. — S. 9. Daß die Lulubäer
und andere Zagrosftämme (Stele von Seripul und Scheich-chan) hethi-
tifch leien, erfcheint mir wenig plaufibcl. — Ib. Ramfcs II hat nicht
mit Schubiluliuma einen Vertrag abgefchloffen, der zu diefer Zeit längft
tot war, fondem mit Chattufil. — Ib. Nicht der König von Mitanni
hat das Chattircich überwältigt, fondern umgekehrt ift Mitanni von
Schubiluliuma in Abhängigkeit gebracht worden. — S. 12. Ob die
hethitifche Bilderfchrift ,bodenftändig' ift, wiffen wir nicht; fie könnte
ebenfo gut durch die ägyptifche Hieroglyphenfchrift beeinflußt fein. —
Ib. Daß die Keilfchrifttafeln des Staatsarchivs von den Hethitern felbft
,in finnlofer Wut zerbrochen' feien, ift nichts als reine Phantafie. —
S. 14!!. Die kurzen Bemerkungen über Menfchen-, Tier- und Ornamcnt-
darllellungen find zu dürftig und erfchöpfen den Gegenftand keineswegs
. — S. 17 fr. Bei dem Verzeichnis der Abbildungen fcheinen mir
viele, ohne jedes Fragezeichen gegebene chronologifche Anfätze unficher
zu fein. Warum foll z. Li. Nr. 3 um ein paar Jahrhunderte jünger als
Nr. 2 fein? Das müßte doch erft bewiefen werdenI —■ Daß Nr. 6 einen
Gott darftellt, ift auch nicht zweifellos. Jedenfalls müßte erklärt werden,
warum die Götter der Skulpturen von Jasyly-kjaja, die derfelben Gegend
und derfelben Zeit entflammen, ganz anders gekleidet find. Puchftein
hat bekanntlich die hier als Sonnengott angefprochene Figur als einen
König erklärt. — Nr. 19. Ob die Genien ,das Himmelsdach ftützen'
follen? — Nr. 34 enthält die Reproduktion einer von den Engländern
in Djerabis ausgegrabenen, aber noch nicht veröffentlichten Platte. —
Nr. 35. Das Bild zweier fchwertgegürteter Hofbeainter, deren einer
einen Jagdfalken trägt, erhält hier die Beifchrift: .Dienende Frauen'(!)
— Nr. 42. Eine Darftcllung des in der Kunft des Altertums fo bekannten
Motivs (vgl. Curtius, Stud. z. Gefchichte d. altorient. Kunst
I, 67.) zweier Ziegen- resp. Steinböcke, die an einem Strauch emporklettern
, wird hier erklärt : ,Gazellen(!), den Lebensbaum anfpringend'.

Berlin. Bruno Meißner.

Beer, Georg: Steinverehrung bei den Israeliten. Ein Beitrag
zur femitifchen und allgemeinen Religions-
gefchichte. (Schriften der Straßburger Wiffenfchaftl.
Gefellfch. in Heidelberg. Neue Folge, 4.Heft.) (22 S.)
Lex 8°. Berlin, Vereinigg. wiff. Verleger 1921. M. 6 —

Wer hätte gedacht, daß Beer den .Luftballon der
Religionsgefchichte' befteigen würde, vor deffen Fahrten
er einft fo eindringlich gewarnt hat? Nun kann man ihn
felbft als kühnen Piloten bewundern, der im Eilflug über
die Jahrtaufende dahinftürmt und die an feinen Augen
vorüberziehenden Bilder in ihren Hauptzügen deutet. Mag
man naturgemäß auch Vieles anders fehen, als er es fieht,
fo läßt man fich doch willig von ihm führen und begrüßt
die lieben, alten Bekannten mit immer neuer Freude.
Der überreiche Stoff ift gefchickt gegliedert: I. Die bib-
lifchen Berichte; II. Verbreitung der Steindenkmäler.
Einteilung nach Befchaffenheit und Verwendung; III. Das
religionsgefchichtliche Problem. Die Wurzeln des Steinkultus
. IV. Gefchichte der Steinverehrung in Israel. Das
dritte Kapitel ift für den Forfcher befonders anregend.
Anmerkungen und Literaturnachweise erhöhen denwiffen-
fchaftlichen Wert.

Berlin-Schlachtenfee. Hugo Greßmann.

Scott, Mclville, D. D.: The Mes8age Of Hosea. With Prefuce by
the Dean ol Lichfield. (VIII, 151 S.) 8». London, Society for Pro-
moting Christian Knowledge 1921. 8 sh 6 d

Der Kommentar ähnelt in der Anlage dem von Prockfch über
die vorexilifchen kleinen Propheten (Calw 1910). Teil II (the Message)
behandelt Kap. 4—14 des überlieferten Buches in 10 Sinnabfchnitten mit
charakterifierenden Überfchriften vor der Übcrfctzung. Den erften 3 Kapiteln
ift eine befondere Unterfuchung gewidmet (Teil I Kap. II und
III). Vf. glaubt durch Verletzung von 3, 1 - 5 hinter 1,9 und vor 2,
1 f. die innere hinheit von Kap. 1—3 retten zu können, hat aber unter-
laßen, die Identität der Geftalt der Gomer b. Diblajim mit der der
isäa (3,1) nachzuweifen. Schon daran fcheitert feine Exegefe von Kap.
2—3. Viel Fleiß hat Vf. auf die Widerlegung der radikalen Kritik,