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Ausgabe:

1922 Nr. 9

Spalte:

189

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eucken, Rudolf

Titel/Untertitel:

Das Lebensproblem in China und in Europa 1922

Rezensent:

Haas, Hans

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Seite 1

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189 Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 9.

190

inifchenden, Polemik gegen Rickert und feine Schule Oettli noch einmal auf S. 70, wenn aber Oettli im Geo-en-
möchte ich lieber fchweigen. | fatz zu Delitzfch behauptet, daß die babylonifchen Göt-

Was die Sprache Schelers in dem Buch angeht, fo ift fie, wie ! ter keineswegs allgegenwärtig und allwiffend waren fo
immer klar und durchr,chtig .ia glänzend. Bloß daß der Lefer - ;bt das DeL Anlaß zu der KJ w , h ^

und das ift felbftverftandhch nicht zufällig, fondern hangt mit der ö , TT n. a 'O- i j • u ,ululucl

phänomenologifchen Philofophie zufammen — ermüdet und geradezu , unventana 11t immer und immer wieder an den

erdrückt wird durch die ftetige Wiederkehr von Ausdrücken wie ,We- 1 Behauptungen der alttertamentuchen Theologen zu rügen,
fen, Wefensfchau, Wefenserkenntnis, Welensidee, Wefensart, Wefensbe- j Höchft bezeichnend ift feine Begründung: allgegenwärtig'
ftand, Wefensontik.Wefenszufammenhang.Wefensfphäre, Wefenskriterimn, unci allwiffend ift, wie Oettli behauptet dlefer Tahve
Wefcnsattribut. Wefenstypen, Wefensalternative, Wefensverfchiedenheit, keineswegs denn er muß fich nerfönlich 'zu ftil - f
Wel'ensdurchdringung, Wefensphänomenologie, wefenhaft, wefensmäßig, u ti Si ht- » . lleam aut-

wefensnotwendig, wefensgefetzlich, wefensmöglich - und das find machen, um zu erfahren, wo die Manner feien, die bei
durchaus nicht alle vorkommenden analogen Wortbildungen Noch diefem gaftliche Aufnahme gefunden haben. Die Auseine
Kleinigkeit auf die Gefahr hin dem Krokylegmus zu verfallen: ftattung des Vortrags, namentlich was die Abbildungen
wenn einmal fremde Wendungen gebracht werden follen, ift es dann , anseht, ift muftergilti°".

nicht fprachlich richtiger von dem Desordre du coeur ftatt von ,der Leiozip" W M t-

Desordre' zu reden? P &• VV. JNOWack.

Gießen- E- W> Mayen König, Eduard: Wie weit hat Delitzfch Recht? Beant-

-----—- wortet durch kritifche Beleuchtung des zweiten Teils

Das Lebensproblem in China und in Europa von Rudolf von Delitzfchs ,Die große Täufchung'. (39 S.) °t. 8°.
Eucken und Carsun Chang. (VIII, 200 S.) kl. 8°. Leipzig, Berlin, Schwetschke & Sohn 1921. hl 3.60

Quelle & Meyer. Geb. M. 30— Dem zweiten Teil von Delitzfchs ,großer Täufchung'

EineKonfultation. China, der Patient, läßt von Rudolf j hat der unermüdliche Ed. König fehr bald feine Wider-
Eucken, dem europäifchen Doktor, fich auskultieren und legung folgen laffen; ich fürchte freilich, daß der Erfolg
den Puls befühlen. Befund: Die Krankheit nicht zum kein andrer fein wird wie bisher: König erkennt nicht,
Tode. Die inneren Organe in Ordnung. Zu ernfteren I daß trotz aller fchiefen, übertriebenen und unbilligen

Belorgniffen jedenfalls kein Anlaß. Immerhin--? — Urteile von Delitzfch doch in diefer Kritik berechtigte

Verordnung: Mehr Bewegung! Und dann vor allem: Momente vorliegen, ohne die die Publikationen von De-
Frifche Luft! Die Eenfter auf! Eine Sommerfrifche! j litzfeh einen folchen Erfolg nicht haben würden, und De-
Zu fuchen am heften im deutfehen philofophifchen Idea- 1 litzfeh ift offenbar durch den Kampf zu verbittert, um

IismusI — Das etwa würde der Philofoph von Jena in
den Vorträgen gefagt haben, die er, nach China eingeladen
, dort der Intelligenz zu halten gehabt hätte. Statt
feiner geht nun Driefch. Was aber er auf dem Herzen
hat im Hinblick auf die Kultur des alten Reichs der

mit Ruhe die Gründe der Gegner "würdigen zu können
und Pofitionen aufzugeben, die dadurch nicht ftärker
werden, daß fie immer von neuem wiederholt werden:
ich denke hier z. B. an Delitzfch's Ausführungen über
das Verhältnis Jefu zum Alten Teftement und feinen

Mitte, deffen entledigt er fich in diefem kleinen Quelle > Beweis, daß feine Eltern gar keine Juden gewefen find,
& Meyer-Bändchen, mit dem es darauf abgefehen ift, j ebenfo an die über das Verhältnis des Chriftentums
den auf eine engere Verbindung von Offen und Werten j zum A. T.

gerichteten Beftrebungen Sukkurs zu leiften. Ein gebil- K. beginnt mit einleitenden Erörterungen wefentlich

deter Chinefe, Profeffor des Völkerrechts an der Pekinger j formeller Art, die fich mit den von D. angewendeten

Univerfität, bietet den Reflexionen des deutfehen Denkers
in einer mitabgedruckten Skizze der gefchichtlichen Entwicklung
der Ethik in China die Unterlage, und zwar die
einzige Unterlage. Das Ganze bezeichnet fich felbft als
eine .Lebenslehre für Chinefen'.
Leipzig. H. Haas.

Delitzich, Friedrich: Babel und Bibel. Vortrag, gehalten
am 13. Januar 1902. Neu bearbeitete Ausgabe,
61.—63. Taufend. Mit 59 Abbildgn. (80 S. und 2
Taf.) 8°. Leipzig, J. C. Hinrichs 1921.

M. 16—; geb. M. 32.50
Die Neubearbeitung diefes 1902 gehaltenen Vortrages
, der inzwifchen in mehr denn 60000 Exemplaren
Verbreitung gefunden hat, befteht im Wefentlichen in

Vorausfetzungen und Methoden befchäftigen, und fchließt
daran Erörterungen über die Ausfprache des Gottesnamens
Jhvh. Den eigentlichen Kern der Arbeit bilden
die religionsgefchichtlichen Probleme: K. handelt hier
über das Verhältnis des Gottes der prophet. Religion
zum Weltengott, über Delitzfch's Urteil über die alttefta-
mentliche Prophetie, über den religiös-fittlichen Gehalt
der Pfalmen nach D. und endlich über die religionsge-
fchichtliche Stellung Jefu nach der Anfchauung von D.
Wie ein gefchickter und fleißiger Anwalt hat K. jede
irgendwie anfechtbare Äußerung von Delitzfch angemerkt
und verwertet; fo wird der Lefer durch unzähliges
Detail ermüdet, die großen entfeheidenden Fragen werden
durch Minutien erdrückt und die Probleme, um die
es fich wirklich handelt, treten dem Lefer nicht mit der
wünfehenswerten Klarheit entgegen. Ich verweife nur
Vermehrung der Abbildungen und in Hinzufügung zahl- j auf die Ausführungen über den Weltengott: von dem
reicher Anmerkungen S. 53—80, die dem Lefer die j erften Kap. an trete die Gleichheit des Weltengottes, der fich
Möglichkeit geben, fich über die einzelnen Prägen ge- ! Abraham, Mofes und den ihm gleichendem Propheten
»auer zu orientieren als es durch den Vortrag möglich enthüllt habe, für jeden erkennbar deutlich hervor. Daß
^ Unter de n neuen Abbildungen verdienen befondere ; K. mit all feinen Ausführungen hier an D. vorbeiredet,
Beachtung 52.53 die Köpfe vornehmer Sumerer und daß damit folche Fragen nicht entfehieden werden, indem
Sumererinnen, 56.57 der Gefetzesblock Hammurabis und man einzelne Stellen zitiert, daß vielmehr jede einzelne
die Abbildungen der emaillirten Ziegelreliefs aus Baby- j nicht bloß nach dem Wortlaut, fondern auch gefchicht-
lon von dem Wildochs und dem Drachen von Babel, lieh gewertet fein will, das erkennt K. anfeheinend nicht,
Nennenswerte Änderungen an dem Text des Vortrags gerade hier liegt die wefentliche Differenz zwifchen ihm
"öd nicht vorgenommen. Eine Nüance der Auffaffung j und feinem Gegner. Erfreulich wäre es, wenn diefe
deutet das diesmal fich findende Fragezeichen bei dem ; durch D. hervorgerufene Kämpfe um das A. T. den be-
Sündenfall in babylon. Darfteilung Abbild. 42 an, das ; rufenen Pflegern des chriftl. Lebens es zum Bewußtfein
leider bei dem Tontäfelchen mit dem Jaho-Namen fehlt, ; brachten, daß hier Probleme von entfeheidender Wichtig-
wc- es vielleicht noch gerechtfertiger gewefen wäre. Ge- 1 keit vorliegen, die man nicht totfehweigen kann, die um
ftliadet hätte es auch der Sache nicht, wenn D. feine 1 fo mehr Beachtung fordern, als ohne ihre Löfung
Animofität gegen die altteftamentlichen Theologen — die Frage des Religionsunterrichts in der Schule nicht
nicht um ihretwillen - unterdrückt hätte: Del. zitiert j zu löfen ift.

Zwar S. 68 f. Oettli und Furrer mit Zuftimmung, ebenfo Leipzig. W. Nowack