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Ausgabe:

1922 Nr. 13

Spalte:

301

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kehr, Paul

Titel/Untertitel:

Zur Geschichte Wiberts von Ravenna (Clemens III). I. u. II 1922

Rezensent:

Wenck, Karl

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Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 13.

302

So verdienftvoll aber auch die Abhandlung von Kr.
ift: eine deutliche Abgrenzung einer feften poetifchen
Kunftform des Hymnus von hymnenartigem Stil ift nicht
gegeben. Ift diele Grenze überhaupt eine fließende, fo
hätten doch die Merkmale zufammengeftellt werden müffen,
die Kunftpoefie und Kunftprofa unterfcheiden. Norden
hat dazu ja lehr wichtige Unterlagen gegeben, die Kr.
auch übernimmt; aber es bleibt eine Unbeftimmtheit, die
in der merkwürdig gewählten Gefamtbezeichnung (Hym-
nodik) fich ausdrückt. Auch der Maßftab für .Liturgi-
fches' oder nur .Privatpoefie' ift nicht klar. Aber fchon
die auf alle diefe Fragen hinweifende Gefamtüberfchau
Kr.'s ift von großem Wert und fei allen Forfchern als
Wegweifer zu weiteren Studien empfohlen. Hoffentlich
kann der Verfaffer bald die noch fehlende Fortfetzung
und den Abfchluß feiner Studie veröffentlichen.

Greifswald. Ed. von der Goltz.

Kehr, Paul: Zur Gerchtchte Wiberts von Ravenna (Clemens
III). I. u. II. (Sitzgsb. d. Pr. Ak. d. Wiff, philof.-hift.
Kl., '21. 19) (S. 355—368 u. 973—988). gr. 81 Berlin,
Ver. wiff. Verleger 1921. je M. 1.50

K. will verfuchen, das bei Sammlung der älteren
Papfturkunden neu gewonnene Material, das zu wenig
ausgenutzt wurde, felbft für einen kleinen Ausfchnitt in
unfer älteres Wiffen einzureihen.

Im Gegenfatz zu einer guten Einzelfchrift von Otto Köhncke,
Wibcrt von Ravenna (P. Clemcn III) Lpz. 1888 weift K. nach, daß
diefer Gegenpapft keineswegs auf das Machtgebiet Kaifer Heinrichs IV,
Deutfchland und Italien, befchränkt war, daß er vielmehr 1) eine Zeitlang
(1086/87) in England, wenn nicht formell, fo doch tatfächlich als
Papft anerkannt wurde auf Grund feiner Verhandlungen mit Erzbifchof
Eanfrank von Canterbury, 2) daß Ungarn 1092—95 zur Oboedienz
Wiberts gehörte, 3) daß fchon vorher auf Seiten Wiberts gegen Urban
II das ferbifche Reich ftand. Weitere von Kehr in den Archiven Ju-
goflavicns beabfichtigte Forfchungen werden dies letztere auf glücklichem
Fund einer Privilegienkopie vom 8. 1. 1089 beruhende Ergebnis näher
beleuchten und erhärten. — Abb. II. handelt über V iberts Stellung in
Rom auf Grund febr willkommener Erweiterung des ftadtrömifchen
Urkundcnmaterials. Wir fehen, daß von 1084—1089 Rom überwiegend
wibertinifch war, daß römifche Parteiung ihm fpäter noch vorüber
gehende Erfolge in der Stadt fchaffte. Über fein Kardinalskollegium
im Okt. 1009, elf Monate vor feinem Tode, gibt ein glücklicher Urkundenfund
K.'s Auskunft, der den Bericht Beno's beftätigt und den
intereffanteften Antigregorianer Hugo den Weißen, Kardbifch von Pa-
leftrina noch am Leben zeigt, während die von K. nicht beachtete
Greifswalder Differtation von Brhd. Gaffrey, Hugo der Weiße u.
dieOppofition im Kardinalskollegium gegen Papft Gregor VII
(1914), wo die Arbeiten Kehrs leider nicht beachtet lind, S. 86 das
Jahr 1098 als das wohl letzte Lebensjahr Hugo's bezeichnet hatte. Die
lichtvollen Ausführungen K.'s werden dankbare Lefer finden. Betreffs
der zahlenmäßigen Entwicklung des Kardinalkollegs berühren fie
fich S. 982 mit den ungefähr gleichzeitig erfchienenen Erörterungen
von Dr. In'geb. Schnack in der von mir angeregten Schrift, .Richard
von Cluny, feine Chronik und fein Klofter in den Anfängen
<lcr Kirchenfpaltung von I I 59, ein Beitrag zur Gefch. der
Anfchauungen von Kardinalkolleg undPapfttum im 12. und
'3- Jh. Blin 1921 (Hiftor. Studien-Ebering Heft 146) S. 98t.
Marburg. Karl Wenck.

Wels, Pfr. Paul: Gefchichte des Klofters Leubus und feine
Bedeutung für Schießen. Mit mehreren Abbildungen
(58 S.) 8°. Liegnitz, Verlag d. Beratungsftelle f. Heimatpflege
in Niederfchlefien 192I. M. 11—
Die Beratungsftelle für Heimatpflege in Niederfchlefien
will die Heimatforfchung u. Heimatliebe fördern
und gibt zu dem Zweck wiffenfehaftliche Studien zur
Heimatlehre heraus, deren erfte die vorliegende Brofchüre
'ft- Wenn auch nicht aus primären Quellen fchöpfend,
gibt der Verfaffer doch ein Bild der Gefchichte des Zi-
fterzienferklofters Leubus, das zeitweifc in Niederfchlefien
eine hervorragende Bedeutung hatte, von gut deutfehem
und katholifchem Standpunkte aus. Für den nicht in
Niederfchlefien Wohnenden ift das, was über die Or-
ganifation des Klofterbefitzesgefagt ift, am intereffanteften,
denn es zeigt die Art, wie die Kolonifation des kultur-
lofen Landes durch die Deutfchen vor fich ging. Der
Ortsnamen und fonftigen Einzelheiten find es faft zu viele.
Stuttgart. Ed. Lempp.

Janfen, Bernhard, S. J.: Die Erkenntnislehre Olivis. Auf

Grund der Quellen dargeftellt und gewürdigt. (XV,
125 S.) -8°. Berlin, F. Dümmler 1921. M. 35 —
Der der älteren Franziskanerfchule angehörende
Olivi ift von Ehrle der Vergeffenheit entriffen worden.
Janfen hat dann Jahre lang fich mit Olivi befchäftigt,
wird auch die opera philofophica Olivis veröffentlichen,
deren Druck dank der Unterftützung der Fransziskaner
von Quaracchi gut voranfehreitet. Olivi kennzeichnet im
allgemeinen, was für die ältere Franziskanerfchule cha-
rakteriftifch ift: der Rückgang auf Auguftin, der ftark
empirilche Zug — wie bei Roger Bacon und John Pec-
cham — und die leidenfehaftliche Abwehr der .Modernen
' d. h. der Ariftoteliker. Olivi lebt als Metaphyfiker
ganz im platonifchen mundus intelligibilis, vertritt einen
konfervativen Auguftinismus und fteht in fcharfer Kampf-
ftellung zu Thomas von Aquin. Ariftoteles kann er freilich
nicht ignorieren. Er kennt fich gut in ihm aus,
gibt aber feine Lehren häufig neuplatonifch gemodelt
wieder. Janfen meint aber doch, feftftellen zu dürfen,
daß auch bei Olivi jene Annäherung vom Auguftinimus
zum Ariftotelismus bemerkt werden kann, die verfchie-
denen jüngeren Mitgliedern der älteren Franziskanerfchule
, wie Richard von Middletown und Petrus Ange-
licus eigentümlich ift und die von Alexander von Haies
und Bonaventura zu Scotus führt. In Einzelheiten geht
Olivi eigene Wege. Nach Janfen ift er der erfte Scho-
laftiker, der die Bewegung im Gegenfatz zur hergebrachten
ariftotelifchen Anfchauung im Sinne des heutigen
Trägheits- und Kraftbegriffes erklärte. Für feine Erkenntnistheorie
ift bezeichnend die Ablehnung der immateriellen
species. Janfen lenkt mit Recht darauf die
Aufmerkfamkeit. Bisher hatten Occam und die Occa-
miften den Ruhm, die noch von dem großen Kritiker
Scotus für nötig erachtete Theorie von den fpecies als
überflüffig erwiefen zu haben. Die Speciestheorie hatte
die Frage beantworten follen, wie die Dinge der Außenwelt
, alfo etwas Körperliches, Inhalte unferes Bewußt-
feins werden können. Wenn nun fchon Olivi die Halt-
lofigkeit der Annahme von den immateriellen species
nachweift, fo liegt die Vermutung eines Zufammenhangs
der Occamiften mit Olivi nahe. Aber Olivis Schriften
haben wenig Verbreitung gefunden. Auch laffen feine
eigenen Ausführungen vermuten, daß feine Kritik der
species von anderen angeregt worden fein könnte. Hier
fteh en wir noch vor einem nicht aufgehellten hiftorifchen
Problem. Vielleicht entlchließt fich Janfen, auch diefer
Frage nachzugehen.

Tübingen. O. Scheel.

DerTch, Wilhelm: Ein Wanderbuch der Wallfahrtskirche in Grimmenthal
. (S. A. aus ,Henneberger Blätter herausg. vom Henneberg-
ifchen altcrtumsforfchenden Verein in Meiningen, 1921 Nr. 1—4.)
(16 S.) 40. Druck von Dr. L. Nonne's Erben (Druckerei der
Dorfzeitung) in Hildburghaufen.

Einträge aus den Jahren 1514—24 bef. 1520 haben protokollarifch
die durch ein wunderwirkendes Marienbild in einem Bildftock der Wallfahrtskirche
zu Grimmenthal bei Meiningen erfolgenden Gebetserhörungen
und die inl'olgcdeffen erfolgte Heilung von Krankheiten oder eingetretene
Hilfe in der Not verzeichnet. 1545 wurde das Marienbild, das
feit dem 15. Jht. Piigerfcharen aus weiter Ferne angezogen hatte, be-
feitigt. Das bei den Akten des 1547 eingerichteten Holpitals liegende bisher
gänzlich unbeachtete .Mirakelbuch', eine .eigenartige Quelle zur
Gefchichte der Wallfahrten, der Volksfrömmigkeit und Volkskunde
des ausgehenden Mittelalters', auf 45 Blättern in Quartgröße von ver-
fchiedenften Händen gefchrieben, ift von Archivar Willi. Derfch (Marburg
), der einige Jahre feine Tätigkeit der Ordnung des Hcnnebergifchen
Archives gewidmet hat, mit der ihm für Quellen verwandter Art eigenen
Verlrautheit herausgegeben und mit einer wertvollen bibliographifch
reichen Einleitung, mit Anmerkungen, Perfonen- und Ortsnamenverzeichnis
verfehen worden, eine fehr dankenswerte Veröffentlichung.
Marburg. Karl Wenck.

Wagner, Pfarrer Dr. R. E.: Der Bielitzer Zion in den Predigten
feiner Pa.toren. 1782—1921. (411 S., 19 Bilder
und 1 Stadtplan.) Bielitz, W. Fröhlich (Adolf Hohn)
192 l M. 30 —