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Ausgabe:

1922 Nr. 1

Spalte:

21-22

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Füllkrug, Gerhard (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Hefte zum Handbuch der Volksmission 1922

Rezensent:

Goltz, Eduard Alexander

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Seite 1

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21 Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 1. 22

dafür, wie fehr diefer Philologe trotz feines ,Bruno' von I Einen guten Beitrag zur kirchlichen Volkskunde zugleich mit

aller Philofophie Verlanen eewelen ift ! einem k,aftvollen Zeugnis für die Macht des Evangeliums gibt der im

tz-:„1 r & TT • c_v,_i, i Heimatdienftverlag erfchienene Vortrag von Ludwig Weichert: Kl

VlC1, neinncn ÖCnoiZ. dic Kirche überflüssig geworden? Er charakterifiert uns die

[ Entfremdung von Chriftentum oder Kirche in den vier Gruppen: die

Fritzich, Theodor: J. Fr. HerbartS Leben Und Lehre mit : Proletarier, die Intellektuellen, die fatte Bourgoifie, die entlchiedenen

bef. Berückfichtio-ung feiner ErziehungS- u. BildungS- . Chriften. Er deckt die Fehler auf, welche die Kirche bei der geiftigen

lehre rAna Noiw 11 GHftpswHr rfS RH fT?l S 1 Furforge für diefe Gruppen gemacht hat, und weift fo auf den Weg, wie

U ao'r ' • Vo z" -r- u m r Q k at avl das P^rfönlich lebendige Zeugnis von der Kraft des Evangeliums zum

Kl. X". Leipzig, B. G. Teublier 192 I. M. O.öO, geb. M. Ö.SO Heilmittel werden kann. Freilich bietet diefer Vortrag als Heilmittel

Dem Leben Herbarts find S. 5—26 gewidmet. Der nur-das innerlich lebendige perfönliche Zeugnis in Wort und Leben.

Reft entfällt auf die Darfteilung feiner Lehre, gegliedert Ich läge i«Wi weil damit erft die allgemeine innere Vorausfetzung für

in die Hauptabschnitte: Methaphyflk, Pfychologie, Äfthe- tlen,»*J« .kennzeichnet wird dagegen: die zweckmäßige Verfahrungs-

«41 r.fi 1 L t ,;, , 1 ■• '... 9,.', -i weile im einzeln nicht naher charakterifiert wird. Das ift ein Mangel,

tik, Ethik, Pädagogik. Der Abfchmtt über Pädagogik aber man kann in einem Vortrag nicht alles fagen _ wirfenfchafUich

llt am ausführlichften gehalten und zerfällt in die Unter- j betrachtet ift feine Charakteriftik der verfchiedenen Typen ein wertvoller
abfehnitte: Pfychologifche Pädagogik, Moralpädagogik, j Beitrag zur religiüfen Volkskunde.

Staat und Schule Kirche und Schule, Arbeitsfchule, Päd- ! Ein ähnliches Thema behandelt in Heft 2 der von G. Füllkrug

no-nml- d. Wir' r u a. ., i t/,„a iv» A,W TTor I herausgegebenen .Zeitfragen der inneren Million' J. Th om ä-Witten:

aeogfle als Wiflenfchaft und Kunft. Die Art der Dar- , Die A *be.t der Rir *he den Maflen, EJr behandelt das
ltellung ift flüffig, knapp ohne hölzern zu fein.

Was wir Heutigen aus Herbarts Lehre lernen können,
find nicht die einzelnen Sätze, mit denen er fein Syftem
aulbaute. In Bezug auf Tatfachen und Erklärungsverfuche
gilt es, der modernen Pfychologie zu folgen, die fich ge-
fah, von Grund auf neu zu bauen. Pietät-

Maffenproblem, 2. Die Mafienmethoden. So wertvoll feine Gedanken
und feine methodifchen Winke auch für den Praktiker find, fo ift es
mir doch gerade durch feine Ausführungen fraglich geworden, ob der
Begriff der .Mafien' nicht doch ein zu fliehender ift, um als Ausgangspunkt
für eine Frage nach dem zweckmäßigen Verfahren genommen zu
werden. Gerade feine (berfchau über die .Maffcnmethode', welche die
Evangelifation, die Apologetik, die Arbeit an der Schule und an der

volles Lefeil konftatiert wohl, daß vieles von den Gedanken i Preffe, die Wirkung durch Bild und Klang, die Liebesarbeit, die Sitte,
Herbarts auch in der heutigen Pfychologie noch lebt, daß , die Beziehung zur Berufsarbeit, die Berufsorpnifationen, die Mafien

anderes zu fruchtbarem Leben erweckt werden konnte:
nur muß der Anfänger und der Nichtfachmann fich hüten,
folchem Vergangenheitsdienfte das Mitgehen mit den Gedanken
der neuen Zeit zu opfern.

Ganz unabhängig hiervon gibt uns ein Uberblick über

zuftände, die Ausfüllung der Freizeit, das Führertum befpiicht, zeigt,
wie ungeheuer vielfeitig die Gefichtspunkte werden, wenn man ,dic
Maffe' als Objekt der Einwirkung faßt. Immerhin ift es zumal für dic
praktifche Arbeit wertvoll, wenn auch einmal diel'es Problem tiefei
durchdacht wird, wie es auch auf dem Kongreß für Innere Milfion in
Breslau durch D. Schian (1919) gefchah.

f j tt LtiT ,r.i,a„ T »kro Pin»n TfinHriir-lr Her Als Ergänzung zu dem bekannten .Handbuch für Volksmiffion'

das Ganze der Herbartfchen Lehre einen Lindruck, der gibt G> FÜUkrug feit I02O Einzelhefte heraus, von denen bisher fechs

erfchienen find. Ich kann fie hier nur kurz nennen:

1. Die Bedeutung der Volksmiffion für die Erweckung und Erneuerung
unferes Volkes von G. Füllkrug (wichtig für Gefchichte
und Begriffe der ,Ei Weckungsbewegungen').

2. Volksmiffion auf dem Lande, In Verbindung mit Clemen-
Zehlen, Sup. Arnold, P. Burckhardt-Bethel, P. Kaifer-Heidelberg,
Vikar Büttner von G. Füllkrug (mit vielen praktifchen Vor-
fchlägen für die Landpraxis).

Göttingen, Walter Baade,

Zur praktifchen kirchlichen Arbeit.

heute vielleicht befonders wertvoll ift und den das Bild
feines'Lebens und feiner Perfönlichkeit, wie Verf. es zeichnet
, unterftützt.

Es ift der Eindruck der Perfon eines machtvollen
Denkers mit einem gütigen Herzen: eines Mannes, welcher
das ganze Rüftzeug des Verftandes in den Dienft
der großen Menfchheitsziele ftellte; eines Mannes, deffen

Geiftesleben gleich fern war vom Verfinken in öden Ra- 1 3- Apologetlfch« Aufgaben der Gegenwart von P. joh.
tionah'smus wie von allen myftifchen Tendenzen. — Möge m?in^t*' t- », r 1 „ ..

V- 1 tvu tt u t ,„ i„u k 4. Wie fuhren wir die Menfchen zur Hellsgewißheit? von

das Büchlein dazu dienen, das Bild Herbarts uns leben- I ? p Holzel.

dig zu erhalten. 5. Die religiöfen Strömungen der Gegenwart und die

Evangelifation von P. Gerke.
6. Klare Fronten. Grundfätzliches und Praktifches zur Apologetik
des Evangeliums von Generalfuperintendent D. Wilh. Zoellner
(mit einer leider fehr einfeitigen Charakteriftik des .Idealismus'
verbunden).

Aufgaben und Kräfte der Kirche in der Gegenwart. Abhandlungen Die Hefte find in er(1er Linic m Anrcgung fül. praktifche Arbeit

D. Johannes BüchTel. Generalfuperintendent von Pommern, zum beftimmt, enthalten aber auch viele grundlätzliche Ausführungen, die
fiebzigften Geburtstage, 19. September 1919, dargebracht. Berlin 1919. von der praktifchen Teologie als WilTenfchaft nicht überfehen werden
Weichert, Ludwig: Ift die Kirche überflüssig geworden? Ein Vor- dürfen, und find daher auch unferen wiffenfcbaltlichen Seminaren zu

trag. (32 S.) kl. h». Berlin, Heimatdienft-Verl. (o. J.). M. — 75 ! empfehlen.
Thomä, J: Die Arbeit der Kirche an den Mallen. (Zeitfragen d. J Endlich noch ein kurzer Hinweis auf ein Büchlein — wohl das

Inneren Miffion, hrsg. v. G. Füllkrug, Heft 2.) (19 S.) 8°. Ham- ; letzte _ des ira vorigen Jahre verdorbenen Direklors des Rauhen
bürg, Agentur d. Rauhen Haufes 1920. M. 1.20 1 Haufes D. Martin Hennig: .Unfere Kirche, Tatbeweife ihres

Hefte zum Handbuch der Volksmiffion. Hrsgeg. v. Lic. Gerb. Fullkrug. , Lebens'- Es ift eine kürzere Neubearbeitung eines früher erfchienenen
I —IV. Schwerin, F.Bahn 1920. s Buches .Unfercr Kirche Herrlichkeit'. Es hat keine wiflenfchaftlichc

Hennig, D. Maitin: Untere Kirche. Tatbeweife ihres Lebens. (90 S.) | Bedeutung, aber es mag in weniger anfpruchsvollen Kreifen wohl ge-
kl. 8». Hamburg, Agentur d. Rauhen Haufes 1919. M. 2 — eignet {em^ die , ;ebe m evangelifchen Kirche zu ftärken. Freilich

Die dem inzwifchen verdorbenen Gencralfuperintendenten von ; wjrk, das Licht hier allcin ohne Schatten Es jft nur ihr Reichtum
Pommern zum 70. Geburtstage gewidmeten Auflatze berühren eine große Herrlichkeit' gefchildert. Das befchränkt den Gebrauchswert des

Reihe praktifcher Fragen, die von pommerfchen rheologen und von den Biicblcins für unfer fo kritifches Gefchlecht. Wer aber ungeftört durch
Söhnen D. Bücbfels befprochen werden. D. Job. Haußleiter hat auch Krit;k fich cinmai freUen will an den Lichtreiten unterer evangelifchen
eine exegetifche Arbeit über den urfprünglichen 1 ext und das richtige Kircfie, der findet hier eine hübfehe Zufammenftellung.
Verftändnis von Hebr. 2, 9 beigefteuert, Konrad Buchfei hat Schleier- Grcifswald. Ed. von der Goltz

machers .unvergängliches Gutachten über Mittel, dem Verfall der Re- _

ligion vorzubeugen', von I 803 wieder der erneuten Aufmerkfamkeit -—-----—-

empfohlen. D. Groeber befpricht die Begriffe Landeskirche, Volkskirche p . , MnHhi-i« <3 1- Knnfnffinnnl'« U«.HX.Ji

und Bekenntniskirche in trefflicher Weife und D. Meinholt-Barth ergänzt 1 c " man,1 Matthias, S. J.. KOnferjlOnelle VerftandigUlig.

diefe Ausführungen in feinem Beitrag .Volkskirche oder heiliger Reft'. (Hugfchnften der .Stimmen der Zeit', Heft 2l). (32 S.i

D. Matthes und Sup. Wegeli handeln über die theologifche Weiter- 8°. Freiburg, Herder & Co. 192O. M. I —

bildung der Kandidaten (Lebrvikariat und Pfarrer). D. Friedrich Büchfei \/je vie) wert wäre dauernder koilfeffioneller Friede

(Roftock) charakterifiert die fozialiftifchen Kirchenfreunde, Dr.iur Kwl ^ Deutfchland | Schon dies Jft erfreuKch daß darüber
Buchscl die Stellung zu den politifchcn Parteien, Ed. v. d Goltz die . . . , . , ' , ,:ui

Mitarbeit der evangelifchenFr.au an der kirchl. Neuordnung. P. Jaekel inwieweit und unter welchen Bedingungen er erreichbar

fpricht über die Aufgaben des Landpfarramts, Sup. Klar über die Privat- , ift, ein JeiUlt lieh mit dem Evangelifchen Bunde fo ruhig

beichte, deren Erneuerung in evangelifcher Form er befürwortet. Diefe auseinanderfetzt, wie es hier gefchieht. Man fleht freilich

Pberficht zeigt, daß die prakt. Theologie in dmfer Sammlung viele wert- zugleich die Schwierigkeiten. Auf .Achtung vor dem

volle grundfätzliche Erörterungen, aber auch bedeutfame praktifche Winke „,,j___n x^il h« a/t :„ _ r ii ,

findet. Die Tragweite diefer Auffätze ift freilich eingefchränkt durch , anderen I eil bei unvermeidlichen Memungsverfchieden-

die gebotene Kürze. heften und , Verzicht auf anerkannte Gefchicht.sfälfchungt n'