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Ausgabe:

1922 Nr. 1

Spalte:

392-393

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stanton, H. U. Weitbrecht

Titel/Untertitel:

The Teaching of the Qur‘an 1922

Rezensent:

Horst, Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 18/19.

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wo das in altaramäifchen Texten m. W. nie fehlende Alef einen Zufammenhang
mit arabifchem mar' immer noch mindeftens fo nahe legt. —
Von den Hetitern heißt es erft (S. 3), daß fie ftark mit arifchen
Elementen durchfetzt gewefen und darum wenigftens als Vermittler ari-
fcher Kultur anzufeheu feien; im folgenden wird dann alles Hetitifche
kurzweg den „Ariern" gutgefchrieben! Tatfächlich ift gegenwärtig, wo
die Boghazköi-Texte eben erft in größerem Umfang zugänglich gemacht
werden, hier noch alles im Fluß. Gegen Hroznys Thefe — das Hetitifche
eine indogermanifche Sprache — und feine Methode find gewichtige
Bedenken laut geworden; eine gewiffe Verwandtfchaft mit dem
Indogermanifchen ift immerhin wahrfcheinlich, über ihren Grad gehen
die Meinungen noch weit auseinander. Auch die Mitanni können nicht
in der Weife als „Brudervolk der Hetiter" (S. 27) bezeichnet werden,
daß was fich bei den einen findet, nun auch gleich für die andern gilt.
Es fei auch daran erinnert, wie E. Torrer (vgl. Mitt. d. Deutfchen Or.-
Gef. 61 (1921) 2off) in dem bisher als hetitifch bezeichneten Volke
nicht weniger als fünf verfchiedene Sprachen und Schichten unterfchei-
det. Etwas mehr Zurückhaltung und Vorficht wäre da dringend zu
wünfchen!

Beer tut überhaupt, wie wenn es im alten Vorderafien
nichts als „Semiten" und „Arier" gegeben hätte: was
nicht femitifch ift, wird arifch fein. Allein wie wenig
wiffen wir tatfächlich von Herkunft und Zugehörigkeit
des Völkergewimmels, das vor unferen Augen aus den
Denkmälern des zweiten Jahrtaufends erftehtl

Wenn bei den Höhlenfunden von Gefer und den Megalithen auch
fchon andere an Indogermanen gedacht haben, fo wird es damit nicht
richtiger. Was bei Gefer gegen „Semiten" fpricht (Leichenverbrennung
und kleine Statur), reicht doch nicht zur pofitiven Beftimmung aus;
vgl. auch Meinhold, Baudiffin-Feftfchrift 333fr. Und zum andern:
Rühren etwa auch die Steindenkmäler in Japan, Korea, Madagaskar,
Nordarabien und Afrika alle von „Indogermanen" her? Ich meinte,
Karge (Rephaim, 1917) hätte jene Theorie ein für allemal widerlegt und
den Zufammenhang diefer Steinkultur nicht mit einer beftimmten Raffe,
fondern ganz einfach mit den Bodenverhältniffen erwielen. — Nicht
einmal das läßt fich mit völliger Beftimmtheit fagen, daß Vorderafien
das Pferd den „Ariern" verdanke; ift es auch wahrfcheinlich aus Iran
nach Babylon gekommen, fo wiffen wir doch nicht, wann und durch
welche Völkerfchaft. Und fo gewiß es auffällig ift, daß das Hammu-
rabigefetz es nicht nennt, fo darf man nicht überfehen, daß es in drei
Urkunden derfelben Zeit erwähnt wird (vgl. Or. Lit. Ztg. 16, 541, Vorder-
afiat. Bibl. VI, S. 356). Die Frage nach einem allfälligen Zufammenhang
zwifchen sisü und afchva wurde übrigens fchon von Meißner, bei
V. Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere V911) 24, aufgeworfen. —
Recht überrafchend klingt, daß die „Arier" die Lehrmeifter der Semiten
im höhereu Kriegshandwerk wurden (S. 7). Warum nicht gleich die
Lehrmeifter der Sumerer, die ja Streitwagen, Helme und fchwere Waffen
bereits befaßen und — man denke an die ganz refpektable Phalanx
des Eannatum auf der Geierstele — auch fchon einiges vom Kriegswerk
verftanden? Bei Breasted-Rauke, worauf Beer zur Stütze feiner Behauptung
verweift, ift bloß vom Einfluß der Hykfos auf Ägypten die Rede;
kann, was von diefem gilt, fo ohne weiteres auf den getarnten vordeien
Orient ausgedehnt werden? Beffer hätte Beer auf Bd. Meyer § 455 ver-
wiefen, der ja auch fonft fein Hauptgewährsmann ift, fich aber meift
wefentlich vorfichtiger ausdrückt. Warum follen ferner die kanaanäifchen
Burgbauten „von arifchen Vorbildern beeinflußt" fein (S. 9), von denen
wir rein nichts wiffen, während der Zufammenhang mit der affyrifchcn
Bautechnik mit Händen zu greifen ift? Und warum das ifraelitifche Heer
„ganz nach arifcher Weife" eingeteilt (S. 7), wo diefelbe Einteilung
in Edom und Südarabien wiederkehrt und von Marco Polo auch im
fernen Mongolenreich angetroffen wurde?

Auch die ifraelitifche Religion ift nach Beer (S. 8ff.)
durch die „Arier" wefentlich beeinflußt. Von ihnen
(lamme das bei den Arabern nicht übliche Brandopfer,
in Zufammenhang damit die Himmelsgottheit — auch in
Ägypten und Babylon? fragen wir fchüchtern; M.Weber,
auf den Beer verweift, nennt doch nur vergleichsweife
indifche Götter! — ferner die Bezeichnung Jahwes als
Vater — vgl. dagegen die mit äb zufammengefetzten
theophoren-Namen im Hebräifchen und Babylonifchenl —
und felbft der Jahwe Zebaols, für den der im Grunde
doch fo friedliche Himmelvater Zeus das Vorbild abgegeben
haben foll. Mit dem „kriegerifchen Himmelsgott
bei den Ariern" ift Beer übrigens ein Mißgefchick pafflert.

Herodots Zsvg tktjoc, ift doch bloß die „interpretatio Graeca"
eines karifchen Gottes; Beer fcheint da den betreffenden Satz bei Eduard
Meyer gründlich mißverftanden zu haben I Für die Prophetie aber
hätte das „Ariertum" wenigftens die Rohmaterialien geliefert (S. 11 f.)
— wenn wirklich das Prophetentum nicht in Ifrael bodenftändig, fondern
erft von den Kanaanäern übernommen ift (was trotz Hölfcher noch
immer nicht als völlig ficher gelten kann) und wenn vor allem jenes
kleinafiatifche Prophentum gerade von „arifchen" Völkcrfchaften ausgegangen
ift, wofür Beer den Beweis fchuldig bleibt.

Kein Wunder, wenn Beer auf folchem Wege zum

Ergebnis kommt, daß die Bedeutung des Ariertums für
Ifrael dem Einfluß Babylons zum minderten die Wag-
fchale hält (S. 2). Demgegenüber ift es angebracht,
fleh einmal zu vergegenwärtigen, wo und wie weit fich
für die alte Zeit in Vorderafien mit Sicherheit arifche
Elemente feftftellen laffen: aus den Boghazköi-Texten
jene indoiranilchen Götternamen und die von P. Jenfen
entdeckten, von Beer überhaupt nicht erwähnten, indi-
fchen Zahlwörter (Sitzungsber. d. Preuß. Akademie d.
Wiffenfch. 1919, 3676.); aus den Amarnabriefen jene
wahrfcheinlich indoiranifch zu erklärenden Fürftennamen.
Das ift alles, und es geht nicht über die Mitte des zweiten
Jahrtaufends zurück. Dafür daß die arifchen Gruppen
fchon zu der uralten nichtfemitifchen Bevölkerung des
vorgefchichtlichen Paläftina gehören (S. 4), fpricht nichts.
Trotzdem ift die Bedeutung jener runde groß genug;
fie eröffnen ungeheure Perfpektiven, auch für das Alte
Teftament. Doch fchwierig wird es, fobald man im einzelnen
folchen Einfluß namhaft machen will.

Am eheften möchte man bei gewiffen Erzählungen einen derartigen
Zufammenhang annehmen. Beer nennt das falomonifche Urteil und
Jonas Abenteuer mit dem Fifch, für die indifche Herkunft fchon
länger wahrfcheinlich gemacht ift. Ich füge den Sündenfall und Poti-
phars Weib hinzu, wo beidemal der ifraelitifchen Form von allen Parallelen
die iranifche am nächften kommt. Doch beweift das Vorkommen
indifcher und iranifcher Erzählungen, die fo leicht und weithin reiften,
noch keine tiefgehende kulturelle Beeinfluffung. Weniger klar ift das
Verhältnis der ifraelitifchen zu griechifchen Sagen, wie es ja überhaupt
in der Sagen- und Märchenforfchung zum fchwierigften gehört, die Heimat
einer Erzählung oder eines Motivs feftzuftellen. Was den Götterberg
im Norden anbelangt, den Meinhold und Beer mit ähnlichen indoiranilchen
Vorftellungen zufammenbringen, fo leitet ihn die neuefte
L'nterfuchung über die Kosmographie der Inder (von W. Kirfel, 1920)
wieder aus Babylon her. Schwerwiegender wäre fchon ein Zufammenhang
zwifchen ifraelitifcher und indoiranifcher Eschatologie (vgl.
Greßmann, Eschatologie 2gof.), Eichrodt, Die Hoffnung des ewigen
Friedens im alten Ifrael (1920) 14t ff), ein Punkt, den Beer überhaupt
nicht berührt.

Alfo Weniges und wenig Sicheres I Anders wird es
erft in nachexilifcher Zeit, wo fleh die Anzeichen erft per-
fifchen, dann auch griechifchen Einfluffes häufen. Hier
kann man Beers nützlicher Zufammenftellung weithin zu-
ftimmen, hier ift er offenbar auch mehr zu Haufe. So
ergibt fich aber, was bei ihm viel zu wenig hervortritt,
daß eine ftärkere Beeinfluffung durch Völker indo-
germanifcher Sprache eben doch erft für das Judentum
anzunehmen ift. Für die frühere Zeit müffen wir
gewiß mit indoiranifchem Einfluß als einer wahrfchein-
lichen Komponente der kanaanäifch-ifraelitifchen Kultur
rechnen, ohne indes in der Lage zu fein, die Stärke diefer
Komponente genauer zu beftimmen; wir werden gut
tun, uns davon keine übertriebenen Vorftellungen zu
machen, wenigftens nach dem heutigen Stand der For-
fchung. Daß fie durch Beer viel gefördert fei, läßt fich
nicht behaupten.

Marburg. W. Baumgartner.

Stanton, H. U. Wertbrecht: The Teaching of the Qur'än-

(136 S.) 8°. London, S. P. C. K. 1919- 7 sh.

Das Buch ift aus Vorlefungen für Miffionskandidaten
entftanden und auch wefentlich für folche beftimmt;
ihnen foll es gegenüber dem Schriftgebrauch der traditionellen
islamifchen Dogmatik eine koranifche Theologie
geben. Neues wird felbft nicht gebracht, leider
fucht man andererfeits aber auch die Benutzung von
manch wertvollen modernen Arbeiten (Nöldeke-Schwally
ausgenommen) vergebens feftzuftellen. Im ganzen ift
das Buch ein Zettelkaften, der einmal als Subject Index
(S. 75—110) alphabetifch vorgeführt wird, ein andermal
vorher (S. 31—73) mit verbindendem Text ein System
der koranifchen Glaubenslehre darfteilen foll, u. zw. eingezwängt
in die Gliederung: 1.) Lehre von Gott, 2.) von
der Offenbarung (Engel, Schriften, Propheten), 3) vom
Gericht (Tod, Auferftehung, Gerichtstag, Paradies, Hölle,
Prädeftination), 4) von der Erlöfung (Menfchennatur,
Sünde, Erlösung, ihre Bedingungen und ihr Zuftande-