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Ausgabe:

1922 Nr. 11

Spalte:

251-252

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Die Regel des heiligen Benedikt, übersetzt von Pius Bihlmeyer 1922

Rezensent:

Lempp, Eduard

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Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 11.

252

lieh die Förderung religionsgefchichtlicher Erkenntnis im
ftreng wiffenfchaftlichen Sinn, fondern die Widerlegung
eines auf oberflächliche Religionsvergleichung begründeten
Zweifels an der Originalität und Wahrheit des Chri-
ftentums im Auge. Die Mithrasreligion wird nur darge-
ftellt, um an den Hauptpunkten — Urfprung, Kultur,
Ethik, Unfterblichkeitsglaube — die Ähnlichkeiten mit
dem Chriftentum als zufällig, äußerlich und geringfügig
gegenüber den wefentlichen, inneren, durchgreifenden
Verfchiedenheiten zu erweifen. Dabei wird allerdings
mit dem, wefentlich nach Cumont und Dieterich, gezeichneten
Bild des Mithraskultus (für deffen Kenntnis
Neues, foviel ich fehe, nicht abfällt) nicht das gleichzeitige
gefchichtliche Chriftentum, fondern ein aus den Evangelien
abftrahiertes, fehr vereinfachtes Idealchriftentum,
das als Ziel der religiöfen Gefamtentwicklung der Menfch-
heit aufgefaßt wird, verglichen, fo daß zwar nicht die
Selbftändigkeit, Eigenart und Überlegenheit des Chriften-
tums, wohl aber der dafür geführte Beweis nicht unanfechtbar
erfcheint.

Breslau. H. v. Soden.

Martin, Edward J., B. D.: The Emperor Julian. An essay
on his relations with the Christian Religion. (Studies
in Church History.) (128 S.) 8°. London, Soc. for
Promoting Chriftian Knowledge 1919. s. 3/6

Der Verfaffer löft mit guter Schulung die reizvolle
Aufgabe, für einen größeren Kreis von Gebildeten feiner
Sprache dem Kampf des romantifchen Kaiferphilofophen
gegen das Chriftentum, das fein unromantifcher und un-
philofophifcher Oheim Konftantin zur Staatsreligion gemacht
hatte, zu zeichnen. Er nimmt dabei felbft nicht
in Anfpruch, Neues zu fagen, fchöpft aber aus den
Quellen. Auf Kontroverfen etwa in Echtheits-, textkriti-
fchen und Interpretationsfragen einzugehen, lag natürlich
außerhalb feiner Aufgabe. So kommt das Büchlein, an
fleh eine forgfältige und wohlgelungene Arbeit, für deutfehe
Lefer kaum in Betracht. Eine Society for promoting
Christian knowledge wie fie neben folchen Darftellungen
Überfetzungen wichtiger religions- und kirchengefchicht-
licher Quellen zu billigen Preifen verbreitet, wäre auch
in unferem Lande erwünfeht.

Breslau. H. v. Soden. ,

S. Benedicti Regula Monachorum, hrsgeg. u. philologifch erklärt
v. Benno Linderbauer, O. S. B. (440 S.) gr. 8°.
Metten, Verlag des Benediktinerftifts 1922.

M. 45 -

Die Regel des heiligen Benedikt, überfetzt von P. Pius Bihl-
meyer, O. S. B. Kunftverlag Beuron 1916.
Man kann zweifeln, ob das Werk Linderbauers in
einer theologifchen Zeitfchrift angezeigt gehört, denn es
ift eine rein philologifche Arbeit. Der Verfaffer fagt
felbft im Vorwort, er wolle ausfchließlich das fprach-
wiffenfchaftliche Verftändnis der Regel vermitteln, weshalb
alles, was in das Gebiet der Sacherklärung gehört,
vollftändig ausgefchloffen worden fei, und er fchreibe
nur für Benediktinermönche und für Philologen. Aber
es ift doch für alle Theologen, die über die Regel Benedikts
fleh näher unterrichten oder arbeiten wollen, von
höchftem Wert, hier einen mit gründlichfter Gelehrfam-
keit und philologifcher Akribie hergeftellten Text und
philologifchen Kommentar zu haben, der uns eine durchaus
zuverläffige Grundlage bietet. In der Einleitung des
Buchs und in der zum Kommentar und wieder im
Rückblick wird eine Gefchichte der Handfchriften und
^Ausgaben fowie eine zufammenfaffende Darlegung der
fprachlichen Befonderheiten diefes wichtigen fpätlatei-
nifchen Schriftdenkmals gegeben. Das Ganze ift ein
Werk, das in feiner wiffenfchaftlichen Gründlichkeit den
beften Traditionen des Benediktinerordens entfpricht und
Ehre macht.

Bihlmeyer bietet in kleinem Tafchenformat, aber gutem

Druck und Papier eine deutfehe Überfetzung der Regel,
die auf der S. Galler Handfchrift beruht und fleh flüffig
und gut lieft. Außer Bibelftellen und den Daten für die
vorgefchriebene Lefung, fowie einer kurzen Vorrede, ift
nichts zum Text hinzugefügt.

Stuttgart. Ed. L e m p p.

Fioretti di San Francesco. (Pandora Nr. 51.) (78 S.)
kl. 8°. Leipzig, Jnfel-Verlag 1921. M. 5 —

Wer fleh in die innere Welt des Heiligen von Affin
und feiner echten Jünger verfetzen will, wird immer gern
zu den Fioretti greifen. Man wird da wohl den Eindruck
bekommen, den der Herausgeber am Schluß aus-
fpricht: nie ift die Welt mit fo fröhlichen und offenen
Augen angefchaut worden als damals. Das Büchlein der
Pandorafammlung bietet uns in der bekannten hübfehen
Ausftattung nur denText der Fioretti ohne jede Erklärung
oder Anmerkung, aber er wirkt fo faft am unmittel-
barften. Nur das Speculum perfectionis bietet auch
für die Einfühlung in jene Zeit noch mehr.

Stuttgart. Ed. Lempp.

Franziskanifche Studien. Quartalfchrift. 8. Jahrg.
(1921), 1. Heft (108 S.) gr. 8». Münfter i. W.,
Afchendorff. Einzelheft M. 4—, Jahrg. M. 12 —

Diefe fchon im 8. Jahrgang flehende Zeitfchrift
braucht keine Empfehlung, fie will den Einfluß des
Franziskanertums auf das Geiftesleben der Vergangenheit
und die innere und äußere Gefchichte der Stiftungen
des hl. Franziskus befonders im deutfehen Sprachgebiet
erforfchen. Das vorliegende Heft enthält Auf-
fätze von Eubel über die Minoritenniederlaffung in
Würzburg, von Polfter über Wilhelm von Vorillon, von
Buchwald über die Ars praedicandi des Chriftian Borgsleben
, von Cartels über Klöfter und Zünfte in Mainz,
alles ftreng wiffenfehaftliche Arbeiten, die nicht nur das
rein lokale Intereffe in Anfpruch nehmen, fondern Fragen
von allgemeiner Bedeutung ins Auge faffen. Befonders
wertvoll ift am Schluß noch die Bücherfchau.
Stuttgart. Ed. Lempp.

Franciscana, continuation de la Neerlandia Franciscana
1921 Heft 1—4. Iseghem.

Im Vorwort ift gefagt, warum der Name der fchon
wiederholt in der Theol.-Lit.-Ztg. befprochenen doppel-
fprachigen Zeitfchrift geändert wurde, weil nämlich der
frühere Titel die Meinung hervorgerufen habe, es werden
hier nur Dinge von lokaler und provinzieller Bedeutung
befprochen, während die Herausgeber fowohl die
großen Fragen der allgemeinen Franziskanergefchichte
als die fpeziellen der nördlichen Länder behandeln
wollen. Aber freilich eine Änderung des Namens allein
genügt zu diefem Zweck doch nicht. In dem vorliegenden
Jahrgang ift außer einem Auffatz über den Urfprung
des 3. Ordens kaum eine Abhandlung, die allgemeines
Intereffe beanfpruchen könnte, am eheften noch eine
Befprechung neuerer Arbeiten über die hl. Klara, im
übrigen find die Hefte, wie die der früheren Jahrgänge
gefüllt mit Auffätzen über einzelne Klöfter und Per-
fonen von rein lokaler, höchftens provinzieller Bedeutung
.

Stuttgart. Ed. Lempp.

Grabmann, Prof. Dr. Martin: Die Philofophie des Mittelalters
. (Gefchichte der Philofophie III. Sammlung
Göfchen No. 826) (122 S.) kl. 8°. Berlin, Vereinigung
wiff. Verleger 1921. M. 6 —

In diefem Bändchen ift in meifterhafter Kürze der gegenwärtige
Stand der Erkenntnis der mittelalterlichen Philofophie
zufammengefaßt. Der Verf. geht aus von Auguftin
u. der arabifchen u. jüdifchen Philofophie, entwickelt fo-
dann die allgemeinen Charakterzüge der fcholaftifchen
Philofophie, ftellt darauf in Kürze die Entwicklung von