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Ausgabe:

1922 Nr. 1

Spalte:

366-367

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Beckh, Hermann

Titel/Untertitel:

Buddhismus. I./II. Teil. 2. Aufl 1922

Rezensent:

Titius, Arthur

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Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 16/17.

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liehen Tatfache, daß Petrus nach feiner Verleugnung und waren. Das Anerbieten des Petrus Mc. 9, 5 ift fo jüdifch
verzweifelten Flucht doch den Gekreuzigten am See Gene- fubaltern, daß es gar nicht von einem Späteren erfunden

zaret habe fehen und mit der anfteckenden Kraft diefer
feiner Erfahrung bald auch die andern Zwölfe zu Zeugen
gleicher Herrlichkeit habe machen können. In I Kor.
15, 3 ff. zerlegt H. die naQi'cöoOic, auf die fich Paulus beruft
, in 2 Hälften; eine uralte, die Chrifti Tod, Begräbnis,
Auferweckung und Erfcheinung vor Petrus und vor den
Zwölfen umfehloß, und eine Ipätere — erft von dem Heiden-
apoftel zu jenem aus der Urgemeinde mitgenommenen
Urbeftand hinzugefügte, natürlich auf uiy/erdächtige Behauptungen
der Beteiligten, wie auf fein eigenes Bewußtfein
gegründete, die von Erfcheinungen vor den 500
Brüdern, vor Jakobus, vor allen Apofteln, zuletzt vorSaulus
handelt. Gleich Holl identifiziert H. die Vifion der 500
Brüder mit der Pfingftgefchichte, aber wie er in der Vifion
vor allen Apofteln nur eine Dublette zu der vor den
Zwölfen zu erkennen vermag, fo fchließlich in der vor
Jakobus auch eine folche zu der vor Petrus. Ein unfterb-
liches Zeugnis für die Stärke und das Alter der Rivalität
zwifchen Petrus und Jakobus in Jerufalem, daß die Jako-
biten dem Führer der Gegenpartei eine Sondervifion nicht
gönnten; zwar brachten lie es nicht fertig, die des Petrus
vergeffen zu machen oder auch nur von dem ihr gebührenden
erften Platz zu verdrängen, aber für ihren
Meifter letzten fie alsbald auch eine Sondererfcheinung
und in deren Gefolge eine vor allen Apofteln — felbft-
verftändlich mit Jakobus als Haupt des Kreifes — durch.

Von dem reichen Inhalt der Studie find das dürftige
Umriffe; fie genügen uns, um die ungemeine Bedeutung
ahnen zu laffen, die für den Erforfcher der Gefchichte des
älteften Chriftentums die Annahme diefer Sätze haben
müßte: das Rätfei des Auferftehungsglaubens fcheint ge-
löft, indem Petrus 6 Tage nach feinem Meffias-Bekenntnis
von Caefarea Jefum fchon in himmlifcher Glorie gefchaut
hatte, und, lobald in feinem aufgeregten Herzen diefe

fein kann, es foll nun auch gleich für ihn charakteriftifch
fein; vgl. S. 75: ,Petrus war Vifionär' — obgleich das
eine doch erft mit der Verklärungsgefchichte belegt
werden kann und das andere an einer zwar von Zahn
empfohlenen aber, wie mir fcheint, wenig feinfühlio-en
Exegefe des xalövi q/iäq (böe elvai hängt, als läge der
Ton da auf dem vordringlichen jjztag und nicht deutlich!!
auf möe und eivai — Verweile doch, du bift fo fchön!
Einen Satz Ed. Meyer's: die Verklärung ift die letzte
Wurzel des Chriftentums, nennt v. H. monumental, obwohl
er ihn durch einen ganz anderen erfetzt; mir fcheint diefer
Satz der ungeheuerlichfte in dem an Überrafchungen,
gewiß auch höchft wertvollen, reichen Werk Meyers, er
grenzt ans Groteske.

Zu eigenem Nachdenken aber wird durch Harnacks
Studie der Lefer gezwungen, gerade wo er ihn zum Wider-
fpruche reizt, und ich perfönlich verdanke ihm außer dem
Genuß einer außergewöhnlichen Spannung edelften Stils
die Erkenntnis, die mir zwifchen feinen Zeilen aufgegangen
ift, daß wir keinen Grund haben, die Erfcheinungen Jefu
vor ,den' Frauen für fchlechter bezeugt als die vor Petrus
und Paulus zu halten; das Regifter, das Paulus I Kor. 15
führt, befchränkt fich grundfätzlich — ich fage nicht: auf
xrjQVxeq, aber — auf einwandfreie Perfönlichkeiten, denen
durch die Erfcheinung eine Art von Amtscharakter zuwuchs
; auf die Frauen wünfehte man fich im Kampf mit
den Ungläubigen nicht einmal zu berufen.

Marburg. Ad. Jülicher.

Oldenberg, Herrn.: Buddha, Sein Leben, feine Lehre,
feine Gemeinde. 7. Aufl. (VIII, 445 S.) gr. 8°. Stuttgart
, J. G. Cotta Nchf. 1920. M. 28 — ; geb. M. 37 —
Beckh, Prof. Dr. Hermann: Buddhismus. (Buddha und
feine Lehre.) I./1I. Teil. 2. Aufl. (Sammig. Göfchen.)
Erinnerung fich wieder heraufarbeiten konnte, erkennen : (je 142 S.) kl. 8IJ. Berlin, Vereinigg. wiffenfchaftl. Vermußte
, was der letzte Zweck jener Verklarung gewefen
war. — Und die Tübinger Anfchauung von dem fachlichen
Gegenfatz zwifchen gemäßigten und radikalen Judaiften
in der Urgemeinde überboten durch die Forderung eines
leidenfehaftlichen Kampfes der Perionen um die Macht,
eines Kampfes, der ohne Gelchichtsiällchungen fchon von
Anfang an nicht auskommen konntel Ich geftehe, daß
ich nicht überzeugt worden bin, weder bei I Kor. 15 noch
bei der Verklärung: ich kann die Skepfis dort, das Vertrauen
zur Gelchichtlichkeit hier mir nicht aneignen. Ein
glänzenderes Plaidoyer für eine kühne Konftruktion wird
lchwer aufzutreiben fein als man es hier findet, Kunft der
Dialektik und umfaffendftes Witten reichen fich die Hände,
und der Eindruck einer leidenfchaftslofen Unbefangenheit
des Anwalts fteigert noch den Eindruck. Dazu nicht
wenige treffende Bemerkungen in der Polemik. Ein Eingehen
auf Einzelheiten muß ich mir hier verfagen. Was
mich immer wieder an der Zuftimmung hindert, ift das

leger 1919/20. je M. 18-

üldenberg hat fein klaffifches Werk unverändert abdrucken
laffen. Einige Nachträge u. Berichtigungen find
S. 436—438 gegeben. Prinzipiell bedeutfam find nur
zwei: das ftarke Abrücken von R. O. Frankes Skepfis
bezüglich der Herftellung der Lehre Buddhas u. der ge-
fchichtlichen Nachrichten über feine Perfon; fodann feine
Beurteilung der von Beckh befonders Hark betonten Ver-
wandtfehaft des Buddhismus mit dem Yoya (f. u.).

Beckhs Darftellung, die in der Göfchenfchen Sammlung
an Stelle der fehr andersartigen von Hardy getreten
ift, unterfcheidet fich von der Oldenbergs zunächft äußerlich
dadurch, daß er die Buddhalegende in ihren Hauptzügen
mitteilt, die in der Tat „das, was der Buddhismus
in feinem innerften Wefen ift, in einer viel großartigeren,
unmittelbar zu unferem Verftändnis u. Gemüt fprechenden
Weife vor uns hinftellt, als dies bei den bloßen Lehrtexten
der Fall ift" (I 25). Verzichtet wird dagegen auf

Gefühl, daß die Texte hier •— zwar meifterlich, aber doch j die Darfteilung der buddhiftifchen Gemeindebildung, die
gegen ihr gutes Recht — auf die Folter gefpannt werden; [ einem befonderen Werk vorbehalten bleibt. Die Tren-
man will nichts unerklärt laffen, man verlangt von ein | nung des Hiftorifchen vom Mythifch-Myftifch-Legenda-
paar dünnen Überlieferuncren Erklärung für faft alles, man j rifchen erfcheint fchwierig oder unmöglich, indes hält er
nimmt jede Auslage, Redewendung, fogar jede Konjunktion t vielfach einen hiftorifchen Kern der Angaben für wahr-

fcheinlich; insbefondere hebt fich ihm aus den Texten
des Pali-Kanons ein Kern heraus, der deutlich den Stempel
einer beftimmten einheitlichen überragenden Perfön-
ichkeit trägt" (I 93). Das begrifflich-abftrakte Element,

in den ,heiligen' Texten wie von tiefen Abfichten diktiert
voller Auffchlüffe, gänzlich eindeutig und zieht aus harm-
lofen Bemerkungen die weittragendften Folgerungen. Die
Exegefe des Nicht — fondern herrfcht, als ob es keinen

Zufall gäbe; weil Paulus fagt, von den 500 Brüdern lebten ; das in den Lehi vortragen eine fo große Rolle fpielt

die Meiften noch, muß die Notiz aus einer Gemeinde
flammen, in der Buch geführt wurde; wenn der Apoftel
nach 4 ort.-Sätzen 3 Lritra-Sätze — abhängig von dem
gleichen na^iimxa — bringt, fo muß zwifchen 4 und 3
eine neue Quelle einletzen: das ovrcoq xt]qvooo/isv v. II,
bei dem er auf fich und die anderen Zeugen der Auf-
erftehung blickt, garantiert uns fchon, daß vorher, alfo

möchte er zwar nicht Buddha überhaupt abfprechen; aber
er betont gern das Poetifche u. Bildhafte der Texte u.
möchte auch die Einkleidung in Legenden u. Märchen
z. T. auf Buddha felbft zurückführen. Nicht um Theorien
u. Dogmen handelt es fich für diefen, fondern um die
Herbeiführung einer vollkommenen Wandlung des gefilmten
Denkens und Fühlens, um Erkenntnis freilich, aber

auch unter den 500, le liglich x^nvxeg aufgezählt worden ' eine praktifch wirkfame Erkenntnis, die für die üblichen